Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783803152015 Broschiert, 160 Seiten, 20,00
EUR
Klappentext
'La Femme libre', die erste feministische Zeitschrift Frankreichs, erscheint 1832 in Paris. Ihre Gründerinnen, die sich selbst proletarische Frauen nannten, ergriffen selbstbewusst das Wort: "Ich", sagten sie, "Ich bin" und "Ich bin frei". Gemeinsam, nicht immer und nicht in allem einig, aber in vereinter Anstrengung schöpften sie aus dem Wort Frau, aus den müden Körpern ihrer Mütter, aus der Kraft ihrer Jugend ein politisches Subjekt. Die Entrechtung der Frauen beschrieben sie als Ausbeutung und die Unfreiheit der Mütter als Enteignung. Wenn man die Frauen befreie, behaupteten sie, würden alle frei. Später allerdings kehrte die Arbeiterbewegung diesen Zusammenhang um und erklärte die Emanzipation der Frauen zum Sekundärproblem. Nachgeborene Feministinnen ihrerseits haderten mit der Bedeutung, die diese Frauen der Mutterschaft, der Natur und der Religion beimaßen. Caroline Arni erzählt die Geschichte der "Saint-Simonistinnen" und legt die Radikalität eines Denkens frei, das die mütterliche Abstammung zum Ausgangspunkt einer Theorie der Gleichheit machte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.2026
Begeistert bespricht Rezensentin Petra Gehring Caroline Arnis Buch, das den Saint-Simonismus wiederentdeckt, eine frühsozialistische Frauenbewegung aus den 1830er Jahren. Die wurde nicht nur von Marx und Engels ausgelacht, sondern auch von späteren Feminismen rasch ad acta gelegt, insbesondere weil die Frühsozialistinnen die Mutterschaft ins Zentrum ihres Aktivismus stellten. Ihre Vertreterinnen hießen Suzanne Voilquin, Égérie Casaubon oder Claire Démar, wobei sie selbst nur ihre Vornamen behalten wollten. Den Nachnamen lehnten sie wie alle Überformungen des Patriarchats ab, stattdessen forderten sie, aus der Mutterschaft materielle Rechte abzuleiten. Arni zeigt in ihrem klug geschriebenen Buch, dass das gar nicht plump biologistisch gemeint war, sondern auf einen neuen Gesellschaftsvertrag zielte, der letztlich auch mit Blick auf die Klassenfrage egalitär gestaltet sein sollte. Die proletarischen Milieus entstammenden Saint-Simonistinnen zogen, heißt es im Buch weiter, praktische Konsequenzen aus ihrem Denken, eine Vertreterin verschwieg etwa den Vater ihres Kindes. Zum Schluss kontrastiert Arni den Saint-Simonismus mit dem klassenvergessenen gegenwärtigen Feminismus und arbeitet die Radikalität der historischen Bewegung heraus - die Rezensentin findet das alles sehr interessant.
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