Alfred Kubin

Die andere Seite

Ein fantastischer Roman
Cover: Die andere Seite
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2009
ISBN 9783518224441
Gebunden, 308 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Eines Tages erhält der Erzähler überraschend Besuch, der ihm verkündet: "Claus Patera, absoluter Herr des Traumreichs, beauftragt mich als Agenten, Ihnen die Einladung zur Übersiedelung in sein Land zu überreichen." Er folgt der Einladung des Schulfreundes Patera in dessen irgendwo im Inneren Asiens gelegenes Traumreich, das in Wirklichkeit ein Überwachungsstaat ist, und verbringt dort drei Jahre - bis zur völligen Zerstörung des Reichs in einem apokalyptischen Kampf Pateras gegen den Amerikaner Herkules Bell. Es ist ein Krieg des Bösen gegen das Gute, wobei sich herausstellt, dass das eine vom anderen nicht zu unterscheiden noch zu trennen ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.08.2009

Rezensentin Anja Hirsch empfiehlt uns einen "Klassiker der fantastischen Literatur": Alfred Kubins 1909 erschienener Roman "Die andere Seite". Kubin, der vor allem Künstler war, soll ihn in acht Wochen geschrieben haben. Der Inhalt bleibt auch in der Nacherzählung dunkel. Hauptperson ist ein Ich-Erzähler, dem im "Traumreich" eines Freundes die Identität abhanden gekommen ist. Man kann das als "subjektive Grenzerfahrung" lesen, als "Triebentleerung" oder "Studie einer Depression", meint die Kritikerin, die neben der Besprechung auch eine kleines Porträt Kubins zeichnet und vom frühen Tod der Mutter und dem herrischen, Kubin als Schulversager verachtenden Vater erzählt. Kein Wunder, dass Kafka in diesem Roman "seine Welt gefunden" hat, wie Hirsch schreibt. Sie hebt noch ausdrücklich das "oszillierende" Nachwort von Josef Winkler hervor.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.08.2009

Erfreut zeigt sich Rezensent Oliver Pfohlmann über diese Neuauflage von Alfred Kubins erstmals 1909 erschienenen "fantastischen" Roman "Die andere Seite", die auch alle Illustrationen der Erstausgabe enthält. Er bescheinigt dem Werk mit seinen detaillierten Schilderungen vom Ausbruch der Gewalt unter den Bewohnern eines in Zentralasien gelegenen Traumreichs "prophetische Qualitäten", die mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs deutlich wurden. Den von Expressionisten wie Surrealisten hochgeschätzten Roman könnte man Pfohlmann zufolge auch heute, 100 Jahre später, im Zeichen einer Finanzkrise, als "bizarre Vorwegnahme" deuten. Schließlich erinnert ihn das wirtschaftliche Leben der Bewohner jenes Traumreichs stark an eine "Monopoly-Scheinwelt". Und so kann man den Roman in seinen Augen auch als eine "großartige Satire auf den Kapitalismus" lesen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.08.2009

Ungebrochenen Reiz bescheinigt Rezensent Jürgen Neffe diesem wiederaufgelegten "Jahrhundertroman" des 1959 verstorbenen Autors, der auch ein bedeutender Zeichner war. Denn "wenn wir es lesen", schreibt Neffe, "dann können wir den Wahnsinn von Verdun erkennen, das brennende Dresden, den Untergang des Bösen im Bunker", oder "Scientology und die Weltpolizei im Dienste von Staat und Kapital". Denn auch mit den Augen des 21. Jahrhunderts lese das vor hundert Jahren geschriebene Buch sich wie eine Endzeitvision von beklemmender Aktualität. Es handelt sich um die Schilderung einer merkwürdigen Reise in ein totalitäres Traumreich, wo ein Kampf der Systeme zur Entscheidungsschlacht zwischen Dekadenz und Diktatur stattfindet. Fasziniert hat Neffe auch die 52 über das Buch verteilten Zeichnungen Kubins betrachtet, und versteht doch erst nach der Lektüre des Romans, warum der Künstler seine Visionen in seinem bedeutendsten Werk "in Worten" zu Papier bringen musste, als surrealistische "Vision des Bösen" wie der Rezensent Kubin-Freund Kandinsky zitiert. Auch das Nachwort von Josef Winkler wird als lesenswert gelobt.
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