Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Außer Atem: Das Berlinaleblog
Miserabilismusporno erster Kajüte
Von Ekkehard Knörer, 14.02.2010, 10:40
Ich gebe, bevor ich hier als der Berliner Schlechte-Laune-Bär abgestempelt werde, zu Protokoll, dass mir die beiden Wettbewerbsfilme "My Name is Khan" (warum der außer Konkurrenz läuft, weiß der Kosslick) und "If I Want to Whistle, I Whistle" von Florin Serban auf ihre sehr unterschiedliche Weise jeweils sehr imponiert haben.

"Submarino" von Thomas Vinterberg allerdings hat das nicht. Der Film ist eine Zumutung, was noch kein Werturteil ist. Aber er ist mächtig stolz darauf, eine Zumutung zu sein, darauf, seine Figuren und seine Zuschauer so richtig tief in die Scheiße tunken zu können. Und dieser Stolz ist zum Kotzen. Dieser Stolz, und mehr noch die Tatsache, dass er dem Film aus jeder Pore entströmt, machen diese Geschichte zweier Brüder, denen "das Leben" (in Wahrheit natürlich das Drehbuch) nichts erspart, zum Miserabilismusporno erster Kajüte. Kurze, unvollständige Aufzählung des ... mehr lesen
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13. februar 2010, alkohol, dänemark, dogma, folter, hoffnung, submarino, thomas vinterberg, wettbewerb 2010
Videos: Trockener Sommer, Schanelec
Von Thomas Groh, 13.02.2010, 22:02
Zum eigenen 60. Geburtstag hält die Berlinale allenthalben Rückschau. Eine (sacht sinnbefreite) DVD-Edition versammelt vornehmlich Filme aus dem Wettbewerb, die es ohnedies schon auf DVD gab, die tendenziell ähnlich konservativ kuratierte Retro ist davon nicht weit entfernt. Ein in Vergessenheit geratener Wettbewerbsgewinner findet auch hier keine Erwähnung: Der türkische Film "Trockener Sommer" von Metin Erksan aus dem Festivaljahrgang 1964. Unser Kritiker Ekkehard Knörer zeigt sich im Cargo-Blog begeistert.
Das Schöne: "Trockener Sommer" kann man gratis im Netz sehen - legal und in hervorragender Qualität (eine passable Internetverbindung ist freilich Voraussetzung). Möglich macht dies die Online-Cinematheque "The Auteurs", die den auf Martin Scorseses Initiative hin von der "World Cinema Foundation" restaurierten Film noch bis Mai 2010 (neben einigen anderen) in einem eigens eingerichteten "Online-Cinema" zeigt. Einzige Hürde: Eine (kostenfreie) Registrierung. Die allerdings ... mehr lesen
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13. februar 2010, angela schanelec, dies und das, metin erksan, retrospektive 2010, trockener sommer
Im Kabinett des Dr. Scorsese: 'Shutter Island'
Von Thomas Groh, 13.02.2010, 20:00
"Vernunft ist keine Option, für die man sich frei entscheidet", sagt Dr. Cawley (Ben Kingsley) an einer Stelle. Die Patientin, über die er spricht, lebt, seit sie ihren Nachwuchs ertränkt hat, in einer fiktiven eigenen Welt, in der Psychologen Postboten, Ärzte Milchmänner und die Kinder in der Schule sind. Im Verlauf von "Shutter Island", Martin Scorseses Rückkehr zum Psychothriller mit Gothic-Horroreinschlag, beschleicht einen zunehmend das Gefühl, dass es dem Regisseur mitunter ähnlich ergeht. Die Karnickel, die er mit großer Geste aus dem Hut zieht, die Tricks aus den Schubladen der Filmgeschichte, die Scorsese hier zur Anwendung bringt, stehen einem als solche lange schon vor Auge, während der Regisseur noch von der Virtuosität seines Treibens völlig überzeugt ist. 
"Auf dieser Insel ist was faul", hört man immer wieder aus dem Mund Teddy Daniels' (Leonardo di Caprio), der als ... mehr lesen
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Porträt eines Jugendgefängnisses: Florin Serbans 'If I Want to Whistle, I Whistle'
Von Lukas Foerster, 13.02.2010, 18:22

Silviu Chiscan ist 19 Jahre alt und Insasse eines rumänischen Jugendgefängnisses. Kurzrasierte Haare, bullig, eine Narbe auf der Stirn. Die anderen Insassen sehen mehr oder weniger genauso aus. Gemeinsam nehmen sie Mahlzeiten ein, spielen dazwischen Fußball oder arbeiten, handeln untereinander mit Zigaretten und prügeln sich. Silviu steht kurz vor seiner Entlassung. Der Oberwärter, der ihn im ersten Filmdrittel zu sich zitiert, scheint ihm keine Steine in den Weg legen zu wollen. Vor der Entlassung soll er einen Fragebogen ausfüllen, der seine psychosoziale Befindlichkeit betrifft. Er interessiert sich weniger für den Bogen, als für die Praktikantin, die ihm beim Ausfüllen helfen soll. Aus der Bahn werfen wird ihn aber nicht das Mädchen, sondern der Besuch seines Bruders.
"If I Want to Whistle, I Whistle" ist unzweifelhaft ein Produkt des neuen rumänischen Kinos. Schon die Textur seiner grobkörnigen Bilder verrät ... mehr lesen
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Glamour im Berlinale Palast.
Von Thomas Groh, 13.02.2010, 15:53
Der journalistischen Transparenz wegen: Wir berichten live aus dem Innern des Berlinale Palast:
Wir Festivalblogger, glamour be our second name...
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The Dorks Shall Overcome: 'Gentlemen Broncos' von Jared Hess in Generation 14plus
Von Lukas Foerster, 13.02.2010, 14:00

Benjamin verkauft Nachthemden im Textilgeschäft seiner Mutter in der örtlichen Mall. In einer großartigen Sequenz bekommt er Besuch von Tabatha (Halley Feiffer). Während hinter ihm die bunten, langen Nachthemden adrett nebeneinander geordnet sind, sieht man hinter Tabatha die Schusswaffen des Nachbargeschäfts. Benjamin wird bei Tabatha keine Chance haben. Er schreibt ohnehin lieber Science-Fiction-Romane, als Nachthemden zu verkaufen. Und auch seine Mutter designt in ihrer Freizeit lieber Kleider, die gut in die Romane ihres Sohnes passen würden. Außerdem backt sie bizarre Kugeln aus Popkorn, die sich wie eine Seuche im Film verbreiten und überall kleben zu bleiben drohen. Mutter und Sohn wohnen irgendwo in der amerikanischen Provonz, vielleicht in Utah, dem Heimatstaat des Regisseurs Jared Hess. Eigentlich wohnen die beiden natürlich zuallererst in Jared-Hess-Country. Einem Ort, den man in "Napoleon Dynamite", Hess' vorzüglichem Erstling, ausführlich kennengelernt hat. Einige ... mehr lesen
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13. februar 2010, generation 14plus 2010, gentlemen broncos, jared hess, usa
Eine weitere Möglichkeitsdimension: Angela Schanelecs Orly
Von Lukas Foerster, 13.02.2010, 09:02
Nach der Godardistischen Titelsequenz beginnt der Film "Orly" in den Straßen von Paris. Ein nicht enden wollender Schwenk begleitet eine Frau durch einen Pariser Straßenzug. Gefilmt ist diese Einstellung - wie ein Großteil des restilichen Films - mit einem Teleobjektiv, einem Objektiv mit langer Brennweite und geringer Schärfentiefe, das dazu benutzt wird, Objekte zu filmen, die weit von der Kamera entfernt positioniert sind. Die Bilder des Teleobjektivs haben oft etwas Suchendes, Investigatives, in der Filmgeschichte prägten sie unter anderem die paranoiden Politthriller der siebziger Jahre. Manchmal haben sie auch ganz im Gegenteil etwas Zurückhaltendes, dezidiert Unaufdringliches, wie in den Filmen Hou Hsiao-hsiens, der ganze Melodramen aus weiter Entfernung und durch enge Türöffnungen hindurch gefilmt hat. Angela Schanelec nutzt das Teleobjektiv in ihrem neuen Film wiederum völlig anders. 
Nach zwei kurzen, einführenden Szenen gelangt ... mehr lesen
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Aufforderung zu metaphyischer Bescheidenheit: So Sang-mins 'I'm in Trouble!'
Von Lukas Foerster, 13.02.2010, 09:01

Schon der englische Titel ist toll: "I'm in Trouble!". Eine simple, nachvollziehbare Feststellung, eine Feststellung, die durchs nachgesetzte Ausrufezeichen verstärkt, aber nicht qualitativ erweitert wird. "In Trouble" ist jeder manchmal, in Filmen geht es aber meist eher darum, wie man "in trouble" gerät und wie man demselben wieder entkommt. Trouble als Problem, das gelöst werden will. So Sang-mins Film geht es eben gerade nicht um Eskalation und Bewältigung, aus deren Perspektive Trouble immer nur Mittel zum Zweck und Antriebsmotor einer dramaturgischen Konstellation ist. Eine Konstellation, die selber ganz und gar nicht auf Trouble aus ist. Sondern auf das harmonische Ineinandergreifen von Plotpoints und story arcs. So Sang-min geht es ganz im Gegenteil um eine Phänomenologie des Trouble. Um einen sanft zerrütteten Zustand der Welt, der sich im sanft zerrütteten Zustand des Protagonisten spiegelt und umgekehrt. Um ein prekäres ... mehr lesen
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Schiere Erstreckung: Constantin Popescus 'Portrait of the Fighter as a Young Man'
Von Ekkehard Knörer, 13.02.2010, 09:00
Ein Historienfilm in den Bergen, in den Wäldern, in Dörfern, im Gras, in den Feldern. Rumänien im Nachkrieg. Darum, dass dieser Nachkrieg nicht enden darf, dass eine Fahne hochzuhalten ist gegen das neue kommunistische Regime, darum geht es dem Fähnlein der bis an die Zähne bewaffneten Aufrechten, die den Guerillakampf in den Bergen bis zum letzten Tropfen ihres eigenen Bluts kämpfen. "Portrait of the Fighter as a Young Man", das Langfilm-Debüt des Regisseurs Constantin Popescu, beruht auf historischen Tatsachen. Die Guerilla-Truppen, von denen er erzählt, gab es tatsächlich und den Helden, dem der Film gewidmet ist, Ion Gavrila-Ogoranu, Anführer einer zusehends dezimierten Kämpfergruppe, gab es auch. Als seine Geschichte stellt sich der Film im Nachhinein dar, weil er nämlich als einziger bis ins Jahr 1976 (!) durchhielt.
Die Konzentration auf diese Figur ist jedoch eine perspektivische Täuschung, die ... mehr lesen








