Anne de Marcken

Es währt für immer und dann ist es vorbei

Roman
Cover: Es währt für immer und dann ist es vorbei
Suhrkamp Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783518432228
Gebunden, 151 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Clemens J. Setz. Unsere Heldin befindet sich im Jenseits. Sie lebt im Hotel der Untoten und hat einen Arm zu wenig, dafür aber eine Krähe zu viel. An ihren Namen kann sie sich nicht erinnern, ebenso wenig an ihre Kindheit - mochte sie Erdbeereis? Hatte sie einen grünen Spielzeuglaster? Seit der "großen Katastrophe" befindet sie sich im Reich der Namen- und Geschichtslosen, und doch zeigt sie keine Resignation. Im Gegenteil, denn eine kostbare Erinnerung ist ihr geblieben: Die Erinnerung an eine Person. Mit ihr. In den Dünen. Also macht sie sich mit Krähe und ohne Arm auf den Weg nach Westen, ans Meer, auf die Suche nach dem, was sie eigentlich ist. Und auf die Suche nach dem, was man früher wohl Liebe nannte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.10.2025

Fasziniert stolpert Rezensent Maximilian Mengeringhaus mit der Hauptfigur dieses Buches, einem namenlosen weiblichen Zombie, durch die USA. Anders als es das geläufige Zombieklischee will, denkt diese Protagonistin ziemlich viel nach, so die Rezension weiter, wobei ihre Vergangenheit ihr fast komplett unzugänglich bleibt, wie wir auch nichts über den Ursprung der Zombiekatastrophe erfahren, die die Welt, in der das Buch spielt, heimgesucht hat. Die Erzählung ist an gewisse Erzähltraditionen anschlussfähig, so Mengeringhaus, etwa wenn die Zombies sich in Richtung amerikanische Westküste bewegen - da wird das Buch zum Porträt einer orientierungslosen USA. Stark ist aber weniger die Handlung als, zum einen, die formbewusste Sprache, stellt der Rezensent klar, lobenswert auch die Arbeit des Übersetzers Clemens J. Setz. Zum anderen ist Mengeringhaus auch angetan von der Charakterisierung der zentralen Zombiefrau als einsame Grüblerin. Abschließend zieht Mengeringhaus noch eine Verbindung zu Donna Haraways im Buch freilich nicht erwähnten "Cyborg Manifesto", an den Marckens starker Roman einerseits anschließt, von dem er sich aber auch auf interessante Art und Weise absetzt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 19.07.2025

Rezensent Michael Wolf kommt geradezu ins Schwärmen über den neuen  Roman von Anne de Marcken, dessen Erzählerin ein namenloser Zombie ist. Zombie-Apokalypsen findet er ziemlich ergiebig, was die Frage  angeht, mit welchen Ängsten sich eine Gesellschaft rumschlägt, hier ist es der Verlust. Die Zombies leben in einem Hotel, das Wolf an Sartres "Geschlossene Gesellschaft" denken lässt, sie kommen nicht mehr an das heran, woran sie sich den ganzen Tag melancholisch sehnen. Der  Kritiker bewundert, wie hier Verlusterfahrungen hier "Thema und zugleich auch der Adressat" dieses Romans sind, so eine interessante Doppelstruktur ergeben und die Suche nach einem Heilmittel für diese Gefühle abbilden. Der Bilderreichtum und die Lebendigkeit des Textes werden laut Wolf sehr gelungen von Clemens Setz übersetzt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 09.05.2025

Valentin Wölflmaier entdeckt in Anne de Marckens Zombie-Roman mehr als Splatter: eine existenzielle Trauer wie bei Beckett. Dass die kopflosen Untoten bei de Marcken nicht einfach fressen und gefressen werden, ist für den Rezensenten ein Qualitätsmerkmal. Diese Untoten sinnieren über ihre Existenz und Identität, über Verlorenes und die Paradoxien ihres Daseins. Wo gibt es denn sowas? Bei de Marcken! Wölflmaier muss allerdings auch nicht gänzlich auf genreübliche Zutaten verzichten. Ruinenlandschaften der Postapokalypse und eine sich unbändig ausbreitende Natur kommen ebenso ins Bild wie skurrile Monster, versichert er.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 08.04.2025

Fröhlich erkundet Rezensent Miriam Zeh mit Anne de Marcken eine Zombieapokalypse: Die Welt ist in diesem Buch zu Ende gegangen, die Zombies haben übernommen, fasst Zeh zusammen, aber sie verhalten sich eigenartig, zum Beispiel leben sie in einem Hotel, erinnern sich an Fragmente eines früheren Lebens und erzählen sich gegenseitig Geschichten. Hauptfigur ist laut Zeh Geneviève, eine Zombie-Frau, die sich an eine vergangene Liebe erinnert, außerdem einen Arm verliert und sich aufmacht in Richtung Westen. Insgesamt ergibt das einen ungewöhnlichen, melancholischen Zombieroman, der sich wohltuend von blutrünstigen Genrekonventionen fernhält und dessen ornamentfreie Sätze von Clemens J. Setz perfekt ins Deutsche übertragen worden sind. Ein verständnisvolles Zombiebuch, so das ausgesprochen positive Fazit.