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Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Das Berlinaleblog: Berlinale Blog

Die Bären gehen an...

15.02.2014. Die Jury hat die Preise vergeben: Der Goldene Bär geht an "Bai Ri Yan Huo" ("Black Coal, Thin Ice") von Diao Yinan. Die wichtigsten Bären mit Links zu den Artikeln der Perlentaucher-Kritiken.

Indie-Verweigerungsposen: Georg Tillers 'DMD KIU LIDT' (Forum)

14.02.2014. Georg Tillers Film über die Indie-Popper "Ja, Panik" ist kapitalismuskritisch, sehr traurig und sehr posenhaft. Von Thomas Groh

Die Länge französischer Vokale: 'Finding Vivian Maier' (Panorama)

14.02.2014. Vivian Maier war eine geniale Fotografin - aber keiner wusste es. John Maloof hat ihre Fotos auf einem flohmarkt entdeckt und jetzt einen Film über sie gemacht. Von Thekla Dannenberg

Zeigt, was Mut ist: Zeresenay Berhane Meharis 'Difret' (Panorama)

14.02.2014. Zeresenay Berhane Meharis Film "Difret" zeigt am Beispiel eines jungen Mädchens, das sich gegen die traditionelle Entführung durch einen unerwünschten Verehrer wehrt, die Umbrüche in Äthiopien. Von Anja Seeliger

Jedes Jahr ein bisschen: Richard Linklaters 'Boyhood' im Wettbewerb

13.02.2014. Richard Linklater setzt mit "Boyhood" sein Langzeit-Filmprojekt fort. Er schaut zu, protokolliert, reiht schön zwanglos aneinander. Und hat großartige Schauspieler. Von Thomas Groh

Rutschpartie ins Nichts: Diao Yinans Wettbewerbsfilm "Black Coal, Thin Ice"

13.02.2014. Diao Yinan erzählt von einem Serienmörder und den überforderten Ermittlern in China. Das Ergebnis ist ein Film Noir, der nicht schwarz sein will. Von Elena Meilicke

Demokratisiert 3D: Wim Wenders' 'Kathedralen der Kultur' (Berlinale Special)

13.02.2014. Sechs Regisseure filmen Architektur-Ikonen der Moderne in 3D. Das Ergebnis ist großartig. Und selbst im Scheitern lässt sich noch was lernen. Von Thekla Dannenberg

Dokumente eines rassistischen Alltags: 'Through A Lens Darkly' von Thomas Allen Harris (Panorama)

13.02.2014. Der Dokumentarfilm "Through A Lens Darkly" von Thomas Allen Harris erzählt die Geschichte der schwarzen Fotografen in den USA. Von Thekla Dannenberg

Nur halt ohne Kunst: der argentinische Wettbewerbsfilm "La tercera orilla"

12.02.2014. Celina Murgas Vater-Sohn-Geschichte ist mit deutschen Geldern finanziert und wirkt ein wenig wie Berliner Schule aus Buenos Aires. Der Film überzeugt nicht. Von Thomas Groh

Ins Außerweltliche: Marcin Malaszczaks kurzer Film 'Orbitalna' (Forum Expanded)

12.02.2014. Wer in "Orbitalna" einem Laufband nachblickt, wird Geistes von Film und Welt angesichtig. Von Lukas Foerster

Kritik an der totalen Dienstleistungskultur: Tatjana Turanskyjs 'Top Girl' (Forum)

12.02.2014. Tatjana Turanskyjs Film "Top Girl" stellt die Geschlechterverhältnisse auf den Prüfstand: etwas zu thesenhaft, aber dann auch mit einem Interesse an exotischer Fantastik heutiger Sexarbeiterinnen. Von Elena Meilicke

Körperkino: Karim Aïnouz' 'Praia do futuro' (Wettbewerb)

12.02.2014. Karim Aïnouz' Wettbewerbsbeitrag "Praia do futuro", eine schwule Liebesgeschichte, gibt eine Ahnung davon, was Körperkino könnte. Von Friederike Horstmann

Fußball in Rumänien: Corneliu Porumboius "The second game" (Forum)

12.02.2014. Weiß auf Dreck ist der Fußballplatz, und am Ende wird selbst der Laie in das Spiel hineingezogen: Wahrheiten über Fußball aus Rumänien. Von Anja Seeliger

Mit schwerem Akzent: Axel Steins Horrorfilm "Tape_13" (Perspektive Deutsches Kino)

12.02.2014. Axel Stein nimmt in "Tape_13" alle altbekannten Klischees des Horrorfilms auf. Das wäre nicht schlimm, wenn er eine Idee dazu hätte. Von Thomas Groh

Flucht zu viel: Yannis Economides' 'Stratos' (Wettbewerb)

12.02.2014. In Yannis Economides' Wettbewerbsfilm "Stratos" ist ein Auftragskiller die am wenigsten moralisch verkommene Person. Er schweigt auch besser als die anderen fluchen. Von Thekla Dannenberg

Moderne Erziehungsmethoden in Jean-François Caissys 'La marche à suivre' (Forum)

12.02.2014. Zurichtung des rebellischen Geistes oder liebevolle Einbläuung moralischer Richtlinien? Das ist die Frage in Jean-François Caissys Doku über eine Schule in der kanadischen Provinz. Von Anja Seeliger

Liebt seine Hänger: Alonso Ruizpalacios' 'Güeros' (Panorama)

12.02.2014. Alonso Ruizpalacios' faule Studenten, haben keine Lust mehr zur Revolution, die immer mehr zur Pflicht wird. Lieber suchen sie einen alten Sänger. Von Thekla Dannenberg

Läuft mit Dramatisierungsmotor: Feo Aladags: 'Zwischen Welten' (Wettbewerb)

11.02.2014. Feo Aladags "Zwischen Welten" führt direkt in den Afghanistankrieg. Die Überdramatisierung wird aufgewogen durch den Kinokörper Ronald Zehrfelds und unerwartetere erotische Interessen. Von Lukas Foerster

Auf dem Tahrirplatz: Jehane Noujaims 'The Square' (Forum)

11.02.2014. Jehane Noujaim hat drei Jahre lang vier junge ägyptische Aktivisten mit der Kamera begleitet. Aber ob sie die Revolution oder nur die Medienrevolution gewinnen, ist noch nicht abgemacht. Von Thekla Dannenberg

Parapopuläres Kino: Alain Resnais' 'Aimer, boire et chanter' (Wettbewerb)

11.02.2014. Wieder ein Beerdigungsfilm. Alain Resnais versammelt in "Aimer, boire, chanter" seine Lieblingsschauspieler für eine letzte Performance. Von Lukas Foerster

Geschichte der Homosexualität in Italien: Gianni Amelios 'Felice chi è diverso' (Panorama)

11.02.2014. Gianni Amelio erzählt in "Felice chi è diverso" eine Kulturgeschichte der Homosexualität in Italien und verliebt sich besonders in die alten Schwulen, die er für seinen Dokumentarfilm befragte. Von Thekla Dannenberg

Apell für eine neue Empfindsamkeit: Lou Yes 'Blind Massage' (Wettbewerb)

10.02.2014. Lou Yes Wettbewerbsbeitrag "Blind Massage" erzählt von einer Gruppe blinder junger Männer und Frauen in einem Massage-Institut und erforscht dabei subjektive Kameraperspektiven. Von Elena Meilicke

Kurze Momente des Glücks in 'Ice Poison' von Midi Z (Panorama)

10.02.2014. Der thailändische Regisseur Midi Z erweist sich in seinem Film "Ice Poison" als Mitbegründer eines neuen rural cinema. Von Lukas Foerster

Leiden im Kino: mit Dietrich Brüggemanns 'Kreuzweg' (Wettbewerb)

10.02.2014. Dietrich Brüggemann erlaubt seiner jungen Heldin nicht, von ihrem vorgezeichneten Kreuzweg auch nur einen Millimeter abzuweichen. Dafür gibt's am Ende ein Wunder. Von Friederike Horstmann

Dieser Halbtote und seine Begleiterin: Peter Krügers Filmessay 'N - The Madness of Reason' (Forum)

10.02.2014. Peter Krüger meditiert in "N - The Madness of Reason" mit den wunderbaren Stimmen  Michael Lonsdales und Wendyam Sawadogos über die Geschichte Afrikas. Von Anja Seeliger

Einparken kann sie tadellos: Lars von Triers "Nymphomaniac" (Wettbewerb)

10.02.2014. Lars von Triers "Nymphomaniac" handelt mindestens so sehr vom Sprechen über den Sex wie vom Sex selbst. Von Elena Meilicke

Dispersion von Sinn: Fruit Chans 'The Midnight After' (Panorama)

09.02.2014. Am Ende eines Tunnels lauert eine Welt ohne Menschen: Fruit Chans grandiose Doomsday-Vision "The Midnight After" im  Panorama Von Lukas Foerster

Der dunkelste Winkel der Weltpolitik: Hubert Saupers 'We Come as Friends' (Panorama)

09.02.2014. Hubert Sauper zeigt in seinem Dokumentarfilm "We Come as Friends" unerträgliche Zustände im Südsudan, sollte aber noch eine Lehre über den Neokolonialismus beherzigen. Von Thekla Dannenberg

Folgt dem Prinzip der Unordnung: Maria Speths 'Töchter' (Forum)

09.02.2014. In Maria Speths "Töchter" sucht eine Frau im unwirtlichen Berlin ihre Tochter, die von zu Hause weggelaufen ist. Eine andere Streunerin zeigt ihr bald ihre Grenzen auf. Von Lukas Foerster

Spaß am Zeltlager: 'Another World' im Panorama

09.02.2014. "Another World" feiert mit klebriger Jubelrhetorik die gescheiterte "Occupy"-Bewegung. Von Thomas Groh

Was für ein Tiger! Guillaume Niclouxs 'L'enlèvement de Michel Houellebecq' (Forum)

09.02.2014. Michel Houellebecq ist tatsächlich entführt worden - zum Glück wurde er dabei gefilmt! Am Ende erliegen selbst die Entführer seinem quengeligen Charme. Von Thekla Dannenberg

Horribel märchenhaft: Till Kleinerts 'Der Samurai' (Perspektive Deutsches Kino)

09.02.2014. Till Kleinerts "Samurai" lässt in einem Dorf in Brandenburg den Realismus hinter sich und traut sich zu zeigen, welcher Horror dort wirklich lauert. Von Thomas Groh

Utopischer Liebesentwurf: Dominik Grafs 'Die geliebten Schwestern' (Wettbewerb)

09.02.2014. Dominick Grafs Wettbewerbsbeitrag "Die geliebten Schwestern" erzählt eine lichte Liebesgeschichte von Schiller und den Schwestern Lengefeld. Von Elena Meilicke

Geisterbahn Noir: Dante Lams 'That Demon Within' (Panorama Special)

08.02.2014. Derek Lam, Poet der Narben, ist wieder in der Stadt. In seinem "That Demon Within" fliegen die Fetzen, färben die Bilder sich rot und selbst Freud wird gnadenlos durch den Fleischwolf gedreht. Von Thomas Groh

Vernuschelt: Michel Gondrys "Is the Man Who is Tall Happy?" (Panorama)

08.02.2014. Michel Gondrys Interview mit Noam Chomsky ist vielleicht interessant. Aber um das beurteilen zu können, müsste man die beiden verstehen. Bilder helfen da auch nicht weiter. Von Anja Seeliger

Dieses Außerirdische im Sozialen

08.02.2014. Ken Loachs Filme überzeugen immer dann, wenn sich der Charme der Realität in sein Freund-Feind-Schema einschleicht. Bei seinen frühen Arbeiten geschieht das häufiger. Einige Eindrücke von der Hommage Von Nikolaus Perneczky

Hochgeschmackvoll: Jalil Lesperts 'Yves Saint Laurent' (Panorama)

08.02.2014. Jalil Lesperts Biopic "Yves Saint Laurent" beschreibt den Modemacher als süchtiges Genie, das vom Heiligen Pierre beschützt wird. Aber die Kleider sind umwerfend. Von Anja Seeliger

Unentschieden: Yann Demanges '71' (Wettbewerb)

08.02.2014. In Yann Demanges "'71" muss sich ein britischer Soldat nachts allein durch das feindliche Belfast schlagen. Ihm auf den Fersen: IRA und eine Spezialeinheit der britischen Armee. Von Anja Seeliger

Blanker Horror: Bong Joon-hos 'Snowpiercer' (Forum)

07.02.2014. Bong Joon-hos "Snowpiercer ist Action, Schauspielerfilm (im Bild: Tilda Swinton) und düsterer Ausblick auf ein System, dass durch jeden Widerstand nur noch stärker wird. Von Elena Meilicke

Spannungslos: Rachid Boucharebs "La voie de l'ennemi" (Wettbewerb)

07.02.2014. Rachid Bouchareb hat mit "La voie de l'ennemi" einen alten französischen Thriller, José Giovannis "Endstation Schafott" neu verfilmt. Der Unterschied: wo Alain Delon kämpfte, muss Forest Whitaker beten. Von Thekla Dannenberg

Französisch lernen: "Love is Strange" von Ira Sachs

07.02.2014. Ira Sachs' "Love is Strange" (Panorama) erzählt leise, gelassen und im Gegenlicht von bourgeoisen Problemen, die es nicht sind. Von Lukas Foerster

Unbeschnitten: Kutlug Atamans 'Kuzu' (Panorama)

07.02.2014. Kutlug Ataman erzählt in "Kuzu - The Lamb" von einem Jungen, dem die Beschneidung bevorsteht, seiner grimmigen Schwester und einer überfürsorglichen Mutter in einem kleinen Dorf in Anatolien. Von Thekla Dannenberg

Schickt die Familienplanungsbrigade: Zhao Dayongs 'Shadow Days' (Forum)

07.02.2014. Zhao Dayongs "Shadow Days" gibt einen realistischen, wenn auch leider nicht sehr künstlerischen Einblick in die Brutalität der chinesischen Ein-Kind-Politik. Von Thekla Dannenberg

Kaiserlich: Johannes Holzhausens 'Das große Museum' (Forum)

07.02.2014. Johannes Holzhausens Dokumentarfilm "Das große Museum" über das Kunsthistorische Museum in Wien erzählt von der Arbeit im und am Museum und zeigt, welche Bilder österreichische Politiker für ihre Büros aussuchen. Von Lukas Foerster

Showtime, baby: Wes Andersons 'The Grand Budapest Hotel' (Wettbewerb)

06.02.2014. Wes Andersons Berlinale-Eröffnungsfilm "The Grand Hotel Budapest" zeigt nicht nur einen amüsanten Ringelreihen berühmter Schauspieler, seine zwanghafte Symmetrie hat auch etwas wirklich Tröstliches, bedenkt man das Ende. Von Elena Meilicke

Elegant: Nguyen-Vo Nghiem-Minhs 'Nuoc' (Panorama)

06.02.2014. Der vietnamesische Regisseur Nguyen-Vo Nghiem-Minh setzt in seinem Film "Nuoc" die Welt unter Wasser und erzählt mit großer Behutsamkeit eine Liebe- und Rachegeschichte. Von Lukas Foerster

Berlinale Retrospektive: Ästhetik des Schattens

06.02.2014. "Aesthetics of Shadow" lautet der Titel der diesjährigen Berlinale-Retrospektive, die ästhetische Wechselwirkungen vor allem jener Filmen nachzeichnet, die in Japan, den USA und in Deutschland zwischen den Jahren 1915-1950 produziert wurden. Von Friederike Horstmann

Stichwörter

Chronist der menschlichen Würde - Filme von Noboru Nakamura im Forum

06.02.2014. Das Forum zeigt in einer Hommage drei Filme von Noboru Nakamura, der zwischen 1951 und 1964 den Wandel und die Modernisierung Japans untersuchte. Die ersten beiden Filme sind s/w gedrehte Alltagsfilme, der letzte zeigt in farbenprächtigem Cinemascope Verführung und Ausbeutung der Warenwelt. Von Thomas Groh

Entweder rüstig oder gefördert

05.02.2014. Nach einer kurzen Aufbruchsphase ist die Berlinale künstlerisch schon wieder in der Defensive. Die Sektionen sind homogenisiert und taugen nicht mehr zur Orientierung des Zuschauers. Für Überraschungen ist die Berlinale dennoch immer gut. Selbst knallharte Traditionalisten - wie unser Autor - werden fündig. Wer sich ab morgen unter gut 400… Von Lukas Foerster

Die Bären 2013

16.02.2013. Goldener Bär für den besten Film: "Child's Pose" (Poziţia Copilului) von Călin Peter Netzer

Fordert Ergebenheit: 'Leviathan' von Lucien Castaing-Taylor und Verena Paravel (Forum Expanded)

16.02.2013. Lucien Castaing-Taylor, zuletzt mit "Sweetgrass" (zusammen mit seiner Frau Ilisa Barbash) auf der Berlinale vertreten, und seine Ko-Regisseurin Véréna Paravel haben – an Bord eines Industrie-Fischereiboots in den Gewässern vor Neuengland – ein Monstrum von einem Experimentalfilm geschaffen. Sein andeutungsreicher Name: "Leviathan". Die halb akademische, halb künstlerische Disziplin, woraus "Leviathan"… Von Nikolaus Perneczky

Auf Augenhöhe: Die starken Frauen im Berlinale-Wettbewerb 2013

16.02.2013. "How to do things with women": Das könnte, spätestens seit der Nouvelle Vague, ein Motto des internationalen und hinter der Kamera nach wie vor weitgehend männlichen Autorenkinos sein. Der aktuelle Berlinalewettbewerb ist da keine Ausnahme; schon alleine in den Filmtiteln tauchen sechs Frauennamen auf und kein einziger Männername. Bei den… Von Lukas Foerster

Was zu lachen: Emmanuelle Bercots 'Elle s'en va' (Wettbewerb)

15.02.2013. Abrechnung auf grünen Wiesen: Kaum kommt der Deneuve das französische M-Wort über die Lippen, hält der enervierend gut gelaunte Dreikäsehoch - im Film ihr Enkel, zu dem sie kaum eine Beziehung hat - die Hände auf: Für jeden Kraftausdruck ist ein Euro fällig. Deneuve kann nicht zahlen, denn sie hat… Von Thomas Groh

Verschiebung und Variation: Hong Sangsoos 'Nobody's Daughter Haewon' (Wettbewerb)

15.02.2013. Ein paar Hong-Sangsoo-Filme habe ich gesehen und immer wieder die Erfahrung gemacht, dass ich mich hinterher schon bald nur noch schemenhaft an sie erinnern konnte. Immer wieder greift Hong die gleichen Motive, Schauplätze und Figuren auf, rekombiniert und rearrangiert sie, als wären alle seine Filme in Wirklichkeit ein einziger. Differenz… Von Elena Meilicke

Solo für Greta: Noah Baumbachs 'Frances Ha' (Forum)

15.02.2013. Greta Gerwig macht mit ihrem Körper, was kaum eine Schauspielerin tun würde, die auf Anmut, Eleganz oder Sexappeal wert legt: Sie verdreht, verbiegt und verschraubt ihn. Sie zeigt ihre kräftigen Arme und ihre großen, ulkigen Füße, tanzt auf der Bühne und am Washington Square. Sie läuft x-beinig wie ein Basketballer,… Von Thekla Dannenberg

Bleibt ein Unvollendeter: George Sluizers 'Dark Blood' (Wettbewerb)

15.02.2013. George Sluizers "Dark Blood" blickt auf eine bewegte Produktionsgeschichte zurück. Zehn Tage vor Drehschluss starb Hauptdarsteller River Phoenix an einem drogeninduzierten Herzinfarkt; das abgedrehte Material wurde von der Versicherungsgesellschaft in Verwahrung genommen. Das war im Oktober 1993. 2012 gelang es Sluizer, der vor einige Jahren ein Aneurysma erlitten hatte, die… Von Nikolaus Perneczky

Nicht nur untergründig bösartig: Emir Baigazins 'Harmony Lessons' (Wettbewerb)

14.02.2013. Vorletzter Wettbewerbstag, die Pressevorstellung liegt auf der Frühschiene, um neun Uhr morgens, der Film ist ein fast zwei Stunden langes Debüt aus Kasachstan: Dass der Berlinalepalast auch bei "Harmony Lessons" gut gefüllt ist, spricht für die Ausdauer der akkreditierten Festivalgänger. Als dann gleich in den ersten drei Minuten ein Schaf… Von Lukas Foerster

Gefühlte Geschichte: Neus Ballus' 'The Plague' (Forum)

14.02.2013. In ihrem Film "La Plaga" erzählt die junge spanische Filmemacherin Neus Ballús von einer Reihe ganz normal faszinierender Menschen, die sich am Stadtrand von Barcelona durchs Leben schlagen: Raul ist Gabelstapelfahrer und führt den Baunernhof seiner Eltern, dessen Existenz grundsätzlich bedroht ist, im Moment der großen Hitze aber besonders durch… Von Thekla Dannenberg

Beängstigender Wald: Andreas Bolms 'Die Wiedergänge' (Perspektive Deutsches Kino)

14.02.2013. Wohin man auch blickt, überall Bäume auf dieser Berlinale: Besonders im Wettbewerb jagt ein Waldfilm den nächsten. Nina Hoss schlägt sich bei Thomas Arslan als Teil einer exildeutschen Reisetruppe durchs unwirtliche, grenzmystische Nadelholz. Tendenziell mindestens ebenso aggressiv (genauer gesagt: mindestens eine Bärenfalle aggressiver) gebärt sich der - gleichfalls kanadische -… Von Lukas Foerster

Transportiert ein gewisses Männerideal: David Gordon Greens 'Prince Avalanche' (Wettbewerb)

14.02.2013. Es heißt ja, der diesjährige Wettbewerb sei einer voller "Frauenfilme" (was immer das sein mag). "Prince Avalanche" von David Gordon Green ist nun endlich ein Männerfilm – ein richtig großartiger. Alvin (Paul Rudd mit hochgezogenen Tennissocken und Tom-Selleck-Schnurrbart) und Lance (Emile Hirsch, der hier an Jack Black erinnert) verbringen den… Von Elena Meilicke

Bille Augusts 'Nachtzug nach Lissabon' (Wettbewerb)

14.02.2013. Pascal Merciers Roman "Nachtzug nach Lissabon" erzählt die Geschichte des Berner Lateinlehrers Raimund Gregorius, der über all seinen Büchern den Anschluss an das Leben verloren hat. Eines verregneten Morgens gelangt er durch eine junge Frau, die sich wahrscheinlich von der Brücke stürzen möchte, an das Buch des geheimnisumwitterten portugiesischen Autors… Von Thekla Dannenberg

The Best of Berlinale - so far.

13.02.2013. David Hudson und Kevin B. Lee (beide von Fandor) unterhalten sich mit Cristina Nord von der taz über die bisherigen Festivalhighlights. Sehenswert: Von Thomas Groh

Stichwörter

Lust am freien Spiel: Andrew Bujalskis 'Computer Chess' (Forum)

13.02.2013. Andrew Bujalski interessiert sich für das Obsolete: Seine Filme sind für gewöhnlich in 16mm gedreht, in seinem "Beeswax" von 2009 (unsere Kritik) steht ein Secondhandladen im Mittelpunkt. Warum er seinen neuen Film "Computer Chess" nun auf einer alten Sony-Videokamera aus den frühen 80ern gedreht hat, erklärt er verschmitzt im Q&A… Von Thomas Groh

Autodestruktion im Wortsinn: Danis Tanovics 'An Episode in the Life of an Iron Picker' (Wettbewerb)

13.02.2013. "An Episode in the Life of an Iron Picker", der bosnisch-herzegowinische Wettbewerbsbeitrag von Danis Tanovic, ist ein wohlmeinender Film über eine Romafamilie aus dem Hinterland, erzählt aus der Perspektive des Vaters Nazif, der seinen Unterhalt und den seiner Familie als Eisensammler bestreitet. Fast ist mit dieser Berufsbezeichnung schon zu viel… Von Nikolaus Perneczky

Sehnt sich hinaus ins Freie: Keisuke Kinoshitas 'Farewell to dream' (Forum)

13.02.2013. Yoichi sitzt am Fenster, im ersten Stock des Hauses, den Rücken der Kamera zugewandt und blickt durch ein Fernglas nach draußen. Und gleichzeitig, sagt der Voice Over, auf die Vergangenheit, auf sein vier Jahre jüngeres Ich, das noch nicht war, was er jetzt ist: ein Fischverkäufer, wie der Vater vor… Von Lukas Foerster

Pfade des Lichts: Joao Vianas 'The Battle of Tabato' (Forum)

13.02.2013. Ein Mann kehrt heim. Meist sagt man: in das Land seiner Väter, in diesem Fall muss man sagen: in das Land seiner Tochter. Baio hatte als Kämpfer in der portugiesischen Kolonialarmee gedient und musste Guinea-Bissau verlassen, als es unabhängig wurde, er wäre seines Lebens nicht sicher gewesen. Seine Tochter Fatou… Von Thekla Dannenberg

Bühne frei für Shirley Clarkes 'Portrait of Jason' (Forum)

13.02.2013. Wie verstörend ein Lachen sein kann, unter anderem davon handelt Shirley Clarkes großartiger Film "Portrait of Jason" aus dem Jahr 1967. Jason Holliday ist ein selbsterklärter "Hustler", einer, der mal hier und mal dort arbeitet, einer, der auf alle möglichen Weisen Geld verdient – etwa als Haushälter bei reichen weißen… Von Elena Meilicke

Interview mit Claude Lanzmann

13.02.2013. "Das ist forsch, das hat Klasse", sagt Claude Lanzmann im Tagesspiegel-Interview mit Jan Schulz-Ojala zu der Entscheidung, nach der Preisverleihung, bei der er selbst den Ehrenbären erhält, seinen doch eher unfestlichen Film "Sobibor, 14. Oktober 1943, 16 Uhr" zu zeigen – "einen Film, in dem Juden Deutsche töten!" Außerdem eilen… Von Thekla Dannenberg

Wie entsteht die große Kunst, fragt Carters 'Maladies' (Panorama)

13.02.2013. Manche möchten jemand anderes werden, manche möchten als sie selbst ein anderes Leben führen, manche würden überhaupt erste einmal gern wissen, wer sie sind und warum. James hört auch die Stimmen, die zu ihm sprechen. Natürlich, er ist ja nicht taub! James hat auch viele Persönlichkeiten, deswegen denkt er bei… Von Thekla Dannenberg

Genrekino mit Welthaltigkeit: Steven Soderberghs 'Side Effects' (Wettbewerb)

13.02.2013. Die ersten Vorankündigungen zu Steven Soderberghs "Side Effects", worin der Film als Pharmaindustrie-Thriller gepitcht wurde, fügten sich in das Bild des cleveren auteur mit Hang zum zeitdiagnostischen Genrekino. Auch der Trailer zum Film legt nahe, dass Soderbergh es in seinem angeblich letzten Film – seit der heutigen Berlinale-Premiere ist er… Von Nikolaus Perneczky

Dramatisch: Bruno Dumonts 'Claude Camille,1915' (Wettbewerb)

13.02.2013. Wenn in Bruno Dumonts "Camille Claudel, 1915" plötzlich ein Auto vorfährt, erschrickt man eine Sekunde über diesen Misston: Natürlich sind Autos im Jahr 1915 keine Neuheit mehr, doch bricht mit dem Auto jäh eine Ahnung der Außenwelt und der Moderne in diese bis dahin zugemauerte Welt, in der schon ein… Von Thomas Groh

Alle ontologischen Anker gelichtet: 'Closed Curtain' von Jafar Panahi und Kamboziya Partovi (Wettbewerb)

12.02.2013. Der Richterspruch hat nach wie vor Bestand, allen Protesten zum Trotz: zu sechs Jahren Haft (bislang wohl vollzogen als Hausarrest) wurde der iranischer Regisseur Jafar Panahi im Jahr 2010 verurteilt, außerdem wurden ihm zwanzig Jahre Berufsverbot erteilt. Das hielt ihn nicht davon ab, 2010 einen gemeinsam mit Mojtaba Mirtahmasb inszenierten… Von Lukas Foerster

Das Biest will raus: Die Pressekonferenz zu Panahis Wettbewerbsbeitrag

12.02.2013. Trotz offizieller Anfrage der Bundesregierung hat der iranische Regisseur Jafar Panahi zur Premiere seines Films natürlich nicht anreisen dürfen. Aber sein Ko-Regisseur und Hauptdarsteller Kamboziya Partovi und seine Schauspieler-Kollegin Maryam Moghadan waren da, und sie konnten auf der Pressekonferenz zumindest einige Fragen beantworten, auch wenn die Veranstaltung immer ein wenig… Von Thekla Dannenberg

Kasuistische Fingerübung: Pia Marais' 'Layla Fourie' (Wettbewerb)

12.02.2013. Südafrika, eine nächtliche Landstraße: Layla, alleinerziehende Mutter eines kleinen Sohnes, fährt seit Stunden Auto, es ist stockfinster, der Scheinwerfer rast über den Asphalt. Da steht plötzlich ein Auto quer auf der Fahrbahn, der kleine Sohn macht im Schlaf ein Geräusch, Layla ist eine Zehntelsekunde abgelenkt – und hat einen Mann… Von Elena Meilicke

Perspektive der streberhaften Vorarbeiter: Atsushi Funahashis 'Cold Bloom' (Forum)

12.02.2013. Ende letzten Jahres starb Koji Wakamatsu, Exploitationfilmer und politischer Aktivist, Anfang dieses Jahres, vor wenigen Wochen erst, starb auch Nagisa Oshima, Kino-Revolutionär und eine der zentralen Figuren in der japanischen Öffentlichkeit der letzten dreißig Jahre. Das japanische Independentkino hat innerhalb weniger Monate zwei seiner zentrale Figuren verloren, zwei, die wie… Von Lukas Foerster

Sucht den magischen Moment: Richard Linklaters 'Before Midnight' (Wettbewerb)

11.02.2013. Nach "Before Sunrise" und "Before Sunset" liegt nun der dritte Teil von Richard Linklaters Trilogie des Lebens vor. Zuerst begegneten sich der ewig adoleszente Amerikaner Jesse und die sprunghafte Französin Céline in einem Zug nach Wien, wo sie eine kurze und weniger heftige als dialoglastige Nacht miteinander verbrachten. Dann trafen… Von Nikolaus Perneczky

Ein Wunder von einem Film: Ramon Zürchers 'Das merkwürdige Kätzchen' (Forum)

11.02.2013. Damit ich es gleich los bin: "Das merkwürdige Kätzchen" ist, in meinen Augen, ein Wunder von einem Film. Ich habe mich in den ersten fünf Minuten in ihn verliebt und wenn ich im Folgenden diese Liebe nicht zu fassen bekommen sollte, dann liegt das an mir und an der vielleicht… Von Lukas Foerster

Wie ein Wispern: Shane Carruthes 'Upstream Color' (Panorama)

11.02.2013. Es ist schon klar, dass "Upstream Color" von Shane Carruth in gewisser Hinsicht ein ziemlich meisterhafter Film ist: ein unendlich fluider Bilderstrom aus fragmentierten Bild- und Tonereignissen, organisiert durch eine sehr schnelle und elegante Montage, die gleichzeitig ganz organisch und rund ist. Alles passiert rasch und nah, in Bildern mit… Von Elena Meilicke

Eine Mockumentary: 'Interior. Leather Bar' (Panorama) von Travis Mathews und James Franco

11.02.2013. Interior. Leather Bar: Eine Ortsbeschreibung, im Kontext eines Filmdrehbuchs eine Anweisung für den Bühnenbildner. Im Skript von William Friedkins "Cruising", einem verspäteten New-Hollywood-Thriller, der in der New Yorker Schwulenszene spielt, kam diese Ortsbeschreibung häufig vor. Im fertigen Film, der trotz aller Kompromisse, die im Laufe der Postproduktion eingegangen wurden, noch… Von Lukas Foerster

Heroischer Kampf der Arbeiterklasse: Ken Loachs 'Spirit of 1945'

11.02.2013. Natürlich hat niemand einen solch zärtlichen Blick auf die britischen Arbeiter wie Ken Loach, aber bei Sam Watts übertrifft sich Loach selbst. In wunderbarstem Arbeiterklasse-Akzent lässt er diesen 90-jährigen Mann erzählen, wie er in den dreißiger Jahren mit seinen sieben Geschwistern in einem Slum in Liverpool aufwuchs, wie er mit… Von Thekla Dannenberg

Denis Cotes 'Vic+Flo haben einen Bären gesehen' (Wettbewerb)

11.02.2013. Die 61-jährige Vic kommt aus dem Knast, sie ist vorzeitig, aber auf Bewährung entlassen, eigentlich sitzt sie lebenslänglich. Unterkommen wird sie in einem Haus von Verwandten, das einst Teil eines landwirtschaftlichen Betriebs war, aber jetzt eindeutig nicht mehr Teil einer Wertschöpfungskette ist. Auf dem Weg dorthin, an der Bushaltestelle, unterhält… Von Lukas Foerster

Güte und Perfidie: Guillaume Nicloux' 'Die Nonne' (Wettbewerb)

10.02.2013. Suzanne (Pauline Etienne), die jüngste von drei Töchtern, drängt es zum Noviziat. Guillaume Nicloux' "La religieuse" gibt zunächst wenig Hinweise, warum Suzanne diesen Weg einschlagen möchte, aber man kann überschlagen, dass sie die Alternativen, die einer Frau im Frankreich des 18. Jahrhundert offenstanden, nicht eben attraktiv findet. Rasch stellt sich…

Und wer zahlt jetzt? Thanos Anastopoulos' 'Die Tochter' (Forum)

10.02.2013. Mit Holz kann man gut arbeiten, auch als Filmemacher. Bäume werden gefällt und zersägt, Bretter gestapelt und gehobelt, mitunter fallen Späne, mal fängt man sich einen Splitter ein, mal kracht die ganze Chose zusammen. Und wenn das Holz erst einmal Feuer gefangen hat, brennt es natürlich wunderbar. Angesichts dieser symbolischen… Von Thekla Dannenberg

Gedrosselte Ambitionen: Sebastian Lelios 'Gloria' (Wettbewerb)

10.02.2013. Eine Kamerafahrt über zu fröhlichem Radiomainstream tanzende Menschen. An der Bar und am Ende der Kamerafahrt steht eine Frau fortgeschrittenen Alters, mit einem irgendwie nervösen, irgendwie auch verschmitzten Lächeln im Gesicht. Einige Momente verharrt sie noch am Tresen, dann stürzt sie sich ins Getümmel, in den Tanz, an dem sie… Von Lukas Foerster

Waffen, Nutten, Koks: Shaul Schwarz' 'Narco Cultura' (Panorama Dokumente)

10.02.2013. Der im Norden Mexikos tobende Drogenkrieg ist uns nicht fremd. Wir wissen von den Tausenden Toten in Ciudad Juárez und den anderen Grenzstädten zu den USA. Wer nicht Roberto Bolano oder Alma Guillermoprieto gelesen hat, der kennt Don Winslows Thriller. Und doch fällt es schwer, sich ein Bild zu machen… Von Thekla Dannenberg

Aristokraten in Limpopo: Ntshavheni Wa Lurulis 'Elelwani' (Forum)

10.02.2013. Es gibt viele bittere Wendungen, die das neue Südafrika genommen hat. Eine besteht darin, dass die Wiederbelebung der traditionellen afrikanischen Kulturen, die so lange Zeit verboten, verhöhnt oder ausgebeutet wurden, zu einer neuen Entrechtung der Frauen geführt hat. Nadine Gordimer beschreibt in ihrem Roman "Keine Zeit wie diese" sehr beeindruckend… Von Thekla Dannenberg

Geld macht nicht glücklich in Asli Özges 'Lebenslang' (Panorama)

10.02.2013. Was es heißt, kein Geld, oder zumindest eindeutig zu wenig Geld zu haben, im Alltag, im Familienleben, in Beziehungen, für Versuche, Beziehungen aufzubauen, potentielle Partner kennenzulernen: Das war eines der zentralen Themen von "Men on the Bridge", einer bedrückenden, realistischen Milieustudie, dem außergewöhnlichen ersten Spielfilm der in Berlin lebenden Türkin… Von Lukas Foerster

Post-Berliner-Schule-Western: Thomas Arslans 'Gold' (Wettbewerb)

09.02.2013. Keine Emphase: Der dem Strom entrissene Nugget liegt auf einer Hand, bestaunt von einer Gruppe Pioniere. Es fällt kein und damit auch nicht dieses Wort - Gold. Darin liegt, im Norden Amerikas des späten 19. Jahrhunderts, auch ein Versprechen: Die Aussicht darauf, beengtesten und elendsten Verhältnissen (beschrieben wird einmal eine… Von Thomas Groh

Etwas Geklügeltes: Nicolas Wackerbarths 'Halbschatten' (Forum)

09.02.2013. Wer kein Geld hat, dreht einen Hausfilm. Der Raum ist bühnenartig begrenzt, die Blickachsen liegen fest, die Blicke bleiben drinnen oder gehen nach außen oder gehen von außen nach innen. "Halbschatten", der Zweitling von Nicolas Wackerbarth, ist ein Hausfilm. Sein Debüt "Unten Mitte Kinn" war etwas anderes, ein Ensemble von… Von Ekkehard Knörer

Revoltierende Bauern in Boris Khlebnikovs 'A long and happy life' (Wettbewerb)

09.02.2013. Obwohl "A Long and Happy Life" ("Dolgaya schastlivaya zhizn") im Einzelnen wenig Ungewöhnliches versucht, ist er insgesamt ein sonderbarer, schwer fasslicher Film. Weil Regisseur Boris Khlebnikov keines seiner Motive mit irgendeiner Konsequenz weiterverfolgt, weil die Signale des Films verlöschen, bevor sie zu einer Stimmung oder Tonlage sich verdichten könnten, kurz,… Von Nikolaus Perneczky

Schweigsame Bauern in Nanouk Leopolds 'It's All so Quiet' (Panorama)

09.02.2013. Ein Mann, der einen anderen Mann, seinen Vater, pflegt. In einem sparsam eingerichteten, fast durchweg von natürlichem Licht beleuchteten Zimmer liegt der Vater und wenn er sich ein wenig aufrichtet, das Kissen an die Wand hinter dem Bett gelehnt, das Gesicht umrahmt von schütterem weißem Haar, dann hat das etwas… Von Lukas Foerster

Zwischen Porno und Religion: Teddy Soeriaatmadjas 'Something in the Way' (Panorama)

09.02.2013. Ahmad fährt Taxi in Jakarta, und wenn er dies nicht gerade tut, frönt er einem recht repetitiven Alltag. Entweder masturbiert er manisch zu raubkopierten Porno-DVDs, oder er lässt sich in der Koranschule vom rechten Glauben und dem Jihad vorschwadronieren. Heimlich ist Ahmad in seine Nachbarin, die schöne Prostituierte Santi, verliebt,… Von Karen Werner

Ein Herz für dicke Kinder: Ulrich Seidls 'Paradies: Hoffnung' (Wettbewerb)

09.02.2013. Fast hatte ich Angst vor dem, was Ulrich Seidels gnadenloser Blick mit einem Teenager-Diätcamp anstellen würde – und vielleicht auch bisschen hämische Vorfreude. Schließlich ist es gerade die Denunziation von Figuren und Exploitation von Darstellern, die Seidl immer wieder vorgeworfen wird, bei allem Respekt für den aufklärerischen Impetus, der Seidl… Von Elena Meilicke

Katastrophale Hilfe zeigt Raoul Peck in 'Assistance Mortelle' (Berlinale Special)

09.02.2013. Eine bittere Lektion in politischer Ökonomie erteilt Raoul Peck mit seinem Film "Assistance Mortelle" über die internationale Hilfe für Haiti nach dem Erdbeben vom 12. Januar 2010, die keine Katastrophenhilfe war, sondern eine katastrophale Hilfe. Pecks Biografie ist sein filmisches Programm geworden: In Haiti geboren, in Zaire/Kongo aufgewachsen, hat er… Von Thekla Dannenberg

Hat theatrale Dimensionen: Reha Erdems 'Jin' (Generation 14plus)

09.02.2013. Eine 15-jährige, alleine in den Bergen, alleine mit der Natur. Felsen, Wiesen, Bäume, der Himmel mal strahlend blau, mal nebelverhangen, mal wolkenverzogen, oft stürmt und regnet es. Viele Naturtotalen, begleitet von flächiger, sinfonischer Musik. Die 15-jährige heißt Jin, also Geist; man kann das auf ihren legalen Status beziehen: Ein Mädchen… Von Lukas Foerster

The Pirate Bay auf Youtube

09.02.2013. Für alle Zuhausegebliebenen: Dass Simon Kloses im Panorama gezeigter Dokumentarfilm über Pirate Bay auch frei im Netz zu sehen ist, versteht sich bei dieser Thematik ja fast schon von selbst. Viel Vergnügen: Von Thomas Groh

Schmutzige Scheiben: Gus van Sants 'Promised Land' (Wettbewerb)

08.02.2013. Wo man hinschaut: schmutzige Scheiben. Oft dreht Gus van Sant durch Scheiben hindurch, so dass man die Schlieren auf dem Glas sieht. Oder das Licht auf der Frontscheibe eines Autos reflektiert so, dass Matt Damon dahinter nur schemenhaft erkennbar ist. Ein Kontrast zu den weiten Panoramen oder den aus einiger… Von Thomas Groh

Schwule Priester in Not: Malgoska Szumowskas 'In the Name of' (Wettbewerb)

08.02.2013. Wie die Faust aufs Auge passt Małgośka Szumowskas Film "In the Name of" in die Kämpfe, die Europa gerade mit der katholischen Kirche ausficht, um Kindern Wiedergutmachung zukommen zu lassen, die in kirchlichen Einrichtungen missbraucht und misshandelt wurden. Von Irland bis Polen ist der katholische Priester, der weder mit seiner… Von Thekla Dannenberg

Absolute Seh-Souveränität: Harry Patramanis' 'Fynbos' (Forum)

08.02.2013. Thom Anderson denkt in seinem Videoessay "Los Angeles Plays Itself" (2003) (Youtube) unter anderem darüber nach, warum modernistische Architektur im Hollywoodkino so schlecht wegkommt: es wohnen immer die Bösen in den Richard-Neutra- und Frank-Lloyd-Wright-Häusern. Von Elena Meilicke

Edel ausgeleuchtet: Annemarie Jacirs 'When I saw you' (Forum)

08.02.2013. Geradezu fassungslos lässt einen dieser PLO-Film der jordanisch-palästinensischen Regisseurin Annemarie Jacir, mit dem die Guerillaschnulze ihren Weg ins Forum gefunden hat. "When I saw you" erzählt die Geschichte eines tapferen kleinen Jungen, der sich nicht damit abfinden will, aus der Heimat vertrieben, den Rest seines Lebens mit der Mutter in… Von Thekla Dannenberg

Clash in Gaza: Yariv Horowitz' 'Rock the Casbah' (Panorama)

08.02.2013. Der israelische Regisseur Yariv Horowitz besitzt ein beachtliches Gespür für absurde Situationen, bittere Ironie und alltäglichen Wahnsinn. Und da er sich auch mit den Gesetzen der Thermodynamik, der Klaustrophobie und der Labyrinthe auszukennen scheint, kann man ihm attestieren, dass er mit seinem Film "Rock the Casbah" die Pulverfass-Atmosphäre des Gaza-Streifen… Von Thekla Dannenberg

Andere Künstlichkeit: Der 'Weimar Touch' in der Retrospektive

08.02.2013. John Mills, Grete Mosheim in "Car of Dreams" von Graham Cutts und Austin Melford Von Lukas Foerster

Entropie des Firlefanz: Wong Kar-Wais 'The Grandmaster'

07.02.2013. Bruce Lee war der große Pragmatiker und Eklektiker des Kung-Fu: "Sei Wasser", war sein Leitspruch - nicht die Verbundenheit zu einer bestimmten Schule, sondern die Situation beherrschte seinen Kampfstil: Gut ist, was praktisch ist, Stiltreue nur soweit von Belang, wie sie im Moment weiterhilft. Einen ganz ähnlichen Pragmatismus hört man… Von Thomas Groh

Melodramatische Spitzen: Zu den Filmen von Keisuke Kinoshita (Forum)

07.02.2013. Die Würdigung japanischer Studioregisseure zählt zu den in den vergangenen Jahren am meisten liebgewonnenen, jüngeren Traditionen der Berlinale, respektive des Forums. Will einen aus dem Festivalprogramm womöglich auch sonst nichts anspringen - auf die japanische Hommage im Forum ist stets Verlass. Von Thomas Groh

Cinephiles Profil

06.02.2013. Bruno Dumont, Steven Soderbergh, Ulrich Seidl, Danis Tanovic Von Lukas Foerster

Die Bären 2012

18.02.2012. Goldener Bär für den besten Film: die Brüder Taviani für "Cäsar muss sterben" Von Anja Seeliger

Die Logik des Gemischtwarenladens

18.02.2012. Die Berlinale ist auch 2012 ein Gemischtwarenladen, dessen Ausdifferenzierungen allen möglichen Prinzipien gehorchen, aber sicher keinen kuratorischen. Die angesagtesten Auteurs der Gegenwart warten (mit wenigen Ausnahmen) auch weiterhin auf Cannes. Und wer seismographisch den neuen, noch im Entstehen begriffenen Strömungen des Weltkinos nachspüren will, ist auch weiterhin in Venedig oder… Von Lukas Foerster

Heute noch zu sehen: Emin Alpers 'Beyond the Hill', Kiko Goifmans 'Look at me again' und Zoé Chantres 'Tiens moi droite'

18.02.2012. Emin Alpers Erstlingsfilm "Tepenin Ard? - Beyond the Hill" (Forum) beginnt vielversprechend enigmatisch. Ein alter Patriarch verteidigt sein Anwesen in den anatolischen Bergen gegen Nomaden, die ihre Tiere auf sein Weideland führen. Der Kleinkrieg zwischen dem alten Mann, der mit einem seiner Söhne und dessen Familie in einer Talsenke lebt,… Von Nikolaus Perneczky

Wildeste Gedanken- und Bildersprünge: Shirley Clarkes 'Ornette' (Forum)

17.02.2012. “Not to make music, but to imitate music”: so beschreibt Ornette Coleman seinen eigenen Anspruch an seine künstlerische Praxis an einer Stelle in Shirley Clarkes Dokumentarfilm über den Jazz-Musiker “Ornette: Made in America”. Dieses Zitat gibt die Richtung dieses Films aus dem Jahr 1988 vor, er bezeichnet das spezifische Interesse,… Von Lukas Foerster

Einen Film flechten: Clemence Ancelins 'Habiter' (Forum)

17.02.2012. Flechten, immer wieder flechten: einen Korb flechten, einen Zaun flechten, ein Dach flechten. Aus Stroh und getrockneten Palmblättern. Die Verbindung von Vertikalen und Horizontalen. Im Bild also immer wieder die grundlegende Operation des Verknüpfens, die Herstellung von etwas, das mehr ist als die Summe seiner Teile. Von Elena Meilicke

'Internet, wie haben Sie das gemacht?' - Eine Diskussion

17.02.2012. Neben ihrem umfangreichen Filmprogramm zeichnet sich die Berlinale auch durch ein flankierendes Angebot von Diskussionsveranstaltungen und Vorträgen aus. Der Großteil davon steht für gewöhnlich inhaltlich im Zusammenhang mit der jeweiligen Retrospektive und blickt somit also eher zurück in die Filmgeschichte. Als spannende Bestandsaufnahme und Blick nach vorn empfahl sich indessen… Von Thomas Groh

Erzählt von einer Mordserie an Roma: Bence Fliegaufs 'Just the Wind' (Wettbewerb)

16.02.2012. Ein Tag im Leben einer Familie ungarischer Roma in einem kleinen Dorf, ausgehend von den schlaftrunkenen, gemeinsamen, größtenteils sprachlosen Tagesvorbereitungen in der digitalen Dunkelheit des beginnenden Morgengrauens. Dann splittet der Film sich auf in drei Stränge und verfolgt: Mutter, Tochter, Sohn. "Verfolgt" ganz buchstäblich, denn die Kamera klebt oft am… Von Lukas Foerster

Unterkörperfixiert: Tea Lim Kouns 'Snake Man' (Forum)

16.02.2012. Alles beginnt mit einem halbstündigen Prolog, der nach sozialem Realismus aussieht - ein trunksüchtiges Ekelpaket von einem Mann, seine geschundene, aber wunderschöne Frau und das gemeinsame Kind in einer ärmlichen Hütte am Waldesrand -, wäre da nicht die sprechende Schlange, mit der die Frau in Abwesenheit ihres brutalen Gatten eine… Von Nikolaus Perneczky

Bewegungskino reinster Form: Steven Soderberghs 'Haywire' (Wettbewerb, außer Konkurrenz)

16.02.2012. In gewisser Hinsicht holt Steven Soderbergh mit "Haywire" den Menschen ins zuletzt von bigger-than-life-Computeranimationen und verwackelten, hektisch montierten Handkamerabildern bestimmte Actionkino zurück: Kaum einmal, dass seine Kamera ins Geschehen eindringt, häufiger bleibt sie auf gut ein, zwei Schritte Abstand, filmt in verhältnismäßig langen Einstellungen den Kampf zwischen zwei Körpern in… Von Thomas Groh

Rein imaginär: Miguel Gomes' 'Tabu' (Wettbewerb)

15.02.2012. Am Anfang steht ein vollbärtiger, traurig dreinblickender Mann im Dschungel, dann verwandelt er sich vielleicht in ein Krokodil, vielleicht wird er von einem gefressen. Dazu leise, verspielte Klaviermusik und eine sanft dröhnende Voice-Over-Stimme, die über die Möglichkeit eines melancholischen Krokodils nachdenkt. Dann Schnitt auf eine ältere Frau, die alleine im… Von Lukas Foerster

Liebt nur ihre Katzen: Brian M. Cassidys und Melanie Shatzkys 'Francine' (Forum)

15.02.2012. Aus dem Gefängnis in die unfreundliche Wirklichkeit: Germanisten denken da sofort an Franz Bieberkopf, und auch der Weg von Francine scheint auf den ersten Blick nur eine Richtung zu kennen: nach unten. Von Elena Meilicke

Anarchy in the UK: Meryl Streep ist 'The Iron Lady' (Wettbewerb Sonderführung)

15.02.2012. Good girls go to heaven, bad girls kommen ins Irrenhaus. Zumindest heißt ein alter Konservativer Margaret Thatcher (Meryl Streep) entsprechend willkommen, als sie erstmals Abgeordnete das Parlament betritt: "Welcome to the madhouse!" Repräsentative Demokratie als Nervenanstalt: Es wird geschrien, gekreischt, gestampft, geklopft. Und spätestens mit Thatchers Regierungsantritt 1979 als Premierministerin… Von Thomas Groh

Peter Kerns 'Glaube, Liebe, Tod' (Panorama)

15.02.2012. Die thomistische Trias christlicher Tugenden - Glaube, Liebe, Hoffnung – hat Pate gestanden für Peter Kerns neue filmische Selbstentäußerung. Allein Hoffnung mag in diesem Rundumschlag gegen die unchristlichen Zustände an der europäischen Außengrenze keine aufkommen. Darum folgt auf den Glauben und die Liebe... der Tod. Von Nikolaus Perneczky

Lebenszeichen: Werner Herzogs Blick in die 'Death Row' (Berlinale Special)

14.02.2012. "Ich will eins von vornherein klarstellen", sagt Werner Herzog dem zum Tode verurteilten James Barnes gleich direkt ins Gesicht, "ich bin kein Befürworter der Todesstrafe. Aber das muss nicht heißen, dass ich dich mag." Barnes zuckt kurz, versteht aber offenbar umgehend, was Sache ist, dass es hier nicht um eine… Von Thomas Groh

Duvall auf Acid: Billy Bob Thorntons 'Jayne Mansfield's Car' (Wettbewerb)

14.02.2012. "Manchmal muss man einen Film eben etwas anders verpacken, um seine Botschaft an den Mann zu bringen", sagt Billy Bob Thornton in der Pressekonferenz zu seinem Wettbewerbsbeitrag "Jayne Mansfield's Car" und weiter: "Man könnte zwar einen Film gegen Krieg drehen und diesen dann "Anti-War" nennen, dann schauen ihn aber eben… Von Thomas Groh

Ein eingelöstes Versprechen: Ly Bun Yims '12 Sisters' (Forum)

14.02.2012. Es war von Anfang an ein großes Versprechen: Drei Filme aus der klassischen Phase des kambodschanischen Kinos hat das Forum dieses Jahr in seinem Programm. Drei Filme aus einem Kino, das kaum überliefert ist, weil die Roten Khmer nach der Machtübernahme in den Siebzigern mit dem filmischen Erbe so gründlich… Von Lukas Foerster

Fraktionen des Bösen im Nazihauptquartier: Volker Schlöndorffs 'La mer à l'aube' (Panorama)

14.02.2012. "La mer a l'aube", eine Fernsehproduktion von Volker Schlöndorff, die, was Ausstattung und filmische Mittel angeht, auch so aussieht, erzählt von der Hinrichtung 150 französischer Kriegsgefangener, die im Zweiten Weltkrieg auf Anordnung Hitlers als "Vergeltungsmaßnahme" für den Anschlag auf einen deutschen Offizier im Oktober 1941 von den deutschen Besatzern in… Von Lukas Foerster

Ein Film über kein Kind: Ursula Meiers 'L'enfant d'en haut' (Wettbewerb)

14.02.2012. Kinder und Tiere sind beliebte Sujets des Festivalbetriebs. Das spricht nicht unbedingt gegen sie. Es lässt sich aus ihrem erhöhten Aufkommen aber ein gewisser Rechtfertigungsdruck ableiten: Weshalb braucht die Welt einen weiteren Film, der uns an die unausdrückliche Ausdruckskraft kindlicher und tierischer Akteure heranführt? Von Nikolaus Perneczky

Flirrendes Gespensterhaus: Guy Maddins 'Keyhole' (Berlinale Special)

13.02.2012. Jeder, der es ernst meint mit der Berlinale, wird diesen Zustand kennen: Nach einigen Tagen blenden die Filme ineinander über, eine leicht fiebrige Müdigkeit überfällt einen im Kino, das Gefühl für Zeit, die Fähigkeit, einem Plot zu folgen, wird fragil: Stattdessen Lichtreflexe, denen man mit den Augen folgt. Wenn man… Von Thomas Groh

Porträtiert die Skaterszene in Ostberlin: Marten Persiels 'This Ain't California' (Perspektive Deutsches Kino)

13.02.2012. Es sieht so aus, als sei 2012 die Berlinale, die die DDR, zumindest filmisch gesehen, in ein neues Licht rückt. Zuerst präsentierte Christian Petzold seinen neuen Film "Barbara" im Wettbewerb - "Ich wollte, dass die DDR Farbe hat", so Petzold in der taz - und jetzt läuft in der Perspektive… Von Elena Meilicke

Erzählt von einem geplanten Nichtausbruch aus Nordkorea: Yang Yonghis 'Kazoku no kuni' (Forum)

13.02.2012. Am Anfang sitzt Rie abgeschlafft in dem kleinen Cafe, das ihre Mutter betreibt, den Kopf flach auf die Theke gelegt. Sie wird bald Besuch bekommen von ihrem Bruder Sonho, den sie seit Jahren nicht gesehen hat. Sie wartet, was kommt, aber ist doch schon gezeichnet von Wunden aus der Vergangenheit,… Von Lukas Foerster

Kein Entrinnen aus der Eskalationsmaschine: Radu Judes 'Everybody in Our Family' (Forum)

13.02.2012. Marius Vizereanu ist ein netter Kerl, Ende dreißig, etwas depressiv und heillos unerwachsen. Solche Männer haben jahrelang Berlin bevölkert, jetzt sind sie offenbar in Bukarest. In seiner Wohnung hängt noch ein Poster von Che Guevara, aber für sein Handy braucht er schon die Lesebrille. Seine Frau hat sich von ihm… Von Thekla Dannenberg

Spricht die Sprache der Liebe: Vincent Dieutres 'Jaurès' (Forum)

12.02.2012. Vincent Dieutres "Jaurès" ist einer der bisher schönsten Filme des diesjährigen Forums. Seine Konstruktionsprinzipien sind schnell nacherzählt: Als Dieutre noch mit seinem Geliebten Simon zusammen war, verbrachte er viel Zeit in dessen Wohnung unweit der Pariser U-Bahnstation Jaurès. Vom Fenster aus machte Dieutre digitale Videoaufnahmen von der umliegenden Stadtlandschaft, von… Von Nikolaus Perneczky

Beim Barte des Führers: Nazi-Ufos in Timo Vuorensolas 'Iron Sky' (Panorama Special)

12.02.2012. Kommen zwei Nazis nach 72 Jahren nach New York und finden ein Pornoheft. Sagt der eine: "Die entwickeln sich ja wie unsere Weiber. Aber da unten haben sie keine Haare, wie die Mädchen seh'n die aus." Sagt der andere: "Und wenn sie da Haare haben, seh'n die aus wie der… Von Thomas Groh

Untersucht den ungeklärten Tod zweier Roma: Philip Scheffners Dokumentarfilm 'Revision' (Forum)

12.02.2012. Ein Weizenfeld nahe der polnischen Grenze. Im Sommer 1992 war das Feld Tatort eines im juristischen Sinne bis heute unaufgeklärten Verbrechens. Gut 19 Jahre später, im Herbst 2011, filmt Philip Scheffner denselben Ort für seinen Film "Revision". Der gelbe Weizen rauscht sanft im Wind, die Schatten der Rotorblätter einer Windkraftanlage… Von Lukas Foerster

Filmt von der Eisscholle: Wladimir Schnejderows 'Zwei Ozeane' (Retrospektive)

12.02.2012. Die Retrospektive machte in den letzten Jahren abwechselnd einen allzu routinierten und einen allzu beliebigen Eindruck. Präsentiert wurden entweder altbekannte Meisterregisseure (Bunuel, Bergman) oder eher willkürlich zusammengestellte Programme ("City-Girls im Stummfilm", "Traumfrauen der Fünfziger"). Dieses Jahr zeichnet sich die Retro ganz im Gegenteil gleichzeitig durch Wagemut und den Willen zur… Von Lukas Foerster

Pollesch in Polen: Przemyslaw Wojcieszeks 'Secret'

12.02.2012. Zwei Themen trüben das polnische Gewissen: Die miserable Behandlung der Schwulen und Lesben, deren Märsche für Toleranz immer wieder von nationalkatholischen Schlägertrupps gesprengt werden. Und die beunruhigende Frage, wie die Polen vom Holocaust profitiert haben. Sie haben die Geschäfte der ermorderten oder geflohenen Juden übernommen, sind in ihre Häuser gezogen… Von Thekla Dannenberg

Tierbeobachtungen: 'Bestiaire' von Denis Côté (Forum)

12.02.2012. Anfangs schaut man Kunststudenten über die Schulter: Wie sie mit mal schnellen, mal vorsichtigen Strichen ein ausgestopftes Tier abzeichnen, das in ihrer Mitte steht. Dasselbe Tier, unterschiedliche Bilder. Wo das Tier herstammt, sieht man im späteren Verlauf in "Bestiaire", wenn Denis Côté bei einem Erkundungszug durch den Parc Safari in… Von Thomas Groh

Grandios stoisch: David Zellners 'Kid-Thing'

11.02.2012. Ein ländlicher Vorort von Austin in Texas: hier lebt Annie, 10 Jahre alt, blond, sommersprossig, ein bisschen moppelig. Sie trägt ein immer gleiches weißes T-Shirt mit Airbrush-Motiv und isst ausschließlich regenbogenfarbene Industrienahrung. Als die Schule wegen eines Gaslecks geschlossen bleibt, erdenkt sich Annie ihre ganz eigenen 'extracurricular activities': sie stromert… Von Elena Meilicke

Fantasieambitioniert: Anja Salomonowitz' 'Spanien' (Forum)

11.02.2012. "Spanien", der Titel von Anja Salomonowitz’ Spielfilmdebüt ist ein Täuschungsmanöver. Filme, die die Namen ferner, glückversprechender Orte in sich tragen, dann aber in Wien und Umgebung spielen, partizipieren in der Regel an demselben (nennen wir es das "österreichische") Gefühl, so dehnbar diese Gestimmtheit im Einzelnen auch sein mag - vom… Von Nikolaus Perneczky

Senegalesisches Stationendrama: Alain Gomis' 'Aujourd'hui' (Wettbewerb)

11.02.2012. Manche sagen, die gesamte Geschichte des Films lasse sich aus der Opposition von Louis Lumière und George Méliès, von Realitätsprinzip und Fantasietätigkeit extrapolieren. Übertragen auf das afrikanische, und darin insbesondere das senegalesische Kino, könnte man, ähnlich verkürzend, eine derartige Matrix zwischen dem Gründervater Ousmane Sembène und dem Vatermörder Djibril Diop… Von Nikolaus Perneczky

Film noir aus Thailand: Pen-Ek Ratanaruangs 'Headshot' (Panorama)

11.02.2012. Tul war früher Polizist. Nachdem er von einem korrupten Politiker, dem er auf den Fersen ist, erpresst wird, steigt er aus und wechselt die Seiten, wird Auftragskiller (allerdings einer der moralischen Sorte, der nur die "richtigen" killt), es tauchen weitere Schwierigkeiten auf - und eine geheimnisvolle Frau, die den Blick… Von Lukas Foerster

Tanz den Affenkönig! Empfehlungen zum Forum Expanded

11.02.2012. "Kritik und Klinik" ist eine der Ausstellungen (in den Kunstsaelen [sic!]) überschrieben, in denen das Forum Expanded das Kino an seine Grenzen und darüber hinaus - also an den Bereich der Videokunst heran - zu führen gedenkt. "Kritik und Klinik", das ist auch der Titel einer 1993 erschienenen Aufsatzsammlung von… Von Nikolaus Perneczky

Denkmal für die Überlebenden: Funahashi Atsushis 'Nuklear Nation'

11.02.2012. Noch nicht einmal ein Jahr ist vergangen seit Fukushima oder '3/11', wie die Ereigniskette aus Erdbeben, Tsunami und atomarem Super-GAU vom 11. März 2011 in Japan mittlerweile genannt wird. Aus den deutschen Nachrichten zumindest ist Fukushima mittlerweile so gut wie verschwunden, was bleibt, ist kaum mehr als die Erinnerung an… Von Elena Meilicke

Fortgehen und reich wiederkommen: Michel Zongos 'Espoir Voyage' (Forum)

10.02.2012. Wenn afrikanische Regisseure über das neue afrikanische Kino lästern, dann haben sie meist einen Film vor Augen, der mit europäischen Geldern koproduziert wurde, eine Migrationsgeschichte erzählt und zur Freude eines schuldbewussten Publikums auf Festivals und bei Arte gezeigt wird. Und wahrscheinlich wird er nie in einem afrikanischen Kino zu sehen… Von Thekla Dannenberg

Big in Berlin: Shah Ruhk Khan in 'Don - The King is Back' (Berlinale Special)

10.02.2012. Es ist eine Szene wie aus einem alten Serial: Der Held steht inmitten in einer ausweglosen Situation, diverse Gewehrläufe sind auf ihn gerichtet, zwei, drei coole Sprüche - "Wo finde ich hier eigentlich ein gutes italienisches Restaurant, wenn ich mit euch fertig bin?" - sowie einen spektakulären Kampf einer gegen… Von Thomas Groh

Fehlt alles Familiäre: Rodrigo Plas Familienfilm 'La demora' (Forum)

10.02.2012. Nichts Spektakuläres passiert in diesem Film. Es geht um eine Frau in Montevideo, eine Mutter, die mit ihrem Leiharbeitergehalt mit Mühe ihre drei Kinder ernähren kann, die dann auch noch ihren Vater versorgen muss (gleich am Anfang wäscht sie ihn, in der Dusche, das ist eine schöne Szene, wie es… Von Lukas Foerster

Risse im Mädchentraum: Benoit Jacquots 'Les Adieux à la Reine' (Wettbewerb)

10.02.2012. So nahe wie die junge Dienerin Sidonie (Léa Seydoux) kommt an Marie Antoinette (Diane Kruger) im Hofstaat von Versailles sonst nur Gabrielle de Polignac (Virginie Ledoyen), die lesbische Maitresse der Königin. Wohl jeden Morgen, darf man mutmaßen, findet dieses intime, zärtlich alberne Spiel zwischen der Vorleserin Sidonie und der Monarchin… Von Thomas Groh

Berlinalewettbewerb ohne Helden: Der sonnengebräunte Hintern des Klaus Lemke.

09.02.2012. Gerade war Doris Dörrie unter viel Blitzlichtgewitter über den Roten Teppich gelaufen: Galavorführung zur Berlinale-Eröffnung. Ein bisschen hatte sie vor dem Festival geschimpft, wie avantgardistisch und unkommerziell doch die Berlinale sei und wie froh sie deshalb sei, dass ihr neuer Film nicht im Wettbewerb, sondern in der Resterampe-Sektion "Berlinale Special"… Von Thomas Groh

Filmische Kartierung des Nachkriegsjapans: Kawashima Yuzo (Forum)

09.02.2012. Es ist fast schon Tradition geworden: seit ein paar Jahren präsentiert das Forum regelmäßig eine kleine Mini-Retro zu einem japanischen Regisseur. 2007 konnte man auf diese Weise Okamoto Kihachis formvollendete Gangster- und Schwertfilme wiederentdecken, im Jahr darauf die "pinku eiga" eines Wakamatsu Koji. 2012 ist die kleine Retrospektive einem fast… Von Elena Meilicke

Ausblick auf die Berlinale 2012

08.02.2012. Benoit Jacquot, Brillante Mendoza, Miguel Gomes, Ursula Meier Von Lukas Foerster

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Die Berlinale-Bären 2011

19.02.2011. Goldener Bär für den besten Film: Asghar Farhadi für "Nader And Simin, A Separation" Von Anja Seeliger

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Einäugige und Halbblinde

19.02.2011. Die der Berlinale wohlgesonneneren unter den Kritikern machten vorab mal wieder die Weltlage des Kinos verantwortlich für den in diesem Jahr für den Wettbewerb absehbaren Magerquark, der in einem Programm von nicht mehr als 16 für den Goldenen Bären antretenden Filmen schon quantitativ vorab erkennbar wurde. Als könnte die Finanzkrise… Von Ekkehard Knörer

Spricht chorisch Vitruvisches: Jaume Collet-Serras 'Unknown'

18.02.2011. Was kann man Höheres und Schöneres erreichen im Blockbuster-Kino als eine Szene, in der es der Plot des Films möglich macht, dass Liam Neeson und Aidan Quinn chorisch einen Satz mit irgendwas über Vitruv sprechen, aus heiterem Himmel, und selbst nicht begreifen, warum sie tun, was sie da tun? Oder… Von Ekkehard Knörer

Lokaler Konfliktbewältigungsfilm: Joshua Marstons 'The Forgiveness of Blood'

18.02.2011. In Albanien, auf dem Dorf. Mit Handys mit Videofunktion und Computerspielen ist alles dem Anschein nach auf dem Gegenwartsstand der westlichen Zivilisiertheit. Auch Kamera und Erzählweise sind mit technisch halbwegs versierter Middlebrow-Vorhersehbarkeit zugange. Ein paar Menschen lernt man, teils bei ihnen zuhause, teils in der Kneipe kennen und begreift sofort:… Von Ekkehard Knörer

Verbindet Ökonomie und Action: Dante Lams 'The Stool Pigeon'

18.02.2011. Die Schulden des frisch aus dem Knast entlassenen Ghost Jr. (Nicholas Tse) belaufen sich auf rund 800.000 Dollar. Bis er die, was unwahrscheinlich ist, zusammenkriegt, bleibt seine Schwester in den Händen von Zuhältern. 780.000 Dollar kostet ein kleiner Ohrring in einem Edel-Schmuckladen, der bis unter die Decke vollgepackt ist mit… Von Thomas Groh

Psychodama als Kammerspiel: Jonathan Sagalls 'Odem'

18.02.2011. Lara, weiblich, nicht allzu glücklich, aber auch wieder nicht unglücklich verheiratet, nicht mehr ganz jung, aber auch noch nicht alt, sucht keinen Kontakt mehr zu ihrer Freundin Inan. Dann aber steht diese eines Tages vor ihrer Tür. Einen Tag zu spät, ihren Geburtstag hat Lara am Vortag gefeiert. Etwas stimmt… Von Ekkehard Knörer

Ups and Downs einer Beziehungskiste: Andres Veiels 'Wer wenn nicht wir'

18.02.2011. Für Katzen ist das kein guter Berlinalewettbewerb: In "The Future" (unsere Kritik) stirbt eine im Heim über Beziehungskrisen nicht abgeholte Katze den Tod durch Einschläferung, bei "Wer wenn nicht wir" wird gleich zu Beginn eine Katze standesgemäß erschossen. Das Jahr ist 1949, auf der anderen Seite des Gewehrs steht Will… Von Thomas Groh

Will nichts, wagt nichts: Lee Yoon-kis 'Come Rain, Come Shine'

17.02.2011. Im Auto, auf dem Weg zum Flughafen, kündigt die Frau dem Mann die Ehe auf. Leider fliegt der Film dann nicht mit ihr fort, sondern kehrt ins gemeinsame Domizil zurück, bleibt am Boden, in jeder Hinsicht. Mit sinnloser Geduld verfolgt er die Minutiae der Trennung: Sie packt Geschirr in Plastikfolien,… Von Lukas Foerster

Erstarren in der Gegen-Konvention: Jan Krügers 'Auf der Suche' und Elke Haucks 'Der Preis'

17.02.2011. Stumm und starr stehen im Osten und in Marseille deutsche Menschen. Hingestellt sind sie, die Wörter sind karg in den Mündern, von Regisseurinnen und Regisseure, von denen wir schon Großartiges sahen und weiter Großes erhoffen. Blickt man jedoch auf die aktuelle Berlinale-Bilanz jenes deutschen Filmschaffens, das oft zu pauschal unter… Von Ekkehard Knörer

Kein Plot, viele Details: Rodrigo Morenos 'Un Mundo Misterioso'

17.02.2011. An einer Stelle diskutieren drei in einem argentinischen Bücherantiquariat über einen Bestseller aus längst vergangenen Dekaden. In dem passiert nichts, sagt der eine, der Plot werde zweitrangig und es gehe nur noch um Details. Aber wieso passiert denn da nichts, fragt der zweite. Antwortet der dritte: Warum sollte denn überhaupt… Von Thomas Groh

Eher gescheitert, mit einer Ausnahme: 'Drei Leben' von Christian Petzold, Dominik Graf, Christoph Hochhäusler

17.02.2011. "Die Grenzen zwischen Kino und Fernsehen aufweichen" möchte die ARD, wenn sie das Fernsehprojekt "Dreileben" im Forum der Berlinale präsentiert. Das sagt zumindest ihr Vetreter vor der Pressevorstellung. Wenn das ausliegende Presseheft der Fernsehanstalt dann stolz offenlegt, dass fast alle größeren deutschen Filme des Festivals mit ihren Geldern (wenigstens) koproduziert… Von Lukas Foerster

Bromance im Leerlauf: Seyfi Teomans 'Our Grand Despair'

16.02.2011. Die Zweierbeziehung der Liebe, meinte Georg Simmel, bedürfe eines/r Dritten, um in der Abgrenzung zu diesem ihre eigene Identität zu gewinnen. Im türkischen Wettbewerbsfilm "Our Grand Despair" sieht es für kurze Zeit so aus, als könnte das funktionieren. Am Ende aber hat der Film die Dritte wieder ausgeschieden, neue Identitäten… Von Lukas Foerster

Minimalistisches Monument: Bela Tarrs 'The Turin Horse'

16.02.2011. Ein Mann und eine Frau im Haus, ein Pferd im Stall. Das Pferd bekommt Wasser aus dem Brunnen, die Menschen essen Kartoffeln. Der Mann sitzt stumm vor seinem Teller und lässt seine Faust auf die Kartoffel knallen, bevor er sich sie, noch kochend heiß, in den Mund stopft. Genauso stumm… Von Lukas Foerster

Zwischen zwei Phasen in Permanenz: Miranda Julys 'The Future'

15.02.2011. Die Zukunft liegt in der Vergangenheit. Zumindest was die Ästhetik der eigenen Lebensführung für Sophie (Miranda July) und Jason (Hamish Linklater) betrifft. Beide Mitte 30, gemeinsame Einzimmer-Wohnung, ewige Jugendliche: iPod, Laptop, Facebook, viel Vintage-Krimskrams überall, blöde Jobs (er Telefonist, sie Tanzlehrerin). Ein Leben zwischen zwei Phasen in Permanenz: Das ist… Von Thomas Groh

Das Nichtzuendesehen von Filmen: Ein Tag im Wettbewerb mit Alexander Mindadze, Ralph Fiennes und Philippe Le Guay

15.02.2011. "An einem Samstag" gab es vorab, da musste man unterschreiben, dass man nicht vor der Berlinale-Vorführung im Wettbewerb drüber berichtet. Es gibt sogar Klauseln, habe ich gestern erfahren, die einem verbieten, auch nur ein einziges Wort zu einem exklusiv im voraus gezeigten Film irgendwem gegenüber zu verlieren. Das ist dann… Von Ekkehard Knörer

Enges Drehbuchkorsett: Asghar Farhadis 'Nader And Simin, A Separation'

15.02.2011. Für nicht wenige Beobachter war der iranische Beitrag "Nader And Simin, A Separation" bereits vor dem Festival der große Favorit für den goldenen Bären, hauptsächlich aufgrund der Causa Jafar Panahi, die sich die Berlinale etwas verspätet zueigen gemacht hat. Nachdem der neue Film Asghar Farhadis, eines in- und außerhalb seiner… Von Lukas Foerster

Von der Kontemplation zur Agitation: Thunska Pansittivorakuls 'Terroristen'

15.02.2011. "Thank to all the terrorists". Mit dieser Texteinblendung endet der vielleicht verstörendste Film des Festivals. Thunska Pansittivorakuls "Terroristen" sind die "Rothemden", eine thailändische Protestbewegung, die sich 2006 formierte, nachdem ein Putsch den populären Präsidenten Thaksin Shinawatra aus dem Land gejagt hatte. Nach den Protesten der "Gelbhemden" (die im Film, und… Von Lukas Foerster

Freibeuter: Cyril Tuschis 'Khodorkovsky'

15.02.2011. Michail Chodorkowski ist vieles auf einmal: Zunächst aber einer, der mit Hilfe von Jelzin in den Neunzigern zu einem der reichsten Männer des neuen, damals wildwestkapitalistischen Russland aufstieg. Ein Oligarch ohne Skrupel, ein Geschäftsmann, dem man nach der Übernahme des Ölkonzerns Yukos Geschick als Manager und das Mittun beim Aufbau… Von Ekkehard Knörer

Barbiepuppe mit Feuerpenis: Kim Suns 'Self Referential Traverse: Zeitgeist and Engagement'

14.02.2011. Die Oddity der diesjährigen Berlinale fängt verhältnismäßig harmlos an, nämlich als Fernsehsitcom der banalsten Art. Ein tumber Vater und seine smarte Tochter streiten sich über Politik, die Mutter sorgt sich, die Kochschürze umgebunden, um den Familienfrieden. Dazu die Lacher des Publikums aus der Konserve, eingespielt meist in Momenten, die alles… Von Lukas Foerster

Raunen und Staunen: Wim Wenders und Werner Herzog in 3D

14.02.2011. Die erste Einstellung von Wim Wenders "Pina" simuliert den Guckkastenblick aufs Theater aus den hinteren Reihen. An der Bühnenwand trifft der Blick auf ein hingekrakeltes "Alles vorbei. 2009". Ein Anfilmen gegen den Guckkastenblick ist dieser Film, der sich als Aufhebung von Pina Bauschs choreografischen Arbeiten in 3D-Bilder geriert, dem stolz… Von Ekkehard Knörer

Will nicht in die Tiefe: Michel Ocelots 'Les contes de la nuit'

13.02.2011. Wie sinnvoll ist es, die Ästhetik des Scherenschnitt- und Silhouettenfilms, der gerade aus seiner Flächigkeit Reiz bezieht, mit 3D-Technologie zu kreuzen? Mit Blick auf den 3D-Boom des vergangenen Jahres aus Sicht von Finanziers vermutlich sehr, davon abgesehen wirft eine solche Unternehmung zumindest Fragen auf. In "Les Contes de la Nuit"… Von Thomas Groh

Held ohne Anführungszeichen: Jose Padilhas 'Tropa de Elite 2'

13.02.2011. Wer die neuen Talente des Weltkinos entdecken möchte, der ist auf der Berlinale der Ära Kosslick eher fehl am Platz. Die interessanten jungen Regisseure der Gegenwart tauchen, soweit sie sich überhaupt auf Festivals bewegen, in Rotterdam oder im koreanischen Jeonju auf und machen sich dann auf den Weg nach Cannes… Von Lukas Foerster

Kernkraft als Retro-Utopie in Volker Sattels 'Unter Kontrolle'

13.02.2011. In Science-Fiction-Filmen, die etwas auf sich halten (und also nicht nur Fantasy ins Techno-Hokuspokus-Gewand verkleiden), reist der Mensch in eine Umgebung, die nicht für ihn geschaffen ist. Damit dies gelingt, hüllt er sich in einen Kokon, er schafft eine künstliche Zone inmitten einer lebensfeindlichen Umgebung, die dem Zweck dient, sein… Von Thomas Groh

Steht da licht: Ulrich Köhlers 'Schlafkrankheit'

13.02.2011. Im Anfang steht da licht. Auf schwarzer Leinwand erscheint aus dem Nichts dieses Wort. Weitere dann: ton, schnitt, regie und so weiter. Die Credit-Sequenz wie ein Saal, der sich nach und nach füllt. Dann kann es losgehen. Von Ekkehard Knörer

Eine Archäologie von Gegenwart: Kelvin Kyung Kun Parks 'Cheonggyecheon Medley'

13.02.2011. Die Erinnerung an den Großvater des Regisseurs, der im Korea der Nachkriegszeit eine Maschinenfabrik aufgebaut hatte, ist ein Ausgangspunkt des Films. Die Fabrik war situiert in Cheonggyecheon, einem Stadtviertel Seouls. Die einst dort ansässige Schwerindustrie war ein wichtiger Motor der Modernisierung des Landes, inzwischen ist der Ort von der wirtschaftlichen… Von Lukas Foerster

Grenzpornografisch, aber kompromisslos ehrlich: Joe Swanbergs Filme 'Silver Bullets' und 'Art History'

12.02.2011. Soviel Selbstreflektion findet man im Kino nicht alle Tage: In Joe Swanbergs "Silver Bullets" geht es um zwei unterschiedliche fiktive Filmdrehs, vor der Kamera zu bewundern sind sogar gleich drei Schauspieler, die im echten Leben eigene Filme drehen. In einer Nebenrolle taucht Larry Fessenden auf, ein Veteran des Independent-Kinos, dessen… Von Lukas Foerster

Rücksichtslos sichtbar: Takahisa Zezes 'Heaven's Story'

12.02.2011. Ein sanftes, zerbrechliches Monstrum von einem Film. 278 Minuten dauert Takahisa Zezes "Heaven's Story" und doch bekommt man das Ding nie wirklich zu fassen. Irgendwo zwischen hysterischem Charakterdrama, blutigem Rachethriller und Erzählexperiment, lyrisch, naiv, stellenweise wunderschön, stellenweise enervierend setzt es sich zwischen alle Stühle. Nahe liegt ein Vergleich mit einem… Von Lukas Foerster

Füllhorn blühenden Blödsinns: Lee Tamahoris 'The Devil's Double'

11.02.2011. Lee Tamahori ist vielleicht am ehesten das, was man in der Filmbranche einen "Hack" nennt: Einer, den man für alles irgendwie einsetzen kann, dabei nie richtig gut, dann und wann aber richtig schlecht ist. Den sehr sonderbaren James-Bond-Film "Die Another Day" durfte er damals drehen (Madonna steuerte den ebenfalls sonderbaren… Von Thomas Groh

Leer gewordene Gesten in Paula Markovitchs 'El Premio'

11.02.2011. Den ersten und vorletzten Lacher (viel später war noch mal was mit einem leicht anallegorisierten Hund) gab es beim Vorspann. Nicht enden wollend war die Liste der Geldgeber und Koproduzenten, irgendwann wurde es komisch. Und leider stand am Ende von "El premio" fest, dass es mehr als diesen Vorspann da… Von Ekkehard Knörer

Ein etwas irres Etwas: Zbigniew Bzymeks 'Utopians'

11.02.2011. In einem seiner vielen unfreiwillig erhellenden Interviews vor Berlinale-Beginn hat deren Chef und leider auch künstlerischer Leiter Dieter Kosslick die folgenden sehr ominösen Worte gesprochen: "Und raten Sie mal, warum ich neuerdings so gerne verrate, dass ich Yoga mache! Da bahnt sich was an." Soll wohl heißen, dass es demnächst… Von Ekkehard Knörer

Neigt zur Makellosigkeit: 'True Grit' von den Coen-Brüdern

11.02.2011. Ist "True Grit", der Eröffnungsfilm der Berlinale, nun ein Remake von "True Grit" (1969), Henry Hathaways spätem Hollywoodwestern mit einem 62-jährigen John Wayne, der für diese Rolle mit dem einzigen Oscar seines Lebens ausgezeichnet wurde, oder eine weitere Verfilmung des beiden Filmen zu Grunde liegenden Romans von Charles Portis? Für… Von Thomas Groh

Wo der Strom herkommt: Zur Shibuya-Minoru-Retrospektive

10.02.2011. Ganz heimlich, still und leise schleicht sich der elektrische Strom in die japanischen Haushalte - zwar kommt er auch hier aus der Steckdose, doch die ist, wie man in "Righteousness" (1957) von Shibuya Minoru sehen kann, Bestandteil der von der Decke hängenden Lampe. Und wenn die nicht leuchtet, kriegt man… Von Thomas Groh

Vorhutkonkurrenz: Ausblick auf die Berlinale 2011

09.02.2011. 22 potenzielle Oscars sind im Anmarsch auf die Berlinale: "True Grit", der Eröffnungsfilm der Coen-Brüder , hat zehnmal die Chance, wird allerdings, wie es aussieht, vergleichsweise leer ausgehen in Konkurrenz zum Historien-Heuler, -Flucher und -Stotterer "The King's Speech", den Dieter Kosslick in die unfreiweillig surreal zusammengesetzte Gemischtwarenreihe namens Berlinale… Von Ekkehard Knörer

Die Bären sind vergeben

20.02.2010. Die Bären sind vergeben. Der Goldene Bär geht an "Bal" (Honey) von Semih Kaplanoglu. "Vielleicht ist auch "Bal", wie mindestens auch "Süt" und eventuell schon der erste Teil der Trilogie "Yumurta", ein Film über die Dunkelheit", meinte unser Kritiker Lukas Foerster in unserer Koumne zu dem Film.

Das ganze Vokabular des Bewegungsfilmens

19.02.2010. Der Berlinale-Wettbewerb bewegt sich schnurstracks in den Abgrund. Die letzten Jahre waren schlimm genug, in diesem ist die Katastrophe monumental. Unter den zwanzig zur Bärenvergabe präsentierten Filmen gab es, bei großzügiger Betrachtung, vielleicht eine Handvoll, die im Wettbewerb eines A-Festivals etwas verloren haben. (Bei Lichte betrachtet ist die Berlinale keins… Von Ekkehard Knörer

Falsche Bärte und eine Blondine: Jerzy Skolimowskis Meisterwerk 'Le depart'

19.02.2010. Mit einem Standbild beginnt der Film: ein dunkles, statueskes Etwas in einem Zimmer. Sobald sich das Bild in Bewegung setzt, wird das Etwas zu Jean-Pierre Leaud. Der Pullover, den er sich gerade über den Kopf zieht, hat ihn im Standbild enthumanisiert. Jetzt ist Leaud Mensch geworden, schick angezogen und bereit,… Von Lukas Foerster

Hommage.

19.02.2010. "... und diese letzte Strophe sing' ich nur für Dich, Rainer:Aus dem stillen Raume, Aus der Erde Grund, Hebt mich wie im Traume Dein verliebter Mund. Wenn sich die späten Nebel dreh'n, Werd' ich bei der Laterne steh'n Wie einst, Lili Marleen." Von Thomas Groh

Ein Monstrum, aber ein amüsantes: Oskar Roehlers 'Jud Süß - Film ohne Gewissen'

18.02.2010. Wie umgehen mit diesem Film? Oskar Roehlers "Jud Süß - Film ohne Gewissen" mangelt es an eben diesem ganz gehörig und dies, aber nur vielleicht, zum Glück. Ein Monstrum ist dieser Film, zwischen deutsch-mehlspeisigem Melodram aus Opas Kino, bizarrer Clownerie und einer den Produzenten, wenn auch nur sacht, untergejubelten Prise… Von Thomas Groh

Risikoloser Thesenfilm: Jasmina Zbanics 'Na putu'

18.02.2010. Be careful what you wish for... Gestern hatte ich mich angesichts des noch in seinen didaktischsten Momenten unbeholfenen "Shahada" nach einem echten Thesenfilm gesehnt. Heute habe ich einen bekommen und habe mir prompt Burhan Qurbanis wirre Dialektik zurück gewünscht. Die hat auf ihre Art wenigstens ein klein wenig riskiert. Jasmila… Von Lukas Foerster

Schweigt und brütet: Rafi Pitts in 'Shekarchi'

18.02.2010. Zu den erstaunlichen und manchmal gelinde verstörenden Erfahrungen, die man im Sturm eines Festivals macht, gehört die, dass beinahe jeder Film, so sehr man selbst unter ihm leidet, seine Freunde, Anhängerinnen und Fürsprecher findet. Ein besonders eklatanter Fall ist da für mich der vorgestern im Wettbewerb gelaufene Rafi-Pitts-Film "Shekarchi". Ich… Von Ekkehard Knörer

Szenen einer Ehe: 'The Kids are All Right' von Lisa Cholodenko

17.02.2010. Eine Standardszene: Die Eltern mit dem Sohn am Tisch, unausgesprochen liegt die Frage in der Luft: "Sag' mal, bist Du eigentlich schwul?" Eine solche Szene gibt es in "The Kids Are All Right" auch, doch with a twist: Die Eltern sind in diesem Fall ein lesbisches Paar. Und weil diese… Von Thomas Groh

Hat es Dir gefallen? Es ist verboten!: Burhan Qurbanis 'Shahada' im Wettbewerb

17.02.2010. Jetzt hat Dieter Kosslick mich also doch erwischt, es war wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit. Bisher hatte ich wenig Grund, mich über den diesjährigen Berlinale-Wettbewerb zu ärgern. Teilweise deshalb, weil ich einigem, vor allem den Alterswerken Polanskis und Scorseses, mehr abgewinnen konnte als meine Mitstreiter Thomas Groh und Ekkehard… Von Lukas Foerster

Nur Geduld: Jean-Claude Caissys 'La Belle Visite'

17.02.2010. Kein Grand Hotel, aber ein Ex-Motel Abgrund ist das Altersheim, das Jean-Claude Caissy in seinem Dokumentarfilmdebüt "La Belle Visite" porträtiert. Der Abgrund, an dem es steht, ist so tief nicht, der Blick, den man hat, geht sehr großzügig sogar ins Weite, hinaus aufs Meer. Im Sommer können die Bewohner des… Von Ekkehard Knörer

Welt am Draht: Mamoru Hosadas 'Summer Wars'

17.02.2010. Nach einigen Festivaljahrgängen hat man auf der Berlinale geheime Freundschaften geschlossen: Im Fall des Hongkong-Kinos sind es einige Straßen, die mit hoher Regelmäßigkeit auftauchen, im Fall des japanischen Kinos sind es die Zikaden, die bei Außenaufnahmen vernehmlich schnattern und spotten. Die typische Rhythmik des Zikadenschnatterns steht meist für den Sommer,… Von Thomas Groh

Minimalster Minimalismus: 'Fin' von Luis Sampieri

17.02.2010. Wenn es so etwas wie einen identifizierbaren "Sundance-Stil" gibt, dann gibt es sicher ebenso "den Forumsfilm" (und diese geflissentlich neutrale Bezeichnung meint nicht immer positives). Ein "Forumsfilm" ist langsam und spröde, nicht sonderlich um herkömmliche Strategien des Erzählens bemüht, eher diffus oder naturalistisch ausgeleuchtet und schließlich auf der Tonspur dem… Von Thomas Groh

Unsichtbare Kriege, sichtbare Vögel: Philip Scheffners 'Der Tag des Spatzen'

17.02.2010. "Ich find's schwierig", meint Philip Scheffner in der einzigen Szene, in der er selbst im Bild auftaucht zu einem Freund, einem Antikriegsaktivisten, der gemeinsam mit zwei Mitstreitern vor Gericht steht, weil sie militärisches Gerät der Bundeswehr sabotiert haben sollen. Schwierig findet Scheffner, eine Antwort darauf zu geben, wann und vor… Von Lukas Foerster

Führt in die Dunkelheit: Semih Kaplanoglus 'Bal'

16.02.2010. Ein Mann läuft durch den Wald und nähert sich der Kamera. An der Hand führt er einen Lastesel. Im Bildvordergrund angekommen, beginnt er, auf einen Baum zu klettern. Dort oben, auf dem Baum, möchte er, das wird man allerdings erst in der Mitte des Films erfahren, Bienenstöcke aufhängen. Als er… Von Lukas Foerster

Bewältigt Kindheitstraumata: Tamara Trampes 'Wiegenlieder' im Panorama

16.02.2010. Was haben ein trockener Alkoholiker, ein Knasti und ein Flüchtling aus Tschetschenien gemeinsam? Sie können keine Wiegenlieder singen! Und das bedeutet, dass sie keine schöne Kindheit hatten, zumindest, wenn man dem Film "Wiegenlieder" glaubt.

Post-Berlinale: Shimazu im Arsenal.

16.02.2010. "Wer auf der diesjährigen Berlinale nur drei Filme sehen möchte: der sollte exakt diese drei auswählen", schreibt Perlentaucher-Kritiker Lukas Foerster in seiner einführenden Forumsschau. Gemeint sind die drei Filme von Yasujiro Shimazu, die im Forum als eine Art "Mini-Hommage" laufen. Fraglich bleibt dabei, ob ein Festival - mit seinem Stress,… Von Thomas Groh

Gott auf zwei Rädern: Koji Wakamatsus 'Caterpillar'

16.02.2010. So abspannhaft nüchtern ist noch selten ein Vorspann über die Anfangsbilder eines Spielfilms getickert. Die Bilder, über die die Schriftzeichen laufen, sind Dokumentaraufnahmen von Kämpfen und Zerstörungen aus dem Zweiten Weltkrieg, allerdings nachträglich mit Kriegskampfkrach und Kriegsfeuerlärm synchronisiert. Vom Dokumentarfilmkriegsfeuerlärm schneidet in einer Art trockenem Match Cut Koji Wakamatsu dann… Von Ekkehard Knörer

Trash-Sex im Kellerloch: Hans Peter Mollands 'En Ganske Snill Mann'

16.02.2010. An obskurem Sex ist dieser Wettbewerb gewiss nicht arm. Im begähnenswerten "Greenberg" geht Ben Stiller Greta Garwig sehr unvermittelt an die Wäsche und bricht ebenso unvermittelt wieder ab. Im sehr großartigen "Caterpillar" gibt es mehrfach Amputiertensex. Dass in "En Ganske Snill Mann" dann eine Frau fortgeschrittenen Alters mit deutlich ins… Von Thomas Groh

Bleibt immer trocken: Benjamin Heisenbergs 'Der Räuber'

15.02.2010. Der erste Schnitt ist gleich einer in die Bewegung: Johann Rettenberger (Andreas Lust) rennt, mit beachtlicher Geschwindigkeit in Sportkleidung. Um ihn herum sind Menschen, Alltagslärm vermischt sich mit seinem Atemgeräusch. Erst als Rettenberger zu rennen aufhört, erkennt man, dass er sich auf einem Gefängnishof befindet. Er sitzt ein wegen versuchtem… Von Lukas Foerster

Passport!

15.02.2010. Rein publikumsmäßig gesehen ist die Berlinale auch in diesem Jahr ein voller Erfolg. Saal 8 im Cubix-Kino am Alexanderplatz ist fast ausverkauft, nur in den ersten zwei Reihen bleiben ein paar Plätze frei. Gezeigt wird ein russischer Film, und die russische Community ist gut sichtbar vertreten: viele pelzgefütterte Ledermäntel, in… Von Anja Seeliger

Patrone für Patrone: Thomas Arslans 'Im Schatten'

15.02.2010. Die Titelsequenz liegt über einem Straßenzug in Berlin Mitte. Ampeln und Leuchtreklamen dominieren das Bild und werfen bunte Schlieren, die nahelegen, dass die Kamera hinter einer Glasscheibe positioniert ist. Danach, in kurzer Folge, drei Einstellungen von Trojan (großartig in seiner körperlichen Präsenz: Misel Maticevic, zuletzt unter anderem in den beiden… Von Lukas Foerster

Der Ungeehrte

15.02.2010. Nach der Vorführung des Films fragt eine Zuhörerin die Regisseurin Ilona Ziok sichtlich genervt, warum sie diese schrecklich dräuende Musik für ihren Film benutzt hat. Und für den Abspann dann auch noch Frank Sinatras "My way" herhalten musste. Ziok nimmt die Frage übel: "Das ist halt mein Stil. Das kann… Von Anja Seeliger

Total kommensurabel: Banksys 'Exit Through the Gift Shop' im Wettbewerb

15.02.2010. Banksy was here. Na, vielleicht auch nicht. Wer da ist, vor Start des Films, ist die Berlinale-Pressechefin Frauke Greiner. Sie kündigt eine kurze Filmbotschaft des englischen Künstlers an. Ton ab, Bild ab. Er sitzt da, mit Kapuzenjacke und schwarzem Gesicht und spricht mit technisch verzerrter Stimme zu uns. Macht… Von Ekkehard Knörer

Innenleben einer Äffin: Nicolas Philiberts 'Nenette' im Forum

15.02.2010. Angeblich reden Orang-Utans nur deshalb nicht, damit sie nicht arbeiten müssen. Ob sie nun nicht können oder nicht wollen - auf jeden Fall traut man den Menschenaffen eine gehörige Portion Klugheit zu. Umso mehr, wenn man Nenette, die Orang-Utan-Dame aus der Pariser Menagerie im Jardin des Plantes so betrachtet. Die…

Kaputt in Indiewood: Greenberg von Noah Baumbach (Wettbewerb)

14.02.2010. Wenn man für ein Festival akkreditiert ist und von Auftrags wegen auf eine Schiene des Festivals abonniert ist, ergeben sich manchmal hübsche Überraschungen: Da ich sowieso die Wettbewerbsvorführungen um 12 Uhr besuche, schaue ich (meist) im Vorfeld gar nicht erst näher hin, was mich erwartet. Entsprechend erstaunt war ich, als… Von Thomas Groh

Postmodernisiert: Zhang Yimous 'A Woman, a Gun and a Noodle Shop'

14.02.2010. Das Titelbild ist altmodisch. Dann drei Schüsse und durch drei Risse im Bild dringen Lichtstrahlen. Mehrmals wird der Film dieses Motiv spiegeln: die Risse in einer zerbrechlichen Oberfläche, durch die Licht eindringt. Am Anfang kommt hinter dem Riss die Welt zum Vorschein. Oder das, was der neue Film von Zhang… Von Lukas Foerster

Miserabilismusporno erster Kajüte

14.02.2010. Ich gebe, bevor ich hier als der Berliner Schlechte-Laune-Bär abgestempelt werde, zu Protokoll, dass mir die beiden Wettbewerbsfilme "My Name is Khan" (warum der außer Konkurrenz läuft, weiß der Kosslick) und "If I Want to Whistle, I Whistle" von Florin Serban auf ihre sehr unterschiedliche Weise jeweils sehr imponiert haben.… Von Ekkehard Knörer

Das Arthauskino wird man nicht so einfach los: 'Plein sud' von Sebastien Lifshitz im Panorama

14.02.2010. Zur Titelsequenz und laut aufgedrehter Musik tanzt Lea (Lea Seydoux) verführerisch und zieht sich dabei aus. Für die Kamera, der sie sehr dicht zu Leibe rückt, und für Sam (Yannick Renier). Der ist für ihre Reize unempfänglich. Sam ist schwul, genau wie Leas Bruder Mathieu. Die drei sind gemeinsam im… Von Lukas Foerster

Unglaublich nah heran: 'The Oath' von Laura Poitras im Forum

14.02.2010. Abu Jandal war einst Osama bin Ladens Leibwächter. Die Attentäter des 11. September kannte er allesamt persönlich, aus ihrer Zeit in Al-Qaida-Trainingscamps in Afghanistan. Jandal selbst saß im Jemen im Gefängnis, als das World Trade Center kollabierte. Ob er mit in eines der Flugzeuge gestiegen wäre, wenn bin Laden ihn… Von Lukas Foerster

Videos: Trockener Sommer, Schanelec

13.02.2010. Zum eigenen 60. Geburtstag hält die Berlinale allenthalben Rückschau. Eine (sacht sinnbefreite) DVD-Edition versammelt vornehmlich Filme aus dem Wettbewerb, die es ohnedies schon auf DVD gab, die tendenziell ähnlich konservativ kuratierte Retro ist davon nicht weit entfernt. Ein in Vergessenheit geratener Wettbewerbsgewinner findet auch hier keine Erwähnung: Der türkische Film… Von Thomas Groh

Im Kabinett des Dr. Scorsese: 'Shutter Island'

13.02.2010. "Vernunft ist keine Option, für die man sich frei entscheidet", sagt Dr. Cawley (Ben Kingsley) an einer Stelle. Die Patientin, über die er spricht, lebt, seit sie ihren Nachwuchs ertränkt hat, in einer fiktiven eigenen Welt, in der Psychologen Postboten, Ärzte Milchmänner und die Kinder in der Schule sind. Im… Von Thomas Groh

Porträt eines Jugendgefängnisses: Florin Serbans 'If I Want to Whistle, I Whistle'

13.02.2010. Silviu Chiscan ist 19 Jahre alt und Insasse eines rumänischen Jugendgefängnisses. Kurzrasierte Haare, bullig, eine Narbe auf der Stirn. Die anderen Insassen sehen mehr oder weniger genauso aus. Gemeinsam nehmen sie Mahlzeiten ein, spielen dazwischen Fußball oder arbeiten, handeln untereinander mit Zigaretten und prügeln sich. Silviu steht kurz vor seiner… Von Lukas Foerster

Glamour im Berlinale Palast.

13.02.2010. Der journalistischen Transparenz wegen: Wir berichten live aus dem Innern des Berlinale Palast: Von Thomas Groh

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The Dorks Shall Overcome: 'Gentlemen Broncos' von Jared Hess in Generation 14plus

13.02.2010. Benjamin verkauft Nachthemden im Textilgeschäft seiner Mutter in der örtlichen Mall. In einer großartigen Sequenz bekommt er Besuch von Tabatha (Halley Feiffer). Während hinter ihm die bunten, langen Nachthemden adrett nebeneinander geordnet sind, sieht man hinter Tabatha die Schusswaffen des Nachbargeschäfts. Benjamin wird bei Tabatha keine Chance haben. Er schreibt… Von Lukas Foerster

Ibrahim liegt hier nicht: Mohamed Al-Daradjis 'Son Of Babylon'

13.02.2010. In "Son of Babylon" reisen eine alte Frau und ihr 12-jähriger Enkel Ahmed durch den Irak, um den Vater des Jungen zu suchen, den Musiker Ibrahim, der 1991 von der Republikanischen Garde verschleppt worden war. Die beiden sind Kurden und ihre Reise führt vom Nordirak über Bagdad in den Süden… Von Anja Seeliger

Zeitgeschichte als Melodram: Karan Johars 'My Name Is Khan'

13.02.2010. Nicht "Kaan", sondern "Chraan" spricht man den Nachnamen des größten lebenden Filmstars unserer Zeit aus. Das lernt man in aller Ausführlichkeit in Shah Rukh Khans neuem Film "My Name is Khan", in dem er die anderen Charaktere immer wieder zurechtweist: "Chraan, from the epiglottis, the epiglottis". Der Name ist nicht… Von Lukas Foerster

Eine weitere Möglichkeitsdimension: Angela Schanelecs Orly

13.02.2010. Nach der Godardistischen Titelsequenz beginnt der Film "Orly" in den Straßen von Paris. Ein nicht enden wollender Schwenk begleitet eine Frau durch einen Pariser Straßenzug. Gefilmt ist diese Einstellung - wie ein Großteil des restilichen Films - mit einem Teleobjektiv, einem Objektiv mit langer Brennweite und geringer Schärfentiefe, das dazu… Von Lukas Foerster

Aufforderung zu metaphyischer Bescheidenheit: So Sang-mins 'I'm in Trouble!'

13.02.2010. Schon der englische Titel ist toll: "I'm in Trouble!". Eine simple, nachvollziehbare Feststellung, eine Feststellung, die durchs nachgesetzte Ausrufezeichen verstärkt, aber nicht qualitativ erweitert wird. "In Trouble" ist jeder manchmal, in Filmen geht es aber meist eher darum, wie man "in trouble" gerät und wie man demselben wieder entkommt. Trouble… Von Lukas Foerster

Schiere Erstreckung: Constantin Popescus 'Portrait of the Fighter as a Young Man'

13.02.2010. Ein Historienfilm in den Bergen, in den Wäldern, in Dörfern, im Gras, in den Feldern. Rumänien im Nachkrieg. Darum, dass dieser Nachkrieg nicht enden darf, dass eine Fahne hochzuhalten ist gegen das neue kommunistische Regime, darum geht es dem Fähnlein der bis an die Zähne bewaffneten Aufrechten, die den Guerillakampf… Von Ekkehard Knörer

Der Unbehausteste: Roman Polanskis 'The Ghost Writer'

12.02.2010. Am gnadenlosesten schnappen immer die Fallen zu, in die man sehenden Auges lief. Polanski ist der Filmemacher der bösen Ahnung, einer uranfänglichen Unbehaglichkeit, aus der man wie im Alptraum nicht zurück kann. Noch bevor irgendetwas passiert ist, spürt der amerikanische Arzt Richard Walker in "Frantic", dass Paris ihn nicht willkommen… Von Thierry Chervel

Hipsterköpfiger Breloer: 'Howl' von Robert Epstein und Jeffrey Friedman im Wettbewerb

12.02.2010. "Howl", der Film, ist natürlich totaler Quatsch, aber er hat ein, zwei Attraktionen. Quatsch ist er, weil nicht mehr als ein hochgepimpter Fernseh-Schulfilm, kleines ABC der Beat Generation, hipsterköpfiger Breloer. Ursprünglich als Doku gedacht, nun aber mit Spielszenen, die soviel Leben versprühen wie tote Katzen auf den Blechdächern von New… Von Ekkehard Knörer

In der Krabbenhölle: 'Kanikosen' von Hiroyuki Tanaka aka Sabu (Forum)

12.02.2010. Eine Klappe öffnet sich, ein Mann schaut heraus, blickt nach oben. Der Himmel verdunkelt sich. Dunkle Wolken mit Greifzangen an beiden Seiten fliegen auf ihn zu. Er schließt den Verschlag wieder. Mit diesem Mini-Prolog beginnt "Kanikosen", der neue Film des japanischen Regisseurs Hiroyuki Tanaka. Hiroyuki Tanaka aka Sabu, der bis… Von Lukas Foerster

Home movies aus Nordkorea: 'Sona, the Other Myself' von Yang Yong-hi (Forum)

12.02.2010. Vor vier Jahren präsentierte das Forum "Dear Pyongjang" (hier mehr in einem pdf-Dokument), einen kleinen Dokumentarfilm über einen Besuch der Regisseurin Yang Yong-hi und ihrer exilkoreanischen Familie bei der Verwandtschaft in Nordkorea. Eindrucksvolle Bilder aus einer im Allgemeinen hermetisch abgeriegelten Welt, aber auch die tragische Familiengeschichte, die hinter diesen Bildern… Von Lukas Foerster

Shimazu-Videos

12.02.2010. Bei Youtube gibt's zwei Ausschnitte aus Shimazu-Filmen. Der erste, aus "The Trio's Engagement", ist nicht untertitelt. Man guckt trotzdem fasziniert zu, weil der Boss - es scheint um ein Einstellungsgespräch zu gehen - ausgiebig an seinem Adolphe-Menjou-Bärtchen zupft. Die Männer tragen alle westliche - und sehr schick taillierte - Anzüge. Von Anja Seeliger

Momente der Freiheit: Drei Filme von Yasujiro Shimazu (Forum)

12.02.2010. Ein Mann in seinem Appartment, vor einem Fenster, durch das man weit in die Stadt blicken kann. Ein Blick nach draußen; ein Zug fährt von rechts nach links durchs Bild. Ein zweiter Blick; ein zweiter Zug, diesmal von links nach rechts. Ein dritter Blick; ein dritter Zug, jetzt wieder von… Von Lukas Foerster

Essen, Singen, Scheiden, Regen: Wang Quan'ans 'Eröffnungsfilm 'Tuan Yuan' (Wettbewerb)

11.02.2010. Eine pikante Situation: 50 Jahre nach der Trennung von China und Taiwan, die zahllose Familien zerriss, kehrt der einstige Soldat Liu zu seiner Ex-Frau Yu-E aus dem taiwanesischen Exil zurück. Seine taiwanesische Frau ist vor kurzem gestorben, Yu-E wiederum ist mittlerweile Großmutter einer ansehnlichen chinesischen Familie. Was als Wiedersehen beginnt,… Von Thomas Groh

Vom Gehen im Eis

11.02.2010. "Vom Gehen im Eis" lautet der erhabene Titel von Werner Herzogs Tagebuch über seine legendäre Wanderschaft per pedes von München nach Paris, mit der der Regisseur die kranke Lotte Eisner heilen wollte. Kein Opfer, eine Erlaubnisverweigerung sah er darin: "Der Eisnerin wird mit physischem Nachdruck die Erlaubnis entzogen, zu sterben.",… Von Thomas Groh

Laboratorium für den Mainstream

11.02.2010. 40 Jahre ist das Forum alt und damit zwar zwanzig Jahre jünger als die große Berlinale, aber doch auch selbst ein wenig in die Jahre gekommen. Als politisch engagiertes Gegenfestival war man 1970 angetreten, inzwischen ist das Internationale Forum des jungen Films fest in die Berlinale integriert. Es sucht auch… Von Lukas Foerster

Der Wettbewerb: eine tiefinnere Liebe zum Kompromiss

11.02.2010. Ein Filmfestival von der Größe der Berlinale ist immer vieles auf einmal. Ein Wirtschaftsunternehmen zuerst, das auf die Gunst von staatlichen Geldgebern und privaten Sponsoren angewiesen und von beiden darum zu einem gewissen Grad abhängig ist. Den Gönnern hat es etwas zu bieten, ein Renommee, das sich Stars auf roten… Von Ekkehard Knörer

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