Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Außer Atem: Das Berlinaleblog

Schweigt und brütet: Rafi Pitts in 'Shekarchi'

Von Ekkehard Knörer, 18.02.2010, 09:59

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Zu den erstaunlichen und manchmal gelinde verstörenden Erfahrungen, die man im Sturm eines Festivals macht, gehört die, dass beinahe jeder Film, so sehr man selbst unter ihm leidet, seine Freunde, Anhängerinnen und Fürsprecher findet. Ein besonders eklatanter Fall ist da für mich der vorgestern im Wettbewerb gelaufene Rafi-Pitts-Film "Shekarchi". Ich saß in meinem Cinemaxx-Sessel und konnte, je länger er dauerte, desto weniger fassen, was mir da zugemutet wird. Den Saal verließ ich im Bewusstsein, eines der wirklich unerfreulichen Berlinale-Erlebnisse hinter mich gebracht zu haben. Die Lektüre der Kritiken, der Blick in den Kritikerspiegel belehrten mich dann - nun ja, nicht eines anderen, denn ich sehe den Film noch ganz genauso; ich bin jetzt aber doch um die Erkenntnis reicher, dass viele Kolleginnen und Kollegen in "Shekarchi" ein vollkommen respektables Werk sehen.

Gestern hatte ich mir erspart, über dies ... mehr lesen



Stichwörter: 16. februar 2010, 17. Februar 2010, alexei popogrebsky, how i ended this summer, iran, rafi pitts, russland, shekarchi, wettbewerb 2010

Szenen einer Ehe: 'The Kids are All Right' von Lisa Cholodenko

Von Thomas Groh, 17.02.2010, 22:25

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Eine Standardszene: Die Eltern mit dem Sohn am Tisch, unausgesprochen liegt die Frage in der Luft: "Sag' mal, bist Du eigentlich schwul?" Eine solche Szene gibt es in "The Kids Are All Right" auch, doch with a twist: Die Eltern sind in diesem Fall ein lesbisches Paar. Und weil diese nicht recht herauskommen wollen mit ihrer Frage, kommt es zum Missverständnis: Ja, er habe eine Beziehung zu einem anderen aufgebaut. Zu seinem biologischen Vater, einem Samenspender.

Die lesbische Traumfamilie - Sohn und Tochter von je einer Mutter, beide vom selben Samenspender - gerät ins Wanken, denn der Samenspender-turned-Vater Paul (Mark Ruffalo) wird zusehends zum Satelliten der Familie. Mit den Kindern versteht er sich prächtig, mit Mutter Jules (Julianne Moore) baut er bald den Garten hinter seinem Haus um - und landet schließlich mit ihr im Bett. ... mehr lesen



Stichwörter: 17. Februar 2010, lisa cholodenko, the kids are all right, usa, wettbewerb 2010

Hat es Dir gefallen? Es ist verboten!: Burhan Qurbanis 'Shahada' im Wettbewerb

Von Lukas Foerster, 17.02.2010, 17:20

Jetzt hat Dieter Kosslick mich also doch erwischt, es war wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit. Bisher hatte ich wenig Grund, mich über den diesjährigen Berlinale-Wettbewerb zu ärgern. Teilweise deshalb, weil ich einigem, vor allem den Alterswerken Polanskis und Scorseses, mehr abgewinnen konnte als meine Mitstreiter Thomas Groh und Ekkehard Knörer. Vor allem aber, weil ich dank unserer internen Arbeitsteilung verschont geblieben bin von dänischer Miserabilismuspornografie, norwegischer Zynik und ähnlichem. Burhan Qurbanis Debütfilm "Shahada" aber konnte ich leider nicht entgehen.

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Das "Shahada" ist das muslimische Glaubensbekenntnis. Vor Zeugen ausgesprochen genügt es, einen Ungläubigen in einen Muslim zu verwandeln. In Qurbanis Film gibt es eine Szene, in der zwei Muslime einen Nicht-Muslim zwingen wollen, das Bekenntnis aufzusagen. Doch als Samir über Daniel kniet und ihm am Boden festhält, greift er plötzlich dessen Hand. Samir und Daniel sind schwul und ... mehr lesen



Stichwörter: 17. Februar 2010, burhan qurbani, deutschland, shahada, wettbewerb 2010

Nur Geduld: Jean-Claude Caissys 'La Belle Visite'

Von Ekkehard Knörer, 17.02.2010, 14:18

Kein Grand Hotel, aber ein Ex-Motel Abgrund ist das Altersheim, das Jean-Claude Caissy in seinem Dokumentarfilmdebüt "La Belle Visite" porträtiert. Der Abgrund, an dem es steht, ist so tief nicht, der Blick, den man hat, geht sehr großzügig sogar ins Weite, hinaus aufs Meer. Im Sommer können die Bewohner des Heims direkt vor ihrer Tür sitzen, die Sonne im Gesicht, nichts als den Ozean zwischen sich und dem, was hinterm Horizont kommt. Im Film ist allerdings das Wetter die meiste Zeit schlecht. Und so richtig Augen für Naturschönheiten haben die hier lebenden Menschen, dies der Eindruck, den Caissys Film vermittelt, ohnehin nicht.

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Früh im Film eine Einstellung, die mich auf einen Schlag vom Können des Regisseurs überzeugt. Eine alte Frau betritt schweren und langsamen Schritts einen Gang. Sie schlurft, die Kamera folgt ihr. Sie schlurft ... mehr lesen



Stichwörter: 17. Februar 2010, altersheim, forum 2010, jean-francois caissy, kanada, la belle visite

Welt am Draht: Mamoru Hosadas 'Summer Wars'

Von Thomas Groh, 17.02.2010, 11:35

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Nach einigen Festivaljahrgängen hat man auf der Berlinale geheime Freundschaften geschlossen: Im Fall des Hongkong-Kinos sind es einige Straßen, die mit hoher Regelmäßigkeit auftauchen, im Fall des japanischen Kinos sind es die Zikaden, die bei Außenaufnahmen vernehmlich schnattern und spotten. Die typische Rhythmik des Zikadenschnatterns steht meist für den Sommer, mitunter für eine gewisse Angespanntheit, sehr häufig: Für die Provinz und das Landleben.

"Summer Wars" beginnt gar nicht wie ein japanischer Provinzfilm: OZ heißt die angesagte virtuelle Welt, eine Art Meta-Web, das Facebook mit Second Life verbindet, eine bonbonfarbene, räumlich repräsentierte Utopie eines von seiner Glückseligkeit felsenfest überzeugten Konsum- und Differenzkapitalismus, die Individualität mit Avatardesign übersetzt und für alle persönlichen Interessen die passenden virtuellen Waren vorrätig hält - Zutritt per Handy, Internet, Fernsehen. In der Welt von "Summer Wars" trifft die Welt sich umfassend in ihrer Spiegelung ... mehr lesen



Stichwörter: 17. Februar 2010, anime, generation 14plus 2010, japan, mamoru hosoda, summer wars

Minimalster Minimalismus: 'Fin' von Luis Sampieri

Von Thomas Groh, 17.02.2010, 11:26

Wenn es so etwas wie einen identifizierbaren "Sundance-Stil" gibt, dann gibt es sicher ebenso "den Forumsfilm" (und diese geflissentlich neutrale Bezeichnung meint nicht immer positives). Ein "Forumsfilm" ist langsam und spröde, nicht sonderlich um herkömmliche Strategien des Erzählens bemüht, eher diffus oder naturalistisch ausgeleuchtet und schließlich auf der Tonspur dem akustischen Ambiente seines Drehorts offen zugewandt (im Gegensatz zur zugerichteten, komplex manipulierten Tonspur eines Hollywoodfilms). Es steht völlig außer Zweifel, dass eine solche Filmkonzeption großartig sein kann (nur ein Beispiel: "Los Muertos" von Lisandro Alonso). Auf der anderen Seite gerinnen solche Merkmale auch schnell zur Zugehörigkeitsbehauptung.

"Fin" ist, leider, "ein Forumsfilm". Und das ist ärgerlich, denn die erste, lange Einstellung ist ziemlich großartig: Sie beginnt auf der Tonspur (angestrengtes Atmen) bei Schwarzblende, dann kommt das Bild: Ein Mädchen läuft einen Straße bergauf. Sie trifft auf einen Jungen, der sie umkreist und von oben herab behandelt. Die Kamera dreht ... mehr lesen



Stichwörter: 17. Februar 2010, fin, forum 2010, luis sampieri, spanien

Unsichtbare Kriege, sichtbare Vögel: Philip Scheffners 'Der Tag des Spatzen'

Von Lukas Foerster, 17.02.2010, 10:55

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"Ich find's schwierig", meint Philip Scheffner in der einzigen Szene, in der er selbst im Bild auftaucht zu einem Freund, einem Antikriegsaktivisten, der gemeinsam mit zwei Mitstreitern vor Gericht steht, weil sie militärisches Gerät der Bundeswehr sabotiert haben sollen. Schwierig findet Scheffner, eine Antwort darauf zu geben, wann und vor allem wie man ein vages oder auch ein sehr spezifisches Unbehagen an den Verhältnissen - in diesem Fall an der Tatsache, dass Deutschland einen Krieg führt und niemand etwas davon wissen zu wollen scheint - in politisches Handeln übersetzen kann. Sein Freund hat diesen Schritt gewagt und sitzt inzwischen nach einem in mancher Hinsicht fragwürdigen Prozess im Gefängnis.

Philip Scheffner hat statt dessen mit der "Tag des Spatzen" einen sonderbaren, faszinierenden Film gedreht. Während er mit seinem Freund spricht, machen die beiden, gemeinsam mit dem ... mehr lesen



Stichwörter: 17. februar 2010, afghanistan, der tag des spatzen, deutschland, dokumentarfilm, forum 2010, philip scheffner