Joachim Lottmann (Hg.)

Kanaksta

Geschichten von deutschen und anderen Ausländern
Cover: Kanaksta
Quadriga Verlag, Weinh. 1999
ISBN 9783886793334
gebunden, 208 Seiten, 14,32 EUR

Klappentext

Die zweite und dritte Einwanderergeneration bläst zum Angriff: Brillante Köpfe, ausdrucksstark und im Denken in mehreren Kulturen geübt. Darunter Selim Özdogan, Ilija Trojanow, Zehra Cirak, aber auch "lupenreine" Deutsche wie Tanja Dückers oder Joseph von Westfalen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.10.1999

In einer Doppelbesprechung rezensiert Daniel Bax zwei Bücher mit Erzählungen junger deutscher bzw. ausländischer Autoren. Beide schneiden allerdings bei ihm nicht besonders gut ab.
1) Christian Kracht (Hg,): "Mesopotamia. Ernste Geschichten am Ende des Jahrtausends"
Bax zeigt sich spürbar genervt und auch gelangweilt von diesem Buch. Vor allem "eitle Selbstreferenz" ist seiner Ansicht nach in diesem Band ziemlich präsent. So wundert es nicht, wenn er feststellt, dass die Erzählungen nur dann einigermaßen präzise ausfallen, wenn es einen Ich-Erzähler gibt. Schwierigkeiten treten vor allem immer dann auf, wenn es gilt, sich in die Rolle einer anderen Figur hineinzudenken. Mindestens ebenso schwer wiegt für Bax die vorherrschende "selbstverliebte Dekadenz und (der) blasierte Zynismus". Man hat einen Zweitwohnsitz in Bangkok, ein "von" im Nachnamen und die Geschichten spielen in Davos oder auf Sri Lanka. "Die Hölle, das sind die anderen, so die Attitüde", stellt Bax fest. Das wär wohl alles halb so schlimm, wenn die Texte gut wären. Aber manches klingt, wie er feststellt, eher wie von Konsalik. Nur zwei Texte hebt er als verhältnismäßig gelungen hervor. In einem erzählt Stuckrad-Barre "so unprätentiös wie es ihm möglich ist" von einem Sommerjob, im anderen Elke Naters von einer "gruppendynmischen Urlaubsneurose".
2) Joachim Lottmann (Hg.): "Kanaksta. Geschichten von deutschen und anderen Ausländern".
Hier ist eine Gelegenheit vertan worden, meint Bax. Anstatt junge ausländische Autoren zu Wort kommen zu lassen, die wirklich etwas zu sagen haben, habe der Herausgeber offensichtlich bei der Auswahl das "Poesiealbum-Prinzip" verfolgt: "Jeder darf mal". Das ist aber nicht das Schlimmste: Bax macht - von einigen Ausnahmen abgesehen - eine erhebliche Ansammlung von "Selbstmitleid, Selbstbefragung und altbackenen Reflexionen über kulturelle Unterschiede" aus. Und weil man offensichtlich nicht genügend ausländische Autoren zusammen bekommen hat, kommen auch noch ein paar "Abiturdeutsche" zu Wort, so Bax. "Vor dieser Kanakenbewegung braucht jedenfalls niemand Angst zu haben", stellt der Rezensent fast mit Bedauern fest.
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