Es handelt sich um die umfangreichste Sammlung surrealistischer Poesie, die je irgendwo erschienen ist. Ihre Autoren stammen aus 40 Ländern. Die Sammlung bringt Beispiele selbst aus Ägypten und Chile, Haiti und dem Irak, Japan, Kuba, dem Libanon und Mauritius. Rund 200 Autorinnen und Autoren werden vorgestellt; die biografischen Einleitungen, die ihren Texten voranstehen, ergeben zusammen ganz nebenbei ein Panorama der gesamten surrealistischen Bewegung von den Anfängen bis in die Gegenwart. Herausgeber sind der Franzose Edouard Jaguer, Ex-Mitglied der "Cobra"-Bewegung und Gründer der Künstlergruppe "Phases", der Prager Schriftsteller Petr Král, der heute in Paris lebt, und der deutsche Publizist Heribert Becker.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.09.2001
Jürgen Brocan schwankt ein wenig in seinem Urteil. Glücklich ist er auf jeden Fall, dass die nunmehr dritte Neuauflage vorliegt dieser umfangreichsten Sammlung internationaler surrealistischer Dichtung, die jemals auf Deutsch zu haben war und die ihm in Anbetracht der vermeintlichen Unverkäuflichkeit von Lyrik als achtbares verlegerisches Wagnis erscheint. Nicht weniger froh ist Brocan, einige recht rare Texte aus Deutschland vorzufinden. Womit wir gleich bei einem Einwand des Rezensenten wären. Die Aufnahmekriterien der Herausgeber nämlich (rein kommt, wer Bezug zu einer Gruppe hatte) scheinen ihm zu einseitig: Besser, die Texte wären nach ihren formalen Kriterien ausgewählt und Leute wie Edmond Jabes oder Franz Mon gleichfalls aufgenommen worden. Andererseits jedoch moniert Brocan gerade die "enzyklopädische Summierung" von Texten. Eine mengenmäßige Reduzierung zugunsten gehaltvoller Dichtung, denkt er, das wär's gewesen. Zumal ihm bei manchem "eher epigonalen Text" einfach die Augen zugefallen sind.
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