Secession, Berlin 2026
ISBN
9783966391283 Gebunden, 624 Seiten, 30,00
EUR
Klappentext
Aus dem Spanischen von Matthias Strobel. Toñanes, ein winziges Dorf, gelegen in Kantabrien, im Norden Spaniens. Der Protagonist Juan - das Alter Ego des Autors - besucht als Kind mit seinen Eltern einen Onkel des Vaters in Toñanes. Am Ende dieses Besuchs wird der Entschluss gefasst, das alte Steinhaus des Onkels zu kaufen und es zum Lebensort während der Sommermonate zu machen. Für Juan wird das Dorf im Norden bald mehr Heimat sein als das eigentliche Zuhause in Santander. Juan erzählt schließlich die Geschichte dieses Dorfes: von seiner Gründung durch die Römer bis hin in unsere Gegenwart. Zugleich erzählt er seine eigene Familiengeschichte, das Leben im Dorf, seine Entdeckungen als Kind, sein Heranreifen, Sexualität, Liebe, Mutterschaft,Religion, Fanatismus, Recht und Unrecht, Ungleichheit, Rassismus, Emigration, Krieg, Tradition und deren Verlust, Tod. Auf der Grundlage einer umfangreichen historischen Recherche arbeitet Juan Gómez Bárcena die Biografie eines Ortes heraus, die auch die Biografie eines ganzen Landes ist.
Rezensent Dirk Fuhrig bestaunt Juan Gómez Bárcenas gleichermaßen persönliches wie makrohistorisches "Opus Magnum". Wahnsinn, was der Autor in dieser tiefschürfenden Auseinandersetzung mit seinem kantabrischen Heimatdorf Toñanes alles orchestriert, ohne den Blick fürs Detail zu verlieren oder ins Pathetische abzudriften, vermittelt Fuhrig: Auf Basis zahlreicher Interviews mit Dorfbewohnern und dabei auf diverse Zeitebenen ausgreifend - es geht bis zurück vor Christus - entwirft der Schriftsteller das Durchgangs-Kaff mit hundert Einwohnern, eigentlich ein "Nicht-Ort", zum Dreh- und Angelpunkt des historischen Treibens und persönlicher Schicksale. Letztere stehen dabei im Vordergrund; es geht um gescheiterte Ehen und Fehlgeburten, Weggezogene und Verbliebene, um die eigene Kindheit des Autors. Das Politische taucht hin und wieder auch auf; stärker gewichtet ist wiederum das Thema der Religion, so Fuhrig. Die eigentliche Sensation ist dabei für den Kritiker, wie Bárcena den Text baut: er legt die Zeitschichten wie Folien übereinander, springt laufend hin und her, etwa in seiner Aufzählung aller je Durchreisenden - von Pilgern über Leprakranke bis hin zu gegenwärtigen Radsportlern -, und notiert als Lesestütze die jeweiligen Jahreszahlen auf dem Seitenrand, lobt Fuhrig. Dass diese riesige Zusammenschau funktioniert und nicht auseinanderfällt, dass Bárcena die epische Dimension "ewiger Themen der Menschheit" mit ironischer Distanz und einer "Leichtigkeit" auffalten kann, ist für den Kritiker höchst beeindruckend.
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