Astrid Proll

Zwischen Sturm und Stille

Wie ich der RAF entkam
Cover: Zwischen Sturm und Stille
Matthes und Seitz, Berlin 2026
ISBN 9783751821407
Gebunden, 232 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

"Sie kennen mich von einem Fahndungsplakat." Astrid Proll wird die RAF nicht los. Als Gründungsmitglied der Roten Armee Fraktion gehörte sie zu den prägenden Figuren der frühen 1970er-Jahre. Nun erzählt sie erstmals ihre ganze Geschichte: die Geschichte eines jungen Mädchens, das sich zu anderen Mädchen hingezogen fühlt, früh spürt, dass es nicht der gesellschaftlichen Norm entspricht, und sich beharrlich ein eigenes Leben erfindet. Proll berichtet von ihrem Weg in die RAF, die ihr vorübergehend eine Wahlfamilie bietet, von Aufbruch, Radikalisierung, Illegalität und den Bildern, die politisch treffen können "wie Schüsse". Sie reflektiert die Motive ihrer Generation, ihre Irrtümer und blinden Flecken, und erzählt zugleich von den Orten, an denen sie Halt fand: in London, wo sie untergetaucht als Automechanikerin arbeitete, und später, nach ihrer Haftzeit, als Bildredakteurin in der internationalen Fotoszene. Astrid Proll erzählt von ihrem Versuch, die RAF hinter sich zu lassen, von Schuldgefühlen, Gewalt und Gerechtigkeitsempfinden. Ein beeindruckendes und aufschlussreiches Zeugnis deutscher Geschichte sowie eines Lebens zwischen Entschlossenheit, Erschöpfung, Solidarität und Neuanfängen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.09.2026

Rezensent Florian Keisinger entdeckt in den Memoiren der EX-RAFlerin Astrid Proll, verfasst zusammen mit Boris von Brauchitsch, durchaus Spannendes neben viel Bekanntem. Interessant findet Keisinger nicht die Geschichte, wie Proll zur RAF kam, sondern die Passagen, in denen es um den Alltag im Untergrund geht.  Dass die RAF aus Langeweile erfunden wurde und dass die internationale Linke eher national organisiert war, liest Keisinger mit Kopfschütteln. Prolls Fotos im Band scheinen ihm das Erzählte gut zu ergänzen. Dass Proll manche Geschichtsverdrehung der RAF retrospektiv einräumt, stellt er mit Genugtuung fest. 

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.09.2026

Rezensent Eckhard Jesse begegnet bei dem RAF-Gründungsmitglied Astrid Proll dem Gesetz der Omerta: Kein Wort der Reue bei Proll, kein Hinweis auf ihre Beteiligung bei der Befreiung Baaders oder auf ihre Fluchthelfer, keine Beantwortung von weiterhin drängenden Fragen zu Kontakten der RAF, schimpft er. Dabei ist Proll fast 80. Zynisch findet Jesse die Haltung der Autorin zur Gewalt der RAF. Und mitunter weiß er nicht, ob die ehemalige Terroristin aus heutiger oder damaliger Sicht schreibt. Immerhin: Atmosphärisch erzählt Proll einiges über Baader und Ensslin. Für Jesse dennoch ein enttäuschender Rückblick.