Franz Willnauer (Hg.)

Gustav Mahler. Vom Elend eines Genies

Unbekannte Briefe, Dokumente, Erinnerungen
Cover: Gustav Mahler. Vom Elend eines Genies
Paul Zsolnay Verlag, Wien 2026
ISBN 9783552075924
Gebunden, 336 Seiten, 30,00 EUR

Klappentext

Dokumente, Erinnerungen und Briefe von und über den bedeutenden Komponisten Gustav Mahler, die bisher wenig beachtet oder unbekannt geblieben sind. "Punkt 8 Uhr kam er. Viel gemütlicher, als wir dachten. Angeregtes Tischgespräch über die Wiener Art, Kunst zu sabotieren …" So berichtet Berta Zuckerkandl einer Freundin vom Besuch eines berühmten Gastes in ihrem Salon: Gustav Mahler. Dieses Buch vereint Dokumente, Erinnerungen und nahezu hundert Briefe von und über Mahler, die bisher unbekannt waren oder wenig beachtet wurden. Daraus entsteht ein detailreiches, überraschendes Porträt des Komponisten, Dirigenten und Privatmenschen Gustav Mahler, zugleich ein farbiges Panorama der Musikkultur an der Wende zum 20. Jahrhundert. Zu Wort kommen unter anderen die Sänger Willi Birrenkoven und Theodor Reichmann, die Dirigenten Fritz Stiedry und Franz Schalk, Mahler-Feinde und Mahler-Bewunderer sowie Stefan Zweig und Hermann Bahr, der an Mahlers Sterbebett saß.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.06.2026

Rezensent Gerald Felber kann sich erfreuen an Franz Willnauers zehntem (!) Buch über Gustav Mahler. Immerzu Neues grabe der mittlerweile 93-jährige Autor über den Komponisten aus; diesmal sind es die Tagebuchaufzeichnungen der Wiener Salonnière Berta Zuckerkandl (was für ein wunderbarer Name!), die die faktenmäßig bereits bekannte erste Begegnung zwischen Mahler und Alma Schindler nochmals besonders unterhaltsam aufleben lässt, sowie die Briefwechsel zwischen Mahler und seinen Untertanen - so wirke es zumindest oft - Norbert Salter, Willi Birrenkoven und Theodor Reichmann, die hier überwiegend ihre Weltpremiere erfahren. Angemessen aufregend findet Felber auch deren Inhalte: "beklemmend amüsant", wie sich hier zwischen Urlaubs- und Gehaltsverhandlungen, "Eifersüchteleien" und "Gefühlsseligkeiten" angegangen wird. Mahler komme dabei oft kühl, auch durchaus unsympathisch rüber, wenn er etwa den Konzert-Impresario, auf den er eigentlich angewiesen war, mit Sonderwünschen traktiert. Neben diesem großen "Lesevergnügen" bestaunt der Kritiker auch wieder Willnauers Hingabe in der Recherche, nur ein paar editorische Ungenauigkeiten fallen ihm auf. Für ihn aber trotzdem eine herrliche "menschliche Komödie" auf stabilem wissenschaftlichem Fundament.

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