Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Von Lesern empfohlene Bücher

Petur Gunnarsson: punkt punkt komma strich

Moti Kfir, Ram Oren: Sylvia Rafael

Romane und Erzählungen / Lyrik, Reportagen, Erinnerungen / Politische Bücher / Sachbücher
Elf Jahre haben Jung Chang und Jon Halliday an ihrer Biografie "Mao" (bestellen) recherchiert, und sie lassen nichts übrig vom verklärenden Bild des Großen Vorsitzenden und Steuermanns. Für den Spiegel war das Buch bereits Anlass für einen Mao-Titel. Denn wenn es stimmt, was die beiden Autoren zusammengetragen haben, meint auch die SZ, dann wird Chinas Geschichte "in entscheidenden Punkten neu erzählt" werden müssen. Chang, früher selbst Mitglied der Roten Garden, und der Historiker Halliday porträtieren den Gründer der chinesischen Volksrepublik als skrupellosen Machtpolitiker und pathologischen Egomanen, auf dessen Konto siebzig Millionen Tote gehen - eine Bilanz, die ihn an die Spitze der Massenmörder des 20. Jahrhunderts setzen würde. Die NZZ sieht in der Biografie eine "sorgfältige Sammlung der Schandtaten", die FAZ lobt auch die Lebendigkeit und Dichte, mit der sie geschrieben wurde. Die FR sieht in ihr allerdings eher eine Anklageschrift als eine um Nuancen bemühte Biografie.
Dan Diner geht in seinem Buch "Versiegelte Zeit" (bestellen) der heiklen Frage nach, wie sich die kaum zu verhehlende Rückständigkeit der arabischen Welt erklären lässt. Dabei stützt er sich auf den Arab Human Development Report, der seit 2002 jährlich von den Vereinten Nationen herausgegeben wird und ebenso interessante wie brisante Befunde bereithält (zum Beispiel, dass in der gesamten arabischen Welt vier Buchübersetzungen auf eine Million Menschen kommen, gegenüber 519 in Ungarn und 920 in Spanien). Diner erklärt dies vor allem mit der Allgegenwärtigkeit des Sakralen, besonders in der arabischen Sprache und Schrift, das kaum Veränderung zulasse. Die SZ möchte seinen Thesen zwar nicht in den Einzelheiten folgen, versichert aber, dass es sich hier um ein "anregendes und intelligentes" Buch handelt.
Andre Glucksmanns Furor, mit dem er den Hass als Phänomen der Welt wiederbelebt, hat unter den Kritikern zu reger Diskussion geführt. Die NZZ findet Glucksmanns Bestreben, auf die reale Existenz des Bösen inmitten unserer modernen Zivilisation hinzuweisen, "ganz und gar richtig" und zugleich so drastisch, dass sie vor "Hass" (bestellen) am liebsten die Augen verschließen möchte. Das auf dem Medea-Mythos basierende Stufenmodell für die psychologische Entwicklung des Hasses hält die FR für die größte Leistung des Philosophen. Sie stößt sich aber ein wenig an seinem politischen Temperament, das ihn zeitweise ein wenig einseitig argumentieren lässt. Dass Glucksmann zum aktiven Kampf gegen den Hass aufruft, passt der Zeit dagegen wunderbar ins Konzept, während die SZ wiederum zur Gelassenheit mahnt.
Schließlich sei noch einmal auf Wolfgang Kraushaars Enthüllungen über "Die Bombe im Jüdischen Gemeindehaus" (bestellen) hingewiesen. Das Buch hat eine Riesendebatte ausgelöst. Was die Feuilleton-Gemüter erregt, ist nicht so sehr die Aufdeckung der Täterschaft Albert Fichters, sondern der von Kraushaar angedeutete Antisemitismus der Achtundsechziger. Die FR hofft auf einen Startschuss zur überfälligen Selbstaufklärung der Linken, die Berliner Zeitung weist auf die Rolle des Staates als Agent provocateur hin. Und Götz Aly konstatiert in der Welt. "Die deutschen Achtundsechziger waren ihren Eltern auf elende Weise ähnlich."
Diskussionen hat bei den Kritikern auch das Buch "Lolita lesen in Teheran" (bestellen) von Azar Nafisi ausgelöst, die bis zu ihrer Ausreise als Professorin in Teheran Literatur lehrte und mit ihren Studentinnen in kleinem Kreis die Klassiker der westlichen Moderne las. FR und taz sind begeistert, wie Nafisi die untergründige Kraft der Literatur beschwört und gleichzeitig die Lebensgeschichten ihrer Studentinnen erzählt. Die FAZ lobt das Buch als "vieldimensionales Werk über Identität und Befreiung". Die SZ dagegen stört sich an Nafisis menschelnder Art, die die "persische Tragödie wie in Watte", in einen "Bausch von Belanglosigkeiten" packe. Sehr beeindruckt sind taz und FR von dem Buch "Despoten vor Europas Haustür" (bestellen), in dem die beiden tunesischen Menschenrechtler Sihem Bensedrine und Omar Mestiri schildern, wie die Europäische Union im Zuge ihrer Einwanderungs- und Sicherheitspolitik die autoritären Regimes in Nordafrika stabilisiert - auf Kosten der Opposition und der Menschenrechte.
FAZ und taz konnten sich auf dieses Buch sofort einigen: Extrem lesenswert finden beide "Konsumrebellen" (bestellen), in dem Joseph Heath und Andrew Potter die vermeintlich antikapitalistischen Gegenkulturen entzaubern. All die Hippies, Punks, Attac-Anhänger und Möchtegern-Dissidenten, so die These der beiden kanadischen Autoren, nützen dem kapitalistischen System mehr als jeder konformistische Facharbeiter in seinem Reihenhaus. Denn zur eigenen Erneuerung braucht der Markt Differenz und attraktive Gegenkulturen. Auf Interesse ist auch Georg Franck mit seinem Buch "Mentaler Kapitalismus" (bestellen) gestoßen, allerdings auch auf Skepsis. In seiner politischen Ökonomie der Aufmerksamkeit bestimmt die erfahrene Beachtung den Wert eines Produktes und den Reichtum von Personen. Die taz hat viele "hübsche Beobachtungen" zur Rolle der Medien in dem Buch gefunden, die FAZ haben Francks Überlegungen zur Wissenschaft beeindruckt.
Romane und Erzählungen / Lyrik, Reportagen, Erinnerungen / Politische Bücher / Sachbücher
Archiv: Bücher der Saison
Bücherherbst 2011
28.11.2011. Liegt's am Hype des Deutschen Buchpreises oder ist die deutsche Literatur tatsächlich so in Form? Jedenfalls dominierte sie in den Buchmessenbeilagen. Außerdem begegnen wir Michelangelo in Konstantinopel, selbstmöderischen Käfern in Bukarest und Dandys in Stockholm. Wer etwas belebenden Optimismus tanken will, vertiefe sich in Steven Pinkers "Gewalt". Eva Illouz' Analyse des Liebesmarktes ist eher was für Hartgesottene. Und, tja, wer die Geschichte des Computers besser verstehen will, sollte die Steve Jobs-Biografie von Walter Isaacson durchaus lesen!
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Bücherfrühjahr 2011
11.04.2011. Literatur ist, wenn es ungemütlich und doch herrlich ist. Den Literaten gelang es in dieser Saison am besten in Erzählungen, an erster Stelle Clemens J. Setz in "Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes". Große Romane sind in dieser Saison Mangelware. Dafür gibt's gute Reportagen, Erinnerungsbücher und viel böse Philosophen.
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Bücherherbst 2010
15.11.2010. Dieser Bücherherbst war stärker von politischen Büchern geprägt als von literarischen. Stichwort: Sarrazin und Auswärtiges Amt. Dabei gibt es eine Fülle literarischer Neuerscheinungen, die politische Themen aufgreifen. Das gilt in hohem Maße für die argentinischen Romane, aber auch zum Beispiel für Ian McEwans "Solar", eine Komödie über den Klimawandel, oder Sofi Oksanens Roman "Fegefeuer" über die estnischen Traumata. Mehr lesen
Frühjahr 2010
06.04.2010. In den Frühjahrsromanen sehen wir die unheimliche Welt mit den Augen einer Horde Kinder, beobachten Liebende in Teheran, lassen uns von Rosslyns Brüsten zu einem Reim inspirieren und begleiten einen Lehrer auf einer Höllenfahrt im Volvo. Unter den Sachbüchern stachen Daniel Everetts Buch über die Pirahas, "Das glücklichste Volk", heraus, Oliver Jens Schmitts Biografie des albanischen Nationalhelden Skanderbeg und Simon Sebag Montefiores farbenprächtiges Porträt des Fürsten Potemkin. Mehr lesen
Bücherherbst 2009
18.11.2009. Dies ist ein Literaturherbst! Man kann sich auf literarische Entdeckungsreise nach China begeben. Eine Vielzahl von gut besprochenen deutschen Romanen ist erschienen, allen voran Herta Müllers "Atemschaukel". Und in den Amerikas sind zwei fette Romane erschienen, die die Rezensenten euphorisiert und erschöpft haben. Viel Spaß beim Lesen!
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Bücherherbst 2008
04.12.2008. Dieser Winter bietet die Gelegenheit, sich auf literarische Entdeckungsreise in die Türkei zu begeben, oder sich von Uwe Tellkamps "Turm" in die Stadt Dresden vor der Wende zurückversetzen zu lassen. Reiche Ernte auch bei den Sachbüchern. Diskutieren Sie mit!
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Frühjahr 2008
22.04.2008. Okay, da sind die "Feuchtgebiete", da sind Jonathan Littells SS-Fantasien, da sind ein paar wackere deutsche Romane. Aber es gibt nur zwei Bücher, die auf einhelliges Echo der Kritiker stießen. Eins ist gut, das andere ist böse. Außerdem lasen die Kritiker herausragende Comics. Kroatien interessierte nicht alle, aber einige um so mehr. Ein Blick auf die Bücher des Frühjahrs 2008. Mehr lesen
Herbst 2007
26.11.2007. Dieser Literaturherbst gehört zwei russischen Schriftstellern: Wassili Grossman und Warlam Schalamow, deren Jahrhundertwerke endlich auf Deutsch erschienen sind. Einen respektablen Auftritt haben aber auch die deutschen Autoren der mittleren Generation, polnische Tunten, rumänische Manieristen, deutsche Romantiker, streitlustige Atheisten, neapolitanische Camorristi, katalanische Ritter und ein ungenierter Genussmensch. Mehr lesen
Frühjahr 2007
19.04.2007. Einen großen Auftritt haben in diesem Jahr die deutschen Erzähler und Erzählerinnen, und zwar quer durch alle Altersklassen. Wir begegnen verliebten Trollen in Schweden, erbarmungswürdigen Pechvögeln aus Dänemark, piemontesischen Schmugglern und abgestürzten bulgarischen Schriftstellern. Bei den Sachbüchern stechen vor allem die Reportagen und Essays zum Multikulturalismus von Ian Buruma und Amartya Sen hervor, aber auch Geschichtsbände zum Kalten Krieg und Preußen. Und die Kunst wird übersichtlich. Mehr lesen
Herbst 2006
10.11.2006. Absurde Komik aus der Ukraine und Gangsterbosse aus Bombay: Indien und Osteuropa retten die Literatur in dieser Saison. Die Erinnerungen großer Männer bestimmen die Presse, die Erinnerungen an den Ungarnaufstand 1956 berücken die Feuilletons. Das real existierende Sarmatien entzieht sich jeglicher Definition. Und noch vieles mehr in unseren Büchern der Saison. Mehr lesen
Frühjahr 2006
03.04.2006. Die deutschen Feuilletons haben die Fremden entdeckt - und das mit Macht. Die am häufigsten besprochenen literarischen Bücher beschäftigen sich mit einem Reisenden des 19. Jahrhunderts, türkischen Mädchen im Anatolien der Fünfziger, Jugendbanden in Leipzig oder global Sex suchenden serbischen Diplomatentöchtern. Im Sachbuchbereich hat vor allem Necla Keleks Untersuchung über die türkischen Männer in Deutschland heftige Diskussionen ausgelöst. Mehr lesen
Herbst 2005
14.11.2005. Die wichtigsten Romane der Saison handeln von Klonen. Die zweitwichtigsten von der Wende. Die wichtigsten Sachbücher handeln von Mao, von der Rückständigkeit Arabiens und vom Hass. Der Perlentaucher hat die Produktion der Saison durchgesehen und viel interessanten Stoff für lange Abende gefunden. Mehr lesen
Frühjahr 2005
06.04.2005. Erfahrung schlägt Jugend, zumindest in diesem belletristischen Frühling! Der Trend geht zum Zweitroman. Thomas Kling, zu früh verstorben, wird noch einmal für seinen letzten Gedichtband gefeiert. Der Zweite Weltkrieg beherrscht die Sachbücher, aber auch die Idee von einem Leben ohne Arbeit. Wir haben dagegen keine Mühen gescheut, gesichtet und gesiebt, und die besten Neuerscheinungen des Frühlings ausgewählt. Mehr lesen
Herbst 2004
01.11.2004. Terezia Mora, Antje Ravic Strubel, Juli Zeh, Brigitte Kronauer und Irina Liebmann: Dies ist eindeutig der Herbst der deutschen Autorinnen! Es ist auch ein Herbst monumentaler Biografien und des Buchmessenschwerpunkts "Arabische Welt". Wir stellen wir Ihnen die interessantesten Neuerscheinungen des Literaturherbstes vor. Mehr lesen
Frühjahr 2004
09.04.2004. Franziska Gerstenberg und Dorota Maslowska brachten die Kritik fast zum Weinen (vor Glück!). A. L. Kennedy weiß, wie sich ein Mörderwal fühlt, der einen Brief öffnen will. Dies ist ein großer literarischer Frühling. Wir haben die besten Bücher ausgesucht. Mehr lesen





