Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 21.04 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Magazinrundschau

Raten Sie, wer Polen war?

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.

27.01.2009. Elet es Irodalom beklagt die Feigheit des ungarischen Theaters. Wired zeichnet nach, warum Googles Deal mit Yahoo scheiterte. In Spiked beschreibt der Soziologe Frank Furedi den wachsenden Antisemitismus in Europa. In Salon.eu.sk rühmt der Soziologe Zygmunt Bauman Europas Fähigkeit, den Fremden als einen Gleichen zu behandeln. Im Hungarian Quarterly besingen die Ungarn Daisy Bell. Im Nouvel Obs wollen Bahgat Elnadi und Adel Rifaat den Koran denken, nicht ihn psalmodieren. Die New York Review of Books fürchtet sich vor Google, dem bald größten Buchunternehmen der Welt.

Elet es Irodalom (Ungarn), 16.01.2009

Bild zum ArtikelDas ungarische Theater ist in der Krise. Die Theaterelite behauptet, die Knappheit Subventionen sei Schuld daran. Aber das stimmt nur zum Teil, findet der Theaterkritiker Tamas Koltai - das eigentliche Problem sei die Feigheit des ungarischen Theaters von heute. "Das ungarische Theater fürchtet drei Dinge am meisten: Existenzfragen, Realität und Gedanken. Folglich reagiert man darauf auch besonders empfindlich, im negativen Sinne: Nichts auf der Welt ruft so viel Abneigung hervor - die schlechte Qualität nicht, die Bluffs nicht, das Primitive nicht -, wie jenes Theater, das von uns handelt, das die Ruhe unseres Alltags stört, und das einen Intelligenzquotienten verlangt, der über dem Minimum liegt. Nicht die Niveaulosigkeit wird zum Kulturskandal, ... sondern das, was Qualität schafft, Gedanken inspiriert und Fragen stellt. Warum aber wundern wir uns darüber? Warum sind wir von der Feigheit unseres Theaters überrascht, wenn die gesamte Gesellschaft feige ist?"

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Wired (USA), 17.02.2009

Bild zum ArtikelAh, endlich! Nicholas Thompson and Fred Vogelstein erzählen die Geschichte über Googles fehlgeschlagener Werbe-Kooperation mit Yahoo. Microsoft hat es, unterstützt von Anzeigenkunden und mächtigen Firmen wie AT&T, geschafft, dass Google das Geschäft abblasen musste, weil das Justizministerium deutlich signalisiert hatte, dass es Google sogar ohne Yahoo als potentiellen Monopolisten sieht. Vorausgegangen war eine Kampagne von Microsofts Strategen John Kelly und dem einflussreichen Verbeberater Michael Kassan. "Kelly bat Kassan, mit seinen Kontakten zu sprechen und eine Opposition gegen Google aufzubauen. Kassan versicherte ihm, er wisse genau, wie das zu machen sei. Google erwecke große Angst und Misstrauen unter den Anzeigenkunden. 'Google hat eine falsche Vorstellung davon, wie es wahrgenommen wird' versicherte er Kelly. 'Wir können eine einfache und klare Geschichte erzählen.' Und die lautete so: Google beherrscht 70 Prozent des Anzeigenmarktes in der Internetsuche und Yahoo 20 Prozent. Jetzt wollen diese beiden Firmen ein Geschäft zusammen machen. Das würde Anzeigenkunden weniger Einfluss auf die Anzeigenpreise geben, und sie würden am Ende mehr bezahlen müssen." Die Kampagne hatte Erfolg: Google zog sich notgedrungen von dem Deal mit Yahoo zurück. Sagt Kassan: "Vor neun Monaten wünschte sich jeder, Google zu sein. Jetzt steht ihnen Monopolist übers Gesicht geschrieben."


Die Geschichte hat noch einen zweiten Strang, den Thompson und Vogelstein am Rande erwähnen: An der Kampagne gegen Google hatte sich auch der Telekommunikationskonzern AT&T beteiligt. Er klagt Google außerdem an, mit seiner Datenschnüffelei die Privatspäre zu verletzen, die dem Konzern so sehr am Herzen liegt, dass er sie gerne vor gefährlichen Informationen bewahrt. AT&T ist ein mächtiger Gegner der Netzneutralität (gleich schneller Internetzugang für alle) und ein großer Verfechter des Zweiklassen-Internets (schnelle Datenübertragung für extra zahlende Kunden, langsame Datenübertragung für die nichtzahlenden, d.h. Privathaushalte und kleine Firmen, mehr dazu auf EU-Ebene hier). Google war lange - schon aus purem Eigennutz - ein gleichmächtiger Befürworter der Netzneutralität, scheint inzwischen aber dem Druck nachzugeben, wie das Wall Street Journal kürzlich berichtete.

Weitere Artikel: Brendan I. Koerner erzählt vom Versuch eines Vaters, den genetischen Code seiner Tochter zu entschlüsseln, die an einer seltenen, bislang nicht heilbaren Krankheit leidet. Daniel Roth beschreibt, welche Gefühle das Foltern von Elmo bei ihm auslöst.

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London Review of Books (Großbritannien), 29.01.2009

Bild zum ArtikelDer US-Nahost-Experte Henry Siegman (hier ein kritischer Artikel zu Siegman) sieht die Schuld am Gaza-Krieg fast ausschließlich auf der israelischen Seite und erläutert in seinem Artikel, warum Verhandlungen mit der Hamas nicht nur möglich, sondern unbedingt notwendig sind. Und er warnt Barack Obama: "Wenn Barack Obama einen erfahrenen Nahost-Vermittler wählt, der an der Idee festhält, dass Außenstehende auf eigene Vorschläge für ein gerechtes und dauerhaftes Friedensabkommen verzichten sollten; wenn er darauf verzichtet, Druck auszuüben und es beiden Parteien überlässt, ihre Differenzen untereinander auszutragen - dann wird er sich einen palästinensischen Widerstand einhandeln, der noch viel extremer ist als die Hamas. Dieser Widerstand wird sich dann wirklich mit Al-Quaida verbünden... Vielleicht glauben ein paar Israelis, darunter die Anführer der Siedlerbewegung, dass ihnen das nützt, da die Regierung dann einen Vorwand hätte, am Anspruch auf ganz Palästina festzuhalten. Diese Illusion würde freilich das Ende Israels als jüdischer und demokratischer Staat bedeuten."


Außerdem gibt es ein Online-Only-Spezial zum Gaza-Krieg. Es schreiben unter anderem Tariq Ali, Michael Wood und Alastaire Crooke. Durchweg wird die israelische Seite scharf verurteilt.

Weitere Artikel: Colm Toibin bespricht Sheila Rowbothams Biografie des schwulen sozialistischen Autors Edward Carpenters, Peter Campbell hat die Ausstellung "Darwin Big Idea" im Londoner Natural History Museum besucht. Paul Myerscough liefert einen Erfahrungsbericht vom Pokern. John Lanchester schreibt zur Woolworths-Pleite.

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spiked (Großbritannien), 26.01.2009

Wir haben schon in der Feuilletonrundschau darauf hingewiesen: Der Soziologe Frank Furedi beschreibt in Spiked in einem ausführlichen Artikel den wachsenden Antisemitismus in Europa. Er zählt schockierende Beispiele auf - aus Frankreich, Deutschland, England, Italien, den Niederlanden, Spanien und Dänemark. In den Niederlanden forderte der Abgeordnete der Sozialistischen Partei Harry Van Bommel auf einer Demonstration "eine neue Intifada gegen Israel", während "Demonstranten 'Hamas, Hamas, all Jews to the gas' und ähnliche antijüdische Slogans skandierten. Viele Leute, die es besser wissen sollten, schweigen, wenn sie Slogans wie 'Kill the Jews' oder 'Jews to the oven' bei Anti-Israel-Demonstrationen hören. Bei jüngsten Protesten in London provozierten solche Slogans kaum Reaktionen bei Leuten, die sich sonst als progressive Antirassisten bezeichnen - sie schienen auch nicht entsetzt zu sein vom Anblick eines Mannes, der sich mit einer 'jüdischen Maske' samt krummer Nase wie die rassistische Karikatur eines Juden verkleidet hatte, während er so tat, als würde er blutige Babys verspeisen." (Axel Feuerherd beschrieb kürzlich in der Jungle World ähnliche Demos in Deutschland.) In Dänemark forderten Lehrer, dass in ihren Schulen keine jüdischen Kinder eingeschrieben werden sollten. "Es begann letzte Woche, als Olav Nielsen, Direktor der Humlehave Schule in Odense, öffentlich erklärte, dass er "sich weigere, dem Wunsch jüdischer Eltern nachzukommen, die ihre Kinder in seiner Schule anmelden wollen, weil das Spannungen unter den muslimischen Kindern hervorrufen würde. Andere Direktoren schlossen sich an mit der Begründung, die Sicherheit der Kinder gehe vor. Was auch immer ihre Intention war, diese Pädagogen senden die kraftvolle Botschaft aus, dass im Interesse der 'Gesundheit und Sicherheit' die Ghettoisierung jüdischer Kinder eine akzeptable und sogar vernünftige Idee sei."

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Salon.eu.sk (Slowakei), 21.01.2009

Bild zum ArtikelEuropa ist weder militärisch noch wirtschaftlich, wissenschaftlich oder kulturell sonderlich gut aufgestellt, meint der Soziologe Zygmunt Bauman, kann den Kontinent aber trotzdem nicht genug preisen, und zwar für seine sprachliche und kulturelle Vielfalt (hier auf Englisch und hier auf Polnisch): "Der Philosoph Hans-Georg Gadamer hält diese überbordende Vielfalt für den größten Schatz, den Europa angesammelt und nun der Welt anzubieten hat. Mit und für den Fremden zu leben, ist eine grundlegende menschliche Aufgabe. Vielleicht ist dies die Grundlage für die einzigartige Stärke Europas, eines Kontinents, der zu diesem Miteinander gezwungen war. In Europa gab es immer Fremde ganz in der Nähe, in Sicht- oder Reichweite, im übertragenen und buchstäblichen Sinne. Unsere Landschaft ist von der Vielfalt gekennzeichnet, von der großen Nähe des Fremden, aber mehr noch von der Tatsache, dass wir auf engem Raum den Fremden als einen Gleichen behandeln. Europa könnte ein Laboratorium werden, in dem eine bestimmte Kunst zu leben von Menschen unterschiedlicher Religionen, Sprachen und Glücksvorstellungen entworfen und gepflegt werden könnte."

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The Economist (Großbritannien), 26.01.2009

Bild zum ArtikelIn zwei neuen Büchern geht es um "Afrikas Weltkrieg" im Kongo. Der Artikel im Economist macht im Vergleich mit dem Kosovo-Krieg deutlich, wie herzlich wenig sich die Welt für Zentralafrika interessiert: "Keiner bezweifelt das Ausmaß des Kriegs im Kongo. Zehn afrikanische Nationen haben 1998 ihre Truppen gesandt. Zwei, Uganda und Ruanda, versuchten, ihre frühere Marionette Laurent Kabila zu stürzen, die anderen gaben vor, ihn zu stützen. Obwohl die damalige US-Außenministerin Madelaine Albright von Afrikas 'erstem Weltkrieg' sprach, kämpften die Armeen wenig. Die entsetzlich hohe Zahl von Opfern - bis zu fünf Millionen - erklärt sich, wie so oft in Afrika, durch die vom Krieg verursachte Vertreibung, durch Hunger und Krankheit. Und die Reaktion im Rest der Welt? Der Kosovo-Krieg, der gleichzeitig stattfand, betraf drei Millionen Menschen, von denen 10000 starben... Im Kongo waren 86 Millionen Menschen betroffen... Der Kosovo ist im Frieden, aber der Krieg im Ost-Kongo, der 1993 begann, ist noch immer nicht beendet."


Besprochen wird daneben unter anderem eine Biografie (Website) des Nicht-Physikern auch von Dietmar Dath her bekannten Physikers Paul Dirac. In einem weiteren Artikel geht es um neue Öko-Filme beim Sundance-Festival. Und hier der aktuelle Stand im Big-Mac-Index, der den Wert von Währungen am Burger misst.

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Hungarian Quarterly (Ungarn), 25.01.2009

Bild zum ArtikelAuf Englisch lesen dürfen wir John Pinfolds Geschichte des Jockeys George Williamson, der - nicht nur, aber auch - in Ungarn eine fabelhafte Karriere machte. Die Ungarn waren damals überhaupt sehr anglophil. Als Williamson einmal mit einer neuen eleganten Freundin bei einem Pferderennen in Budapest erschien, "fing die Menge sofort an, den bekannten Music Hall Song 'Daisy Bell' zu singen ('Daisy, Daisy, give me your answer do...'). Die Dame war Daisy, Gräfin von Warwick, die Frau, für die der Song geschrieben worden war, und ehemalige Geliebte König Edwards VII. Wie auch immer, Daisy Warwick gefiel auch dem Grafen Elemer Batthyany, dem Präsidenten des hungarischen Jockey Clubs, und nicht lange, nachdem sie Williamson verlassen hatte, wurde sie Batthyanys Geliebte. Batthyany, damals noch Williamson zugeneigt, sorgte dafür, dass er in dieser Saison kein Rennen mehr reiten konnte, und so musste er Ungarn verlassen und nach England zurückkehren."

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The Guardian (Großbritannien), 24.01.2009

Bild zum ArtikelEmma Brockes unterhält sich mit dem amerikanischen Schriftsteller Dennis Lehane, einem Mann, der zwischen 1994 und 2003 jedes Jahr einen Roman geschrieben hat, von denen einige verfilmt wurden (Mystic River). "Lehane hat den Vorteil auf ein durch und durch dramatisches Milieu zurückgreifen zu können, in dem er in Boston aufwuchs. In den 70ern war Boston eine Stadt am Rande des Bürgerkriegs. Er war das jüngste von fünf Kindern, der Sohn eines Gewerkschafters, eines Vorabeiters bei Sears, Roebuck, und einer Hausfrau, beide irische Immigranten der ersten Generation. Seine Nachbarschaft war auf der Grenze zwischen zwei sich bekriegenden Fraktionen. 'Direkt im Norden angrenzend war South Boston, damals hundert Prozent weiß, sehr arm, sehr wütend, sehr rassistisch. Im Osten lag Roxbury, das hauptsächlich schwarz war. Und dann gab es uns. Wenn die beiden in den Krieg zogen, raten Sie, wer Polen war? Wir wurden ständig überrannt.'"

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Gazeta Wyborcza (Polen), 24.01.2009

Bild zum ArtikelIn der polnischen Tageszeitung werden zwei kontrovers diskutierte historische Filmen aus den USA vorgestellt. Während Adam Krzeminski die deutschen Debatten über "Operation Walküre" mit Tom Cruise reflektiert, und schon auf die polnischen gespannt ist (Kinostart am 13. Februar), nimmt Piotr Gluchowski die hierzulande unbekannte Diskussion über "Defiance" auf. Der Film stieß schon im Vorfeld auf kontroverse Reaktionen in Polen. Es geht um eine jüdische Partisanengruppe im Zweiten Weltkrieg, die von Tewje Bielski (Daniel Craig) angeführt wird. In der Öffentlichkeit wurde der Vorwurf laut, die Geschichte dieser Gruppe sei von ihren "dunklen Kapiteln", vor allem einem Massaker an der Zivilbevölkerung 1943, weißgewaschen worden. Das werfe ein falsches Licht auf die Ereignisse im besetzten Ostpolen in den Kriegsjahren. "Ein vor einem Monat noch völlig unbekannter ostpolnischer Partisan jüdischer Herkunft wird zum Mittelpunkt eines alten Streits über das polnisch-jüdische Verhältnis im Zweiten Weltkrieg", schreibt Gluchowski. In einem anderen, englischsprachiger Artikel beschreibt er seine Recherchen, die die Beteiligung der jüdischen Partisanen an dem Massaker widerlegen.

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Le Nouvel Observateur (Frankreich), 22.01.2009

Bild zum ArtikelVon Bahgat Elnadi und Adel Rifaat, die unter dem Pseudonym Mahmoud Hussein bereits mehrere Bücher zum Islam geschrieben haben, erscheint bei Grasset nun ihr jüngstes Buch: "Penser le Coran". In dem Essay plädieren die beiden französischen Intellektuellen ägyptischer Herkunft für eine Lektüre des Koran gegen den Islamismus. Im Gespräch erläutern sie ihre Kernthese, wonach das Dilemma der Muslime in einer allzu wörtlichen Lektüre und Auslegung besteht, die die beiden Autoren "rasend macht". Einen Ausweg aus diesem Dilemma sehen sie darin, den Koran zu "denken" statt ihn lediglich zu "psalmodieren". "Man muss ihn ohne Voreingenommenheit lesen. Dann zeigt er sich als eine 'mit der Zeit gehenden Transzendenz'. Seine zeitliche Komponente und sein göttlicher Ursprung sind nicht zu trennen. Gott hat sein Wort in einer ganz bestimmten Welt und zu einer ganz bestimmten Zeit geschrieben. Der Gläubige, der dieses Wort in anderen Gegenden, in anderen Jahrhunderten lebt, kann es deshalb nicht wortwörtlich nehmen. Im Gegenteil, er ist verpflichtet, sich um eine Interpretation zu bemühen. Den Koran 'lesen' bedeutet, ihn zu verstehen, und dies muss die erste Pflicht eines Moslems sein."


Außerdem: In einem weiteren Interview spricht der französische Historiker für zeitgenössische arabische Geschichte Henry Laurens über die Aktualität des Anti-Imperialismus; dabei geht er unter anderem auf die Vergleichbarkeit des römischen und zeitgenössischen amerikanischen Imperialismus ein und erklärt, weshalb der Dschihad keine antiimperialistische Bewegung sein kann. Besprochen wird das Buch "Une histoire des haines d'ecrivains" von Anne Boquel et Etienne Kern, worin es um die Gemeinheiten geht, mit denen sich Schriftsteller des 19. Jahrhunderts von Chateaubriand bis Proust gegenseitig überzogen (Flammarion). Sie sind empörend. Ein Beispiel: Barbey d'Aurevilly sagte über Prosper Merimee: "Er hat zwar die Beine eines Pfaus, aber nicht den Schwanz."

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Outlook India (Indien), 02.02.2009

Bild zum ArtikelSheela Reddy stellt den pakistanisch-amerikanischen Schriftsteller Daniyal Mueenuddin vor. Mueenuddin - teils in Pakistan, teils in Amerika aufgewachsen - lebt heute als Farmer in einem kleinen Dorf am Rande der Wüste Thar im südlichen Punjab von Pakistan. Hier hat er Gedichte und Kurzgeschichten geschrieben, von denen einige bereits im New Yorker veröffentlicht wurden (hier, hier und hier). "Besonders auffällig an seinem Debütband mit 'zusammenhängenden Geschichten', die verschiedentlich mit Tschechow, Turgenjew, Faulkner und sogar, unverständlicherweise, R.K. Narayan verglichen wurden, ist, dass wir vielleicht zum ersten Mal einen Schriftsteller auf dem Subkontinent haben, der nicht nur ein erstklassiger Sprachkünstler ist, sondern sich gleichermaßenüber eine schwindende feudale Aristokratie schreiben kann wie über eine Klasse von Charakteren, die in der englischsprachigen Literatur des Subkontinents kaum vorkam: Köche, Diener, Elektriker, Rumhänger und Diebe."

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La vie des idees (Frankreich), 20.01.2009

In einem sehr differenzierten Gespräch stellt der französische Historiker und Amerikanist Pap Ndiaye sein Buch "La Condition noire - Essai sur une minorite francaise" (Calmann-Levy) vor. Darin geht es um Schwarzsein als soziale Erfahrung im Allgemeinen und in der französischen Gesellschaft im Besonderen. Ndiayes Kernanliegen: "Es erschiene mir nicht unbedingt vernünftig zu erwarten, dass die schwarze Hautfarbe völlig verschwindet (obwohl man natürlich auch von einer reinen Mischlingsgesellschaft träumen kann) oder dass die Hautfarbe eine Art Rudiment einer Vergangenheit ist, das unbedingt unterdrückt werden sollte. Vernünftig erscheint mir, nicht die Tatsache der schwarzen Hautfarbe abzuschaffen, sondern die Sorge, die sich damit verbindet, den Kampf gegen die Schwierigkeiten, die sich daraus ergeben. Das Ziel ist das Verschwinden des Rassenbegriffs: Schwarz zu sein soll nicht mehr zählen als die Farbe der Haare oder Augen. Die Last, die auf den Leuten liegt, soll leicht werden."

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ResetDoc (Italien), 13.01.2009

Seyla Benhabib wünscht sich eine Konföderation aus Israel und Palästina. "Angenommen, die Neutralisierung von Gruppen wie Hamas und Hizbollah, die das Existenzrecht Israels nicht anerkennen, wäre erklärtes Ziel der Palästinenser wie anderer arabischer Nationen, die Hamas aber, sobald sie das Existenzrecht Israels anerkennen würde, dürfte mit an den Tisch; angenommen, es gäbe eine Kontrolle von Wasser, Luft und Meer, die von israelischen und palästinensischen Behörden gemeinsam ausgeübt würde; angenommen, es gäbe eine gemeinsame Währung und eine regulierte Siedlungsrechte für alle ethnischen Gruppen in bestimmten Teilen des gemeinsamen Gebiets. Israel müsste keinen Bürgerkrieg gegen die fanatischen Siedler in Hebron und auf der Westbank befürchten, die entweder unter einer örtlichen palästinensischen Kommunalbehörde leben oder nach Israel zurückkehren müssten. Israel müsste seinen Landraub nicht mehr durch Einfälle in palästinensisches Gebiet verteidigen; die Palästinenser müssten nicht mehr vorgeben, das Bantustan in Gaza könne in irgendeiner Form Teil eines palästinensischen Staates sein; statt dessen wäre Gaza eine autonome Region, die einer israelisch-palästinensischen Konföderation angeschlossen wäre."


Außerdem: Daniele Castellani Perelli gibt einen Überblick über die Reaktionen in der internationalen Presse auf den Krieg in Gaza. Marta Federica Ottaviani beschreibt die Betretenheit der türkischen Regierung, dass der Konflikt trotz ihrer Vermittlungsbemühungen eskaliert ist.

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The New York Review of Books (USA), 12.02.2009

Bild zum ArtikelRoger Darnton macht sich große Sorgen um die Zukunft des Buchs - und des Lesers. Die Digitalisierung von Büchern durch Google könnte eine wunderbare Sache sein, aber die Vereinbarung, die Google im Herbst 2005 mit einer Gruppe von Autoren und Verlegern getroffen hat, sichere Google praktisch ein gigantisches Monopol auf Bücher. "Nachdem ich die Vereinbarung gelesen und die Bedingungen habe sinken lassen - keine einfache Aufgabe, denn sie umfasst 134 Seiten und 15 Anhänge Juristenlatein - war ich sprachlos: hier ist ein Vorschlag, der zur größten Bibliothek der Welt führen könnte. Es wäre eine digitale Bibliothek, aber sie könnte die Library of Congress und alle nationalen Bibliotheken Europas in den Schatten stellen. Mehr noch, wenn die Bedingungen der Vereinbarungen auf weitere Autoren und Verleger ausgedehnt werden, könnte Google das größte Buchunternehmen der Welt werden - keine Kette von Länden, sondern ein elektronischer Bereitstellungsservice der Amazon aus-amazonen könnte." Was aber, wenn Google seinen Service eines Tages nicht nur kostenpflichtig, sondern richtig teuer macht? Soll ein Unternehmen so viel Macht haben dürfen?


Außerdem: Roger Cohen verzweifelt über Israel. William Luers, Thomas R. Pickering und Jim Walsh haben eine Idee, wie man mit dem Iran umgehen sollte. William Dalrymple beschreibt die politische Krise in Pakistan. Besprochen werden Edward Lucas' Buch "The New Cold War: Putin's Russia and the Threat to the West", mehrere Bücher über F.D. Roosevelt und Bücher zur Finanzkrise.

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Archiv: Magazinrundschau

Morbid-intimes Sentiment

07.02.2012. Der Economist und Himal schildern die unerfreuliche Lage Homsexueller in islamischen Ländern. Wired porträtiert die Pariser Untergrundbewegung Urban eXperiment. Dem Guardian läuft in Wien ein Proustscher Schauer über den Rücken. Caffe Europa betrachtet die verführerische Unordnung in Japan. In Russland können Linke, Rechte und sogar Liberale Nationalisten sein, notiert Nicu Popescu in Open Democracy. Sony untergräbt die langsame Liberalisierung der indischen Zensur, fürchtet Outlook India. Die NYRB fühlt mit kleinen mutlosen Italienern. Mehr lesen

Pakt des Nicht-Lesens

31.01.2012. In der französischen Huffington Post erklärt die Philosophin Catherine Clement, warum der Griot Youssou N'Dour kaum Chancen hat, Präsident des Senegal zu werden. Womit haben wir Pitchfork verdient, fragt N+1. Businessweek porträtiert den Albtraum amerikanischer Verleger, Amazons Larry Kirshbaum. Peter Sloterdijk (in Le Monde) und Umberto Eco (im Espresso) denken über das Vergessen nach. Al Ahram begutachtet die Depression der jungen Revolutionäre in Ägypten. Das New York Magazine findet die neuen Dekabristen auch nicht gerade in Hochstimmung vor. Das TLS flüchtet zu den Kaminfeuern des britischen Landadels. Mehr lesen

So roch die Welt der Männer

24.01.2012. Wie schnell man sogar als Ingenieur arbeitslos werden kann, lernt die NYT. Eh alles nur bezahlte Bourgeoisie, schnaubt Slavoj Zizek in der London Review. Il Sole weint über einen lachenden Vincenzo Consolo. In Newsweek warnt Simon Schama die Amerikaner vor der kulturellen Nekrophilie der Briten. In Babelia ruft Javier Goma Lanzon: Lobt mich! Outlook India ärgert sich über die Feigheit indischer Politiker vor religiösen Fanatikern. GQ erzählt von einem gruseligen Fall von Webcam-Hijacking. In der NYRB sucht Simon Leys mit Liu Xiaobo die Wurzeln des heutigen Zynismus. Quo vadis, Hungaria, fragt Osteuropa. Mehr lesen

Ständige Verwirrung

17.01.2012. Im Guardian blicken arabische Autoren nach vorn. The Atlantic betrachtet eine Jammergestalt im Chanelkostüm. In Nepszabadsag erkennt der Dramatiker György Spiro im heutigen Ungarn das Frankreich des 19. Jahrhunderts. In Open Democracy wünschen sich Boris Akunin und Alexej Nawalnyj, Russland hätte die gleiche Anziehungskraft wie Amerika - oder China. Businessweek findet Microsofts Steve Ballmer nicht so irrelevant wie Steve Jobs. The Awl verkündet das grünste Ding in Sachen Bestattung. Mehr lesen

Archiv: Magazinrundschau

Hm, das ist komisch

10.01.2012. Werden Bücher bald eine Art Wiki von Autor und Übersetzer, fragt Il Sole 24 Ore. Rue 89 berichtet aus dem Tangokrieg in Buenos Aires. Wie wurde Luther populär? Mit Hilfe sozialer Netzwerke, weiß der Economist. In Guernica spricht die koreanische Dichterin Kim Hyesoon mit der Stimme des Außenseiters. Die Boston Review denkt mit Michael Nielsen über wissenschaftliche Evidenz nach. In Vanity Fair lässt Christopher Hitchens ein, zwei Dostojewskis fallen. Der New Yorker schildert den Einstieg Youtubes ins TV-Geschäft. Mehr lesen

Das Ohr des Präsidenten

03.01.2012. Es ist ja doch was dran an diesem französischen Philosophen mit der üppigen Haarmähne, staunen New York Magazine und TLS. Die Revista Piaui porträtiert einen irakischen Geologen, der die Norweger vor ihrer Ölindustrie beschützt hat. Die New York Review of Books stellt nach Lektüre der Briefe von Georgia O'Keefe und Alfred Stieglitz fest: schlechte Behandlung macht die Frau zum Charakter. Al Ahram veröffentlicht das Manifest eines ehrenwerten Bürgers. Slate.fr meldet: Auf kanadischen Webseiten kann man jetzt legal und kostenlos Celine runterladen. Wired begutachtet das United Artists des Internets. Mehr lesen

Blicken Sie ins Dunkel

20.12.2011. In der Lettre erklärt Peter Nadas, an welcher Station die Ungarn auf ihrem langen Marsch in die Demokratie gerade angekommen sind. Im New Statesman rühmt Slavoj Zizek die Mordmaschine Coriolanus. Im Guardian staunt Julian Barnes über den Unterschied zwischen Essay und Essai. In Elet es Irodalom erkennt Adam Michnik keinen Unterschied zwischen lechts und rinks mehr. Nonfiction.fr fordert eine Liberalisierung der Migration. Prospect skizziert die Zukunft der Literatur: Sie ist kurz, aber ernst. Mehr lesen

Die Treppe für Texte

13.12.2011. Alles hat sich in den letzten dreißig Jahren verändert, nur in den Künsten herrscht Stillstand, meint Vanity Fair. Manchmal ändern sich die Dinge auch im Untergrund, meint die NYT mit Blick auf das Alphabet N'Ko. In der LRB meldet Jenny Turner den Tod der Schwesterlichkeit. Guernica stellt das Festival LagosPhoto vor. Der Kindle ist ein Buch, freut sich Martin Caparros in Letras Libres. In The Nation setzt sich Jorge Volpi mit dem Liberalismus Enrique Krauzes auseinandern. In Le monde diplomatique feiert Tim Parks die mobilisierende Kraft des Wuchers. Mehr lesen

Diese glühbirnenköpfige Kreatur

06.12.2011. Wired porträtiert den neuen Steve Jobs: Jeff Bezos. Telerama empfiehlt eine neue Lektüre von Frantz Fanon. Die Columbia Journalism Review verteidigt den institutionellen Journalismus. In MicroMega geißelt Roberto Saviano die Omerta in Norditalien. Für Salon.eu.sk blickt Viktor Jerofejew in den Kreml-Himmel. In der NYRB setzt Daniel Kahnemann ganz klar auf System Zwei. Im Guardian erzählt der Kinderbuchautor Shaun Tan, was Australier mit Finnen gemeinsam haben. Und in Guernica erklärt Occupy-Erfinder Kalle Lassn, warum er heute eher die Zionisten als die Juden der Kriegstreiberei bezichtigen würde. Mehr lesen

Lesen, aber nicht berühren

29.11.2011. Marokkaner sind genauso freiheitshungrig wie Tunesier, erklärt der Aktivist Hisham Almiraat in open Democracy. Aber ihre Eliten sind feige, fürchtet der marokkanische Journalist Driss Ksikes in Le Monde. Im Merkur verabschieden sich Karl Heinz Bohrer und Kurt Scheel. Die LRB reist nach Griechenland. El Pais Semanal unterhält sich mit dem Sohn des letzten spanischen Scharfrichters. Der New Yorker bescheinigt der Fantasyliteratur einen Sinn für Verlust. Mehr lesen

Ein veritabler Brocken

22.11.2011. Die Columbia Journalism Review erzählt am Beispiel der Zeitung San Jose Mercury News, wie man kämpfen und trotzdem verlieren kann. Capital New York erzählt, wie die Huffington Post zum journalistischen Schwergewicht werden will. Prospect überlegt, wie man Computerspiele für den Film fruchtbar machen kann. Elet es Irodalom warnt vor der Vertreibung des sozialistischen Fußballs aus der ungarischen Geschichte. Der Berlusconismus funktioniert auch ohne Berlusconi, fürchtet MicroMega. Vorsicht vor pakistanischen Kleintransportern, warnt The Atlantic. Mehr lesen

Aber man vibriert

15.11.2011. Den Buchhandlungen geht es gut, meldet Bloomsberg Businessweek, solange sie klein sind. Telerama stellt französische Pioniere des Internetjournalismus vor. Im New Yorker geht Jane Kramer ihr Essen sammeln. In El Espectador denkt Hector Abad positiv, John Gray in The New Republic negativ. In Eurozine beruhigt Charles Taylor einen polnischen Linkskatholiken: der Klassenkampf ist ausgetragen. In der Boston Review möchte Lawrence Lessig, dass die Amateure regieren. Im Walrus Magazine sucht Toni Jokinen mit Richard Strauss den Italiener in sich. Mehr lesen

Das Kulturerbe der Muppets

08.11.2011. Eltern können sich ändern, sogar, wenn sie irisch-katholisch sind, erzählt Anne Enright in der Montreal Gazette. Im Iran redet man, um zu schweigen, erklärt Amir Hassan Cheheltan in Guernica. Das TLS liest, wie sich Samuel Beckett gegen James Joyce behauptete. 1000 Belgier schaffen mehr als eine Regierung, behauptet das Manifest des G1000. "Das System gefällt uns nicht!" ruft Magyar NarancsMehr lesen

Die Früchte der Revolution

01.11.2011. Der New Yorker reist nach Libyen. Ohne Universalismus gibt es keine Menschenrechte, erklärt Caroline Fourest in Le Monde. Der Grüne ist klassenlos, behauptet der Merkur. Il Sole 24 Ore findet nur noch Italiener, aber kein Italien mehr. Die New York Times erklärt am Beispiel von Pauline Kael, wann es für Kritiker Zeit ist aufzuhören. Mehr lesen

Warum nicht alles?

25.10.2011. In Ägypten ist die Opposition mit dem Beifahrersitz zufrieden, erzählt The Daily Beast. Al Ahram plädiert dafür, dass die Kopten nicht so für sich bleiben. Haaretz interviewt Salman Rushdie. Fast Company kündigt den Großen Krieg 2012 an. In Babelia erklärt der Philosoph Jose Luis Pardo, wie wir ganz leicht aus der Finanzkrise herauskommen. Die NYT besucht Haruki Murakami. Mehr lesen

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