Andrea Grewe

Melancholie der Moderne

Studien zur Poetik Alberto Savinios. Gek. Habil.-Schrift
Cover: Melancholie der Moderne
Vittorio Klostermann Verlag, Frankfurt am Main 2001
ISBN 9783465031567
Broschiert, 468 Seiten, 74,00 EUR

Klappentext

"Es gibt keinen italienischen Schriftsteller, der den Italienern fremder wäre als Savinio." Diese Aussage des enthusiastischen Savinio-Lesers Leonardo Sciascia aus dem Jahre 1976 gilt heute nicht mehr. Der Schriftsteller, Maler und Komponist Alberto Savinio (Athen 1891- Rom 1952), mit bürgerlichem Namen Andrea De Chirico, wird in Italien heute als einer der faszinierendsten Künstler der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts betrachtet. Es ist an der Zeit, diesen höchst originellen Vertreter der italienischen Moderne auch in Deutschland zu entdecken. Savinio, der mit seinem älteren Bruder Giorgio De Chirico das Konzept der "arte metafisica" entwickelt und damit eine wichtige Variante der europäischen Kunst der Moderne geschaffen hat, ist lange Zeit als Surrealist vereinnahmt worden. Erst allmählich setzt sich die Erkenntnis durch, dass ihm diese Zuordnung nicht gerecht wird.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.06.2002

Die ungleichen de-Chirico-Brüder waren gar nicht so ungleich, behauptet Winfried Wehle und berichtet, dass es im Verhältnis der beiden, anders als bei den Manns, nie zum Bruch gekommen sei. Zwar hat Alberto, der Jüngere, viel unternommen, um aus dem Schatten des Älteren und Bekannteren Giorgio zu treten - er hat einen anderen Namen angenommen, Komposition studiert, Filmkritiken und Kunstessays geschrieben -, aber schließlich landete er doch bei den Surrealisten und der Malerei. Winfried Wehle lässt die Vita von Alberto Savinio, wie er sich fortan nannte, Revue passieren und stellt fest: er war vielseitiger als sein Bruder, doch die Geisteshaltung war nicht zu unterscheiden, beide verband das "Projekt einer arte metafisica". Die umfangreiche wissenschaftliche Studie von Andrea Grewe untersucht die intellektuellen Bezüge von Savinios negativer Metaphysik - als Referenzen werden Nietzsche, Schopenhauer und Otto Weininger angeführt. Auf die Studie selbst geht Wehle nicht genauer ein, sondern kommt allgemein zu dem Schluss, Savinio nicht als Kopf der Avantgarde zu bezeichnen, wohl aber als jemanden, der ihr "ästhetisches Drehmoment" auf interessante Weise repräsentiert.