Der österreichische Dichter Reinhard Priessnitz (1945-1985) zählt zu den bedeutendsten Dichtern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Thomas Eder situiert Priessnitz' einziges zu Lebzeiten publiziertes Buch (vierundvierzig gedichte, 1978) innerhalb des von Begriffen wie "radikale Avantgarde", "Konkrete Dichtung" oder "experimentelle Literatur" aufgespannten Kräftefeldes. Die Grenzüberschreitung der Kunst und Literatur der Avantgarde, ihre Unterminierung von Repräsentation wird in Priessnitz' Gedichten, die Poesie und Epistemologie verknüfen, ihrerseits unterlaufen: die Radikalisierung der Avantgarde beruht hier auf ihrer "Re-Poetisierung". Andererseits glorifiziert Priessnitz Dichtung nicht umstandslos als Erkenntnismodus, sondern legt ein radikal skeptisches und paradoxales Programm zugrunde. Eder eröffnet mit seiner Studie neue Einsichten in die Kunst der Avantgarde ("Wiener Gruppe", "Wiener Aktionismus", "Konkrete Poesie") und bietet darüber hinaus eine generelle Untersuchung zum Verhältnis von Dichtung, Philosophie und Naturwissenschaft.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.01.2005
Der Dichter Reinhard Priessnitz gehört nach Einschätzung des "Jdl." zeichnenden Rezensenten zum "elementaren Handgepäck" der österreichischen Literatur. Sein Einfluss auf die jüngere Avantgarde sei kaum zu überschätzen. Hoch erfreut zeigt sich der Rezensent daher auch über Thomas Eders umfangreiche Studie, die sich Priessnitz mit "klaren Blick" nähere. Überzeugend gelinge es Eder, Priessnitz' Poesie der Aussparung darzustellen, die in jedem Gedicht dennoch ganze Poetologien vorführe. Darüber hinaus entwickele Eder eine Theorie der Avantgarde, welcher die Paradoxien des poetischen Sprechens immer skeptisch bewusst bleibe.
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