Klappentext
Pia und Jakob sitzen im Klassenzimmer der 2B, ihnen gegenüber die Lehrerin ihres Sohnes. Es habe einen Vorfall gegeben, mit einem Mädchen. Pia kann zunächst nicht glauben, was ihrem siebenjährigen Kind da vorgeworfen wird. Denn Luca ist ein guter Junge, klug und sensibel. Sein Vater hat daran keinen Zweifel. Aber Pia kennt die Abgründe, die auch in Kindern schlummern, das Misstrauen der anderen erinnert sie an ihre eigene Kindheit. Sie lässt ihren Sohn nicht mehr aus den Augen und sieht einen Menschen, der ihr von Tag zu Tag fremder wird. Bei dem Versuch, ihre Familie zu schützen, wird Pia schließlich mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.09.2024
Mit großem Interesse liest Rezensent Nicolas Freund den Roman von Jessica Lind. Luca, der in die zweite Klasse geht, soll einer Mitschülerin etwas angetan haben, schweigt sich über dieses Ereignis gegenüber seiner Mutter Pia aber aus, resümiert Freund. Bei Pia werden wegen des Vorfalls auch Erinnerungen aus ihrer Kindheit wach. Der Kritiker ist vor allem durch die Sprache und Komposition der Autorin in den Bahn geschlagen. So erinnere Linds literarisches Verfahren an ein Drehbuch, das Wort "Schnitt" wird als Stilmittel verwendet, um einen neuen Abschnitt zu beginnen. Ansonsten nutzt die Autorin eine "klare und präzise" Sprache, die durch die Unzuverlässigkeit der Erzählerin Pia, die ihre eigenen Geheimnisse vor dem Leser verbirgt, geschickt getrübt wird, staunt der Kritiker. Ein "Familienhorror", der der Grausamkeit von Kindern nachgeht, schließt Freund.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.08.2024
Andreas Platthaus schätzt Jessica Lind als "Könnerin des Horror-Genres", aber auch den Familienroman beherrscht Lind hervorragend, stellt der Kritiker mit dem zweiten Buch der österreichischen Autorin fest. Dabei kommt die Geschichte um Pia, deren siebenjähriger Sohn Luca in der Schule durch Entblößen vor einer Mitschülerin ins Gerede kommt und dessen Beziehung zur Mutter durchaus unheimlich erscheint, auch nicht ohne bedrohliche und spannende Momente aus, versichert der Rezensent. Er folgt hier nicht nur der Eltern-Kind-Beziehung zwischen Luca und seinen Eltern, sondern dringt mit der Autorin auch in Pias eigene, von Schweigen und Misstrauen geprägte Kindheit neben ihrer fast gleichaltrigen Adoptivschwester Romi vor. Der Kritiker lobt nicht nur die Subtilität, mit der Lind die unterschiedlichen "Psychogramme" entwirft, sondern hebt vor allem hervor, dass der Autorin eine "Phänomenologie" des traditionellen Familienlebens ganz ohne Wertungen gelingt. Klare Leseempfehlung von Platthaus.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 14.08.2024
Jessica Linds zweiter Roman ist eine beeindruckende und vielschichtige "Regretting Motherhood"-Story, meint Rezensent Jan Drees. Mutter Pia, die ein kleinbürgerliches, geordnetes Leben führt, wird darin durch ein schwer aufzuklärendes Fehlverhalten ihres siebenjährigen Sohnes - er hat, so heißt es, eine Mitschülerin auf sexuell anzügliche Weise belästigt - auf ihre eigene, von undurchsichtigen Verboten und emotionalem Missbrauch geprägte Kindheit zurückgeworfen. Selbst Tochter einer manipulativen Mutter zu sein, scheint, so fasst Drees zusammen, die eigene Mutterschaft für Pia zu einer unmöglichen Aufgabe zu machen, und in der Erinnerung an früh erlebtes Gaslighting wird ihre Realitätswahrnehmung immer instabiler. Dieser inhaltlichen Brüchigkeit entgegen stehen laut Drees Linds klarer Erzählton, der der Handlung überzeugend Ausdruck verleiht. Ein eindrucksvoller Roman, den Drees gerne empfiehlt.
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