Perlentaucher - Das Kulturmagazin

| Folgen Sie uns auf Twitter | Folgen Sie uns auf Facebook | Anmelden | Mobil | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Engelbert Kaempfer

Engelbert Kämpfer wurde 1651 als zweiter Sohn des Pastors Johannes Kemper in Lemgo geboren. Da Deutschland nach dem 30jährigen Krieg noch völlig zerstört war, orientierte sich Kämpfer nach dem Ausland. Für seine Ausbildung wählte er einen im 17. Jahrhundert durchaus üblichen Weg, der dem eines wandernden Handwerksburschen sehr ähnlich war. Er wechselte mehrmals die Schulen. 1667 war er in Hameln, von 1668 - 1670 in Lüneburg, dann besuchte er das Gymnasium in Lübeck. Weitere Stationen waren die Gymnasien von Danzig und Thorn, die Universität in Krakau, wo er Philosophie, Sprachen und Medizin studierte (1674). 1680 (fast 30 Jahre alt) studierte er auch in Königsberg Medizin und Naturgeschichte. Hinter dem häufigen Schul- und Universitätswechsel stand sicherlich sein barocker Drang nach umfassendem Wissen. 1681 ging Kämpfer nach Schweden, wo er die Akademie in Uppsala besuchte. Er erlangte den Posten eines Sekretärs bei jener schwedischen Gesandtschaft, die im Auftrage Karls Xl. Handelsbeziehungen mit Russland und Persien anknüpfen sollte.
1684 reiste Kämpfer nach Persien und als Oberchirurg bei der Ostindienkompanie nach Bandar Abbas, wo seine grundlegende Schrift über die Dattelpalme entstand, dann weiter nach Indien und Java, wo er umfangreiches botanisches Material sammelte. 1690 wurde Kämpfer Arzt auf der streng überwachten Insel Deshima, Sitz der niederländischen Faktorei in Japan. Den Höhepunkt seines zweijährigen Aufenthaltes in Japan bilden die beiden Gesandtschaftsreisen, die die Geschäftsträger der Holländer einmal im Jahr nach Edo zum dort regierenden Shogun antreten mussten. Kämpfer ist der erste Europäer, dem es gelang, eine genaue Routenaufnahme dieser Strecke anzufertigen und sämtliche ihm wichtigen Ortschaften und Berge einzuzeichnen.
1692 verließ Kämpfer Deshima mit Ziel Batavia. 1693 erreichte er Amsterdam, wo er seine Dissertation fertig stellte, die er während der Reise angefangen hatte. 1694 kehrte er dann nach Lemgo zurück. Nach seiner Rückkehr wurde er Leibarzt beim Grafen zur Lippe in Detmold und unterhielt auf dem Steinhof in Lieme eine eigene Praxis. Im Jahre 1700 heiratete er die 16jährige Maria Sophia Wilstach. Die Ehe jedoch war unglücklich, und Kämpfer starb, entzweit mit seiner Frau, 1716, ohne dass er seine Werke hätte veröffentlichen können.
Durch seinen Tod blieb das große Lebenswerk nur Fragment. Sein Nachlass wäre sicher in alle Winde verstreut worden, hätte nicht der englische Arzt, Botaniker und Schriftsteller Sir Hans Sloane Kämpfers Manuskripte von seinen Erben aufgekauft. Kämpfers Nachlass befindet sich heute in der Britisch Library in London.
1727 erschien in London "The History of Japan", und damit begann vor allem die Publikations- und Wirkungsgeschichte von Kämpfers Japanwerk. Im 19. Jahrhundert wurde sein Name vor allem durch Philip Franz von Siebold weitergetragen.

Bücher von Engelbert Kaempfer

Kaempfer, Engelbert: Engelbert Kaempfer: Kritische Ausgabe in Einzelbänden. Band 1/1 und 1/2: Heutiges Japan

Cover: Engelbert Kaempfer: Kritische Ausgabe in Einzelbänden

Iudicium Verlag, München 2001, ISBN 3891299311, Gebunden, 1607 Seiten, 158,50 EUR

Herausgegeben von Detlef Haberland, Wolfgang Michel, Elisabeth Gössmann und Barend J. Terwiel. Mit 370 Abbildungen. Mehr als zweieinhalb Jahrhunderte schlummerte das deutsche Japan-Manuskript des berühmten Lemgoer Reisenden Engelbert Kaempfers (1651-1715) in London. Denn mit dem Erscheinen der durch den Schweizer Johann Caspar Scheuchzer besorgten ... mehr lesen
bestellen bei buecher.de

Kaempfer, Engelbert: Engelbert Kaempfer (1651-1716). Sein Leben und seine Reise

Landesverband Lippe, Lemgo 2001, ISBN 3980775852, CD-ROM, 15,00 EUR

CD-Rom herausgegeben vom Landesverband Lippe und der Stadt Lemgo ... mehr lesen
bestellen bei buecher.de

Mailen | Drucken | Merkzettel | Empfehlen auf Facebook | Twittern |

Archiv: Buchautoren

Archiv: Bücherschauen

Krisen des modernen Ichs

26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
Mehr lesen

Archiv: Bücherbrief

Nerv für klare Worte

07.05.2012: Matthias Nawrat erzählt von einem schwer verliebten Gemüsefahrer. Helene Bessette erzählt von einem besessenen Pfarrer. Ketil Bjoernstadt erzählt von der Sandwich-Generation, Nedim Gürsel von Allahs Töchtern. Außerdem reisen wir mit Stephen Greenblatt in die Renaissance und mit David van Reybrouck in den Kongo. Dies alles und mehr in den besten Büchern des Monats Mai. Mehr lesen

Archiv: Kolumnen

Oh Herr, lass' Bryson regnen!

28.03.2007: "Lassen wir uns nicht einreden, Ibsen wäre altmodisch", wir entkommen ihm eh nicht. Arno Widmann liest Ibsens Dramen, eine Amerikafibel für erwachsene Deutsche von Margret Boveri, Per Olov Enquists Roman über die Pfingstbewegung, "Lewis Reise", Briefe von Peter Hacks, die Benediktusregeln, Foltergemälde von Fernando Botero und "Eine kurze Geschichte von fast allem" - Manna-Ersatz von Bill Bryson. Mehr lesen

Untergänge und Aufstiege

23.01.2007: Eine Debatte über schwarze Löcher und weiße Zwerge, ein Politkrimi von Ulrike Sommer, der Hinduismus des Mahatma Gandhi, Elena Ferrantes radikaler Roman über die kalte Gewalt einer verlassenen Frau, Michael Kittners Geschichte des Arbeitskampfs.
Mehr lesen

Sehnsucht nach dem Staub

08.01.2007: Er bewundert einen prächtigen Bildband über Indien, empfiehlt Alain de Libera und Al-Farabi als Impfung gegen christlichen Hochmut gegenüber dem Gott der Muslime, bewundert einen prachtvoll gewachsenen Krieger, jagt Gespenster mit einem echten Aufklärer und erliegt der Schönheit von George Steiners Melancholie. Mehr lesen