Bücherschau der Woche

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Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Magazinrundschau

Oh wow, oh wow, oh wow

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.

25.06.2013. Für Letras Libras legt Enrique Krauze sein Ohr an das Grab Simon Bolivars. The Atlantic beschreibt den Kampf tunesischer Unis gegen die drohende Islamisierung. Im Corriere fragt Beppe Grillos Berater Gianroberto Casaleggio: Bringt das Netz Freiheit oder Diktatur? HVG sucht den Elefanten in Péter Esterházys neuem Roman. New Republic wirft Licht auf die neueste Phase des Putinismus: 13 Jahre Gefängnis. Wired erzählt, wie wir mit Skybox bald auch noch per Satellit lückenlos überwacht werden. Die New York Times macht wenig Hoffnung für Syrien.

Letras Libres (Spanien / Mexiko) , 22.06.2013

Bild zum ArtikelSeine Besprechung einer neuen Biografie Simón Bolívars nutzt Enrique Krauze zu einigen grundlegenden Feststellungen (auf Englisch hier nachzulesen): "Es ist bedauerlich, wie sehr spätere Lektüren die Originalität von Simón Bolívars repubikanischem Projekt verzerrt haben. Bolívar war weder Sozialdeterminist oder Darwinist noch der romantische Prophet eines iberoamerikanischen Nationalismus, der sich aus rassischen und kulturellen Gründen der angelsächsischen Welt (die er bewunderte) entgegenstellte. Er war aber auch kein Vorläufer des italienischen Faschismus oder des Franquismus (die beide versuchten, ihn für sich zu vereinnahmen), und erst recht nicht der Vater der seltsamen revolutionären Theokratie, die in seinem Namen in Venezuela errichtet wurde. Nichts liegt Bolívars republikanischem Ideal ferner. Hugo Chávez trieb den Bolívar-Kult - der seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Venezuela betrieben wird - in ungekannte Höhen. Er behauptete, die Geschichte sei 1830 (im Todesjahr Bolívars) stehengeblieben und erst 1999 wieder in Gang gekommen, als der neue Bolívar - sprich: Chávez - auf den Plan trat. Bei Kabinettssitzungen ließ er stets einen Stuhl neben dem seinen frei, um den Geist des Helden an seiner Regierung teilhaben zu lassen. Wandgemälde in Caracas zeigen häufig Chávez' Bild neben dem von Bolívar und Christus als Heilige Dreieinigkeit der Revolution. Der Republikaner Simón Bolívar wäre ein zweites Mal gestorben (oder hätte einmal mehr zu den Waffen gegriffen), hätte er den Aufstieg eines klassischen Demagogen wie Chávez miterlebt, der zudem genau die Art sozialer Revolution verkörperte, die Bolívar immer gefürchtet und entschieden abgelehnt hat. In zweierlei Hinsicht war Chávez' allerdings tatsächlich ein echter Bolivarianer: Die Zivilgesellschaft sah er stets aus militärischer Perspektive und er träumte davon, zeitlebens das Präsidentenamt zu bekleiden."

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Magyar Narancs (Ungarn) , 25.06.2013

Bild zum ArtikelPéter Urfi unterhält sich mit der Dichterin Virág Erdőss, die bekannt wurde, als sie bei verschiedenen Demonstrationen Gedichte vortrug: "Der Arbeitstitel meines Buches war 'Kattrin trommelt weiter', eine Regieanweisung aus Brechts 'Mutter Courage'. Nach dem Textbuch klettert Kattrin, das stumme und behinderte Mädchen, in der letzen Szene des Stücks aufs Dach und fängt laut an zu trommeln, um die Aufmerksamkeit der benachbarten Stadt auf den bevorstehenden Angriff zu lenken. In der Version des Budapester Radnóti Theaters fing Kattrin nicht mit dem Trommeln an, sondern mit dem Singen. Sie sang auf Serbisch. Auch ohne Sprachkenntnisse gab es im Publikum ein kathartisches Erlebnis. Ähnlich ist es mit Gedichten, die auf Demonstrationen vorgetragen werden. Wenn in der Versammlung der Stummen jemand aufsteht und das seit langem in uns schlummernde Gefühl der Bedrohung vertont, dann gibt es Applaus. Dieser gilt nicht der Person und auch nicht der literarischen Leistung, sondern der Geste."

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The Atlantic (USA) , 20.06.2013

Bild zum ArtikelSeit dem Sturz Ben Alis im Januar 2011 wird in Tunesien um religiöse und säkulare Werte gerungen. Habib Kazdaghli, Dekan der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Manouba, ist mit seinem Widerstand gegen Vollverschleierung und Geschlechtertrennung zum Ziel salafistischer Angriffe geworden. Er schildert gegenüber Thomas A. Bass, wie Saudi Arabien und Katar die liberale Tradition des Landes zurückzudrängen versuchen: "Tunesien ist das einzige Land in der islamischen Welt, in dem für Frauen und Männer die gleichen Scheidungsgesetze gelten. Wir betreiben keine Vielehen. Tunesien ist ein Spezialfall, ein Gegenmodell, deswegen wollen sie es beseitigen. Ohne uns könnten sie behaupten, dass gewisse Bräuche nur im Westen praktiziert werden. Es bringt sie in Verlegenheit, dass wir, als Muslime, dieselbe Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen haben, wie man sie im Land der 'Ungläubigen' findet."

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Salon.eu.sk (Slowakei) , 17.06.2013

Bild zum ArtikelLev Rubinshtein schreibt bei Salon.eu.sk (eigentlich in der russischen Zeitschrift Grani) einen sehr hübschen Artikel über Äußerlichkeiten bei Menschen und wie man sie lesen muss. In der Sowjetunion, so schreibt er, war das eine hohe Kunst, und er erinnert sich an einen Freund, der sie besser beherrschte als er selbst. Er wies Rubinshtein darauf hin, das Gorbatschows Muttermal in der Prawda neuerdings nicht mehr wegretuschiert wurde: "'Weißt du, das heißt?' 'Du meinst, das hat eine Bedeutung?' 'Na klar', sagte er. 'Es bedeutet, dass sie die Leute nicht mehr einsperren werden. Und vielleicht lassen sie die schon Eingesperrten raus. Vielleicht darf Sacharow zurück nach Moskau. Und sie ziehen die Truppen aus Afghanistan zurück.' Voller Scham muss ich gestehen, dass ich lauthals lachen musste, als ich diese verrückten Propheziungen hörte."

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Corriere della Sera (Italien) , 22.06.2013

Bild zum ArtikelSerena Danna führt für den Corriere eines der höchst seltenen Interviews mit Gianroberto Casaleggio, dem geheimnisumwitterten "Guru" von Beppe Grillos Cinque-Stelle-Partei, der durch einige etwas sektenhaft wirkende Videos zur kommenden direkten Netzdemokratie und zu anstehenden Weltkriegen auf sich aufmerksam machte. Heute sagt er: "Das Netz erlaubt zwei Extreme - die direkte Demokratie mit kollektivem Zugang zu direkt vermittelten Informationen, oder eine Orwellsche Neodiktatur, in der man nur glaubt, die Wahrheit zu kennen und frei zu sein, während man unbewusst den Regeln einer übergeordneten Organisation folgt. Es kann auch sein, dass beide Modelle entstehen werden. Natürlich ist es wahrscheinlich, dass die totale Kontrolle der Information und  der persönlichen Nutzerdaten eher in den diktatorischen oder halbdiktatorischen Staaten entstehen, während sich die direkte Demokratie eher in westlichen Ländern entwickelt, so dass zwischen den beiden Gebieten auch Konflikte entstehen können." Schön wärs!

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The New Republic (USA) , 24.06.2013

Bild zum ArtikelIn einer großartigen Reportage erzählt Joshua Yaffa die Geschichte von sechs Angeklagten, die in Moskau einen Schauprozess zu erwarten haben. Sie gehörten zu den Demonstranten vom 6. Mai 2012, als die Proteste gegen Putins neuen Antsantritt kulminierten - laut Yaffa ein Wendepunkt in der Geschichte des Putinismus, der nun mit wesentlich härteren Bandagen vorgeht als vor 15 Jahren. Die Angeklagten haben wegen Angriffs auf die Staatsgewalt mit bis zu 13 Jahren Gefängnis zu rechnen. Yaffa ist es sogar gelungen mit einem der Ermittler zu sprechen, die den Prozess staatlicherseits vorbereiten: Er "sagte, dass 'die Beamten ein ganzes Jahr lang Videos der Demonstration studiert haben, die von Polizisten und Journalisten gemacht worden waren', und dass sie weiter nach Verdächtigen suchen. 'Diese Arbeit dauert an, und wir versuchen, jeden einzelnen Verdächtigen ausfindig zu machen.'"

Auch Sophie Pinkam befasst sich in n+1 mit der düsteren Geschichte der russischen Gerichtsbarkeit, kommt bei Pussy Riot aber nur zu dem Ergebnis, dass die Gruppe gegenüber westlichen Medien tolle PR-Arbeit gemacht hat und dass die amerikanischen Gefängnisse auch nicht netter sind als die russischen. Außerdem in der New Republic: Ian Volner misstraut den "akzeptierten Rebellen" im offiziellen chinesischen Pavillon der Kunstbiennale Venedig.

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Slate.fr (Frankreich) , 24.06.2013

Bild zum ArtikelMit einem Hauch zu wenig kritischer Distanz, aber dafür ziemlich kenntnisreich und ausführlich analysiert die franko-iranische Journalistin Bahar Makooi die ersten Äußerungen des designierten neuen iranischen Präsidenten Hassan Rohani. Bei der Frauenfrage gelingt es ihr nicht so recht, Optimismus zu verbreiten: "Heute befinden sich einige Hauptrepräsentantinnen des Feminismus, die sich auf Seiten der Grünen Bewegung engagiert und für die Gleichheit der Geschlechter eingesetzt hatten, im Evin-Gefängnis. Ihre Haftentlassung wäre ein Zeichen der Entspannung. Insgesamt mag man bei diesem Thema eine größere Flexibilität erwarten, vielleicht einen Mentalitätswandel, aber ganz gewiss keine kurzfristige Revolution."

Über Israel und die Palästinenser-Frage schreibt Makooi nicht. Aber auch hierzu hat sich Rohani schon geäußert, wie Perlentaucher-Autor Matthias Küntzel auf seinem Blog beobachtet: "Natürlich werde der Iran auch weiterhin 'die palästinensische Sache aus vollem Herzen unterstützten'. Eine Lösung der Palästina-Krise sei aber nur dann möglich, 'wenn die Rechte des palästinensischen Volkes vollständig wiederhergestellt und dessen nationale Aspirationen verwirklicht' seien. 'Full restauration of the rights of the Palestinian people' klingt natürlich freundlicher als 'wipe Israel from the map'. Gemeint ist aber das Gleiche."

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HVG (Ungarn) , 25.06.2013

Bild zum ArtikelEine Besprechung ist Péter Esterházys neuem Roman gewidmet: "Die Leitfigur der ungarischen postmodernen Prosa hatte ein Kipling'sches Rezept auf dem Schreibtisch liegen, bevor er mit seinem neuen Roman anfing: 'erzähl ihnen von Schlachten, Königen, Pferden, Teufeln, Elefanten und Engeln, aber vergiss auch nicht, ihnen von Liebe und dergleichen zu erzählen.' Und der Erzähler verspricht - anstelle eines Vorwortes - Vorwettbewerb: 'Ich gehe sie durch, Schlacht, König, Pferd, Teufel, Engel, Liebe, alles wird da sein. Das Problem mit dem Elefanten muss ich später lösen.' Er setzt sich aber auch weitere Schranken: Einen Umfang von hundert Seiten, kurze Sätze und manche parodistische Lösung für alle, die ihm seit je unter die Nase reiben, dass er 'Gästesätze' in seine Werke stellte. Der historischen Romans spielt in den 1600er Jahren, doch die Zeit wird raffiniert behandelt. Seine Protagonisten lässt er aus anderen Epochen einreisen, und so berührt sich das 17. mit dem 21. Jahrhundert. Das Spiel mit der Vermischung der Grenzen zwischen Autor, Erzähler und Protagonist ist das alte. Die Familiengeschichte im Roman ist erfinderischer als früher."

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Wired (USA) , 18.06.2013

Bild zum ArtikelEndlich noch mehr Datenerhebung: David Samuels stellt das Startup Skybox vor, das sich vorgenommen hat, den Globus noch hochauflösender, noch schneller und noch günstiger abzutasten: "Hier ist die beflügelte Vision, welche die Gründer von Skybox Silicon Valley verkauft haben: Indem sie auf günstige Konsumentenhardware zurückgreifen, können die Jungs aus Stanford die Erde mit einem Netzwerk von Bilder schießenden Satelliten umkreisen, die erheblich günstiger zu bauen und zu pflegen sind als die Modelle, die derzeit ihren Dienst tun. Indem sie die Exosphäre flächendeckend mit ihren Kameras bestücken, werden sie das schwerfällige Geschäft mit der kommerziellen Bildproduktion aus dem All enorm aufwirbeln (das geschätzte Wachstum liegt bei 4 Milliarden Dollar pro Jahr ab 2018). Schon mit sechs kleinen Satelliten im Orbit könnte Skybox praktisch täglich zwei Echtzeit-Bilder des selben Fleckens Erde zum Bruchteil der bisherigen Kosten anbieten. ... Viele Menschen - Investoren, Umweltschützer, Aktivisten, Journalisten - begehren Zugang zu solchen Echtzeit-Daten, doch außer gewissen Abteilungen der US-Regierung verfügt derzeit niemand darüber. Bedenkt man dies, ist die Einschätzung, dass Skybox ein Unternehmen von Google-Ausmaßen werden könnte (...), nicht zu hoch gegriffen."

Außerdem: Im absolut lesenswerten Aufmacher porträtiert James Bamford den Chef der NSA, Keith Alexander, und seinen furchteinflößenden Spionagedienst. Noah Shachtman meditiert in Silicon Valley. Schon aus ökologischen Gründen wünscht sich Clive Thompson ein "Fixer movement", das Elektroschrott repariert statt ihn wegzuwerfen. Und Jason Kehe und Katie M. Palmer schauen sich die Geschichte des Filmtrailers genauer an (dazu passender Hinweis: Vinzenz Hedigers filmwissenschaftliche Studie zur Geschichte des Filmtrailers gibt es mittlerweile als kostenloses e-Book).

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La regle du jeu (Frankreich) , 24.06.2013

Bild zum ArtikelPascal Bruckner kann nicht schlafen: "Jeder Schlaflose schwankt zwischen dem Stolz, einer Elite anzugehören, und der Melancholie, einer bloßen Symptomatik zuzufallen, den Schlafproblemen. Mit seinesgleichen bildet er eine Zunft der Gespenster, eine Loge der lebendigen Toten mit bleichen Wangen und fiebrigem Blick. Müdigkeit ist ihre Droge."

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Prospect (UK) , 19.06.2013

Bild zum ArtikelWie kommt nur sein Umfeld damit klar? Der Literaturtheoretiker Terry Eagleton ist jedenfalls sehr stolz auf seinen analog-fundamentalistischen Digitalverzicht und verkündet (wenn auch cum grano salis), noch nie in seinem Leben E-Mail genutzt zu haben. Eine gewisse kulturkritische Eitelkeit lässt sich dem nicht absprechen: "Vor allen Dingen ist Sprache eine Art und Weise der Geselligkeit und erst an zweiter Stelle ein Mittel, um Dinge zu erledigen. Deshalb ist das Paradigma menschlicher Kommunikation auch nicht die Werbeagentur, sondern die Kneipe. Steve Jobs' letzte Worte sollen angeblich 'Oh wow, oh wow, oh wow' gewesen sein. Wenn ich an König Lear zurückdenke, fällt es mir schwer, nicht zu spüren, dass da etwas verloren gegangen ist." (So fundamental ist Eagletons Verzicht im übrigen nicht: Bei der Universität Lancaster ist seine E-Mailadresse hinterlegt. Wie praktisch für den Netzasketen, wenn eine Sekretärin den Job erledigt.)

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Elet es Irodalom (Ungarn) , 25.06.2013

Bild zum ArtikelZum hundertsten Geburtstag des ungarischen Dichters Sándor Weöres (Zsusanna Gahse sang ihm 1986 in der Zeit ein kleines Liebeslied) veröffentlichten Schriftsteller einen Strauß von Gratulationen. Der Dichter und Literaturwissenschaftler, Gábor Schein schlägt vor, Ungarn für einen Tag in Sándor Weöres umzubennen. "An der Grenze stünde ein Schild: 'Willkommen in Sándor Weöres'. An diesem Tag würden alle Einwohner und Besucher von Sándor Weöres dem Dichter ein wenig ähneln. Alle, die hier wohnen, würden ein Stück vom Genie des Sándor Weöres abbekommen. Gerade soviel, wie sie noch ertragen können. Was würde dann passieren? Nicht besonderes. Nur alles wäre ganz anders. Wie das aussehen würde, kann in dem Land, das nicht Sándor Weöres heißt, nicht gesagt werden. Wenn es möglich wäre, dann wäre es nicht nötig, dieses Land umzubenennen. Die Verhältnisse wären anders, der Blick des Landes und das Schweigen. (...) Wir sollen Ungarn wenigstens für einen Tag Sándor Weöres nennen, damit wir erfahren können, wer wir sind und wer wir durch ihn sein könnten."

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The Economist (UK) , 22.06.2013

Bild zum ArtikelDer neue iranische Präsident Hassan Rohani und dessen gemäßigtere Ansichten geben dem Economist zwar Anlass zu vorsichtigen Hoffnungen auf Verbesserung der Beziehungen zwischen dem Westen und dem Iran. Wegen der großen Fortschritte des iranischen Atomprogramms (mehr dazu hier) und der vergleichsweise vitalen Wirtschaftsmacht des Irans innerhalb der Region, fordert er im Hinblick auf Syrien dennoch rasches Handeln: "Das wachsende Risiko eines nuklear ausgestatteten Irans ist ein Grund, warum der Westen in Syrien entschieden intervenieren sollte. Nicht nur mit Waffen für die Rebellen, sondern auch mit einer Flugverbotszone. Dies nimmt Assad seine effektivste Waffe - aus Flugzeugen abgeworfene Bomben - und gestattet es den syrischen Rebellen, Militärbasen zu errichten. Bereits in der Vergangenheit haben wir uns schon oft aus humanitären Beweggründen hierfür ausgesprochen; doch Irans wachsender Einfluss ist ein weiterer Grund. Es liegt nicht im Interesse des Westens, dass ein Land, das Terrorismus unterstützt und Israels Existenzrecht verneint, zur regionalen Hegemonialmacht auswächst."

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The New York Times (USA) , 19.06.2013

Bild zum ArtikelAus den politischen Unruhen in Syrien ist längst ein Bürgerkrieg entlang konfessioneller Grenzen geworden. Robert F. Worth schildert in einer bedrückenden Reportage, wie den Alawiten ihre Loyalität zu Baschar al-Assad zum Verhängnis zu werden droht: "Syriens Sunniten und Alawiten waren jahrhundertelang zerstritten, und der anhaltende Krieg bringt den alten Konflikt wieder zum Vorschein. Radikale Jihadis unter den Rebellen fordern offen die Ausrottung oder Vertreibung religiöser Minderheiten. Die meisten Außenstehenden sind sich einig, dass Assad die Angst seiner Glaubensgenossen zu seinem politischen Überleben instrumentalisiert hat, aber die wenigsten fragen, wie die Alawiten selbst über Assad denken, und welche Zukunft sie jetzt für sich sehen, da die sunnitisch-arabische Welt ihnen den Krieg erklärt hat."

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Archiv: Magazinrundschau

Alles sündig Freudvolle

11.04.2014. In der London Review of Books erklärt Seymour Hersh, warum die türkische Regierung für den Giftgaseinsatz in Syrien verantwortlich sein könnte. Nautilus beleuchtet die Geschichte und Zukunft des künstlichen Lichts. In Eurozine erklärt Karl Ove Knausgård, wie er schreibt und welche Bedeutung sein Lektor hat. Le Monde untersucht die Dynamik des Völkermords. Der New Yorker liest vegetarische Kochbücher. Mehr lesen

Allegorien der Liebe

04.04.2014. Die NYT entdeckt die französische Küche neu. Die LRB besucht Veronese. Eurozine dokumentiert die Gender-Diskussion in Polen. Der Merkur erzählt die Geschichte des weißen südafrikanischen Antiapartheidkämpfers Edward Vincent Swart. La vie des idées beobachtet die Rückkehr des biologischen Rassekonzepts. Vanity Fair bringt eine Reportage über die größte Privatarmee der Welt, die G4S. Mehr lesen

Poesie und Transzendenz

28.03.2014. Die Huffington Post begutachtet den Wahlerfolg des Front National in Frankreich. Im Guardian erklärt Chimamanda Ngozi Adichie den Unterschied zwischen westlichem und afrikanischem Sexismus. In Eurozine denkt Kenan Malik über sakrale Kunst nach. Die NYRB begibt sich auf Containerschifffahrt. Das TLS walkt eine Toga. Und der New Yorker fragt, was eigentlich bei der Belagerung von Waco 1993 schief ging. Mehr lesen

Als Denker befreit

21.03.2014. Walter Benjamin lebt - jedenfalls in Frankreich und den USA, melden Le Monde und der Chronicle. Der New Yorker präpariert die zersetzende Wirkung des Dekonstruktivismus am Beispiel Paul de Mans heraus. Im SZ Magazin singt der Videokünstler Matthew Barney ein Loblied auf den Widerstand. Elet es Irodalom hat ein Problem mit dem von der jüdischen Gemeinde Ungarns geplanten Haus des Zusammenlebens. Krieg ist kein Würzmittel für Mittelstandsgeschichten, knurrt The New Republic Lorrie Moore an. Mehr lesen

Das Land der sauberen Hände

14.03.2014. Mario Vargas Llosa erklärt in El País die Wut der Protestler in Venezuela. Der New Yorker rollt nach 40 Jahren den Mord an Kitty Genovese wieder auf. New Yorks Hipster werden von Darwin eingeholt, meldet Slate.fr: Anpassung ist die neue Abhebung. Marcel Ophüls erzählt in Les Inrocks, weshalb Spielfilme befriedigender sind als Dokumentationen. Und Men's Journal berichtet von Chinas boomendem Elfenbeinmarkt. Mehr lesen

Zurück in die Petrischale

07.03.2014. Elet es Irodalom muss hören, wie im ungarischen Radio die Demonstranten in Kiew als "Heckenschützen" und "Terroristen" beschrieben werden. Im Merkur empfiehlt András Bruck den ungarischen Liberalen etwas weniger Kultiviertheit. In der New York Review of Books stellt Timothy Snyder klar, dass Janukowitschs Oligarchen das reaktionäre Regime bildeten, vor dem die russische Propaganda so gern warnt. Slate begutachtet Vampire als Rockstars. In artechock geißelt Rüdiger Suchsland am Beispiel der Beltracchi-Doku das auf den Hund gekommene Selbst­ver­s­tändnis deutscher Kritiker. Mehr lesen

Anonymer, göttlicher Unbekannter

28.02.2014. In The Intercept erklärt Glenn Greenwald, wie die NSA gezielt den Ruf von Kritikern zerstört. La vie des idees betrachtet einen Fotoband über den stalinistischen Terror. The New Republic fühlt sich unwohler vor den Bildern der Futuristen. In Eurozine empfiehlt David Runciman eine Koordinierung der nationalen Wahlen in Europa. In der Boston Review erzählt der Journalist Uki Goñi, wie er mit einem Nonnenmörder die Nacht durchtanzte. Mehr lesen

Die Leute wollen Brot, Würde und Freiheit

21.02.2014. Keine Region hat unter Hitler und Stalin so schwer gelitten wie die Ukraine, erläutert Timothy Snyder in Télérama. Mac McClelland berichtet im Magazin der NYTimes aus einem türkischen Lager für syrische Flüchtlinge. In Guernica erklärt Masha Gessen, warum sie aus Russland ausgewandert ist. Nepszabadsag informiert über die Kontroverse über das ungarische Holocaust-Gedenkjahr. Und Chapati Mystery präsentiert pakistanischen Rap. Mehr lesen

Braten und Schnaps

14.02.2014. Bei edge.org schlägt Kevin Kelly Transparenz für alle vor, auch für die NSA. Die NYT schildert die letzten Tage Philip Seymour Hoffmans. Bei Eurozine beschreibt Volodymyr Yermolenko das Paradox im Herzen der ukrainischen Rebellion. Der New Statesman besucht eine Ausstellung über die Arbeiter-Spartakiade. Mediapart sucht 50 Millionen Euro von Gaddafi und findet sie bei Sarkozy. In Aeon philosophiert Aaron Ben-Zeev über die romantische Liebe. Mehr lesen

Ein zweiter Martini

07.02.2014. Berlinalebedingt kommt die Magschau ein bisschen später als sonst - pardon! In der LRB schildert die Historikerin Barbara Taylor die Zeitlosigkeit der Verzweiflung in psychiatrischen Krankenhäusern. In Nepszabadsag erklärt der Philosoph Gáspár Miklós Tamás, warum er die metaphorische Geografie von "Westen" und "Osten" ablehnt. in Eurozine begibt sich Stephan Ruß-Mohl auf die Suche nach der europäischen Öffentlichkeit, findet sie aber nicht. Die New Republic zerreißt Benjamin Britten, aber nicht ganz. Und Atlantic zieht am Männerbart. Mehr lesen

So etwas wie ein Wunderkind

31.01.2014. Washingtonian sucht den Mörder von Daniel Pearl. n+1 hört boeremusiek. Im Merkur macht Horst Meier kurzen Prozess mit dem Verfassungsschutz. In Vice erzählt Moe Tucker, wie sie das Trommeln lernte. Der Guardian schildert den Krieg Putins gegen die Moderne. Das New York Magazine trifft Chen Guangbiao, möglicherweise eines Tages Besitzer der New York Times. In Eurozine beharrt Jason Wilson darauf: Es gibt nicht für jedes Problem eine Lösung. Mehr lesen

Englishness ist eine Praxis

27.01.2014. In Elet es Irodalom protestieren 26 Historiker gegen ein geplantes Mahnmal, das an die deutsche Besatzung 1944 erinnern soll. Die LRB beobachtet anerkennend, wie sich die französischen Provinzstädte von Paris emanzipieren. Eurogamer erzählt, wie die Briten mit Monopoly den Zweiten Weltkrieg gewannen. Spiked überlegt, wann Pop das Zeitliche segnete. In der Paris Review erlebt David Cronenberg mit siebzig eine Verwandlung, wie sie Gregor Samsa auch nicht schlimmer widerfuhr. The New Republic lässt kein gutes Haar an Edward Snowden, Glenn Greenwald und Julian Assange. Mehr lesen

Die Scheuklappen der Historiker

14.01.2014. Bloomberg Businessweek erforscht die Welt der Bitcoins. Nationalismus ist Provinzialisierung, ruft Félix de Azúa in El Pais Semanal den katalanischen Politikern zu. Medium verliert sich in den eleganten Zeitlupenvideos Adam Magyars. Buchpreisbindung ist elitär, behauptet in Le Point der Schriftsteller Gaspard Koenig. Gentlemen's Quarterly sucht einen offenen Drogentunnel. In Guernica löst Ari Shavit den Nahostkonflikt in Minischritten. Und Vice erlebt eine Wiederauferstehung als Diamant. Mehr lesen

Der Geist kann tun und sein

07.01.2014. Medium liefert einen kleinen Einblick in die Folgen der Kameraüberwachung in Britannien. In französischen Magazinen kommentieren Pascale Bruckner und Bernard-Henri Levy das geplante Auftrittsverbot für den antisemitischen Komiker Dieudonné. Im Merkur denkt Ernst-Wilhelm Händler über Simmel und die Finanzmärkte nach. Das Boston Magazine untersucht die unrühmliche Rolle des MIT beim Tod von Aaron Swartz. In Commentary schreibt David Gelernter der Kognitionswissenschaft "Das Hirn ist kein Computer" ins Stammbuch. Cabinet feiert den Erfinder des Pfannkuchen-Make-ups, Max Factor. Mehr lesen

Es gibt nur Innen

16.12.2013. Der ukrainische Schriftsteller Mykola Rjabtschuk erklärt, warum derzeit nur die kriminelle Kaste von Europa profitiert. The New Republic liest ein Buch über die Dänen als rettende "Ausnahme". Al Ahram empfiehlt eine Re-Lektüre des Reformers Muhammad Abduh. Brooklyn Rail deutet die Zeichen in Katastrophenfilmen. Im Guardian fegt SF-Autor Brian Aldiss ein paar Spinnweben zur Seite. Das Wallstreet Journal erzählt die Geschichte der Lobotomie in den USA. Die New York Times zeigt Google eine lange Nase und navigiert mit OpenStreetMap. Mehr lesen

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