Haffmans` Profane Bibel-Bibliothek: Band 3

Judith
Haffmans Verlag, Zürich 2000
ISBN 9783251203222
Taschenbuch, 48 Seiten, 5,11 EUR

Klappentext

Mit einem Vorwort von Norbert Johannimloh. Mit einem Vorwort von Fritz Senn. Nach dem Exemplar aus Thomas Manns Bibliothek. Deutsch von Martin Luther. Über den Inhalt kann man ja streiten, doch die Bibel hat in den letzten beiden tausend Jahren einiges bewirkt. Nicht nur politisch, militärisch, soziologisch oder spirituell; auch sprachlich und bildlich: Die abendländische Kultur-, Literatur- und Kunstgeschichte ist ohne Bibelkenntnis nicht verständlich. Wer die Bibel nicht gelesen hat, kann nicht mitreden, geschweige denn mitdenken. Diese Edition in Einzelbänden ? jeweils mit einem Vorwort eines zeitgenössischen Autors ? bietet einen rein literarischen Zugang zu einem gewaltigen Werk, das neben Homer und vor Dante und Shakespeare unser aller Denkmuster und Bilderwelt geprägt hat. Unter den Vorwort-Autoren: F. W. Bernstein, Carl Djerassi, Stephen Fry, Robert Gernhardt, Gabriel Josipovici, David Lodge, Denis Scheck, Thomas Sprecher, Michael Palin.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.12.2000

In einer Mehrfachrezension bespricht Hermann Kurzke drei Bücher, in denen Teile der Bibel neu erzählt bzw. erläutert werden. Die beiden ersteren schneiden danach aus seiner Sicht vor allem deswegen schlecht ab, weil der Versuch, die Bibel lediglich unter literarischen Gesichtspunkten (und nicht unter religiösen) zu betrachten zwangsläufig scheitern muss. Den Rezensenten stört die arrogante Überheblichkeit, die Unfähigkeit der Autoren, sich der "Größe ihres Gegenstands" zu stellen und der Versuch, sich bei einem nichtreligiösen Publikum anzubiedern. Aber gerade in dieser Verhaltensweise, die geprägt sei von eigener Unfreiheit, sieht der Rezensent einen Beweis für die "Macht der Bibel".
1.) "Haffmanns‘ Profane Bibel-Bibliothek". 3 Bände (Haffmans Verlag)
Hier möchte man die "Kundschaft nicht durch allzu viel Religion verprellen", beklagt Kurzke. Stattdessen bemerkt er eine Konzentration auf eher unwichtige Randerzählungen und "sex and crime"-Geschichten. Aber schlimmer noch findet er, dass Gott hier schlicht ignoriert wird. Eine Psychologisierung oder Umdeutung hätte er noch verständlich gefunden, aber das Gott hier als "quantité négligable" behandelt wird, findet er geradezu grotesk. Am ehesten kann sich Kurzke noch für das Vorwort von Fritz Senn erwärmen, der wenigstens einen gewissen Respekt vor dem Thema zeigt. Doch die Beiträge von Norbert Johannimloh und Ludger Lütkehaus beweisen seiner Ansicht nach regelrechte Unfähigkeit, nicht nur dem religiösen, sondern auch dem literarischen der Bibel gerecht zu werden. Stattdessen werde darüber debattiert, welche Rolle Judith bei der Argumentation für Frauenwehrpflicht spielen könne. Auf die Dreistigkeit, dass Lütkehaus schließlich sein eigenes Buch "Nichts" als weiterführende Lektüre empfiehlt, reagiert der Rezensent mit schlichtem Unverständnis.
2.) "Das Bibel Projekt". 12 Bände (Fischer Taschenbuch Verlag)
Auch diese Beurteilung läuft auf einen Verriss hinaus. Kurzke weist darauf hin, dass es sich hier um eine verkürzte Version einer Publikation des Canongate Books-Verlages (Edinburgh) handelt. Gekürzt wurde allerdings großzügig. So fehlen nach Kurzke beispielsweise "zwei komplette Evangelien". Überhaupt werden, wie er beklagt, für die Kürzungen nirgendwo einleuchtende Gründe genannt. Dazu kommt die Tatsache, dass der Text der King-James-Bibel durch die Luthers Texte ersetzt worden sind, wodurch - wie der Leser erfährt - Diskrepanzen zwischen Vorwort und Bibeltext entstanden sind. Die Texte von Zoe Jenny über Feminismus in den Büchern ‚Ruth‘ und ‚Esther‘ sowie von Marlene Streeruwitz‘ über Antijudaismus findet der Rezensent trotz dem ein oder anderen überlegenswerten Gedankens "flach". Besser gefallen ihm die ins deutsche übersetzten Texte der britischen Ausgabe, etwa der von Nick Cave, der neugierig auf die Bibel mache und lehre, sie mit "geschärftem" Blick zu lesen. Doch insgesamt beklagt der Rezensent bei den meisten Texten einen "pubertären Atheismus". Besser hätte es dem Rezensenten gefallen, wenn der Leser stattdessen mehr über Quellen, "poetische Mittel und literarische Struktur" der einzelnen Bücher der Bibel erfahren könnte. Aber nicht mal eine Angabe, welcher Luther-Text nun genau die Grundlage gewesen ist, werde dem Leser hier mitgeteilt.
3.) Michael Köhlmeier: "Geschichten von der Bibel" (Piper Verlag)
Gut hingegen gefällt dem Rezensenten diese Publikation, vor allem wegen des "leise humoristischen" Tons und der Tatsache, dass der Autor die Bibel-Geschichten mit "jüdischen und altbabylonischen Legenden, Mythen und Apokryphen" ergänzt. Auch zeige Köhlmeier den angemessenen Respekt vor seinem Sujet. Insgesamt haben diese Texte nach Kurzke eher etwas "novellistisches als romanhaftes", und trotz der Tatsache, dass der Autor zum Teil moderne Ausdrücke verwendet, so gefällt dem Rezensenten dieses Buch, weil es "weit entfernt ist von billiger Verachtung".
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