Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 21.04 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Magazinrundschau

Zweideutigkeit ist hier nicht

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.

29.07.2008. Zumindest in einer Sache ist sich die London Review of Books einig mit General Franco. Tygodnik Powszechny sucht ein Museum für den Sozialismus. Rue89 fragt, wie antisemitisch ist der Karikaturist Sine. Das Wall Street Journal berichtet über einen niederländischen Karikaturisten, der wegen antimuslimischer Witze im Knast landete. Keine Hilfe auf der Welt für Simbabwe sieht die New York Review of Books. Im Espresso macht Umberto Eco die Pariser Taxifahrer für globale Überwachungsmaßnahmen verantwortlich. In ResetDoc erklärt Seyla Benhabib, wozu Blogs gut sind.

London Review of Books (Großbritannien), 31.07.2008

Bild zum ArtikelJenny Diski hat einen sehr schönen Text verfasst übers Schlafen, übers Wachen, über den Tod und über die Zustände dazwischen. Mit Passagen wie dieser: "Wer geht, wenn man einschläft? Die anderen, versteht sich... Andernfalls wäre es ja man selbst, der nicht da ist, und alle anderen wären da, wo sie immer sind, und machten weiter mit dem, was sie immer tun. Das hieße aber, nimmt man, wie es oft geschehen ist, den Schlaf und den Tod als Geschwister, dass die Welt, wenn du stirbst, einfach ohne dich weitermacht - und das ist ein offenkundig lächerlicher Gedanke. Als er starb, sollen Francos Generäle (und sie haben, hoffe ich, gelogen) ihm versichert haben: 'Generalissimo, ganz Madrid steht draußen vor dem Palast, um sich von Ihnen zu verabschieden.' 'Warum', fragte der Generalissimo. 'Wo wollen sie hin?' Das war das erste Mal, dass ich mich mit einem faschistischen Diktator identifizieren konnte, aber er hatte, dieses eine Mal, schlicht und einfach völlig recht."


Weiteres: Eine lange Reportage gibt es von James Meek, der sich im vor genau einem Jahr von Hochwasser überfluteten Tewkesbury umgesehen hat. Peter Campbell lässt sich von Frank Gehrys temporärem Pavillon (Bild) vor der Londoner Serpentine Gallery zu einer Kurzgeschichte innovativen Bauens anregen. Darüber, wie von der BBC produzierte Radioprogramme rund um den Globus zu hören sind, schreibt Jeremy Harding. Jacqueline Rose bespricht Bernhard Schlinks jetzt in englischer Übersetzung erschienenen Roman "Die Heimkehr" - Schlinks völlig verzerrtes Bild der Dekonstruktion regt sie dabei zu einer sehr genauen Auseinandersetzung mit Fragen von Schuld, Sprache, Paul de Man und Gerechtigkeit an.

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Rue89 (Frankreich), 27.07.2008

Der Karikaturist Sine hat in der satirischen Zeitschrift Charlie Hebdo zwei Sätze geschrieben, über die ganz Frankreich rätselt: Sind sie antisemitisch oder nicht? Bernard-Henri Levy meinte in Le Monde ganz eindeutig: ja. Aber Sine hat auch viele Unterstützer. Das Internetmagazin rue89 bringt eine sehr differenzierte Auseiandersetzung mit der Affäre, scheint aber eher auf Seiten BHLs zu sein, und erinnert an die "Affäre Carbone 14", nach dem Namen eines Pariser Alternativradios der frühen achtziger Jahre: "Mitten in einer schönen Augustnacht des Jahres 1982, lädt der nicht gerade für Anmut bekannte Humorist Jean-Yves Lafesse Sine ein. Gerade hat es das Attentat der Rue des Rosiers im jüdischen Viertel von Paris gegeben, mit sechs Toten. Beide Komiker haben eine Flasche Whisky auf dem Tisch, und man gibt dem Affen ordentlich Zucker: 'Ich bin Antisemit. Ich werde künftig Hakenkreuze auf alle Mauern schmieren... Ich will, dass künftig jeder Jude in Angst lebt, es sei denn er ist für die Palästinenser...' Zweideutigkeit ist hier nicht." Auf rue89 äußert sich Sine auch in einem Video auch zur "Affäre Carbone 14".



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The Wall Street Journal (USA), 12.07.2008

Andrew Higgins erzählt die Geschichte des niederländischen Karikaturisten Gregorius Nekschot (ein Pseudonym), der am 13. Mai in der Morgendämmerung verhaftet wurde und eine Nacht im Gefängnis verbringen musste. Die Polizei beschlagnahmte außerdem seinen Computer und seine Notizbücher. "Laut Aussage eines Vertreters der Staatsanwaltschaft steht Nekschot seit drei Jahren wegen des Verdachts, er verletze mit seinen Karikaturen niederländisches Recht, unter Beobachtung. Diese Cartoon-Affäre ist wie ein Schock über ein Land gekommen, das sich immer als Bastion der Toleranz sah, eine Tradition, die durch die grimmige Erinnerung an die blutigen Konflikte zwishen Katholiken und Protestanten aufrechterhalten wurde. Die Niederländer schützten Juden und andere Flüchtlinge vor der spanischen Inquisition und Calvinisten vor der Verfolgung in Frankreich. Seine Denker halfen, die Aufklärung des 18. Jahrhunderts erblühen zu lassen. Prostitution, Marihuana und Pornografie sind seit Jahrzehnten legal." Besondere Empörung hatte in dem Fall das Bekenntnis des Justizministers Hirsch Ballin, einem strenggläubigen Christen, ausgelöst, wonach "eine bislang geheime Staatsbehörde, genannt die Interministerielle Arbeitsgruppe für Cartoons existiert. Von offizieller Seite hieß es später, dass diese Gruppe keine Befugnis zur Zensur hat und nach der dänischen Karikaturenkrise 2006 eingesetzt worden war, um niederländische Politiker vor möglichen Gefahren zu warnen."

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Tygodnik Powszechny (Polen), 27.07.2008

Bild zum ArtikelDie polnische Wochenzeitung widmet ein Dossier der Musealisierung des Sozialismus. Karolina Wichowska geht der Frage nach, warum in Polen noch keine entsprechende Einrichtung entstanden ist, obwohl mehrere Initiativen ins Leben gerufen wurden und sich namhafte Persönlichkeiten, u.a. Andrzej Wajda dafür eingesetzt haben (hier die Webseite des Projekts und hier ein virtuelles Museum). "Es gibt keinen Ort, an dem von diesem tragischen Kapitel der polnischen Geschichte im globalen Kontext erzählt würde. Es ist ein Paradox, denn Polen hat am meisten zum Fall des Kommunismus beigetragen und bleibt das einzige postkommunistische Land, das seinen Beitrag nicht entsprechend darstellt." Immerhin scheint aber der künftige Museumssitz jetzt geklärt: es wird der Kulturpalast in Warschau sein. Es wäre sinnlos, ihn abzureißen, aber man kann die Symbolik ändern. Das Museum der Erinnerung an den Kommunismus sollte zur Ikone der polnischen Hauptstadt werden, sagt einer der Initiatoren.

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The New York Review of Books (USA), 14.08.2008

Bild zum ArtikelMit großer Sympathie liest Zadie Smith die "BBC Talks" von E.M. Forster, die sie für ihren Humor und Charme sehr schätzt: "Forster war ein seltsamer Vogel. Er war frei von den Untugenden, die man bei den Romanciers seiner Generation gewöhnlich findet - was ihn auszeichnet, ist, was er nicht getan hat. Er wurde mit den Jahren nicht immer konservativer, seine Melancholie wandelte sich nicht in Misanthropie; er kniete nie vor dem Papst oder der Königin nieder, er flirtete auch nicht - im ideologischen Sinne - mit Hitler, Stalin oder Mao; er glaubte nie, dass der Roman tot war oder die Hügel am Leben, er las zeitgenössische Literatur auch, nachdem er fünfzig geworden war."


Joshua Hammer konstatiert deprimiert, dass Simbabwe keine Hilfe von außen gegen Robert Mugabes Terrorherrschaft erwarten kann: "China spielt eine Schlüsselrolle als Simbabwes Beschützer gegen die amerikanischen Bemühungen um eine Strafresolution im UN-Sicherheitsrat. Russland führt die Veto-Kräfte gegen Sanktionen mit der Behauptung an, dass Mugabes Wahlbetrug eine interne Angelegenheit sei und nicht in der Zuständigkeit der UN liege. China folgte dem nur zu gern, denn für den größten Investor in Simbabwe stehen enorme Einsätze in den Minen des Landes und lukrative Waffengeschäfte auf dem Spiel. Südafrika hat unter Präsident Tabo Mbeki Mugabes Regime diplomatischen Schutz bereit gestellt, wie auch Benzin, Energie und internationale Bankkonten für den inneren Zirkel - Anzeichen einer Veränderung sind nicht in Sicht."

Weiteres: Hugh Eakin untersucht, in welchem Zustand die archäologischen Stätten des Iraks fünf Jahre nach den großen Plünderungen während des Krieges sind. Samatha Powers wirft einen Blick auf die Ratlosigkeit der Demokraten in der Außen- und Sicherheitspolitik.

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L'Espresso (Italien), 25.07.2008

Bild zum ArtikelWeil die ganze Welt herumreist, reicht das Passfoto zur Identifikation nicht mehr aus, schreibt Umberto Eco. Dass man in den USA seinen Fingerabdruck nimmt, findet er nervig, aber unumgänglich. Sonst würde es überall so zugehen wie in den Taxifahrerkreisen von Paris. "Ein Freund erzählt, dass er sich in Paris darüber wunderte, dass die Taxifahrer aus dem Nahen Osten einige Straßen einfach nicht kannten. Also fragte er sie, ob sie denn keine Prüfung ablegen müssten. Der gute Mann antwortete, dass man mit einem orientalischen Aussehen bei einer Prüfung sich mit allem Möglichen ausweisen kann. Auf dem Bild muss nur irgend ein anderer orientalisch anmutender Mann drauf sein. Der Prüfer kann das nicht unterscheiden. Und so, erklärte der wackere Taxifahrer, absolviert derjenige, der sich am besten auskennt, die Prüfungen für alle seine Kollegen."


Weiteres: Die Bibliothek des Vatikans wird derzeit renoviert. Bis sie 2010 wieder aufmacht, empfiehlt Sandro Magister die runderneuerte und erweiterte Website, die jetzt auch einen Katalog der 150.000 Manuskripte enthält. Moses Naim hält es für gut möglich, dass sich die Lage der Frauen weltweit tatsächlich langsam bessert.

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The New Yorker (USA), 04.08.2008

Bild zum ArtikelKelefah Sanneh porträtiert den schwarzen politischen Kommentator Tavis Smiley, der bereits im Januar in der Tom Joyner Morning Show vor "Hysterie und Hype" rund um Barack Obama warnte und die Wählerschaft verdächtigte, einfach nur "verliebt" zu sein. Anrufe und Mails folgten umgehend. Die Hörer konnten nicht begreifen, warum Smiley sich gegen einen Mann aussprach, der der erste schwarze Präsident werden könnte. In der nächsten Sendung räumte er 'Schmerz, Qual, Zorn und Enttäuschung' ein, gab aber nicht nach. Und auch wenn er in den folgenden Wochen Hillary Clintons Kampagne kritisierte, stand im Zentrum seiner Unzufriedenheit oft Obama. Er war empört über die Vorstellung, dass der Senator 'Rasse transzendiert'. 'Kein Mensch verlangt, dass weiße Kandidaten ihre Rasse überschreiten', meinte er."


Mehr zum Thema: In einem zusätzlichen Hörbeitrag äußert sich Sanneh zur Bedeutung von Obamas Kandidatur für die schwarze Community. Unter der Überschrift "Obama wird global" kommentiert Hendrik Hertzberg dessen Weltreise. Zu hören ist eine Diskussion zwischen David Remnick, Hendrik Hertzberg, Ryan Lizza und George Packer über Obamas Deutschlandbesuch und die Zukunft des Kriegs im Irak.

Außerdem: Ben McGrath zeichnet das komplexe Porträt des in Bagdad umgekommenen Soldaten Alan Rogers. Judith Thurmann rezensiert Brenda Wineapples Studie "White Heat: The Friendship of Emily Dickinson and Wentworth Higginson? (Knopf). Peter Schjeldahl führt durch die Ausstellung "After Nature", eine wichtige Gruppenausstellung von 26 internationalen Künstlern im New Museum. Und Anthony Lane sah im Kino die Liebeskomödie "In Search of a Midnight Kiss" von Alex Holdridge. Zu lesen sind außerdem die Erzählung "Clara" von Roberto Bolano und Lyrik von Kathryn Starbuck und Louise Glück.

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Polityka (Polen), 26.07.2008

Bild zum ArtikelDer Historiker Jerzy Kochanowski erinnert an die große Geschichte des Goldes in der polnischen Volksrepublik, als Gold sichere Geldanlage und illegales Spekulationsobjekt war. "Die Regierenden betrieben ein doppeltes Spiel: einerseits verfolgte man Schmuggel und kämpfte gegen organisierte Gruppen. Andererseits sicherten staatliche Institutionen den Zufluss an die Bürger und ermutigten den offziellen Ankauf - 1957 wurden Regeln eingeführt, wonach Gold und Platin leichter zu verkaufen waren als Industriewaren oder Lebensmittel. Der staatliche Ankaufspreis wurde so festgelegt, dass es sich lohnte, Gold ins Land zu schmuggeln, um es an den Staat zu verkaufen."

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The Guardian (Großbritannien), 26.07.2008

Bild zum ArtikelSalman Rushdie erinnert sich an den Moment, in dem er Schriftsteller wurde: "An einem Tag im Jahr 1976 - an das genaue Datum erinnere ich mich nicht mehr - entschied sich ein junger, erfolgloser Autor, der mit einer enormen, aber widerspenstigen Geschichte kämpfte, noch einmal neu anzufangen, diesmal mit einem Ich-Erzähler. An diesem Tag wurde vieles von dem geschrieben, was heute der Anfang der 'Mitternachtskinder' ist... Ich kann mich noch gut an die Heiterkeit erinnern, die mich überkam, als ich Saleem Sinais Stimme entdeckte, und damit meine eigene. Ich habe immer an diesen Tag als den Moment gedacht, an dem ich wirklich ein Schriftsteller wurde, nach einem Jahrzehnt falscher Anfänge."


Außerdem: Julian Barnes huldigt der Autorin Penelope Fitzgerald. Adam Thirlwell liest noch einmal Ricardo Piglias Essay "The Last Reader" über die Angst des Autors vor seinem Leser.

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The Times Literary Supplement (Großbritannien), 28.07.2008

Paula Marantz Cohen besuchte eine Konferenz in Oxford über Fred Astaire. Wundervolle Idee, auch wenn nicht viel neues dabei herauskam. Immerhin: "Für viele hier war Fred Astaire eine einsame Passion, so war diese Konferenz eine seltene Gelegenheit, diese Wertschätzung zu teilen." Wir teilen sie auch - und wie! - und nutzen den Artikel hemmungslos, einige unserer Lieblingstanzszenen mit Astaire zu zeigen:


Aus: You'll never get rich




Aus: Holiday Inn



Und aus: The Sky's the Limit



(Für die längere Version braucht man etwas Geduld!)

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The Economist (Großbritannien), 25.07.2008

Bild zum ArtikelWährend im Westen die Zeitungen in Auflagen- und Finanzkrisen rutschen, blühen sie in weiten Teilen von Lateinamerika und Asien. Auch in China, wie der Economist beobachtet: "Zwar beobachtet der riesige chinesische Aufsichtsapparat große wie kleine Organe genau. Dennoch geht es den Zeitungen auch hier bestens. In den vergangenen fünf Jahren sind die Auflagen um mehr als zwanzig Prozent auf heute 107 Millionen Exemplar gewachsen. (Zum Vergleich: In den USA werden täglich etwa 50 Millionen Zeitungen verkauft.) Das Einkommenswachstum liefert einen Teil der Erklärung, ebenso die hohe Alphabetisierungsrate, die sich auch den Investitionen der Kommunistischen Partei in Bildung verdankt... Aber auch Pekings Kampf gegen die Korruption könnte eine Rolle spielen. Einige Funktionäre begreifen die Regionalzeitungen als Verbündete in ihrer Anstrengung, korrupte Autoritäten zu demaskieren und lassen sie deshalb an längerer Leine."


Außerdem: Beim Blick auf den Big-Mac-Preisindex ist festzustellen, dass das Währungssystem aus dem Häuschen ist - der Euro zum Beispiel ist sagenhafte 50 Prozent zu teuer. Und was gerade noch gefehlt hat: Neuroökonomie. Besprochen werden unter anderem Bücher über die Rolle der USA im Nahen Osten, eine Biografie der Madam de Maintenon und - ohne jede Begeisterung - Paul Austers neuer Roman "Man in the Dark".

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Le Nouvel Observateur (Frankreich), 24.07.2008

Bild zum ArtikelAnlässlich Barack Obamas Präsidentschaftskandidatur und seinem Frankreichbesuch widmet sich das Titeldossier dem "langen Weg der Schwarzen". Unter der Überschrift "Alles und nichts hat sich geändert" erklärt Joseph Lowery, ein ehemaliger Mitstreiter von Martin Luther King, im Interview die anfängliche Skepsis und weshalb die schwarze Community lange gezögert hat, bevor sie Obama unterstützte. "Von diesen symbolischen Kampagnen hatten alle genug. Diesmal war angesichts der katastrophalen Wirtschaftslage des Landes niemand willens, so eine Kandidatur zu unterstützen. Erst beim Selma-Gedenkmarsch im März 2007 wurde ich neugierig auf Obama, wollte ihn besser kennen lernen. Ich habe ihn mir angehört, und seine Botschaft hat mir gefallen. Dann habe ich mich gefragt, ob ihn vor allem junge Weiße ernst nehmen. Am Martin Luther King Day habe ich sie gefragt: 'Was reizt euch so an ihm?' Barack Obama... Barack Obama... Vielleicht hat es was mit dem Namen zu tun, und er wäre nicht so attraktiv, wenn er Joe Blow hieße! Doch ich hatte immer noch meine Zweifel. Also ging ich nach Iowa und habe Wahlkampf für ihn gemacht, ich wollte einfach wissen, wie ein weißer Bundesstaat auf ihn reagiert. Und das habe ich erfahren! Dort habe ich begriffen, dass seine Kampagne real und nicht symbolisch ist."


Zu lesen ist außerdem ein Interview mit dem Architekten und Pritzkerpreisträger Jean Nouvel, in dem er sich unter anderem als "totaler Hedonist" outet.

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The Spectator (Großbritannien), 25.07.2008

Bild zum ArtikelRonald Harwood, der schon das zum Film gewordene Theaterstück "Taking Sides" über den Entnazifizierungsprozess Wilhelm Furtwänglers schrieb, beschäftigt sich in seinem neuen Werk "Collaboration" nun mit Richard Strauss, der ebenfalls nicht ganz sauber aus dem Dritten Reich hervortrat. Robert Gore-Langton stellt Harwoods Stück vor, das auf dem Chichester Theaterfestival zu sehen ist. "Harwood tritt Strauss vorurteilslos gegenüber und macht klar, dass der Mann auf schreckliche Weise erpresst wurde. Es wird angenommen, dass Strauss gefügig war, weil die Nazis herausgefunden hatten, dass er eine jüdische Schwiegertochter hatte, Alice. Der Preis für ihr Überleben bestand in der Kooperation mit der Reichsmusikkammer. Sein einziger Moment des Trotzes lag in der Weigerung, den Namen des Librettisten Stefan Zweig vom Plakat für 'Die schweigsame Frau' entfernen zu lassen. Die Oper wurde deshalb nicht aufgeführt, der Leiter des Theaters entlassen. "Ganz unten war er, als er Kitschmusik schrieb - die Hymne für die Olympischen Spiele und den Hochzeitsmarsch für die japanische Kaiserfamilie - das fand er furchtbar', sagt Harwood."

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ResetDoc (Italien), 21.07.2008

Das dem interkulturellen Dialog verpflichtete Magazin Resetdoc.org bringt ein Dossier über die internationale Öffentlichkeit im Zeitalter englischsprachiger Satellitenkanäle mit konkurrierenden Weltsichten - von CNN bis Al Jazeera (Editorial). Am interessantesten scheint uns ein Gespräch, das Karin Wahl-Jorgensen mit der politischen Philosophin Seyla Benhabib führte, die zunächst eine kleine Hommage auf Jürgen Habermas darbringt und dann erklärt, was sie sich vom Wechselspiel zwischen Blogosphäre und Printmedien in den USA erwartet: "Ich sehe beide Trends. Auf der einen Seite werden Blogs oft von Amateuren gemacht, und das führt leicht zu verzerrten Darstellungen und Desinformation. Aber andererseits findet man auf Blogs oft ein Mehr an Informationen, und das zwingt die etablierten Medien, sich dazu zu verhalten. Insgesamt ist das ein guter Prozess, denn er führt zu mehr Transparenz in den Medien."

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The New York Times (USA), 27.07.2008

Bild zum ArtikelIm Sunday Magazine beschreibt ein frustierter Drogenbekämpfer im diplomatischen Dienst, Thomas Schweich, die Geschichte der gescheiterten Versuche, ein effektives Anti-Drogenprogramm in Afghanistan zu installieren. Dagegen stand "eine seltsame Mischung aus ängstlichen Europäern, kurzsichtigen Medienberichten, korrupten Afghanen, engstirnigen Pentagon-Offizieren, politisch motivierten Demokraten und Taliban". Die Situation heute: "Am 12. Mai erklärte General Khodaidad auf einer Pressekonferenz den Kampf gegen den Mohnanbau zum Fehlschlag. In diesem Jahr würde man weniger als ein Drittel des Mohnabaus vernichten, verglichen mit 2007 (...) Trotz dieser Entwicklung stellten die Afghanen schnell ein optimistisches Papier über ihre Fortschritte für die Paris Konferenz über Afghanistan zusammen. Dort trafen sich am 12. Juni Staatschefs aus der ganzen Welt, inklusive Karzai. Die afghanische Regierung sammelte auf dieser Konferenz 20 Milliarden Dollar an zusätzlicher Entwicklungshilfe ein. Aber das Drogenproblem war ein Ärgernis, das den finanziellen Erfolg gefährden konnte. Darum wurden die Drogen von der formalen Agenda gestrichen und eine Woche vor der Konferenz in einer 50-minüten geschlossenen Diskussion auf niedrigerem Level abgehandelt."

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Archiv: Magazinrundschau

Morbid-intimes Sentiment

07.02.2012. Der Economist und Himal schildern die unerfreuliche Lage Homsexueller in islamischen Ländern. Wired porträtiert die Pariser Untergrundbewegung Urban eXperiment. Dem Guardian läuft in Wien ein Proustscher Schauer über den Rücken. Caffe Europa betrachtet die verführerische Unordnung in Japan. In Russland können Linke, Rechte und sogar Liberale Nationalisten sein, notiert Nicu Popescu in Open Democracy. Sony untergräbt die langsame Liberalisierung der indischen Zensur, fürchtet Outlook India. Die NYRB fühlt mit kleinen mutlosen Italienern. Mehr lesen

Pakt des Nicht-Lesens

31.01.2012. In der französischen Huffington Post erklärt die Philosophin Catherine Clement, warum der Griot Youssou N'Dour kaum Chancen hat, Präsident des Senegal zu werden. Womit haben wir Pitchfork verdient, fragt N+1. Businessweek porträtiert den Albtraum amerikanischer Verleger, Amazons Larry Kirshbaum. Peter Sloterdijk (in Le Monde) und Umberto Eco (im Espresso) denken über das Vergessen nach. Al Ahram begutachtet die Depression der jungen Revolutionäre in Ägypten. Das New York Magazine findet die neuen Dekabristen auch nicht gerade in Hochstimmung vor. Das TLS flüchtet zu den Kaminfeuern des britischen Landadels. Mehr lesen

So roch die Welt der Männer

24.01.2012. Wie schnell man sogar als Ingenieur arbeitslos werden kann, lernt die NYT. Eh alles nur bezahlte Bourgeoisie, schnaubt Slavoj Zizek in der London Review. Il Sole weint über einen lachenden Vincenzo Consolo. In Newsweek warnt Simon Schama die Amerikaner vor der kulturellen Nekrophilie der Briten. In Babelia ruft Javier Goma Lanzon: Lobt mich! Outlook India ärgert sich über die Feigheit indischer Politiker vor religiösen Fanatikern. GQ erzählt von einem gruseligen Fall von Webcam-Hijacking. In der NYRB sucht Simon Leys mit Liu Xiaobo die Wurzeln des heutigen Zynismus. Quo vadis, Hungaria, fragt Osteuropa. Mehr lesen

Ständige Verwirrung

17.01.2012. Im Guardian blicken arabische Autoren nach vorn. The Atlantic betrachtet eine Jammergestalt im Chanelkostüm. In Nepszabadsag erkennt der Dramatiker György Spiro im heutigen Ungarn das Frankreich des 19. Jahrhunderts. In Open Democracy wünschen sich Boris Akunin und Alexej Nawalnyj, Russland hätte die gleiche Anziehungskraft wie Amerika - oder China. Businessweek findet Microsofts Steve Ballmer nicht so irrelevant wie Steve Jobs. The Awl verkündet das grünste Ding in Sachen Bestattung. Mehr lesen

Archiv: Magazinrundschau

Hm, das ist komisch

10.01.2012. Werden Bücher bald eine Art Wiki von Autor und Übersetzer, fragt Il Sole 24 Ore. Rue 89 berichtet aus dem Tangokrieg in Buenos Aires. Wie wurde Luther populär? Mit Hilfe sozialer Netzwerke, weiß der Economist. In Guernica spricht die koreanische Dichterin Kim Hyesoon mit der Stimme des Außenseiters. Die Boston Review denkt mit Michael Nielsen über wissenschaftliche Evidenz nach. In Vanity Fair lässt Christopher Hitchens ein, zwei Dostojewskis fallen. Der New Yorker schildert den Einstieg Youtubes ins TV-Geschäft. Mehr lesen

Das Ohr des Präsidenten

03.01.2012. Es ist ja doch was dran an diesem französischen Philosophen mit der üppigen Haarmähne, staunen New York Magazine und TLS. Die Revista Piaui porträtiert einen irakischen Geologen, der die Norweger vor ihrer Ölindustrie beschützt hat. Die New York Review of Books stellt nach Lektüre der Briefe von Georgia O'Keefe und Alfred Stieglitz fest: schlechte Behandlung macht die Frau zum Charakter. Al Ahram veröffentlicht das Manifest eines ehrenwerten Bürgers. Slate.fr meldet: Auf kanadischen Webseiten kann man jetzt legal und kostenlos Celine runterladen. Wired begutachtet das United Artists des Internets. Mehr lesen

Blicken Sie ins Dunkel

20.12.2011. In der Lettre erklärt Peter Nadas, an welcher Station die Ungarn auf ihrem langen Marsch in die Demokratie gerade angekommen sind. Im New Statesman rühmt Slavoj Zizek die Mordmaschine Coriolanus. Im Guardian staunt Julian Barnes über den Unterschied zwischen Essay und Essai. In Elet es Irodalom erkennt Adam Michnik keinen Unterschied zwischen lechts und rinks mehr. Nonfiction.fr fordert eine Liberalisierung der Migration. Prospect skizziert die Zukunft der Literatur: Sie ist kurz, aber ernst. Mehr lesen

Die Treppe für Texte

13.12.2011. Alles hat sich in den letzten dreißig Jahren verändert, nur in den Künsten herrscht Stillstand, meint Vanity Fair. Manchmal ändern sich die Dinge auch im Untergrund, meint die NYT mit Blick auf das Alphabet N'Ko. In der LRB meldet Jenny Turner den Tod der Schwesterlichkeit. Guernica stellt das Festival LagosPhoto vor. Der Kindle ist ein Buch, freut sich Martin Caparros in Letras Libres. In The Nation setzt sich Jorge Volpi mit dem Liberalismus Enrique Krauzes auseinandern. In Le monde diplomatique feiert Tim Parks die mobilisierende Kraft des Wuchers. Mehr lesen

Diese glühbirnenköpfige Kreatur

06.12.2011. Wired porträtiert den neuen Steve Jobs: Jeff Bezos. Telerama empfiehlt eine neue Lektüre von Frantz Fanon. Die Columbia Journalism Review verteidigt den institutionellen Journalismus. In MicroMega geißelt Roberto Saviano die Omerta in Norditalien. Für Salon.eu.sk blickt Viktor Jerofejew in den Kreml-Himmel. In der NYRB setzt Daniel Kahnemann ganz klar auf System Zwei. Im Guardian erzählt der Kinderbuchautor Shaun Tan, was Australier mit Finnen gemeinsam haben. Und in Guernica erklärt Occupy-Erfinder Kalle Lassn, warum er heute eher die Zionisten als die Juden der Kriegstreiberei bezichtigen würde. Mehr lesen

Lesen, aber nicht berühren

29.11.2011. Marokkaner sind genauso freiheitshungrig wie Tunesier, erklärt der Aktivist Hisham Almiraat in open Democracy. Aber ihre Eliten sind feige, fürchtet der marokkanische Journalist Driss Ksikes in Le Monde. Im Merkur verabschieden sich Karl Heinz Bohrer und Kurt Scheel. Die LRB reist nach Griechenland. El Pais Semanal unterhält sich mit dem Sohn des letzten spanischen Scharfrichters. Der New Yorker bescheinigt der Fantasyliteratur einen Sinn für Verlust. Mehr lesen

Ein veritabler Brocken

22.11.2011. Die Columbia Journalism Review erzählt am Beispiel der Zeitung San Jose Mercury News, wie man kämpfen und trotzdem verlieren kann. Capital New York erzählt, wie die Huffington Post zum journalistischen Schwergewicht werden will. Prospect überlegt, wie man Computerspiele für den Film fruchtbar machen kann. Elet es Irodalom warnt vor der Vertreibung des sozialistischen Fußballs aus der ungarischen Geschichte. Der Berlusconismus funktioniert auch ohne Berlusconi, fürchtet MicroMega. Vorsicht vor pakistanischen Kleintransportern, warnt The Atlantic. Mehr lesen

Aber man vibriert

15.11.2011. Den Buchhandlungen geht es gut, meldet Bloomsberg Businessweek, solange sie klein sind. Telerama stellt französische Pioniere des Internetjournalismus vor. Im New Yorker geht Jane Kramer ihr Essen sammeln. In El Espectador denkt Hector Abad positiv, John Gray in The New Republic negativ. In Eurozine beruhigt Charles Taylor einen polnischen Linkskatholiken: der Klassenkampf ist ausgetragen. In der Boston Review möchte Lawrence Lessig, dass die Amateure regieren. Im Walrus Magazine sucht Toni Jokinen mit Richard Strauss den Italiener in sich. Mehr lesen

Das Kulturerbe der Muppets

08.11.2011. Eltern können sich ändern, sogar, wenn sie irisch-katholisch sind, erzählt Anne Enright in der Montreal Gazette. Im Iran redet man, um zu schweigen, erklärt Amir Hassan Cheheltan in Guernica. Das TLS liest, wie sich Samuel Beckett gegen James Joyce behauptete. 1000 Belgier schaffen mehr als eine Regierung, behauptet das Manifest des G1000. "Das System gefällt uns nicht!" ruft Magyar NarancsMehr lesen

Die Früchte der Revolution

01.11.2011. Der New Yorker reist nach Libyen. Ohne Universalismus gibt es keine Menschenrechte, erklärt Caroline Fourest in Le Monde. Der Grüne ist klassenlos, behauptet der Merkur. Il Sole 24 Ore findet nur noch Italiener, aber kein Italien mehr. Die New York Times erklärt am Beispiel von Pauline Kael, wann es für Kritiker Zeit ist aufzuhören. Mehr lesen

Warum nicht alles?

25.10.2011. In Ägypten ist die Opposition mit dem Beifahrersitz zufrieden, erzählt The Daily Beast. Al Ahram plädiert dafür, dass die Kopten nicht so für sich bleiben. Haaretz interviewt Salman Rushdie. Fast Company kündigt den Großen Krieg 2012 an. In Babelia erklärt der Philosoph Jose Luis Pardo, wie wir ganz leicht aus der Finanzkrise herauskommen. Die NYT besucht Haruki Murakami. Mehr lesen

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