Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

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Außer Atem: Das Berlinaleblog

Verschiebung und Variation: Hong Sangsoos 'Nobody's Daughter Haewon' (Wettbewerb)

Von Elena Meilicke, 15.02.2013, 17:02

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Ein paar Hong-Sangsoo-Filme habe ich gesehen und immer wieder die Erfahrung gemacht, dass ich mich hinterher schon bald nur noch schemenhaft an sie erinnern konnte. Immer wieder greift Hong die gleichen Motive, Schauplätze und Figuren auf, rekombiniert und rearrangiert sie, als wären alle seine Filme in Wirklichkeit ein einziger. Differenz und Wiederholung, Verschiebung und Variation, darum kreisen Hongs Filme, so sind sie gemacht. Das Resultat ist eine Ähnlichkeit, aber auch eine ganz eigene spielerische Leichtigkeit und Flüchtigkeit, die es so schwer machen, Hongs Filme zu fassen zu kriegen, sie festzunageln und ordentlich in Gedächtnisschubladen abzulegen.

Auch in "Nobody’s Daughter Haewon" trifft man auf bekanntes Hong-Material: Da sind Figuren, die ziellos durch leere und gesichtslose Stadtlandschaften spazieren. Ein Filmprofessor, der eine Affäre mit einer seiner jungen Studentinnen hat. Ein Park auf einer Anhöhe über der Stadt. Das Trinken. ... mehr lesen



Stichwörter: hong sangsoo, jane birkin, korea, nugu-ui ttal-do anin haewon, südkorea

Will nichts, wagt nichts: Lee Yoon-kis 'Come Rain, Come Shine'

Von Lukas Foerster, 17.02.2011, 17:00

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Im Auto, auf dem Weg zum Flughafen, kündigt die Frau dem Mann die Ehe auf. Leider fliegt der Film dann nicht mit ihr fort, sondern kehrt ins gemeinsame Domizil zurück, bleibt am Boden, in jeder Hinsicht. Mit sinnloser Geduld verfolgt er die Minutiae der Trennung: Sie packt Geschirr in Plastikfolien, er packt es wieder aus. Sie blättert in einem alten Kochbuch, er macht Reservierungen in einem Restaurant. Er ist zuvorkommend, sie wirft ihm Selbstsucht vor. Manchmal springt die Kamera zurück und rückt Möbelstücke in den Vordergrund. Die Möbel, die Rückstände der Ehe blicken auf die Scheidungswilligen. Das ist aber auch schon die einzige formale Idee, die einzige Art, auf der sich der Film zu seinem Gegenstand verhält. Nach einer Stunde ein erster Höhepunkt: Der Mann rettet eine wirklich sehr niedliche junge Katze vor dem Regen. Ach ja: der Regen. ... mehr lesen



Stichwörter: come rain, come shine, lee voon-ki, südkorea, wettbewerb 2011

Barbiepuppe mit Feuerpenis: Kim Suns 'Self Referential Traverse: Zeitgeist and Engagement'

Von Lukas Foerster, 14.02.2011, 11:02

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Die Oddity der diesjährigen Berlinale fängt verhältnismäßig harmlos an, nämlich als Fernsehsitcom der banalsten Art. Ein tumber Vater und seine smarte Tochter streiten sich über Politik, die Mutter sorgt sich, die Kochschürze umgebunden, um den Familienfrieden. Dazu die Lacher des Publikums aus der Konserve, eingespielt meist in Momenten, die alles andere als komisch sind.

Mir nichts dir nichts wechselt der Film dann das Register. Die nachgestellte, flache Fernsehästhetik weicht einer ebenfalls nachgestellten 16mm-Trashoptik inklusive digital eingefügter Artefakte über den Bildern; ein wenig sieht das aus wie in Quentin Tarantinos und Robert Rodriguez' "Grindhouse", nur wirkt es hier um einiges roher, unbehauener, weitaus weniger am pittoresken Effekt orientiert. Die Hauptfigur des Films ist jetzt eine ewige grinsende, uniformierte Marionette, die dem koreanischen Polizeimaskottchen Pogori nachempfunden ist. Pogori hat seine Beine verloren und möchte sich ... mehr lesen



Stichwörter: Animationsfilm, forum 2011, kim sun, politisches kino, self referential traverse, stop motion, südkorea, trash, zeitgeist and engagement

Eine Archäologie von Gegenwart: Kelvin Kyung Kun Parks 'Cheonggyecheon Medley'

Von Lukas Foerster, 13.02.2011, 15:28

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Die Erinnerung an den Großvater des Regisseurs, der im Korea der Nachkriegszeit eine Maschinenfabrik aufgebaut hatte, ist ein Ausgangspunkt des Films. Die Fabrik war situiert in Cheonggyecheon, einem Stadtviertel Seouls. Die einst dort ansässige Schwerindustrie war ein wichtiger Motor der Modernisierung des Landes, inzwischen ist der Ort von der wirtschaftlichen und technologischen Progression des moderne High-Tech-Korea überholt und abgehängt worden. Die großen Betriebe sind verschwunden, doch immer noch gibt es zahlreiche kleine Metallwerkstätten in den engen Gassen. Oder zumindest gab es diese Werkstätten, als Kelvin Kyung Kun Park, ein junger Regisseur, der von der Kunst zum Kino gekommen ist, Cheonggyecheon aufgesucht hat. Inzwischen sind viele dieser Kleinstunternehmen wohl bereits Opfer eines urbanen Erneuerungsplans geworden und mussten modernen Appartmentkomplexen weichen (Wikipedia weiß mehr). Die letzten Bilder des Films - konfuzianistische Rituale im unpersönlichen Weiß eines Neubaus - deuten ... mehr lesen



Stichwörter: a dream of iron, arbeitskultur, cheonggyecheon, forum 2011, kelvin kyung kun park, südkorea

Aufforderung zu metaphyischer Bescheidenheit: So Sang-mins 'I'm in Trouble!'

Von Lukas Foerster, 13.02.2010, 09:01

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Schon der englische Titel ist toll: "I'm in Trouble!". Eine simple, nachvollziehbare Feststellung, eine Feststellung, die durchs nachgesetzte Ausrufezeichen verstärkt, aber nicht qualitativ erweitert wird. "In Trouble" ist jeder manchmal, in Filmen geht es aber meist eher darum, wie man "in trouble" gerät und wie man demselben wieder entkommt. Trouble als Problem, das gelöst werden will. So Sang-mins Film geht es eben gerade nicht um Eskalation und Bewältigung, aus deren Perspektive Trouble immer nur Mittel zum Zweck und Antriebsmotor einer dramaturgischen Konstellation ist. Eine Konstellation, die selber ganz und gar nicht auf Trouble aus ist. Sondern auf das harmonische Ineinandergreifen von Plotpoints und story arcs. So Sang-min geht es ganz im Gegenteil um eine Phänomenologie des Trouble. Um einen sanft zerrütteten Zustand der Welt, der sich im sanft zerrütteten Zustand des Protagonisten spiegelt und umgekehrt. Um ein prekäres ... mehr lesen



Stichwörter: forum 2010, so sang-min, südkorea