Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 11.02.2012, 21.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Magazinrundschau

2000 Liter Make-up

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.

26.08.2008. Die Hudson Review erzählt die Geschichte des Boxer-Films "The Set Up", der auf einem Versepos von 1928 beruht. Wired sieht die Zukunft des Elektroautos in Israel. In The New Republic untersucht Joseph Stiglitz die Folgen der Großen Depression 2008. Tygodnik Powszechny plädiert für mehr Umweltbewusstsein der Katholischen Kirche. In Babelia beschreibt Javier Marias die Tücken der Verlagsarbeit. In Open Democracy untersucht Ivan Krastev die fatalen Folgen des Georgienkrieges. Im New Yorker ist John Updike fasziniert von den Bienenstich-Lippen Max Factors.

The Hudson Review (USA), 25.08.2008

Bild zum ArtikelIn einem ganz wunderbaren Artikel erzählt Jefferson Hunter die Geschichte des Boxer-Films "The Set Up" - eine RKO-Produktion von 1949. Regie führte Robert Wise, die Hauptrolle spielte Robert Ryan, in einer Nebenrolle gibt Weegee einen der Zeitnehmer, "Fedora auf dem Kopf, Zigarre im Mund, Stoppuhr und Hammer in den Händen". Der Film basiert auf dem gleichnamigen, 1928 veröffentlichten Versepos von Joseph Moncure March. "Für den Film behielt RKO den größten Teil des originalen, gewalttätigen Plots bei, folgte Marchs blitzschnell wechselnden Stimmungen von Verachtung, Angst und voraussehbarer Niederlage, erfand sogar brillante filmische Entsprechungen für seine hämmernden Versrhythmen. Aber RKO nahm auch Veränderungen vor, einige größer, andere kleiner - Veränderungen von der Art, die March, immer zynischer werdend, aus der Zeit in den 1930ern kannte, als er als Drehbuchautor für die Studios selbst künstlerische Kompromisse machen musste. Die Geschichte darüber, was Hollywood 'The Set Up' angetan hat ist kompliziert - genauso kompliziert und faszinierend, wie Marchs Gedicht selbst und genau so eine Mischung aus hartnäckiger Treue und schäbigem Verrat."


Hier ein Filmausschnitt:


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Outlook India (Indien), 01.09.2008

Bild zum ArtikelUnter der Überschrift "Azadi" (Freiheit) solidarisiert sich die Schriftstellerin Arundhati Roy mit den seit Wochen andauernden Massenprotesten in Kaschmir: "Es überrascht nicht, dass die von der indischen Regierung so gewaltsam zum Schweigen gebrachte Stimme jetzt zu einem betäubenden Brüllen anschwillt. Hunderttausende unbewaffneter Menschen wollen die Herrschaft über ihre Städte, ihre Straßen und Stadtviertel zurück. Sie haben die schwer bewaffneten Sicherheitskräfte durch ihre schiere Zahl überwältigt, aber auch durch bemerkenswerten persönlichen Mut. Die jüngere Generation, deren Spielplätze Armee-Camps, Wachposten und Bunker waren, ist zum Soundtrack der Folterkammern aufgewachsen - und entdeckt plötzlich die Macht des Massenprotests und vor allem, was es heißt, den Körper durchzustrecken und für sich selbst zu sprechen, sich selbst zu repräsentieren. Das ist nicht weniger als eine Epiphanie."

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Wired (USA), 16.09.2008

Bild zum ArtikelDie vom israelischen Ex-SAP-Manager Shai Agassi gegründete Firma Better Place hat bereits mehrere hundert Millionen Startup-Gelder aquiriert, mit denen sie die Welt verändern will. Mit Elektroautos. Es geht dabei allerdings weniger um eine technische Innovation im Auto- oder Batteriebereich, sondern um ein revolutionäres Netz- und Kostenmodell, wie ein enthusiastischer Daniel Roth berichtet: "Agassi erfand das gesamte Automobil-Ökosystem neu mit einem Konzept, dass er das Elektrische Wiederaufladenetz" (englisch: Electric Recharge Grid Operator", kurz: ERGO) nannte. Darin verbinden sich die Methoden der Auto- und der Handy-Industrie auf unorthodoxe Weise. Anstelle von Tankstationen an jeder Ecke würde ERGO das ganze Land mit 'klugen' Aufladestellen pflastern. Die Fahrer könnten sich überall und jederzeit einstöpseln, und zwar nach bestimmten Abrechnungsverträgen: Flatrates, eine oberes Kilometerlimit pro Monat oder Einmalzahlung - all das billiger als Benzin. Das Auto käme vom Betreiber, der massive Discounts anbietet oder das Auto sogar umsonst hergibt. Der Profit kommt einzig vom Verkauf der Elektrizität."


Weitere Artikel: Steven Levy hat den von den Hackern dieser Erde vergötterten Science-Fiction-Autor Neal Stephenson (mehr hier) besucht und seinen neuen Roman "Anthem" gelesen, der auf knapp tausend Seiten nicht weniger als eine ganze 7000-jährige Kultur erfindet. David Wolman fertigt den ganzen "Das Internet macht uns dümmer"-Blödsinn knapp ab.

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Mediapart (Frankreich), 25.08.2008

Eine sehr bittere Bilanz des kurzen Georgien-Kriegs und der europäischen und besonders französischen Rolle zieht der Romancier Gilles Hertzog, der mit Bernard-Henri Levy nach Georgien reiste und für das Online-Magazin Mediapart schreibt. Was den Anfang des Krieges angeht (aber zählt der nach den geschaffenen Tatsachen noch?) übernimmt er die georgische Version: "Saakaschwili hatte den Westen seit langem gewarnt, aber der stellte sich taub. Dann kommt am 3. August die letzte Provokation, ein Attentat in Zchinwali, der 'Hauptstadt' Südossetiens (10.000 Einwohner), begangen von südossetischen Milizen. Saakaschwili befindet sich auf Abmagerungskur in Italien und will mit seiner Familie zu den Olympischen Spielen nach Peking reisen. Nun kehrt er überstürzt nach Tiflis zurück und erfährt, dass die Russen in Nordossetien vor dem Roky-Tunnel in Richtung Südossetien Truppen zusammenziehen, 350 Panzer, die dazugehörige Logistik und Elite-Fallschirmspringer. Soll man sie gewähren lassen? Es wäre das Ende Georgiens..."

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The New Republic (USA), 10.09.2008

Bild zum ArtikelDer Ökonom Joseph Stiglitz versucht, die Schäden der Hypothekenkrise für die amerikanische Wirtschaft abzuschätzen: "Wenn die Große Depression unser Vertrauen in die Makroökonomie unterminiert hat (die Fähigkeit, Vollbeschäftigung, Preisstabilität und nachhaltiges Wachstum herzustellen), dann wird nun unser Vertrauen in die Mikroökonomie zerstört (die Fähigkeit von Märkten und Firmen, Arbeit und Kapital effizient zu verteilen). Ressourcen wurden falsch bemessen und Risiken so falsch gemanagt, dass der private Sektor zur Regierung gerannt kommen musste, um zu verhindern, dass das ganze System zusammenbricht. Bundeshilfen mitberechnet, schätze ich, dass sich die Kluft zwischen dem, was unsere Wirtschaft hätte produzieren können, wenn wir tatsächlich in Geschäfte investiert hätten statt in Hypotheken für Leute, die sich ihre Häuser nicht leisten konnten, und dem, was wir in der Phase der Abschwächung erwirtschaften werden, auf 1,5 Billionen Dollar belaufen wird."


Der israelische Historiker Benny Morris empfiehlt Andrew G. Bostoms - vielleicht etwas unorganisierte - Geschichte des islamischen Antisemitismus "The Legacy of Islamic Antisemitism", die den Finger auf die Wunde lege: Dem Islam sei Judenfeindschaft von Anbeginn eigen: "Es begann mit dem Koran - oder eher, mit der Begegnung von Mohammed, dem Propheten der neuen Religion, und den jüdischen Stämmen im Hedschas, dem Gebiet des westlichen Arabiens, zu dem auch Mekka und Medina gehören, in dem der Islam um das Jahr 620 herum entstand. Die Juden lehnten, wenig überraschend, den neuen Glauben und seinen Propheten ab; und wenn man dem Koran glauben darf, dann waren sie verächtlich und sarkastisch (Religionen können Humor auf ihre Kosten nie gut verkraften). Tatsächlich behauptet der Koran, dass die Juden geradezu feindlich waren und sogar versuchten, den Propheten zu vergiften. Mohammed selbst hatte bereits zuvor die Ermordung prominenter jüdischer Gegner angeordnet, viele andere zum Übertritt gezwungen oder vertrieben, Hunderte wurden abgeschlachtet und ihre Frauen und Kinder in die Sklaverei gegeben."

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Tygodnik Powszechny (Polen), 24.08.2008

Bild zum ArtikelDie Titelgeschichte der polnischen Wochenzeitung ist dem ökologischen Gewissen der katholischen Kirche gewidmet. Noch 1989 hatten polnische Geistliche eine Art Anleitung zum Umweltschutz für Gläubige vorbereitet, nur war die Sache damals einfach. "Die Umwelt zerstörten DIE. Staatliche Fabriken verpesteten das Wasser und die Luft, und selbst wenn konkrete Menschen ihre Abwässer in den Fluss leiteten, dann nur, weil DIE keine Kanalisation gebaut hatten", erinnert sich Juliusz Braun. "Plötzlich, als wir anfingen, einen souveränen Staat zu bauen, stellte sich heraus, dass der Umweltschutz plötzlich in der gleichen politischen Schublade gelandet war wie Abtreibung, Euthanasie und Homoehen. Für viele konservative Publizisten gehört es seitdem zum Kanon, Umweltaktivisten zu verhöhnen. Kein Wunder also, dass viele Pfarrer schon beim Wort 'Ökologie' Sturm läuten." Nach fast zwanzig Jahren Pause, und mit Johannes Paul II. deutlichem Bekenntnis zur Natur wäre es an der Zeit, dass die polnische Kirche sich wieder beim Umweltschutz zu Wort meldet, findet Braun.


Natürlich wurde in Polen viel über den Jahrestag des Einmarschs in der Tschechoslowakei 1968 berichtet. Andrzej Krawczyk erinnert sich aus diesem Anlass an das "Manifest der zweitausend Worte" des Ludvik Vaculik, das für viele zu radikal war und angeblich die Entscheidung zum sowjetischen Einmarsch mitverursacht hat. "Es war der Versuch", so Krawczyk, "ideologische Inhalte allgemeinverständlich auszudrücken. Aber auch mehr: Der Versuch, das Programm der Parteireformer auf Bereiche auszuweiten, die für den durchschnittlichen Tschechen und Slowaken wichtig waren, aber selbst von den edelsten Vertreter der Reformbewegung in der KPC kaum beachtet wurden."

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The New Statesman (Großbritannien), 25.08.2008

Bild zum ArtikelRob Sharp erzählt die Geschichte der radikalen Aktivistin Nehanda Abiodun, die aus den USA nach Kuba floh und heute als Hip-Hop-Musikerin gefeiert wird: "Abiodun wurde als Cheri Dalton geboren und wird vom FBI im Zusammenhang mit einer Reihe von Raubüberfällen gesucht. Sie lebt seit zwanzig Jahren im Exil in Havanna und gilt als die 'Patin' des kubanischen Hip-Hop und ist die Gründerin der havannischen Gruppe von Black August, einer höchst einflussreichen Grass-Roots-Organisation zur Förderung der Hip-Hop-Kultur." Die aber vom kubanischen Staat unterstützt wird: "Nach anfänglichen Auseinandersetzungen um die Meinungsfreiheit wird das Genre nun von der Agencia Cubana de Rap (kubanische Rap-Agentur) gefördert, die ein staatseigenes Plattenlabel und ein Hip-Hop-Magazin betreibt."


Weitere Artikel: Jonathan Meades feiert eine zehn Kilo schwere Monografie des "größten Architekten des 20. Jahrhunderts" mit dem sprechenden Titel "Le Corbusier Le Grand". Kaum weniger enthusiastisch schreibt Michael Bywater über Ian Kellys neue Casanova-Biografie.

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Babelia (Spanien), 23.08.2008

"Was für ein absurdes Unternehmen." Der spanische Schriftsteller Javier Marias ist seit einiger Zeit unter die Verleger gegangen: Libros del Reino de Redonda, ein Projekt im Stil von Hans Magnus Enzensbergers "Anderer Bibliothek". Marias' Zwischenbilanz fällt eher bescheiden aus: "Die einzige Möglichkeit, nicht völlig den Mut zu verlieren und das Handtuch zu schmeißen, besteht darin, nicht zu wissen, wie hoch die jährlichen beziehungsweise sämtliche mittlerweile aufgelaufenen Verluste sind. Es reicht mir, solange es nicht zum Ruin führt, und ich mache weiter, bis es mir zu anstrengend oder zu langweilig wird oder mich die Gleichgültigkeit der Literaturbeilagen dazu zwingt, den Laden dicht zu machen - wenn die Leser nicht einmal mitbekommen, dass die Bücher erscheinen, was soll es dann? Wahrscheinlich läuft es darauf hinaus, dass die Titel sich in einigen Jahren in Sammlerobjekte verwandeln, die von manchen verzweifelt gesucht werden, weil sie die vollständige Kollektion besitzen wollen. Das nennt man dann vielleicht, für die Nachwelt arbeiten. Ich versichere, dass dies nicht meine Absicht war."

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The Guardian (Großbritannien), 23.08.2008

Eigentlich ist Pankaj Mishra die Verehrung Alexander Solschenizyns suspekt, haben doch so viele andere dissidente Dichter (wie Indonesiens Pramoedya Ananta Toer, Iraks Abdul Rahman Munif and Pakistans Faiz Ahmed Faiz) nicht einmal einen Bruchteil der Aufmerksamkeit erhalten. Aber dann versteht er doch, warum den meisten ein Dissident lieber ist als die gutsituierten Schriftsteller unserer Tage: "Viele scheinen heute eher Preisen hinterherzujagen als sie zu verschmähen, auch Stipendien, Festivals an zunehmend exotischen Orten, Ritterschläge und akademisches Brimborium - all diese endlosen Möglichkeiten, sich mit den Großen und Guten zusammen zu tun. Es ist der Erschaffer von Samisdat-Literatur, der - mittellos und im Verborgenen - der schleichenden und wahrscheinlich unaufhaltsamen Bourgeoisierung standhält, es ist der Schriftsteller, der mit seinem Leid, wenn nicht mit seinem Werk, unseren romantischen Glauben in die Nobilität der künstlerischen Berufung aufrecht hält."


Der Historiker Ian Kershaw sichtet eine Reihe neuer Arbeiten zu 1938 und München und stellt fest, dass sich die meisten Historiker nun auf eine Grundlinie einigen können. Demnach hätte jeder, der es wollte, Hitlers unaufhaltsamen Willen zur Expansion erkennen können. Chamberlains Reputation ist nicht zu retten: "Alles in allem hatte Chamberlain furchtbar schlechte Karten, die er dann aber auch schlecht spielte."

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Gazeta Wyborcza (Polen), 22.08.2008

Bild zum ArtikelDas Buch "Obyczaje polskie. Wiek XX w krotkich haslach" (etwa: Polnische Sitten und Bräuche. Das 20. Jahrhundert in Schlagwörtern) ist aus zwei Gründen außergewöhnlich: Erstens sind die Autoren ausschließlich Frauen, nämlich Mitarbeiterinnen des Instituts für Polnische Kultur an der Universität Warschau, zweitens beschreibt es die letzten hundert Jahre Polens aus der Alltagsperspektive, das heißt, es handelt von Kochbüchern, Damenbinden und Frisuren. "Es drängt sich die Schlussfolgerung auf, dass von oben verordnete Veränderungen der Realität meistens eine begrenzte Wirkung hatten. Wenn etwas die Sitten und Bräuche tatsächlich veränderte, dann waren es materielle Faktoren, die mit technischem Fortschritt und wirtschaftlicher Entwicklung verbunden waren, und nicht mit Politik", schlussfolgert Wojciech Orlinski.

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The Economist (Großbritannien), 22.08.2008

Bild zum ArtikelIm Juli hat Google seine eigene 3-D-Chat-Umgebung Lively gestartet - und kein Schwein interessiert sich dafür. Durchaus symptomatisch, findet der Economist: "So mächtig Google ist - die Bemühungen des Unternehmens, sich über die Internet-Suche als bisher einzigen Zweig, mit dem es Geld verdient, hinaus zu erweitern, sind bisher in der wirklichen wie der virtuellen Welt gescheitert."


Weitere Artikel: Vorgestellt wird eine Studie, die zum Ergebnis kommt, Männern sei ihre Aggressivität vom Gesicht abzulesen - und zwar ganz einfach: je breiter im Verhältnis zur Höhe das Gesicht, desto ausgeprägter die Aggressivität. Besprochen werden Woody Allens neuer Film "Vicky Cristina Barcelona", Bücher, darunter eine Biografie des Dichters John Keats und die Memoiren des jordanischen Politikers Marwan Muasmer, der für arabischen Liberalismus plädiert. Außerdem ein Nachruf auf den palästinensischen Dichter Mahmoud Darwish.

Die Titelgeschichte prophezeit Barack Obama einen "steinigen Weg" zur Präsidentschaft.

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HVG (Ungarn), 22.08.2008

Bild zum ArtikelAm 15. September findet in Budapest die erste Vorstandssitzung des EIT (Europäisches Innovations- und Technologieinstitut) statt, dessen Ziel die Vernetzung der europäischen Forschungs- und Entwicklungsinstitute ist. Vom Budapester Standort dieser Institution erhoffen sich manche den Aufschwung der ungarischen Wissenschaft, andere wiederum Investitionen, wieder andere einen gewissen Ruhm. Auf die Frage, ob ungarische Wissenschaftler tatsächlich mehr Chancen haben werden, sich an den Programmen des Instituts zu beteiligen, antwortet der Biologe und Bildungspolitiker Laszlo Dvorszki, der das Terrain für das EIT vorbereiten soll, im Interview mit Andras Loke: "Natürlich werden Ungarn, trotz der noch so durchschaubaren und strengen Entscheidungsprozesse, trotz der weitestgehenden Objektivität dieser Institution, einen gewissen Informationsvorsprung haben. Vor allem aber wird die Zentrale der europäischen Institution durch ihren Standort in Budapest hoffentlich auch das hiesige System beeinflussen. Betrachtet man den Unfug, der seit 1990 mit Forschung und Entwicklung in Ungarn getrieben wurde, sieht man, dass mit dieser Frage zunächst ein Minister, dann ein stellvertretender Staatssekretär beauftragt wurde; später wurde sie dem Wirtschaftsministerium angegliedert, dann wieder entfernt - dieser Bereich war also mal selbständig, mal hier, mal dort integriert, nur eben eines war er nie, was er aber vor allem sein müsste: stabil." (HVG hat jetzt übrigens eine ganze Reihe von Artikeln auch auf Englisch parat!)

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openDemocracy (Großbritannien), 19.08.2008

Langfristig wird der Georgien-Krieg fatale Folgen für Russland haben, meint der bulgarische Politologe und Direktor des Centre for Liberal Strategies in Sofia, Ivan Krastev: "Russland hat keinerlei Zugriff auf die georgische Gesellschaft, es gibt keine legitime politische Kraft in Georgien, die die prowestliche Orientierung des Landes in Frage stellt. Russland kann georgisches Territorium besetzen, aber nur um den Preis internationaler Isolation und einer gefährlichen Verschlechterung der Beziehungen zum Westen. Russlands Unfähigkeit, Saakaschwili abzusetzen und eine prorussische Regieurung einzusetzen, bedeutet auch, dass es keine Kontrolle über die Baku-Tbilisi-Ceyhan (BTC) Pipeline gewinnen kann. Darum hat der russische Sieg keine praktische Auswirkung auf Moskaus Ehrgeiz, ein Monopol über Energieleitungen im ex-sowjetischen Raum zu gewinnen."

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Le Nouvel Observateur (Frankreich), 21.08.2008

Bild zum ArtikelSieben Jahre nach ihrem Skandalerfolg "Das sexuelle Leben der Catherine M." hat Catherine Millet ein neues Buch geschrieben: "Jour de souffrance" (Flammarion). Darin seziert sie, wie sich die Eifersucht in ihre Beziehung zu dem Schriftsteller Jacques Henric geschlichen und wie sie sich angefühlt hat. Grund genug für den Obs, sein Titeldossier dem Thema Frauen, ihren Männern und Liebhabern zu widmen und Millet im Interview ausführlich über die "Hölle Eifersucht" sprechen zu lassen. Sie habe wie ein "durchgedrehter Kompass" reagiert. "Das Leiden ist so zugespitzt, dass es mitunter mit den Trieben von Serienmördern und -vergewaltigern vergleichbar ist. Die erklären anschließend, dass ihre Tat ruchlos sei, dass sie es aber einfach tun mussten, als ob sie sich gespalten hätten. Genau das habe ich erlebt. Das Heftigste an meiner Eifersucht war, dass ich mich sogar informiert und die Aussagen solcher Täter gelesen habe, um zu verstehen, was mit mir passierte. Immer sagten sie: 'Ich habe mir dabei zugesehen, beim Töten, beim Vergewaltigen.' Und ich sah mir dabei zu, wie ich die Sachen von Jacques durchwühlte, mich so weit erniedrigte, ihm nachzuspionieren."


Flankiert wird das Interview von Auszügen aus dem neuen Buch sowie Kurzbesprechungen von Neuerscheinungen vor allem von Autorinnen, darunter Amelie Nothomb und Juli Zeh.

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The New Yorker (USA), 01.09.2008

Bild zum ArtikelSichtlich animiert bespricht John Updike eine Biografie des Mannes, der ganz der Verschönerung lebte: "Max Factor: The Man Who Changed the Faces of the World" (Arcade). Ihr Autor Fred E. Basten erzählt darin die Geschichte des kleinwüchsigen polnischen Juden, der wegen Kontakten zur Zarenfamilie aus Russland fliehen musste, schließlich in Amerika ein Kosmetikimperium aufbaute und dabei vor allem in Hollywood noch zu Schwarzweißfilmzeiten, vor allem aber nach der Einführung von Technicolor, Geschichte schrieb. "Für die schweißtreibenden Kraftakte von Douglas Fairbanks erfand Max ,das erste schwitzfeste Körper-Make-up? und anschließend 'ersann er das Gegenteil - Filmschweiß -, indem er einfach Wasser und Mineralöl zu gleichen Teilen mischte'. Für den MGM-Film 'Ben Hur' zauberten er und sein Team über 2000 Liter Make-up in einem hellen Olivton herbei, damit das Heer der blassen einheimischen Komparsen zu den bereits in Italien abgefilmten Statisten passte. Max bewältigte auch das hartnäckige Problem des in den heißen Studioscheinwerfern verlaufenden Lippenstifts, indem er den Schauspielerinnen je zwei feste Daumenabdrücke davon auf die Ober- und einen auf die Unterlippe verpasste und dabei beiläufig den sensationellen neuen Look der 'Bienenstich-Lippen' erfand. Für Joan Crawford erfand er die 'Schmutzschminke'."


Außerdem: Ben McGrath testete ein Picknickareal auf dem Mittelstreifen des vielbefahrenen Broadway. Austin Kelley besichtigte das in Manhattan neu eröffnete Sports Museum of America. James Surowiecki untersucht die Ursachen für die Unbeständigkeit des Finanzmarkts. Und Anthony Lane resümiert die zweite Olympiawoche. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Gorse is Not People" von Janet Frame und Lyrik von Michael Dickman und Jeffrey Skinner.

Sasha Frere-Jones stellt den Rapper David Banner und sein neues Album "The Greatest Story Ever Told" vor. Und David Denby sah im Kino Jiri Menzels Historiendrama "I Served the King of England" und Jeffrey Nachmanoffs Krimi "Traitor".

Nur im Print: Porträts des Modedesigners Marc Jacobs (mehr dazu und ein ganz reizendes Foto von Jacobs bei Gawker) und des spanischen Architekten Santiago Calatrava sowie Tipps für Stöckelschuhe tragende Frauen und Ladendiebe.

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Archiv: Magazinrundschau

Morbid-intimes Sentiment

07.02.2012. Der Economist und Himal schildern die unerfreuliche Lage Homsexueller in islamischen Ländern. Wired porträtiert die Pariser Untergrundbewegung Urban eXperiment. Dem Guardian läuft in Wien ein Proustscher Schauer über den Rücken. Caffe Europa betrachtet die verführerische Unordnung in Japan. In Russland können Linke, Rechte und sogar Liberale Nationalisten sein, notiert Nicu Popescu in Open Democracy. Sony untergräbt die langsame Liberalisierung der indischen Zensur, fürchtet Outlook India. Die NYRB fühlt mit kleinen mutlosen Italienern. Mehr lesen

Pakt des Nicht-Lesens

31.01.2012. In der französischen Huffington Post erklärt die Philosophin Catherine Clement, warum der Griot Youssou N'Dour kaum Chancen hat, Präsident des Senegal zu werden. Womit haben wir Pitchfork verdient, fragt N+1. Businessweek porträtiert den Albtraum amerikanischer Verleger, Amazons Larry Kirshbaum. Peter Sloterdijk (in Le Monde) und Umberto Eco (im Espresso) denken über das Vergessen nach. Al Ahram begutachtet die Depression der jungen Revolutionäre in Ägypten. Das New York Magazine findet die neuen Dekabristen auch nicht gerade in Hochstimmung vor. Das TLS flüchtet zu den Kaminfeuern des britischen Landadels. Mehr lesen

So roch die Welt der Männer

24.01.2012. Wie schnell man sogar als Ingenieur arbeitslos werden kann, lernt die NYT. Eh alles nur bezahlte Bourgeoisie, schnaubt Slavoj Zizek in der London Review. Il Sole weint über einen lachenden Vincenzo Consolo. In Newsweek warnt Simon Schama die Amerikaner vor der kulturellen Nekrophilie der Briten. In Babelia ruft Javier Goma Lanzon: Lobt mich! Outlook India ärgert sich über die Feigheit indischer Politiker vor religiösen Fanatikern. GQ erzählt von einem gruseligen Fall von Webcam-Hijacking. In der NYRB sucht Simon Leys mit Liu Xiaobo die Wurzeln des heutigen Zynismus. Quo vadis, Hungaria, fragt Osteuropa. Mehr lesen

Ständige Verwirrung

17.01.2012. Im Guardian blicken arabische Autoren nach vorn. The Atlantic betrachtet eine Jammergestalt im Chanelkostüm. In Nepszabadsag erkennt der Dramatiker György Spiro im heutigen Ungarn das Frankreich des 19. Jahrhunderts. In Open Democracy wünschen sich Boris Akunin und Alexej Nawalnyj, Russland hätte die gleiche Anziehungskraft wie Amerika - oder China. Businessweek findet Microsofts Steve Ballmer nicht so irrelevant wie Steve Jobs. The Awl verkündet das grünste Ding in Sachen Bestattung. Mehr lesen

Archiv: Magazinrundschau

Hm, das ist komisch

10.01.2012. Werden Bücher bald eine Art Wiki von Autor und Übersetzer, fragt Il Sole 24 Ore. Rue 89 berichtet aus dem Tangokrieg in Buenos Aires. Wie wurde Luther populär? Mit Hilfe sozialer Netzwerke, weiß der Economist. In Guernica spricht die koreanische Dichterin Kim Hyesoon mit der Stimme des Außenseiters. Die Boston Review denkt mit Michael Nielsen über wissenschaftliche Evidenz nach. In Vanity Fair lässt Christopher Hitchens ein, zwei Dostojewskis fallen. Der New Yorker schildert den Einstieg Youtubes ins TV-Geschäft. Mehr lesen

Das Ohr des Präsidenten

03.01.2012. Es ist ja doch was dran an diesem französischen Philosophen mit der üppigen Haarmähne, staunen New York Magazine und TLS. Die Revista Piaui porträtiert einen irakischen Geologen, der die Norweger vor ihrer Ölindustrie beschützt hat. Die New York Review of Books stellt nach Lektüre der Briefe von Georgia O'Keefe und Alfred Stieglitz fest: schlechte Behandlung macht die Frau zum Charakter. Al Ahram veröffentlicht das Manifest eines ehrenwerten Bürgers. Slate.fr meldet: Auf kanadischen Webseiten kann man jetzt legal und kostenlos Celine runterladen. Wired begutachtet das United Artists des Internets. Mehr lesen

Blicken Sie ins Dunkel

20.12.2011. In der Lettre erklärt Peter Nadas, an welcher Station die Ungarn auf ihrem langen Marsch in die Demokratie gerade angekommen sind. Im New Statesman rühmt Slavoj Zizek die Mordmaschine Coriolanus. Im Guardian staunt Julian Barnes über den Unterschied zwischen Essay und Essai. In Elet es Irodalom erkennt Adam Michnik keinen Unterschied zwischen lechts und rinks mehr. Nonfiction.fr fordert eine Liberalisierung der Migration. Prospect skizziert die Zukunft der Literatur: Sie ist kurz, aber ernst. Mehr lesen

Die Treppe für Texte

13.12.2011. Alles hat sich in den letzten dreißig Jahren verändert, nur in den Künsten herrscht Stillstand, meint Vanity Fair. Manchmal ändern sich die Dinge auch im Untergrund, meint die NYT mit Blick auf das Alphabet N'Ko. In der LRB meldet Jenny Turner den Tod der Schwesterlichkeit. Guernica stellt das Festival LagosPhoto vor. Der Kindle ist ein Buch, freut sich Martin Caparros in Letras Libres. In The Nation setzt sich Jorge Volpi mit dem Liberalismus Enrique Krauzes auseinandern. In Le monde diplomatique feiert Tim Parks die mobilisierende Kraft des Wuchers. Mehr lesen

Diese glühbirnenköpfige Kreatur

06.12.2011. Wired porträtiert den neuen Steve Jobs: Jeff Bezos. Telerama empfiehlt eine neue Lektüre von Frantz Fanon. Die Columbia Journalism Review verteidigt den institutionellen Journalismus. In MicroMega geißelt Roberto Saviano die Omerta in Norditalien. Für Salon.eu.sk blickt Viktor Jerofejew in den Kreml-Himmel. In der NYRB setzt Daniel Kahnemann ganz klar auf System Zwei. Im Guardian erzählt der Kinderbuchautor Shaun Tan, was Australier mit Finnen gemeinsam haben. Und in Guernica erklärt Occupy-Erfinder Kalle Lassn, warum er heute eher die Zionisten als die Juden der Kriegstreiberei bezichtigen würde. Mehr lesen

Lesen, aber nicht berühren

29.11.2011. Marokkaner sind genauso freiheitshungrig wie Tunesier, erklärt der Aktivist Hisham Almiraat in open Democracy. Aber ihre Eliten sind feige, fürchtet der marokkanische Journalist Driss Ksikes in Le Monde. Im Merkur verabschieden sich Karl Heinz Bohrer und Kurt Scheel. Die LRB reist nach Griechenland. El Pais Semanal unterhält sich mit dem Sohn des letzten spanischen Scharfrichters. Der New Yorker bescheinigt der Fantasyliteratur einen Sinn für Verlust. Mehr lesen

Ein veritabler Brocken

22.11.2011. Die Columbia Journalism Review erzählt am Beispiel der Zeitung San Jose Mercury News, wie man kämpfen und trotzdem verlieren kann. Capital New York erzählt, wie die Huffington Post zum journalistischen Schwergewicht werden will. Prospect überlegt, wie man Computerspiele für den Film fruchtbar machen kann. Elet es Irodalom warnt vor der Vertreibung des sozialistischen Fußballs aus der ungarischen Geschichte. Der Berlusconismus funktioniert auch ohne Berlusconi, fürchtet MicroMega. Vorsicht vor pakistanischen Kleintransportern, warnt The Atlantic. Mehr lesen

Aber man vibriert

15.11.2011. Den Buchhandlungen geht es gut, meldet Bloomsberg Businessweek, solange sie klein sind. Telerama stellt französische Pioniere des Internetjournalismus vor. Im New Yorker geht Jane Kramer ihr Essen sammeln. In El Espectador denkt Hector Abad positiv, John Gray in The New Republic negativ. In Eurozine beruhigt Charles Taylor einen polnischen Linkskatholiken: der Klassenkampf ist ausgetragen. In der Boston Review möchte Lawrence Lessig, dass die Amateure regieren. Im Walrus Magazine sucht Toni Jokinen mit Richard Strauss den Italiener in sich. Mehr lesen

Das Kulturerbe der Muppets

08.11.2011. Eltern können sich ändern, sogar, wenn sie irisch-katholisch sind, erzählt Anne Enright in der Montreal Gazette. Im Iran redet man, um zu schweigen, erklärt Amir Hassan Cheheltan in Guernica. Das TLS liest, wie sich Samuel Beckett gegen James Joyce behauptete. 1000 Belgier schaffen mehr als eine Regierung, behauptet das Manifest des G1000. "Das System gefällt uns nicht!" ruft Magyar NarancsMehr lesen

Die Früchte der Revolution

01.11.2011. Der New Yorker reist nach Libyen. Ohne Universalismus gibt es keine Menschenrechte, erklärt Caroline Fourest in Le Monde. Der Grüne ist klassenlos, behauptet der Merkur. Il Sole 24 Ore findet nur noch Italiener, aber kein Italien mehr. Die New York Times erklärt am Beispiel von Pauline Kael, wann es für Kritiker Zeit ist aufzuhören. Mehr lesen

Warum nicht alles?

25.10.2011. In Ägypten ist die Opposition mit dem Beifahrersitz zufrieden, erzählt The Daily Beast. Al Ahram plädiert dafür, dass die Kopten nicht so für sich bleiben. Haaretz interviewt Salman Rushdie. Fast Company kündigt den Großen Krieg 2012 an. In Babelia erklärt der Philosoph Jose Luis Pardo, wie wir ganz leicht aus der Finanzkrise herauskommen. Die NYT besucht Haruki Murakami. Mehr lesen

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