Bücherschau der Woche
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- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Die Buchmacher
Die Buchmacher
Ein Blick in die Branchenblätter der Buch- und Verlagswelt. Jeden Montag ab 12 Uhr.
03.05.2004. In dieser Woche lesen Sie: dass der Trend zum "Buchhandel light" anhält. Und dass die EU-Osterweiterung auch die Buchbranche erweitern könnte. von Sandra Evertz
Börsenblatt, 29.04.2004
Der Trend zum "Buchhandel light" hält an. "Während die Umsätze des traditionellen Buchhandels stagnieren oder zurückgehen, erleben Boulevard-Buchhandlungen und MA-Spezialisten einen erstaunlichen Aufschwung", heißt es im "Thema der Woche" des Börsenblatts. Über Umsatzsprünge hätten sich im vorigen Jahr Weltbildplus, Weltbild-Tochter Jokers mit ihren stationären Discountern und die Wohlthat'sche Buchhandlung freuen können. Das Konzept einer "klaren Vorselektion", um so dem Kunden Orientierung zu geben, ein Schwerpunkt auf Schnäppchen, Sonderausgaben und Bestsellern, sowie die Vermischung von MA-Titeln mit preisgebundenen Büchern, scheint bei der Zielgruppe aufzugehen. Sorgen bereitet der Light-Buchhandel vor allem kleinen Sortimentern, aber auch den Bahnhofsbuchhändlern.
Unterschiedlicher Meinung sind Börsenvereinsvorsteher Dieter Schormann und der Vorsitzende des Sortimenter-Ausschusses im Börsenverein, Rudolph Braun-Elwert, in der Ladenschluss-Debatte. Wirtschaftsminister Clement hatte letzte Woche laut über die Abschaffung aller Vorschriften zu den Ladenöffnungszeiten an Werktagen nachgedacht. "Denken die Politiker dabei auch an diejenigen, die die langen Öffnungszeiten umsetzen müssen?" fragt Braun-Elwert kritisch. Vor allem kleinere Sortimente, die ihre Personalkapazitäten kaum noch ausweiten können, befürchteten eine Kaufkraftverschiebung zugunsten großer Filialen. Schormann findet es grundsätzlich richtig, dass Unternehmen selbst entscheiden können, wann und wie lange sie offen haben. (Der Buchreport hat herausgefunden, dass bereits in zehn EU-Ländern kein Ladenschluss an Werktagen vorgeschrieben ist).
Stumpfe Jobs machen kreativ und verhelfen zu Bestsellern und Auszeichnungen. Zumindest im Fall von Christiane Scherer, die sich - warum auch immer - in Anlehnung an Theodor W. Adorno Thea Dorn nennt. Vor zehn Jahren, als Hilfskraft an der Uni, sei ihr die Idee für ihren ersten Krimi gekommen, erzählte die Autorin und Moderatorin des SWR-Büchertalks dem Börsenblatt. Während sie damals stundenlang am Kopierer gestanden hätte, immerfort auf die braunen Postfächer an der Wand starrend, habe sie sich irgendwann gefragt, was geschähe, wenn in diesen Fächern nicht Briefe und Päckchen, sondern ausnahmsweise einmal ein zerteilter Professor läge: von kundiger Hand filetiert, in Gefrierbeutel verpackt.
Hohe Wachstumsraten bei Amazon. Was die Zahlen für Deutschland allein angeht, hält sich der weltweit größte Online-Buchhändler stets bedeckt. Amazon.com vermeldet für das erste Quartal dieses Jahres einen Umsatz von ca. 1,5 Milliarden Dollar. Der Gewinn lag bei 111 Millionen Dollar, gegenüber einem Minus von zehn Millionen Dollar im Vorjahr. Im Auslandsgeschäft (Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Japan) stieg der Umsatz in den ersten drei Monaten 2004 um 80 Prozent auf 684 Millionen Dollar.
Der Europa Verlag, durch die Insolvenz des Mutterkonzerns, Senator Entertainment AG, ins Schlittern geraten, hat einen neuen Gesellschafter gefunden. Arne Teutsch, Gesellschafter von Altberliner, Baumhaus, BuchVerlag für die Frau, Leiv und "Eselsohr", wird mit 51 Prozent Mehrheitsgesellschafter und kaufmännischer Geschäftsführer des Hamburger Unternehmens. Vito von Eichborn hält 49 Prozent an "Europa" und bleibt verlegerischer Geschäftsführer. Teutsch verspricht sich durch Synergien in Zusammenhang mit seinen anderen Verlagen Kostenersparnisse in den Bereichen Herstellung, Vertrieb, Marketing und Verwaltung, erklärte er im Börsenblatt-Interview.
Personalien: Job-Rotation bei den neuen Bonnier-Verlagen: Michael Neher, zurzeit Programmchef bei der DVA, wird spätestens zum 1. Oktober Leiter der Verlage Ullstein und Propyläen in Berlin. Hartmut Jedicke ist seit 1. Mai Geschäftsführer der Ullstein Buchverlage, ebenfalls an der Spree. Das neue Führungstrio bei Piper in München bilden Hans-Joachim Hartmann (kaufmännische Leitung), Wolfgang Ferchl (Programm) und Christa Beiling (Marketing). Weitere Personalien aus der Buchbranche.
Meldungen: Heidelberg ist die Stadt mit der größten Buchhandelsdichte in Deutschland - 3510 Leser müssen sich hier eine Buchhandlung teilen. Der Bibliotheksverband BIB hat mit www.bibliothekssterben.de (hier) eine eigene Internet-Seite ins Netz gestellt, um geschlossene und gefährdete Einrichtungen zeitnah zu erfassen. Morgen startet der Wettbewerb "Das schönste deutsche Wort" des Deutschen Sprachrats - bis zum 1. August können Vorschläge (mehr) eingereicht werden.
buchreport.express, 29.04.2004
Die EU-Osterweiterung könnte zur Internationalisierung der Buchmärkte beitragen, prognostiziert der Buchreport vorsichtig. Darauf setzen vor allem deutsche Schulbuch- und Sprachenverlage, das hoffen aber auch Fach- wie Publikumsverlage, deren Exporte in die Beitrittsländer bisher nur marginal gewesen sind (Gesamtvolumen des Exports in 2003: unter 50 Millionen Euro). Ihre Fühler gen Osten ausgestreckt haben bereits der Bertelsmann Club mit Ablegern in Tschechien und der Slowakei und Versender Weltbild, der nach seiner deutschen Geschäftsphilosophie rund eine halbe Million Kataloge in Polen verschickt.
Zeitgenössische Literaten aus den großen Beitrittsländern, etwa der Ungar Peter Esterhazy oder der Tscheche Pavel Kohout, werden in den deutschen Feuilletons geschätzt. Auf den Bestsellerlisten seien sie aber, bemerkt der Buchreport, seltene Zaungäste. Seit 1999 hätten es nur vier Titel von Autoren aus den EU-Neulingen in die Jahresrankings geschafft, am besten habe sich die Autobiografie des polnischen Juden Roma Ligocka, "Das Mädchen im roten Mantel" (Droemer), platziert (Rang 42).
Preisbindung ist für das Gros der neuen EU-Staaten ein Fremdwort, nur in Ungarn gelten feste Preise für Bücher. In Deutschland werden Preisbindungsverstöße immer geschickter getarnt, deckt der Buchreport auf. Ein Blick auf den Marktplatz Ebay offenbare tausende Auktionen, bei denen Bücher als "ungelesen", nicht jedoch als "neu" bezeichnet würden. Kein Wunder, dass die Zahl der Verstöße bei Ebay, wie Rechtsanwalt Dr. Christian Russ feststellt, abnimmt. Nicht auszuschließen ist nämlich, dass sie schlicht unentdeckt bleiben.
Genervt ist der Buchreport vom Börsenverein, der die Aktion "Leseköpfe" (zur Erinnerung: mehr) zum Welttag des Buches, als "vollen Erfolg" gerühmt hat: "Mittlerweile wird es langweilig, immer wieder auf das nächste Jahr zu hoffen und schließlich doch nur zu registrieren, dass außer Selbstlob der Frankfurter Kreativen kein Ergebnis zu registrieren ist." Statt der betonierten Leseköpfe müssten kluge Köpfe her, die neue Ideen realisierten. Vorbildlich seien in dieser Hinsicht die Organisatoren der lit.Cologne.
Wer keine Lust mehr hat, die Wochen des Stillstandes auf der Spiegel-Bestsellerliste Hardcover Belletristik zu zählen, der sei auf nächste Woche vertröstet. Der neue Commissario Brunetti-Roman von Donna Leon, eingestiegen auf Platz 46, wird sich in der kommenden Woche "wesentlich weiter oben" platzieren, glaubt der Buchreport. Welche Titel derzeit noch auf den ersten Rängen mauern, hier.
Archiv: Die Buchmacher
Rache für bleischwere Bücher
21.04.2008. Wie Buchhändler für Ladenhüter und blöde Bestseller an Autoren Vergeltung üben. Wer sich im Zeitalter des "funktionalen Analphabetismus" über die Ausdünnung des Buchhandelsnetzes Sorgen macht. Und worüber die Branche auf der London Book Fair diskutiert hat. Mehr lesen
Antipoden der Blödel- und Quasselkultur
14.04.2008. Warum literarsche Wucht-Wälzer so beliebt sind. Weshalb der Fall der Buchpreisbindung eine Buchhandelskatastrophe wäre. Welche Romane für Frühlingsgefühle sorgen. Und wieso HarperCollins auf Autoren-Vorschüsse und Remissionsrecht verzichten möchte. Mehr lesen
Ausweitung der Bilderzone
07.04.2008. Warum der Aufbau-Chef heilen oder klagen kann. Wie sich die Börsenvereinianer unter dem Damoklesschwert der Haftung winden. Wieso Brockhaus durch die Heye-Übernahme jetzt verstärkt in Kalender macht. Und weshalb Karstadt auf der Suche nach Buchhandelspartnern in der Klemme steckt. Mehr lesen
Riese in der Wachstumsfalle
31.03.2008. Warum die Branche eine konzertierte Marketing-Aktion benötigt. Wie Wikipedia Kleinverlage auslöscht. Inwiefern Amazon zu komplex und unflexibel ist. Und weshalb das Ehrenamt beim Börsenverein noch unattraktiver wird. Mehr lesen
Archiv: Buchmacher
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Archiv: Die Buchmacher
Freie Preise, freies Handeln
17.03.2008. Warum das Bundeskartellamt gegen die Preisbindung ist. Wer bester Verleger und Misthaufen in einer Person ist. Weshalb auf der Bestsellerliste so viel los ist. Und wie Fachhändler gegen Ketten kämpfen. Mehr lesen
Erfüllungsgehilfen der Filial-Fürsten
10.03.2008. Was die Ausbildung in den Buch-Ketten fragwürdig macht. Wer im Wettstreit mit den Filialisten auf Expansionskurs ist. Und warum Verlage zu defensiv sind. Mehr lesen
Einschussloch der Erinnerung
03.03.2008. Warum Daniel Cohn-Bendit "Die Wohlgesinnten" drei Mal gegen die Wand geworfen hat. Wie beliebt Buchhändler sind. Warum sich die Filialisierung im Buchhandel nicht verlangsamt. Und was Götz Aly bei seiner Recherche zu seinem Buch "Unser Kampf" besonders überrascht hat. Mehr lesen
Leiden mit Fuckoh
25.02.2008. Warum der Fall Brockhaus doch nicht für den Tod der gedruckten Enzyklopädie steht. Wo man Print-on-Demand-Bücher bald produzieren kann. Und was "Nazis in Dortmund" mit "Narziß und Goldmund" und "Foucault" mit "Fuckoh" zu tun haben. Mehr lesen
Print ist tot
18.02.2008. Warum die gedruckte Enzyklopädie Geschichte ist. Weshalb HarperCollins Bestseller verschenkt. Wieso Ratgeber nicht unter der Internet-Konkurrenz leiden. Und wer keine Lust mehr auf Untergangsszenarien und Nullsummenspiele hat. Mehr lesen
Flucht in den kulturellen Naturschutzpark
11.02.2008. Was die Kalender-Verleger besorgt. Warum die Branche von einer Audible-Amazon-Allianz profitiert. Wieso die eskapistischen Buchhandels-Azubis keine Ahnung von BWL und elektronischen Medien haben. Und weshalb Verleger demnächt ein Praktikum als Übersetzer absolvieren sollen. Mehr lesen
Stiefmütterliche Feuilletons
04.02.2008. Warum um Open-Access nicht mehr so scharf gestritten wird. Inwiefern der Wettstreit der Filialisten um Flächen dafür umso schärfer wird. Wieso "ThaliaPreise" verboten sind. Und wer sich darüber ärgert, dass Feuilletons zweite Bücher stiefmütterlich behandeln. Mehr lesen
Gefährliche Makulatur
28.01.2008. Warum Bücher zu billig sind. Welche Comics den Buchhandel erobern sollen. Wie sich Verlage gegen Schutzgeld wehren wollen. Und weshalb die große Ramscherei die Branche bedroht. Mehr lesen
Kollektives Krumenpicken
21.01.2008. Wo die Preisbindung wieder auf der Kippe steht. Weshalb die Hörbuch-Branche nicht mehr euphorisch ist. Warum die kleinen Verleger-Nager in Zukunft nur noch gemeinsam ein paar Krumen picken können. Und mit welchen Hilfen zwei Ex-Suhrkampianer in die Selbstständigkeit starten.
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Club der toten Sparte
14.01.2008. Warum unter der neuen Bertelsmann-Führung düstere Wolken über dem Buch-Club hängen. Welches Tempo die Jäger der Branche vorlegen. Wie der deutsche Buchhandel 2007 abgeschlossen hat. Und was Sortimenter an den Vorschauen der Verlage monieren. Mehr lesen
Angst vor dem Scheitern
07.01.2008. Wie Georg Klein radikal seine Bücher ausmistet - und damit eine Debatte auslöst. Was sich die neue Suhrkamp-Marketingleiterin vorgenommen hat. Und wer aus Angst vor dem Scheitern auf gute Vorsätze verzichtet und lediglich seinen Schreibtisch im neuen Jahr aufräumen will.
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