Adrian Daub

Was das Valley herrschen nennt

Cover: Was das Valley herrschen nennt
Suhrkamp Verlag, Berlin 2026
ISBN 9783518128695
Taschenbuch, 213 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Die von Elon Musk ins Leben gerufene Abteilung für Regierungseffizienz, DOGE, war nur die Spitze des Eisbergs. In den letzten Jahren hat das Silicon Valley die Macht in den USA übernommen. Meta, Palantir & Co. bestimmen jetzt, wer reguliert, ja, wer regiert. Günstlinge der Tech-Milliardäre durchsetzen den Verwaltungsapparat. Energiepolitik wird fast nur noch für die Kryptobranche und KI-Startups gemacht. Und die anti-woke Agenda der Titanen münzt Trump eins zu eins in Dekrete um. In Investorenmeetings und in Hörsälen, in Science-Fiction-Büchern, Fortpflanzungskliniken und in Sadomaso-Kellern spürt Adrian Daub dem nach, was für diese Konzerne, was für ihre Lenker, Dominanz bedeutet. Sie haben die Herrschaft an sich gerissen. Aber verstehen sie überhaupt, was herrschen ist?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.05.2026

Insgesamt interessiert liest Rezensentin Hannah Schmidt-Ott Adrian Daubs Buch über das Verhältnis der Silicon-Valley-Tech-Elite zur Macht; ein paar Einwände hat sie allerdings schon. Daub zeichnet nach, wie Elon Musk, Peter Thiel und andere Tech-Milliardäre über Macht denken, er tut dies zum Teil in anekdotischer Manier und geht auf die Lebenswelt der Silicon-Valley-Szene ein. Die Tech-Leute, so eine These, erfreuen sich ihrer Machtposition, die sie einer Allianz mit der Politik verdanken, sie weigern sich jedoch, entsprechend Verantwortung zu übernehmen. Entsprechend porträtiert Daub die einst eher linksliberalen, inzwischen weit nach rechts Gerückten Firmenchefs als ewig unreife Nerds - was sich unter anderem auch in ihrem Frauenbild niederschlägt: Frauen haben keinen Zutritt zu den Sphären der Tech-Macht, dennoch beschäftigen sich Musk und Co obsessiv mit ihnen und unternehmen Anstrengungen, sie zu kontrollieren. All das liest Schmidt-Ott durchaus mit Gewinn, freilich weist sie darauf hin, dass Daub keinen konsistenten Begriff von Herrschaft verwendet und immer mal wieder darauf verzichtet, seine Behauptungen zu belegen. Gleichwohl, so das Fazit, lernt man hier einiges über die "berufsmäßige Schaumschlägerei" der Tech-Elite, die freilich durchaus realweltliche Konsequenzen hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 14.03.2026

Rezensent Harald Staun bespricht zwei Bücher über die Herren des Silicon Valles: "Muskismus" von Quinn Slobodian und Ben Tarnoff widmet er kaum mehr als einen Satz, vielleicht, weil sie Elon Musk nicht nur als unreifen Aufschneider begreifen, sondern ihm auch "unterschätzte Qualitäten" zusprechen. Adrian Daubs sehr viel pessimistischeres Buch "Was das Valley herrschen nennt" findet Staun hingegen überzeugend und aufschlussreich. Er beschreibt, wie Daub der als Stanford-Professor die Machtübernahme von Tech-Milliardären wie Elon Musk und Mark Zuckerberg aus nächster Nähe beobachtet hat, deren kindliche, unreife Auftritte als Spiegel gesellschaftlicher Projektionen entlarvt, während sie ihre fragile Männlichkeit mit nihilistischer Herrschaft verknüpfen. Besonders gelungen findet der Rezensent Daubs These, dass diese "Creeps" durch ewige Adoleszenz und Unreife - wie bei unfertigen Technologien - echte Kontrolle simulieren, ohne sie zu verstehen, was sie gefährlich für Demokratie und Staat mache. Staun sieht mit Daub nur die Gefahren einer planlosen Disruption, Chancen kann er nicht erkennen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.03.2026

Rezensent Jens Hacke schätzt den in Stanford lehrenden Literaturwissenschaftler und Vielschreiber Adrian Daub als Kritiker des Silicon Valley, der früh und schlüssig die neue kalifornische Mischung aus Technokratie, Science-Fiction und Hochstapelei analysierte. Wenn Daub nun in seinem neuen Buch nachzeichnet, wie die Tech-Oligarchen während der Covid-Pandemie lernten, den Staat zu instrumentalisieren, und zwar nicht nur um ihren Profit zu mehren, sondern ihre Macht, dann liest Hacke das mit Interesse. Allerdings hätte sich der Rezensent mehr Differenzierung gewünscht (es sind schließlich nicht alles "Online-Nazis"), mehr Arbeit am Begriff der Herrschaft und tiefere Einblicke in die Verquickung von Ökonomie und Politik. Bloße Analyse von Narrativen ist ihm zu wenig.

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