Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

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Außer Atem: Das Berlinaleblog

Was zu lachen: Emmanuelle Bercots 'Elle s'en va' (Wettbewerb)

Von Thomas Groh, 15.02.2013, 18:02

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Abrechnung auf grünen Wiesen: Kaum kommt der Deneuve das französische M-Wort über die Lippen, hält der enervierend gut gelaunte Dreikäsehoch - im Film ihr Enkel, zu dem sie kaum eine Beziehung hat - die Hände auf: Für jeden Kraftausdruck ist ein Euro fällig. Deneuve kann nicht zahlen, denn sie hat kein Geld. Mit Reichtum gesegnet bin auch ich nicht, aber den Euro leg' ich gerne hin: Dieser Film ist richtig Scheiße! Kassier' mich ab, wer will!

Tatsächlich fühlt man sich, nach dem letztjährig herausragendem und diesjährig durchweg solidem bis sehr gutem Wettbewerb, im Nu in schlimmste Berlinalezeiten zurückversetzt - und das ausgerechnet noch im Festival-Endspurt. Was soll, was will dieser Film - hier, im Wettbewerb, und überhaupt? Man steht vor einem Scherbenhaufen aus mangelnden Ambitionen, mangelnden Ideen und mangelndem Witz und würde, wäre man nach endlosen zwei Stunden ... mehr lesen



Stichwörter: catherine deneuve, emmanuelle bercot, frankreich, wettbewerb 2013

Güte und Perfidie: Guillaume Nicloux' 'Die Nonne' (Wettbewerb)

10.02.2013, 22:02

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Suzanne (Pauline Etienne), die jüngste von drei Töchtern, drängt es zum Noviziat. Guillaume Nicloux' "La religieuse" gibt zunächst wenig Hinweise, warum Suzanne diesen Weg einschlagen möchte, aber man kann überschlagen, dass sie die Alternativen, die einer Frau im Frankreich des 18. Jahrhundert offenstanden, nicht eben attraktiv findet. Rasch stellt sich heraus, dass Suzanne das Klosterleben nicht liegt, sie verweigert, zum Chagrin ihrer Eltern, das Ordensgelübde. Die können sich nach der Verheiratung ihrer beiden älteren Töchter für die jüngste aber keine Mitgift mehr leisten. Ein zweites Mal wird Suzanne ins Kloster verbracht. Diesmal gibt sie nach, ohne sich aber in ihr Schicksal zu fügen: In keinem Moment verlässt die großartige Pauline Etienne der Bartleby'sche Widerstandsgeist, leise, unnachgiebig und ohne falsches Pathos. Auch der Rest der Schauspielerriege kann sich sehen lassen: Martina Gedeck ist Suzannes Mutter, Isabelle Huppert eine Mutter Oberin ... mehr lesen



Stichwörter: frankreich, gedeck, martina, guillaume nicloux, isabelle huppert, katholische kirche, la religieuse, louise bourgoin, wettbewerb 2013

Heute noch zu sehen: Emin Alpers 'Beyond the Hill', Kiko Goifmans 'Look at me again' und Zoé Chantres 'Tiens moi droite'

Von Nikolaus Perneczky, 18.02.2012, 11:15

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Emin Alpers Erstlingsfilm "Tepenin Ard? - Beyond the Hill" (Forum) beginnt vielversprechend enigmatisch. Ein alter Patriarch verteidigt sein Anwesen in den anatolischen Bergen gegen Nomaden, die ihre Tiere auf sein Weideland führen. Der Kleinkrieg zwischen dem alten Mann, der mit einem seiner Söhne und dessen Familie in einer Talsenke lebt, und den angeblichen Aggressoren, tobt schon eine ganze Weile, als der zweite Sohn zu Besuch kommt. Geschickt relegiert der Film die wahrgenommene Bedrohung ins Off, hinter den Hügel, wo die Nomaden sich aufhalten sollen. Sie sind jedoch nie direkt zu sehen, sondern lediglich in der Phantomgestalt von Gegenschüssen aus dem umliegenden Gebirge, unauffällige Landschaftsaufnahmen jeder für sich, die sich nach und nach zu einer Triangulation des Geschehens im Tal addieren, und so die Frage aufwerfen, wessen Betrachterstandpunkt sich hier mitteilt. Es ist zu bedauern, dass Emin Alper den Konflikt ... mehr lesen



Stichwörter: beyond the hill, brasilien, emin alper, forum 2012, frankreich, kiko goifman, look at me again, panorama 2012, tiens moi droite, türkei, zoé chantre

Einen Film flechten: Clemence Ancelins 'Habiter' (Forum)

Von Elena Meilicke, 17.02.2012, 14:20

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Flechten, immer wieder flechten: einen Korb flechten, einen Zaun flechten, ein Dach flechten. Aus Stroh und getrockneten Palmblättern. Die Verbindung von Vertikalen und Horizontalen. Im Bild also immer wieder die grundlegende Operation des Verknüpfens, die Herstellung von etwas, das mehr ist als die Summe seiner Teile.

Genauso funktioniert auch „Habiter/Construire“. Ausgehend von dem Straßenbauprojekt, das ein französischer Konzern in einem kaum erschlossenen Wüstengebiet im Tschad betreibt, beobachtet der Dokumentarfilm die unterschiedlichen Lebensformen, die um diese Baustelle herum existieren. Da sind die Nomaden, die mit ihren Kamelen durch die Gegend ziehen, da sind die sesshaften Wüstenbewohner, die in kleinen Dörfern leben. Darüber hinaus hat die Baustelle Arbeitsmigranten angezogen: aus anderen Teilen des Tschad, aus anderen Teilen Afrikas, aus anderen Teilen der Welt.

Es sind die immer gleichen grundlegenden Fragen, die Regisseurin Clémence Ancelin an diese Gruppen ... mehr lesen



Stichwörter: clemence ancelin, forum, frankreich, habiter/construire

Fraktionen des Bösen im Nazihauptquartier: Volker Schlöndorffs 'La mer à l'aube' (Panorama)

Von Lukas Foerster, 14.02.2012, 11:17

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"La mer a l'aube", eine Fernsehproduktion von Volker Schlöndorff, die, was Ausstattung und filmische Mittel angeht, auch so aussieht, erzählt von der Hinrichtung 150 französischer Kriegsgefangener, die im Zweiten Weltkrieg auf Anordnung Hitlers als "Vergeltungsmaßnahme" für den Anschlag auf einen deutschen Offizier im Oktober 1941 von den deutschen Besatzern in Zusammenarbeit mit französischen Hilfstruppen geplant und durchgeführt wurde.

Wie obszön ist "La mer a l’aube"? Erste Antwort: schon ziemlich obszön, schließlich steckt auch Schlöndorff wieder deutsche Schauspieler in Naziuniformen und die deutschen Schauspieler fühlen sich da wohl: jetzt können sie endlich mal alle Register ziehen, vorführen, was sie auf der Schauspielschule so alles gelernt haben. Vielleicht schauen ja die richtigen Leute zu, dann könnte die SS-Uniform als Karrieresprungbrett dienen. Diesem Mechanismus kann sich ein deutscher Film, der im Modus des psychologischen Realismus über das Dritte Reich erzählt, kaum ... mehr lesen



Stichwörter: deutschland, ernst jünger, frankreich, guy moquet, kriegsverbrechen, panorama 2012, volker schlöndorff

Spricht die Sprache der Liebe: Vincent Dieutres 'Jaurès' (Forum)

Von Nikolaus Perneczky, 12.02.2012, 20:57

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Vincent Dieutres "Jaurès" ist einer der bisher schönsten Filme des diesjährigen Forums. Seine Konstruktionsprinzipien sind schnell nacherzählt: Als Dieutre noch mit seinem Geliebten Simon zusammen war, verbrachte er viel Zeit in dessen Wohnung unweit der Pariser U-Bahnstation Jaurès. Vom Fenster aus machte Dieutre digitale Videoaufnahmen von der umliegenden Stadtlandschaft, von gegenüberliegenden Wohnhausfassaden, von der vorbeifahrenden U-Bahn, vom artist in residence, der schräg vis-à-vis an einer Neoninstallation bastelt, und immer wieder, mit besonderer Beharrlichkeit, von dem kleinen Hohlraum unter der Brücke auf der anderen Seite des Kanals, wo afghanische Flüchtlinge eine Notunterkunft errichtet haben. Diese Aufnahmen nun kommentiert Dieutre, gemeinsam mit seiner Freundin Eva Truffaut (François' Tochter), die Fragen und Stichworte liefert, aus dem Inneren eines kleinen, ortlosen Aufnahmestudios. Und schließlich sind da kleine Manipulationen des Ursprungsmaterials, pastos-flächige Übermalungen einzelner Objekte - von Straßenlampen, Kartons, Geländern und eines parkendes Autos ... mehr lesen



Stichwörter: forum 2012, frankreich, jaures, liebe, paris

Das Nichtzuendesehen von Filmen: Ein Tag im Wettbewerb mit Alexander Mindadze, Ralph Fiennes und Philippe Le Guay

Von Ekkehard Knörer, 15.02.2011, 16:40

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"An einem Samstag" gab es vorab, da musste man unterschreiben, dass man nicht vor der Berlinale-Vorführung im Wettbewerb drüber berichtet. Es gibt sogar Klauseln, habe ich gestern erfahren, die einem verbieten, auch nur ein einziges Wort zu einem exklusiv im voraus gezeigten Film irgendwem gegenüber zu verlieren. Das ist dann schon eine Form von Verblendung: um die Coca-Cola-Formel handelt es sich bei den auf der Berlinale gezeigten Filmen doch eher nicht. Und bei "An einem Samstag" schon gar nicht. Mit einer radikalisierten Version der Dardenneschen Menschenverfolgungshandkamera erzählt Regisseur Alexander Mindadze (Kamera: Oleg Mutu) ein im Grunde konventionelles Drama vor dem Hintergrund des Reaktorunglücks von Tschernobyl. Der Hintergrund, das Drama, die Kamera-Hysterie, das Konventionelle und vor allem das Verhalten der Figuren passen nirgends zusammen, was leider keine interessanten Spannungen ergibt, sondern am Ende nur das Klischeebild vom reichlich irrationalen trunksüchtigen ... mehr lesen



Stichwörter: alexander mindadze, an einem samstag, coriolanus, frankreich, Les Femmes du 6eme Etage, philippe le guay, ralph fiennes, shakespeare, tschernobyl, wettbewerb 2011

Will nicht in die Tiefe: Michel Ocelots 'Les contes de la nuit'

Von Thomas Groh, 13.02.2011, 16:30

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Wie sinnvoll ist es, die Ästhetik des Scherenschnitt- und Silhouettenfilms, der gerade aus seiner Flächigkeit Reiz bezieht, mit 3D-Technologie zu kreuzen? Mit Blick auf den 3D-Boom des vergangenen Jahres aus Sicht von Finanziers vermutlich sehr, davon abgesehen wirft eine solche Unternehmung zumindest Fragen auf. In "Les Contes de la Nuit" von Michel Ozelot sitzt man jedenfalls einigermaßen verwirrt vor der Leinwand: In einer technisch etwas aufgefrischten Variante der Schnerenschnittanimation a la Lotte Reiniger (ein paar Beispiele) erzählt der Episodenfilm kleinere Geschichten aus Märchenbüchern aus aller Welt, gerahmt wird das von einer kleinen Gruppe Animationsfilmer, die nachts in einem heruntergekommenen Kino eben jene Geschichten mit viel Enthusiasmus auf die Leinwand bringen.

Nur ganz buchstäblich in die Tiefe will das nicht gehen: Lediglich die letzte Fabel des Reigens wartet mit einigen kleineren, dafür recht hübschen Ideen auf, ... mehr lesen



Stichwörter: 3d, animationsfilm, frankreich, Les contes de la nuit, michel ozelot, wettbewerb 2011

Innenleben einer Äffin: Nicolas Philiberts 'Nenette' im Forum

Von Anna Steinbauer, 15.02.2010, 08:45

Angeblich reden Orang-Utans nur deshalb nicht, damit sie nicht arbeiten müssen. Ob sie nun nicht können oder nicht wollen - auf jeden Fall traut man den Menschenaffen eine gehörige Portion Klugheit zu. Umso mehr, wenn man Nenette, die Orang-Utan-Dame aus der Pariser Menagerie im Jardin des Plantes so betrachtet. Die Äffin verfügt durchaus über ein gewisses Maß an Lebenserfahrung, im Vergleich zu ihren Artgenossen hat sie schon ziemlich viele Jahre auf dem haarigen, rötlich-schimmernden Buckel. Nenettes 40. Geburtstag nahm der Dokumentarfilmer Nicolas Philibert zum Anlass, ihr Leben in dem Pariser Affenhaus zu porträtieren.

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Geboren in der Freiheit der tropischen Regenwälder Südostasiens lebt Nenette mit ihren drei Kindern nun schon seit 37 Jahren im Pariser Affenhaus - gefangen in einer kleinen Welt hinter Glas und Gitter. Drei Orang-Utan-Männer und eine schwere Krankheit hat sie überlebt und fristet ... mehr lesen



Stichwörter: forum 2010, frankreich, nenette, nicolas philibert, orang-utan

Das Arthauskino wird man nicht so einfach los: 'Plein sud' von Sebastien Lifshitz im Panorama

Von Lukas Foerster, 14.02.2010, 10:30

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Zur Titelsequenz und laut aufgedrehter Musik tanzt Lea (Lea Seydoux) verführerisch und zieht sich dabei aus. Für die Kamera, der sie sehr dicht zu Leibe rückt, und für Sam (Yannick Renier). Der ist für ihre Reize unempfänglich. Sam ist schwul, genau wie Leas Bruder Mathieu. Die drei sind gemeinsam im Auto unterwegs, in Richtung Süden und vorerst reagiert Sam auf Mathieus Avancen nicht anders als auf die Leas. In einem Einkaufszentrum treibt Lea einen brünett gelockten vierten Reisegefährten auf, was dem erotischen Gleichgewicht zumindest mittelfristig guttun wird.

Genau so lange, wie das Reiseziel unklar bleibt, kann man darauf hoffen, dass "Plein sud", der neue Film des Franzosen Sebastien Lifshitz, dessen letzter Film "Wild Side" vor fünf Jahren ebenfalls im Panorama zu sehen war und zumindest Lust machte auf weitere Arbeiten seines Regisseurs, auf der richtigen Spur ist ... mehr lesen



Stichwörter: alkohol, frankreich, homosexualität, panorama 2010, plein sud, sebastien lifshitz, sex

Der Unbehausteste: Roman Polanskis 'The Ghost Writer'

Von Thierry Chervel, 12.02.2010, 21:00

Am gnadenlosesten schnappen immer die Fallen zu, in die man sehenden Auges lief. Polanski ist der Filmemacher der bösen Ahnung, einer uranfänglichen Unbehaglichkeit, aus der man wie im Alptraum nicht zurück kann. Noch bevor irgendetwas passiert ist, spürt der amerikanische Arzt Richard Walker in "Frantic", dass Paris ihn nicht willkommen heißt. Er fährt trotzdem, mit der geliebten Frau. So wie Trelkovsky in "Der Mieter" die Wohnung der Selbstmörderin mietet, vor der es ihn graust und in der er seine einsame Emigrantenexistenz dann doch zu Ende fristet, und wie der Assistent des Vampirologen im "Tanz der Vampire" seinem gesunden Widerwillen hätte nachgeben sollen. Aber zu spät, die Falle schnappt zu, weil der Held zu höflich war, oder egoistisch oder neugierig oder bedürftig und weil er durch seine eigenen kleinen menschlichen Fehler den grausamen Mechanismus des Räderwerks nach Kräften schmiert.

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Stichwörter: alkohol, frankreich, großbritannien, roman polanski, the ghostwriter, thriller, wettbewerb 2010