Aus dem Englischen von Nicola Stuart. Judith Kerr kam am 14. Juni 1923 kam sie als Tochter des berühmten Theaterkritikers Alfred Kerr in Berlin zur Welt. 1935 emigrierte die jüdische Familie nach London. Nach dem Krieg arbeitete Kerr als freiberufliche Malerin und Textildesignerin. Seit 1953 war sie als Redakteurin und Lektorin, später als Drehbuchautorin für die BBC tätig. 1954 heiratete sie den Schriftsteller Nigel Kneale. Nach der Geburt der Kinder Tacy und Matthew zog die Familie im Jahr 1962 in das stattliche dreistöckige Edwardian Haus in Barnes im Südwesten Londons. "Barnes war damals sehr schäbig", erzählte sie, "aber wir liebten es, weil es voller Leute wie uns war, die nie so genau wussten, wie sie mit ihrem Geld zurechtkommen sollten". Ende der 60er Jahre begann sie die Geschichte von Anna zu schreiben. Es ist ihre Geschichte, aber die Bücher sind, wie sie betonte, "Romane und keine Memoiren". "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" wurde 1974 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet, es ist ein Standardwerk der Jugendliteratur und Klassiker der Emigrantenliteratur. Judith Kerr starb am 22.5.2019 in London.
Ein schönes Kinderbuch legen die Illustratorin Britta Teckentrup und der Autor Thomas Harding hier vor, freut sich Rezensentin Eva-Christina Meier. Es widmet sich dem Leben der Kinderbuchautorin Judith Kerr, die vor allem für "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" bekannt ist - tatsächlich hat Kerrs Leben Parallelen mit dieser Erzählung, auch Kerr musste 1933 als jüdisches Mädchen mit ihrer Familie aus Deutschland fliehen, so der Rezensent. Das Haus am Park des Titels wird dann Kerrs Domizil, die Geschichte dieses Heimischwerdens wird von Harding in knapp gehaltenen, schön gestalteten Sätzen erzählt, was gut passe zu den malerischen Illustrationen Teckentrups, die in einem digital-analogen Mischverfahren entstanden sind. Schöne Sache das, so das Fazit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.11.2025
Rezensentin Eva-Maria Magel hat ihre Zweifel: Thomas Hardings Hommage an Judith Kerr gehört zu einer Reihe biografischer Kinderbücher, erklärt Magel, in der Harding Gebäude zum Sprechen bringt, um die Geschichte ihrer berühmten Bewohner zu erzählen. Eine solche "Beseelung" würde sich Magel noch gefallen lassen, auch findet sie jenes Haus am Park, in dem Kerr mit ihrem Mann und ihren Kindern lebte, wirklich einnehmend und von Illustratorin Britta Teckentrup in virtuoser Collagetechnik eingefangen. Aber das Konzept stoße doch gerade bei Kerr an seine Grenzen, überlegt Magel, wenn die dramatischsten Momente ihres Lebens sich eben nicht in diesem späten Refugium zutrugen, sondern auf ihrer Flucht. Dass die berühmte gelbe Küche inzwischen im Museum stehe, nicht mehr in dem alten Haus, sagt der Rezensentin auch etwas.
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