Entweder wahrer Freudianer oder verstoßener Dissident - diese und andere Spaltungen haben zu manchen persönlichen Tragödien geführt und die Psychoanalyse im 20. Jahrhundert wiederholt in Sackgassen getrieben. Aber auch Kritiker der Psychoanalyse haben in unversöhnlichen Gegensätzen gedacht: Entweder konnten sie die Psychoanalyse ihrem eigenen Methodenkanon unterwerfen, oder sie mussten sie als Wissenschaft verwerfen. Nitzschkes Essays zeichnen die nahezu unvermeidbaren Dualismen nach - sowohl in Freuds Person selbst als auch in seinen persönlichen Beziehungen und in den wissenschaftlich-ideologischen Auseinandersetzungen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 25.05.2000
Ein sehr "ehrenwertes" Unterfangen sieht Susanne Lüdemann in Bernd Nitzschkes Essaysammlung, in welcher er die Geschichte der Psychoanalyse von der Seite ihrer Häretiker zu beschreiben versucht. Die zwei längsten und ihrer Meinung nach interessantesten Essays gelten Herbert Silberer und Otto Gross, die beide aus der Psychoanalytischen Vereinigung ausgeschlossen wurden und an ihren eigenen Vaterkonflikten elend zugrunde gingen. Weitere Essays sind Sabina Spielrein, Otto Fenichel und Wilhelm Reich gewidmet sowie verschiedenen "unsystematisch" eingebrachten Darstellungen über die Psychoanalyse während des Nationalsozialismus oder "Freud und die Frauen" -gerade in diesen Aufsätzen vermisst Lüdemann einen roten Faden und eine gliedernde Hand bei zuviel "Anhäufung von Fakten".
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