Klappentext
Aus dem Französischen von Steven Wyss. Haiti in den 1950er Jahren. Jean-Raoul ist sechs Jahre alt - dann zerbricht jäh seine unbeschwerte Kindheit. Bei einem brutalen Überfall der paramilitärischen Garden des Diktators François Duvalier werden seine Eltern getötet. Ein Freund der Familie rettet den Jungen in die Schweiz, wo ein ihm völlig unbekanntes, erschreckendes Leben beginnt. Er vermisst seine geliebte Mutter und fühlt sich fremd in einer Welt, die nicht seine eigene ist. Das Aufwachsen im Milieu des begüterten Basler Bürgertums ist von Angst und Einsamkeit geprägt. Eisiges Schweigen herrscht über die Ereignisse in Haiti. Im Haus Schöneck in der Basler Altstadt ist Jean-Raoul der grenzenlosen, verwöhnenden Liebe seines Beschützers ausgeliefert. Er wird als dem Judentum zugehörig erzogen, mit humanistischen Bildungsinhalten überschüttet und zu sportlichen Aktivitäten genötigt. Sein seelisches Trauma, das tiefempfundene Dilemma in der verzweifelten Suche nach der eigenen Identität und einer kulturellen Heimat, prägt seine Entwicklung. Allmählich gelingt es ihm, dem alltäglichen Rassismus mit bissigem Humor zu begegnen und der übergriffigen Beziehung standzuhalten, um unabhängig eigene Ziele zu verfolgen.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.09.2026
Wenig gute Haare lässt Rezensent Hans Christoph Buch an Jean-Raoul Austin de Drouillards autobiographischem Roman. Douillard erzählt von einem bewegten Leben, zunächst in seiner haitianischen Heimat - er entstammt der Oberschicht, hält sich aber für den Nachfahren einer von europäischen Kolonisatoren ausgerotteten indigenen Volksgruppe. Leider wimmelt es im Buch nur so von Klischees, etwa wenn die Truppen des Diktators "Papa Doc" Duvallier, die Familienangehörige des Erzählers ermorden, geschildert werden, als wären sie einem B-Movie entsprungen. Etwas besser kommt bei Buch die zweite Hälfte des Romans weg, sie spielt zunächst in der Schweiz, wo Douillard nach der Flucht aus Haiti aufwächst, später lebt er in Paris und in Deutschland, wo er wiederum die Bekanntschaft von RAF-Terroristen macht. Dass Drouillard Andreas Baader tatsächlich ein "sanftes, großherziges und romantisches Wesen" zuschreibt, findet Buch dann wieder ziemlich unterirdisch. Hinzu kommt, dass der Text zwar flüssig geschrieben ist, aber immer wieder "mehr erklärt als erzählt". Ein wenig "blauäuig" das alles, bedauert der Kritiker.
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