Bücherschau der Woche
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- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Die Buchmacher
Die Buchmacher
Ein Blick in die Branchenblätter der Buch- und Verlagswelt. Jeden Montag ab 12 Uhr.
10.05.2004. In dieser Woche: Buchreport-Magazin bringt eine ausführliche Recherche zur Lage des Taschenbuchs, die misslich ist. Laut Börsenblatt sind die Verlagsumsätze 2003 so gut wie nicht gestiegen. Laut Buchreport kocht die Branche personalpolitisch im eigenen Saft. Von Sandra Evertz
buchreport.magazin, 01.05.2004
Fakt 1: Publikumsverlage können mit ihren Hardcover-Produktionen nur überleben, wenn sie die Erfolge der gebundenen Bücher mit einer Zweitverwertung als Taschenbuch krönen. Für diese "Binsenweisheit" hätte Bertelsmann-Tochter Random House bei der Zerschlagung des ursprünglichen Konglomerats Ullstein Heyne List im vergangenen Jahr sogar kostspielige Zugeständnisse gemacht, erinnert sich der Buchreport. (Heyne ging an Bertelsmann, die anderen Verlage an Bonnier - die Bertelsmänner sind nun mit großem Abstand führend auf dem Taschenbuchsektor.) Fakt 2: Nur Optimisten sehen das Taschenbuch weiterhin als Wachstumsfeld der Branche. In 2003 seien die Umsätze der größten Taschenbuchverlage zwar wieder leicht gestiegen, ist das Ergebnis einer groß angelegten Marktanalyse des Buchreports, demgegenüber habe es aber rund 500 Titel weniger als im Vorjahr gegeben. Der Schluss liegt nahe, dass die gestiegenen Umätze hauptsächlich auf einer Erhöhung der Ladenpreise beruhen.
Ein paar Zahlen vom deutschen Taschenbuchmarkt 2003: Die Zahl der Novitäten sank um 7,82 Prozent auf 5637 Titel. DTV war mit 505 Titeln der Verlag mit den meisten Neuerscheinungen. Die Random House-Verlagsgruppe (inklusive Heyne) erzielte mit 174,9 Millionen Euro den größten Umsatz. Goldmann hatte die meisten Nummer 1-Titel in der Gong-Bestsellerliste. Suhrkamp verfügte mit 5240 Titeln über die größte Backlist. Ein Roman kostete durchschnittlich 8,42 Euro, ein Sachbuch 10,43 Euro.
"Literatur light" ist im Kommen. Schüler und Lehrer scheinen nur darauf gewartet zu haben. Nachdem der Cornelsen Verlag mit der Reihe "...einfach klassisch" den Kanon der literarischen Klassiker orthografisch und stilistisch auf den Stand der Zeit gebracht hat, wird seit vergangenem Jahr in dem von zwei Ex-Bild-Journalisten gegründeten "Moderne Zeiten"-Verlag alten Schinken ein Relaunch (hier ein Überblick des aktuellen Angebots) verpasst. Erfolgreich, denn vom ersten Band der "klassik modern"-Reihe, "Die Räuber", verkauften "Moderne Zeiten"-Macher Thomas Kuehn und Jochen Dersch innerhalb weniger Monate die Startauflage von 10.000 Exemplaren. Sprachwissenschaftler sehen rot: "Angebote zur Bequemlichkeit machen den Kopf simpel und dumm", warnt ein Bonner Germanist im Buchreport.
Ein neues literarisches Genre kristallisiert sich - an Verlagen und am stationären Buchhandel vorbei - mit den so genannten Weblogs heraus. In den Internet-Logbüchern findet eine "Literarisierung der unmittelbaren Gegenwart" statt, auf die ein "weltweites Lesepublikum, unabhängig von Auflagenhöhen, Werbeinvestitionen oder Geschmacksvorlieben des Buchhandels zugreifen kann", beschreibt der Buchreport. Buchverlage unterschätzten die Konkurrenz aus dem Internet, erklärt ein Autor mit Pseudonym Don Alphonso. "Die klassische Buchwerbung und Rezensionen kommen heute bei jungen Lesern nicht mehr an. (...) Zehntausende schreiben sich im Web einen Wolf, Zigtausende lesen das. Es gibt also einen Bedarf, einen Markt - aber die Verlage, Lektoren und Agenten sind zu dumm, zu arrogant, zu faul, sich damit zu beschäftigen." Autoren, die im Internet schreiben, sind unter anderem Else Buschheuer (mehr), Neil Gaiman (mehr), Alban Nikolai Herbst (mehr) und Ingo Niermann (mehr).
Dass Autoren Entscheidungsträger ihres Verlages sind, gibt's nicht oft. Ein Beispiel ist Schöffling in Frankfurt: Dort bildet die Autorenschaft eine "aktive Community", die an wichtigen Verlagsentscheidungen beteiligt und aus der heraus der Nachwuchs gefördert wird. Verleger Klaus Schöffling fährt gut damit. Burkhard Spinnen habe ihn auf Juli Zeh und Franziska Gerstenberg aufmerksam gemacht, Inka Parei sei eine Empfehlung von Katja Lange-Müller gewesen, erzählte Schöffling dem Buchreport. Bisher habe ihm kein anderer Verlag einen deutschen Autoren abgeworben, freut er sich. Literarischen Nachwuchs zu halten und die Kontinuität eines Werkes zu begründen sei eine Kunst.
Börsenblatt, 06.05.2004
Die Verlagsumsätze sind in 2003 im Vergleich zum Vorjahr um "nur" 1,1 Prozent (2002: minus 2,8 Prozent) gesunken. Das geht aus einer Umfrage des Börsenvereins hervor, an der sich 458 Verlage beteiligt haben. Um Umsatzausfälle wettzumachen, hätten die Verlage die Kostenschraube angezogen: Die beiden größten Kostenblöcke, Herstellung und Personal, wurden jeweils um rund drei Prozent zurückgefahren. Autoren hätten sich über mehr Geld freuen dürfen: Knapp sechs Prozent gaben die Verlage mehr für Honorare aus. In die Zukunft blicken die befragten Verlage optimistisch. Für 2004 erwarten 35 Prozent eine Umsatzsteigerung und 50 Prozent stagnierende Erlöse.
Der Konflikt um Parallelausgaben (siehe Archiv) mit dem Bertelsmann Club ist - im Prinzip - beigelegt. "Vertreter des Börsenvereins und des Clubs haben sich nach einer Reihe von Gesprächen auf einen Kompromiss geeinigt, der in der Anerkennung des Potsdamer Abkommens besteht. Dieses wird im Sinne der alten Regelung fortgeschrieben", schreibt das Börsenblatt. Die Eckdaten des Kompromisses: Mindestabstand zwischen Originalausgabe und Erstankündigungstag beim Buchclub: vier statt bislang sechs Monate, Preisdifferenz: maximal 15 Prozent. Eine Ausnahme sind Bücher, die sich auf kurzfristig anstehende, öffentliche Termine wie die Fußball-WM beziehen. Der Club verpflichtet sich, keine vergleichende Werbung mehr in der Öffentlichkeit zu schalten. Das modifizierte Abkommen soll zehn Jahre gelten. Hier der vollständige Artikel.
Zahlreiche Bücher hat Volk & Welt, zu DDR-Zeiten ein Synonym für internationale Literatur, noch nach der Wende herausgebracht. 2001 war der Verlag dann wirtschaftlich endgültig am Ende, wurde von Random House aufgekauft und inkorporiert, der Verlagsname gelöscht. Verleger Klaus G. Saur preist im Börsenblatt begeistert die jüngst erschienene Dokumentation der Verlagsgeschichte von Volk & Welt, "Fenster zur Welt" (Ch. Links) an: "Allen Buchliebhabern, Verlegern und Buchhändlern ist sie uneingeschränkt zu empfehlen." Es gebe, so Saur, keinen besseren und keinen schöneren Beitrag zur Geschichte des DDR-Verlagswesens oder zu Geschichte der internationalen Literatur der vergangenen 50 Jahre.
Der Verleger-Ausschuss kritisiert Amazon. Anstoß nehmen die Verleger an der "Search inside the book"-Funktion, die dem Unternehmen durch die Weitergabe von Texten einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil verschaffe.
Personalien aus der Buchbranche.
Meldungen: Seit der umstrittenen Verschiebung der sonntäglichen ARD-Kulturmagazine auf 23 Uhr, schalten ein Drittel weniger Zuschauer ein. Trotz der Verkürzung der Frankfurter Buchmesse, die dieses Jahr bereits am Sonntag schließt, soll der Buchverkauf am letzten Ausstellertag beibehalten werden. Die USA exportierten in 2003 Bücher im Wert von 28,7 Millionen Euro nach Deutschland, das sind 17,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Berliner Parthas Verlag bietet ab Herbst neben Sachbüchern auch belletristische Titel an. Die Genossenschaft eBuch steigt in den Zwischenbuchhandel ein und legt ein eigenes Zentrallager mit Vollsortiment an - bisher planen 30 Mitgliedsbuchhandlungen, sich an dem Projekt beteiligen.
buchreport.express, 06.05.2004
Bei der Besetzung von Spitzenpositionen kocht die Branche weiterhin im eigenen Saft. Als Grund nennt der Buchreport die kritische wirtschaftliche Lage, in der selbst die großen Unternehmen keine Risiken eingehen wollten. Die Buchbranche lasse auf Grund der Preisbindung selbst für findige Köpfe wenig Spielraum bei der Umsetzung revolutionärer Konzepte. Außerdem biete die Branche, von wenigen Ausnahmen abgesehen, kaum finanzelle Anreize für wechselwillige Manager.
Schweren Zeiten sehen die Bahnhofsbuchhändler entgegen. "Die Umsätze sind in 2003 um 3,5 Prozent zurückgegangen, in absoluten Zahlen fehten damit an den Kassen rund vier Millionen Kunden", berichtete Götz Grauert, Vorsitzender des Verbandes der Deutschen Bahnhofsbuchhändler, dem Buchreport. Rund 70 Prozent des Umsatzes werden in den Bahnhöfen derzeit mit Presseprodukten erwirtschaftet, Bücher steuern 25 Prozent bei. Um den Herausforderungen des schwierigen Marktes zu begegnen, beschlossen die Bahnhofsbuchhändler, sich "noch deutlicher als beste Pressefachverkaufsstellen zu profilieren."
Der erste Schritt zu einer erheblichen Vereinfachung der Bibliothekenausleihe ist getan. Nach dem Vorbild US-amerikanischer Bibliotheken hat die Unibibliothek München in dieser Woche begonnen, elektronische Bücher über das Internet zu verleihen. In Kooperation mit ciando.de, Deutschlands größtem E-Book-Händler, biete die Bibliothek rund 600 Fachbuch-Titel an, die in einem kopiergeschützten PDF-Format heruntergeladen und mit eier Leihfrist von sieben Tagen gelesen werden könnten, berichtet der Buchreport.
Neues vom US-Buchmarkt: Der Second-Hand-Buchhandel boomt in den Staaten, rund 14 Prozent aller verkauften Bücher sind dort mittlerweile gebraucht. Dabei floriere der Markt beim Online-Händler Amazon ebenso wie im stationären Buchhandel. Im Wahljahr sind Anti-Bush-Bücher der Renner - aktueller Star ist Bob Woodward, dessen "Plan of Attack" (erscheint in Deutschland Ende Juli) aus dem Stand an die Spitze der US-Bestsellerlisten geschossen ist.
Meldungen: Der Buchhandelsumsatz stieg laut buchreport-Umsatztrend im April um plus 1,68 Prozent. In der buchreport-Warengruppenstatistik sind haben die Romane auf dem ersten Rang zu alter Stärke zurückgefunden (mehr). Der per Haftbefehl gesuchte und weiterhin untergetauchte Ex-Libro-AG-Vorstand Andre Rettberg soll gemeinsam mit dem ehemaligen Mitvorstand Johann Knöbl fünf Millionen Euro Schadenersatz für das in den Konkurs gebrachte Unternehmen zahlen. Oetinger kauft den internationalen Lizenzknüller "Die Kinder des Tschinn", das Kinderbuch-Debüt des britischen Autors Philip Kerr - 1,7 Millionen US-Dollar waren dem amerikanischen Verlag die englischsprachigen Rechte wert, über Zahlen aus Deutschland wird geschwiegen. Zum Schluss: die Spiegel-Bestsellerlisten.
Archiv: Die Buchmacher
Rache für bleischwere Bücher
21.04.2008. Wie Buchhändler für Ladenhüter und blöde Bestseller an Autoren Vergeltung üben. Wer sich im Zeitalter des "funktionalen Analphabetismus" über die Ausdünnung des Buchhandelsnetzes Sorgen macht. Und worüber die Branche auf der London Book Fair diskutiert hat. Mehr lesen
Antipoden der Blödel- und Quasselkultur
14.04.2008. Warum literarsche Wucht-Wälzer so beliebt sind. Weshalb der Fall der Buchpreisbindung eine Buchhandelskatastrophe wäre. Welche Romane für Frühlingsgefühle sorgen. Und wieso HarperCollins auf Autoren-Vorschüsse und Remissionsrecht verzichten möchte. Mehr lesen
Ausweitung der Bilderzone
07.04.2008. Warum der Aufbau-Chef heilen oder klagen kann. Wie sich die Börsenvereinianer unter dem Damoklesschwert der Haftung winden. Wieso Brockhaus durch die Heye-Übernahme jetzt verstärkt in Kalender macht. Und weshalb Karstadt auf der Suche nach Buchhandelspartnern in der Klemme steckt. Mehr lesen
Riese in der Wachstumsfalle
31.03.2008. Warum die Branche eine konzertierte Marketing-Aktion benötigt. Wie Wikipedia Kleinverlage auslöscht. Inwiefern Amazon zu komplex und unflexibel ist. Und weshalb das Ehrenamt beim Börsenverein noch unattraktiver wird. Mehr lesen
Archiv: Buchmacher
2008123456789101112200712345678910111220061234567891011122005123456789101112200412345678910111220031234567891011122002123456789101112
Archiv: Die Buchmacher
Freie Preise, freies Handeln
17.03.2008. Warum das Bundeskartellamt gegen die Preisbindung ist. Wer bester Verleger und Misthaufen in einer Person ist. Weshalb auf der Bestsellerliste so viel los ist. Und wie Fachhändler gegen Ketten kämpfen. Mehr lesen
Erfüllungsgehilfen der Filial-Fürsten
10.03.2008. Was die Ausbildung in den Buch-Ketten fragwürdig macht. Wer im Wettstreit mit den Filialisten auf Expansionskurs ist. Und warum Verlage zu defensiv sind. Mehr lesen
Einschussloch der Erinnerung
03.03.2008. Warum Daniel Cohn-Bendit "Die Wohlgesinnten" drei Mal gegen die Wand geworfen hat. Wie beliebt Buchhändler sind. Warum sich die Filialisierung im Buchhandel nicht verlangsamt. Und was Götz Aly bei seiner Recherche zu seinem Buch "Unser Kampf" besonders überrascht hat. Mehr lesen
Leiden mit Fuckoh
25.02.2008. Warum der Fall Brockhaus doch nicht für den Tod der gedruckten Enzyklopädie steht. Wo man Print-on-Demand-Bücher bald produzieren kann. Und was "Nazis in Dortmund" mit "Narziß und Goldmund" und "Foucault" mit "Fuckoh" zu tun haben. Mehr lesen
Print ist tot
18.02.2008. Warum die gedruckte Enzyklopädie Geschichte ist. Weshalb HarperCollins Bestseller verschenkt. Wieso Ratgeber nicht unter der Internet-Konkurrenz leiden. Und wer keine Lust mehr auf Untergangsszenarien und Nullsummenspiele hat. Mehr lesen
Flucht in den kulturellen Naturschutzpark
11.02.2008. Was die Kalender-Verleger besorgt. Warum die Branche von einer Audible-Amazon-Allianz profitiert. Wieso die eskapistischen Buchhandels-Azubis keine Ahnung von BWL und elektronischen Medien haben. Und weshalb Verleger demnächt ein Praktikum als Übersetzer absolvieren sollen. Mehr lesen
Stiefmütterliche Feuilletons
04.02.2008. Warum um Open-Access nicht mehr so scharf gestritten wird. Inwiefern der Wettstreit der Filialisten um Flächen dafür umso schärfer wird. Wieso "ThaliaPreise" verboten sind. Und wer sich darüber ärgert, dass Feuilletons zweite Bücher stiefmütterlich behandeln. Mehr lesen
Gefährliche Makulatur
28.01.2008. Warum Bücher zu billig sind. Welche Comics den Buchhandel erobern sollen. Wie sich Verlage gegen Schutzgeld wehren wollen. Und weshalb die große Ramscherei die Branche bedroht. Mehr lesen
Kollektives Krumenpicken
21.01.2008. Wo die Preisbindung wieder auf der Kippe steht. Weshalb die Hörbuch-Branche nicht mehr euphorisch ist. Warum die kleinen Verleger-Nager in Zukunft nur noch gemeinsam ein paar Krumen picken können. Und mit welchen Hilfen zwei Ex-Suhrkampianer in die Selbstständigkeit starten.
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Club der toten Sparte
14.01.2008. Warum unter der neuen Bertelsmann-Führung düstere Wolken über dem Buch-Club hängen. Welches Tempo die Jäger der Branche vorlegen. Wie der deutsche Buchhandel 2007 abgeschlossen hat. Und was Sortimenter an den Vorschauen der Verlage monieren. Mehr lesen
Angst vor dem Scheitern
07.01.2008. Wie Georg Klein radikal seine Bücher ausmistet - und damit eine Debatte auslöst. Was sich die neue Suhrkamp-Marketingleiterin vorgenommen hat. Und wer aus Angst vor dem Scheitern auf gute Vorsätze verzichtet und lediglich seinen Schreibtisch im neuen Jahr aufräumen will.
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