Jemand fällt und spricht zugleich, redet, singt, schwadroniert. Seine Lage ist riskant: Es ist ein Ich ohne Geschichte, ohne Zivilstand, das dennoch versucht, mit äußerster Genauigkeit und Intensität dem gerecht zu werden, was ihm zustößt und zugestoßen ist. Im Fallen reihen sich rasende Bilderfluchten eines Lebens aneinander, die in Echtzeit vor unseren Augen vorüberziehen. Und so entsteht die poetische Aneignung eines Lebens, ein parodierter Gesang. Von ferne grüßen, abgrundtief traurig und zum Totlachen, Lewis Carrolls Alice und Samuel Becketts Namenloser.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 11.07.2013
Für Samuel Moser macht dieser Autor ernst. Erfrischend, aber auch fordernd erscheint das Debüt von Julien Maret dem Rezensenten, weil es "beim Schreiben" beginnt, also am Anfang. Von dort geht es laut Moser fallend abwärts, bildhaft poetisch, meditativ analytisch, Sprache zertrümmernd. Respekt vor dem Übersetzer Christoph Roeber hat Moser und Lob für einen Autor, der ihm die Ausweglosigkeit des Ich im Text in wunderbaren "Verschlaufungen" vorführt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.07.2013
Staunend, taumelnd und sehr beglückt kommt Jonas Hess nach der Lektüre dieses, was er kaum glauben mag, literarischen Debüts daher - wie passend, dass der Ich-Erzähler in diesem Roman anfangs und zum Ende im Fallen begriffen ist. Ein offenbar sehr dynamisches Buch hat der Rezensent gelesen, der von rigorosen philosophischen Meditationen genauso berichtet wie von völlig freien Sessions, in denen sich die Metaphern überschlagen und überall Neologismen aufblühen: Wahrlich ein dichter stream of consciousness, stellt Hess fest, der sich kopfüber in diesen "Sturzbach des Bewusstseins" stürzt, um sich darin im schwebenden Zustand an Auflösung von Bedeutung und Syntax zu laben. Leicht zu haben ist dieses vielfältig interpretierbare, im übrigen auch hervorragend übersetzte Buch bei aller poetischen Glätte zwar nicht, unterstreicht der Rezensent, doch lohnt es unbedingt, sich diesem offenen sprachlichen Experiment, das gerade nicht auf Beliebigkeit setzt, genussvoll auszuliefern.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…