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zuletzt aktualisiert 04.09.2010, 22.19 Uhr

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Im Ententeich: Redaktionsblog

Das Behagen an der Unkultur

Von Thierry Chervel, 18.01.2010, 14:01

Henryk Broder ist ein Riese! Ganz allein ist er in der Mehrheit gegenüber all den kleinen Feuilletons. Die tapfere kleinere Minderheit aus Freitag, taz, Zeit, Süddeutsche, FAZ und FAS hat in den letzten Wochen ihren ganzen Mut zusammengenommen, um hinter dem anarchistischen Witz Broders den dunkel schimmernden "Fundamentalismus der Aufklärung" bloßzulegen. In einer ganzen Flut von Artikeln zurren sie ihn fest und pieken ihn, wie das Zwergenvölkchen bei Swift. Broder, schrieb Thomas Assheuer in der Zeit, "gibt sich stets Mühe, lustig zu schreiben, aber er meint es bitterernst". Das ist der Unterschied: Seine Gegner sind nicht mal lustig.

Es begann schon mit dem Klimagipfel in Kopenhagen, der die taz über Climategate und "Achse des Blöden" stöhnen ließ. Es kulminierte nach dem Schweizer Minarettverbot (seitdem ist Broder für den Freitag ein Rechtspopulist, mehr hier). Und es ging weiter nach dem Mordanschlag auf Westergaard. Held der Helden ist seit neuestem Claudius Seidl: Er versprach in der FAZ am Sonntag hoch und heilig, sein Leben hinzugeben, falls Henryk B. und seine fundamentalistischen Konsorten den muslimischen Frauen das Recht aufs Kopftuch erfolgreich streitig machen sollten. Zugegeben: Das ist unwahrscheinlich, aber wer weiß - am Ende sind die "Fundamentalisten der Aufklärung" zu Selbstmordattentaten fähig! Für das Recht, kein Kopftuch zu tragen, wollte Seidl sein Leben vorerst nicht in die Waagschale werfen.
 
Damit toppte der FAS-Feuilletonchef den SZ-Feuilletonchef Andrian Kreye, der auf die Gefahr hin, als unpopulär zu gelten, den Mut aufbrachte, die Mohammed-Karikatur Kurt Westergaards ein für alle mal als nicht verteidigenswert fallen zu lassen. "Wer beleidigt, muss auch zugestehen, dass der Beleidigte beleidigt ist", teilte er an die Adresse Westergaards mit. Nach einer derart überzeugenden Intervention dürfte sich der Personenschutz für Westergaard kaum noch rechtfertigen lassen! Damit bekräftigte Kreye die Position der FAZ, der SZ und all der anderen Zeitungen, die ihre eigenen Leser nur per Hörensagen über die Karikaturen infomierten. Es sind ja immer diejenigen, die die islamistische Gefahr klein reden, die zugleich zu feige sind, die Karikaturen abzudrucken.

In diesem historischen Versagen einer Öffentlichkeit, die nicht mehr an ihre Fundamente glaubt, mag einer der Gründe für die unerhörte Massivität der Attacken gegen Broder und all die anderen "Fundamentalisten der Aufklärung" liegen. Schuldbewusstsein schweißt zusammen. Der Karikaturenstreit war eine Zäsur in der Geschichte der Medien. Er war zwar noch von einer Zeitung ausgelöst worden, aber die allermeisten anderen Zeitungen dieser Welt – und auch die allermeisten Fernsehanstalten – nahmen den Impuls nicht mehr auf. Sie zensierten die Zeichnungen mit wenigen Ausnahmen. Sie nannten sie plump (oder "albern", wie Thomas Steinfeld, mehr hier), um behaupten zu können, dass sich eine Veröffentlichung nicht lohne. Eine Kapitulation. Die Zeitungsleser informierten sich anderweitig. Eine einfache Google-Suche reichte aus. Seit dem Karikaturenstreit ist das Internet die eigentliche Öffentlichkeit, allen Wehmutsseufzern Habermas' zum Trotz. In den Zeitungen ließ die Affäre einen blinden Fleck. Und der breitet sich aus und pocht und arbeitet wie stets schon das schlechte Gewissen.

Immer saurer wird die Gouvernantenprosa (so Reinhard Mohr bei spiegel.de) unserer Verwalter der demokratischen Öffentlichkeit. Die Feuilletons sind zu Schutz- und Ausweichräumen eines immer mehr zum Pfäffischen tendierenden juste milieu geworden, das sich von den eigenen Traditionen der Kritik und des Witzes längst abgeschnitten hat. Klassisch liberale, aufklärerische Positionen lassen sich in praktisch keinem einzigen Feuilleton der Republik mehr artikulieren. Man erinnert sich an Zeiten, in denen Autoren wie Henryk Broder oder Ulrike Ackermann noch in der taz publizieren konnten, damals stand dort eine Fraktion der Realos gegen eine Fraktion der Fundis. Heute sind die Fundis weich gespült - und warten in sämtlichen Feuilletons auf die Rente. In den von ihnen entworfenen Feindbildern hat der Riese Broder meist zwei Frauen im Schlepptau, Ayaan Hirsi Ali und Necla Kelek.

Mag sein, dass sie das eigentliche Ziel der Feuilletonisten sind und dass man sie nur in männlicher Begleitung attackieren will. Dissidentinnen des Islams gelten ihnen als "rechts", als nützliche Idiotinnen von Populisten und Nazis. Der Ehrentitel der Feministin wird ihnen aberkannt. In einer obszönen Volte zieht die Berliner Professorin Birgit Rommelspacher, Trägerin der Louise-Schroeder-Medaille des Abgeordnetenhauses Berlin, in der taz eine Linie von Necla Kelek und Seyran Ates zu den Nazis. "Der Einsatz für Frauenrechte und der Kampf um Hegemonie sind nicht per se Antagonismen", doziert sie. Unter den Nazis zum Beispiel habe es antisemitische Feministinnen gegeben. Rommelspacher wirft Kelek und Ates vor, die Kultur des Islam für die Unterdrückung von Frauen verantwortlich zu machen, um im gleichen Atemzug zu erklären, dass das Christentum die Frauen doch auch unterdrücke. Ja, was denn nun? Der von Pascal Bruckner diagnostizierte "Rassismus der Antirassisten" offenbart in solchen Argumentation seine dümmste Fratze.

Im Artikelschwall der letzten Wochen haben die Feuilletonisten versucht, zwei Begriffe in Deutschland endgültig durchzusetzen, über deren Herkommen sie nicht informieren: den "Fundamentalismus der Aufklärung" und die "Islamophobie".
 
Natürlich gibt es antiislamische Affekte. Alles was fremd ist und seine Fremdheit in deutlichen Symbolen zeigt, kann auch Ressentiments auf sich ziehen. Der Bart des Sikh, die Schläfenlocken des Juden, das Kopftuch der Muslimin: Hass sucht Rechtfertigung. Der Mörder Marwa El-Sherbinis hatte genug Vorurteile über den Islam parat, um hier seine Argumente zu finden. Allerdings sind solche Zeichen austauschbar. Wäre sein Opfer eine Schwarze gewesen, dann hätte ihm die Hautfarbe als Argument gedient. Selbstverständlich muss man sich dagegen zur Wehr setzen. Der Mord an Marwa El-Sherbini war aber gerade auch den Zeitungen, die sich jetzt so sehr vor einer "Islamophobie" fürchten, zunächst nur eine Kurzmeldung wert, bis Demonstranten in Ägypten eine ausführlichere Berichterstattung erzwangen. Auch Angela Merkel hat nicht reagiert: Sie hätte den Ehemann von Marwa El-Sherbini besuchen müssen, um deutlich zu machen, dass Ausländerhass in Deutschland nicht geduldet wird.

Seit wann spricht man eigentlich von "Islamophobie"? Seit wann hat sich der Begriff im Westen durchgesetzt? Gibt es eine allgemeine Tendenz zur Diskriminierung und Dämonisierung des Islams? Sind wir schon so weit, dass wir Polizisten vor Moscheen postieren müssen, um sie zu schützen? Oder ist nicht der früher gebrauchte Begriff der Fremdenfeindlichkeit nach wie vor angemessener, um Phänomene der Diskriminierung und Gewalt zu beschreiben? Die Welle ausländerfeindlicher Gewalt nach dem Mauerfall, gegen die Politik und Medien seinerzeit spät genug aufstanden, hätte sich nicht unter dem Begriff der Islamophobie fassen lassen: Sie richtete sich gegen Vietnamesen ebenso wie gegen Türken. Seitdem verstellt der Begriff der Islamophobie den Blick auf andere Formen der Diskriminierung. Die Muslime – das heißt, die selbsternannten Sprecher der Muslime – schreien halt am lautesten.
 
Sie haben mächtige Lobbys, die anders als die berühmte "Israel-Lobby" kein Raunen in deutschen Redaktionsstuben auslösen: Saudi Arabien, den Iran, die Organisation islamischer Staaten, ja, und eigentlich auch den UN-Menschenrechtsrat, der lange Zeit von islamischen Ländern und ihren Partnern dominiert wurde und der es fertig brachte, eine Antirassismuskonferenz der UN von einem Holocaustleugner eröffnen zu lassen. Im April war's – sein Name ist Mahmud Achmadinedschad.
 
Der von unseren Toleranzpredigern ohne jede Reflexion gehandhabte Begriff der "Islamophobie" ist in erster Linie ein Kampfbegriff der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC), die seit dem Karikaturenstreit Monats- und Jahresberichte über islamophobe Vorfälle in der westlichen Welt vorlegt – wohlgemerkt: ausschließlich in der westlichen Welt. Von der Verfolgung der Tschetschenen oder der Uiguren ist im letzten Bericht zum Beispiel mit keinem Wort die Rede, denn Russland und China sind strategische Verbündete der islamischen Staaten bei Abstimmungen in der UNO, wo die islamischen Staaten ihren Krieg der Kulturen mit Vorliebe führen. China und Russland stimmten zusammen mit anderen honorigen Mitgliedern der Vereinten Nationen wie Uganda oder Simbabwe für eine UN-Resolution gegen "Diffamierung von Religionen", die als einzige Religion den Islam explizit erwähnt (mehr hier).
 
Der Begriff der Islamophobie dient den 57 Ländern der Organisation – darunter lupenreine Demokratien wie der Iran, Saudi-Arabien, der Sudan - vor allem dazu, einen Gegenbegriff zum Begriff der Menschenrechte zu entwickeln, dessen Anspruch auf Universalität und zugleich Konzentration auf das Individuum sie zutiefst irritiert. Der Menschenrechtsbegriff der OIC ist dagegen religiös kodiert: Die "Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam" (mehr hier) von 1990 erklärt ausdrücklich die Scharia zu seiner unüberschreitbaren Grundlage. Von den westlichen Ländern wird hierfür Respekt gefordert – die UN, die Durban-Konferenz und ihre Nachfolgekonferenz in Genf und die Resolution gegen die Diffamierung von Religionen gehören zu den Hebeln dieser Machtpolitik der Begriffe.

Der Respekt des Westens soll sich, wie es in den Islamophobie-Berichten heißt, durch einen "verantwortungsvollen Umgang mit der Meinungsfreiheit" artikulieren. Die Demokratien haben längst geliefert: Gunnar Herrmann freut sich zum Beispiel in einem SZ-Artikel über den aktuellen Stand der Karikaturendebatte in Dänemark, dass viele Dänen ihren Respekt für religiöse Gefühle bekennen: "So ein Verhalten wird heute zwar als Selbstzensur bezeichnet, früher aber nannte man es Taktgefühl." Der Verzicht auf den Abdruck der Karikaturen in einem Buch über den Karikaturenstreit, der Verzicht auf Gregor Schneiders schwarzen Würfel vor dem Hamburger Bahnhof in Berlin: All das sind Akte eines "verantwortungsvollen Umgangs mit der Meinungsfreiheit". Und unsere Qualitätsmedien sind heute oft die prominentesten Unterstützer religiöser Vorzensur.

Da sie diese Vorzensur im Fall der Karikaturen selbst ausübten, können die Zeitungen sie nun bei anderen Institutionen kaum mehr glaubhaft kritisieren. Auffällig ist darum, dass viele Fälle solcher Vorzensur, wie etwa der Verzicht des Metropolitan Museums auf historische Mohammed-Abbildungen in der Ausstellung seiner islamischen Sammlung, in vielen Zeitungen allenfalls noch als Kurzmeldung kursieren. Sie sind für diese Medien nicht mehr thematisierbar.
 
Die "Fundamentalisten der Aufklärung" sind darum perfekte Ersatzobjekte für Leitartikler, um sich überhaupt noch in Positur werfen zu können. Die Öffentlichkeit wird dadurch öde, weil die Gegenposition in den meisten dieser Medien gar nicht mehr zugelassen wird. So dankbar man sein muss, dass die Öffentlichkeit nicht mehr der Filter von "Qualitätsmedien" wie den Feuilletons der FAZ und der SZ bedarf: Die Artikel der Thomas Steinfelds, Claudius Seidls, Thomas Assheuers und Andrian Kreyes sind ja doch Chefsache. Sie markieren ein weithin abgestecktes Terrain. Steinfeld münzt es auf die Gegenseite und beschreibt doch sich selbst: "Absolut selbstgerecht schauen die Kulturkämpfer auf sich selbst, und was ihnen entgegentritt, das wird geächtet. Der Debatte tut das nicht gut", schreibt er in der SZ. Als würde nicht er selbst die Debatte organisieren, und als hätten die Keleks und Broders, die in der SZ in kurzer Zeit mehrmals angegriffen wurden, in dieser Zeitung je noch die Chance auf Erwiderung!

Und so kommt es, dass ausgerechnet diejenigen, die permanent die Differenzierung zwischen Islam und Islamismus fordern, den Witz der Kritik als Hasspredigt verteufeln.
 
Wie mürbe sind eigentlich die Hirne von Intellektuellen, die die Konsequenzen aus einer politischen Setzung wie dem Begriff der "Islamophobie" vorauseilend selbst ziehen: Ausgerechnet der Antisemitismusforscher Wolfgang Benz sieht in der SZ, die sich zum Zentralorgan der Kritikophobie gemausert hat, eine Parallele zwischen "Islamophobie" und dem Antisemitismus. In einer Antwort auf seinen Kollegen Benz schreibt Julius Schoeps im österreichischen Portal juedische.at (warum eigentlich nicht in der SZ?): "Wo, frage ich mich, sind in diesem Vergleichskonzept die 'parallelen Wahnvorstellungen', gemäß denen Muslime 'aus rituellen Gründen' Kinder töten, Brunnen vergiften, Kulturen und Völker zerstören, den Ärmsten de Welt das letzte Hemd nehmen oder wahlweise blutige Revolutionen anzetteln? Wo ist der muslimische Alfred Dreyfus, dem in Europa öffentlich die Epauletten abgerissen werden? Wer unterstellt (gemäßigten) Muslimen hierzulande den Plan von der großen Weltverschwörung?"

Die Opferkonkurrenz dürfte das treibende Motiv hinter der Konstruktion sein. Sie zielt auf das schlechte Gewissen der einzigen Gesellschaftsform, die den Selbstzweifel instituiert hat: der Demokratien. Man beneidet die Juden um den Holocaust und baut sich selber einen zurecht: Sieht der Gaza-Streifen nicht eins a aus wie das Warschauer Getto? In die gleiche Richtung zielt der postkoloniale Diskurs, der den arabischen und afrikanischen Anteil aus der Geschichte der Sklaverei herauskürzt, um den Demokratien eine weitere Exklusivschuld aufzuhalsen. Was macht es schon, dass in Darfur Nachfahren von Sklavenhändlern, die stolz darauf sind, Nachfahren von Sklavenvölkern zerstückeln und verbrennen? Der Sudan ist ja Mitglied der OIC.
 
Pascal Bruckner hatte es schon in seinem Artikel zur Durban-Konferenz (auf Deutsch im Perlentaucher) gesagt: "Der Antirassismus ist in der UNO zur Ideologie der totalitären Bewegungen geworden, die ihn für ihre Zwecke benutzen. Diktaturen oder notorische Halbdiktaturen (Libyen, Pakistan, Iran, Saudi Arabien, Algerien; Kuba, Venezuela und so weiter) bemächtigen sich einer demokratischen Sprache und instrumentalisieren juristische Standards, um sie gegen die Demokratien in Stellung zu bringen und sich selbst niemals in Frage zu stellen."

Der andere Begriff, der sich neben der "Islamophobie" wie ein Pilz in die Hirne der Wohlmeinenden gefressen hat, ist der des "Fundamentalismus der Aufklärung". Er ist jetzt sozusagen offiziell: Gustav Seibt nennt die Logik der Gegner des von ihm gepriesenen Religionsfriedens in der SZ "fundamentalistisch" (mehr hier). Thomas Assheuer findet in der Zeit, dass die Argumente der Säkularisten "eine fundamentalistische Schlagseite" haben, für Steinfeld ist es in der SZ ohnehin sonnenklar: Kelek, Hirsi Ali und Broder sind "unsere Hassprediger". Damit hat er die drei dann endgültig Osama bin Laden und Mullah Omar zur Seite gestellt.

Wer so leichthin mit dieser Vokabel operiert, der sollte sich allerdings erinnern, wem sie zunächst zu Herzen ging: Mohammed Bouyeri rammte sie Theo van Gogh, nachdem er ihm mehrere Schüsse in den Leib gejagt und die Kehle aufgeschlitzt hatte, mit dem Messer in die Brust: "Ich weiß, oh Fundamentalisten des Unglaubens, ihr werdet untergehen." In diesen Worten kulminierte das von Bouyeri derart expedierte Bekennerschreiben. Eine ganze Fraktion westlicher Intellektueller betrachtet dieses Schreiben seither als Einladung zum Dialog der Kulturen.

Die Rede vom Fundamentalismus der Aufklärung (oder wahlweise des Unglaubens oder der Menschenrechte) mag vorher schon hier und dort kursiert haben, nun war sie als Argumentationsfigur geprägt. Sie begegnet dem Leser in dem Buch Ian Burumas über den Mord an van Gogh. Timothy Garton Ash griff sie in einem Essay über das Buch und den Islam in Europa im allgemeinen auf und machte sie zur feststehenden Wendung: Ayaan Hirsi Ali sei eine "etwas schlicht argumentierende Fundamentalistin der Aufklärung", diagnostizierte er in einer fast unbewussten Appropriation des Infamen, und klopfte es dann noch mal fest: Bouyeri habe "nicht völlig falsch" gelegen, "als er als seinen europäischen Hauptfeind den 'Fundamentalismus des Unglaubens'" ausmachte.

Garton Ash hat sich nach einer Diskussion mit Hirsi Ali von dem Begriff distanziert: "Ich möchte betonen, dass ich seitdem den Begriff 'Fundamentalist der Aufklärung' längst aufgegeben habe, denn er führt zu dem Missverständnis, dass eine Symmetrie zum 'islamischen Fundamentalisten' gemeint sein könnte", schreibt er in einer Fußnote in seinem neuesten Buch, wo er seinen Essay aus der New York Review of Books wiederveröffentlicht hat. Aber der Begriff ließ sich nicht wieder zurückholen. Kaum hatte Garton Ash ihn fallen gelassen, eilte John Gray, der andere populäre politische Denker in Großbritannien, herbei, um ihn wieder aufzurichten. "Garton Ash mag zögern, den Begriff des Fundamentalismus der Aufklärung zu verwenden, weil dieser Begriff nahe legt, dass wir in einen unbeherrschbaren Konflikt abdriften. Aber genau diese Gefahr eines Clashs der Fundamentalismen ist real", schrieb er in seiner Kritik des 400-seitigen Buches, in der er ausschließlich auf diese zehnzeilige Anmerkung einging.

Genau jene Intellektuellen, die an diesem Begriff festhalten, scheinen also überzeugt zu sein, dass wir uns in einem "Kampf der Kulturen" befinden - sonst hätte ja die Konstruktion einer Symmetrie der Begriffe gar keinen Sinn. Zumindest unsere kurz denkenden Leitartikler verwickeln sich hier aber in einen Widerspruch, denn sie hören ja andererseits nicht auf, die Gefahr, die vom Islamismus ausgeht, kleinzureden. Oder glauben sie, dass "unsere Hassprediger" Kelek und Broder für den 11. September verantwortlich sind?

Fundamentalismus ist per se irrational, so etwas wie einen "Fundamentalismus der Aufklärung" kann es also eigentlich gar nicht geben. Was Steinfeld, Assheuer und Kreye den Aufklärern Hirsi Ali, Kelek oder Broder vorwerfen, ist eigentlich, dass sie so etwas wie einen "Fundamentalismus des Unglaubens" predigten - ganz wie auch Bouyeri es meinte. Sie behaupten, Hirsi Ali verlangte von den Muslimen, dass sie ihrem Glauben abschwören, wenn sie im Westen leben wollen. Thomas Assheuer biegt es sich in der Zeit so hin, bis es passt: Nach Argumentation der "leidgeprüften Hirsi Ali" müsse "die Religion, die keine ist, aufgeklärt und, so darf man ergänzen, zum Verschwinden gebracht werden" oder "Weil der Islam für Hirsi Ali das 'ganz Andere' der säkularen Vernunft ist, darf es nur ein Entweder oder geben: Die Muslime müssten eine 'Wahl treffen zwischen den Werten der Länder, in die sie gekommen sind, und den Werten der Länder, die sie verlassen haben'. Muslime, heißt dies, müssen ihrer Religion abschwören." Es ist Unterstellung. Hirsi Ali verlangt nur von den Muslimen, wie von allen Gläubigen, jene Toleranz, die auch ihnen erwiesen wird. Ein "Abschwören" verlangt sie nirgends.

Aufklärung setzt ja überhaupt erst den Rahmen, der eine Koexistenz von Religionen möglich macht. Der von Gustav Seibt besungene Religionsfriede war zunächst ein Frieden gegen die Religionen - gegen ihren entfesselten Totalitätsanspruch -, bevor er zum Frieden mit den Religionen wurde. Wahr wird Religion allerdings im Religionsfrieden noch nicht, weil hier der einzelne Gläubige immer noch unter Kuratell seiner Priester steht. Wahr wird sie erst im persönlichen Bekenntnis, also dann, wenn ein Gläubiger auch die Freiheit hat, sich von seiner Religion zu lösen, ohne mit Sanktionen rechnen zu müssen. Also in einer aufgeklärten, säkularisierten Gesellschaft, die den Totalitätsanspruch der Religionen in Schach hält.

Die heikle Relativität der Religionen erreicht Aufklärung, weil sie selber darauf verzichtet, letzte Wahrheiten auszusprechen - und das ist der wahre Grund, warum sie nicht fundamentalistisch sein kann. Fundamentalistisch wäre Aufklärung allenfalls, wenn sie ihren Relativismus absolut setzte, also in einem Denken des "anything goes" und "nothing matters".

Thomas Steinfeld liefert in seinem Artikel ein krasses Beispiel für eine derartige Selbstabdankung der demokratischen Öffentlichkeit. Kelek und Broder wirft er vor, mit den westlichen Werten so kämpferisch umzugehen wie der radikale Islam mit seinen heiligen Schriften (soso: Wann haben sie denn zuletzt zum Mord aufgerufen?) Wer an die Werte der Aufklärung glaubt, so der Dialektiker, verhält sich schon "wie der, den man sich zum Feind erkoren hat". Schon klar: Der Feuilletonchef der Süddeutschen Zeitung glaubt jedenfalls nicht dran.

Totaler Relativismus: So gesehen wären also Autoren wie Thomas Steinfeld, der den Begriff der westlichen Werte nur in Anführungszeichen anfasst, oder Andrian Kreye, der die Aufklärung als judäo-christliche Folklore abtut, die eigentlichen Fundamentalisten der Aufklärung. Aber man scheut dann wieder vor dem Begriff zurück. Zu unfest ist ihr Diskurs, innerlich zu morsch.

Thierry Chervel


twitter.com/chervel



28 Kommentare, kommentieren

Stichwörter: Ayaan Hirsi Ali, Feuilleton, Henryk Broder, Islam, Karikaturenstreit, Necla Kelek, Seyran Ates

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Leserkommentare (28)

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Monaco

02.03.2010 um 16:30:16 Uhr

Kürzlich hat der Soziologieprofessor Achim Bühl zehn klare Parallelen zwischen der aktuellen Islamophobie und dem Antisemitismus aufgezeigt: Die Seite, um die Sie und Ihre Anhänger einen großen Bogen machen müssen, befindet sich unter der URL http://www.akweb.de/ak_s/ak547/01.htm.

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Hans Egge

03.02.2010 um 21:20:26 Uhr

Sehr geehrter Herr Chervel,
dies war ein ganz ausgezeichneter Text zum Thema. Ein Schritt zur Verhinderung des "geistigen Selbstmordes", den Monika Maron vorausgesagt hat.
Herzlichen Dank.

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Thomas Eppinger

27.01.2010 um 12:18:15 Uhr

Lieber Thierry Chervel,

auch wenn eigentlich schon alles gesagt ist, auch von dieser Stelle noch einmal danke für diesen Kommentar! Und weil wir schon dabei sind noch ein umfassendes DANKE für den gesamten großartigen Perlentaucher!

Beste Grüße aus Österreich,
Thomas Eppinger

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Naivling

25.01.2010 um 12:11:45 Uhr

An Juwelier,
Danke für Ihre pointierte Kritik. Ich teile Ihre Haltung und finde im Gegensatz zu den eleganten Formulierungen aber luftigen Aussagen eines Thierry Chervels endlich einmal substanzielle Argumente in Ihrem Kommentar. Ich bin auch zutiefst schockiert über die Gehässigkeit, Hysterie und Grobschlächtigkeit, die ich in vielen Kommentaren und Blogs der „selbstgerechten anti-islami(sti)schen Aufklärer“ herausstechen sehe. Mit Verlaub Monsieur Chervel und Sympathisanten, mit einem „anarchistischen Witz“ haben diese vermeintlich „kritischen“ Beiträge so ziemlich gar nichts zu tun. Dafür sind sie auch viel zu ernst in ihren Konsequenzen. Ich greife aber die Frage von Gottfried gerne auf: „Auf welcher Insel der Glückseligen leben Sie eigentlich“, Juwelier? Anscheinend in einer, in der man nicht das manichäische Weltbild eines ‚Wir gegen Die’ praktiziert und kultiviert; in einer Welt, in der man keine manische Angst vor ‚Parallelgesellschaften’ hat; in einer Welt, in der ‚steigende Geburtenraten’ Anlass zur Freude sind und nicht als Armeen der Unterwanderung begriffen werden, in einer Welt, in der Moscheebauten nicht an vorgeschobenen Parkplatzproblemen scheitern sollen; also in einer Welt, die nicht durchdungen ist mit allgegenwärtiger latenter Xenophobie. Ich bin glücklich und dankbar dafür, dass die hier so kritisierten feigen Feuilletonisten diese Welt noch hochhalten, auch wenn Ihnen der Wind gehörig ins Gesicht bläst. Ich stehe hinter euch. Vive le Communitarisme!

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h diethelm

24.01.2010 um 18:55:44 Uhr

Wie morsch der Diskurs des feuilletonistischen Wächterrats ist, lässt sich auch am Widerspruch, der ihm in den Kommentarseiten zu den Artikeln entgegenschallt, entnehmen. Von Zustimmung zu den intellektuellen Salto mortale ist nicht viel zu lesen.

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Gottfried

24.01.2010 um 14:59:02 Uhr

"Juwelier"

Auf welcher Insel der Glückseligen leben Sie denn eigentlich? Wenn es Begehrlichkeiten seitens der Muslime gibt, die Scharia wenigstens teilweise in Europa zu installieren, was in GB bereits gelungen ist, wenn Künstler, Journalisten, Politiker unter Polizeischutz gestellt werden müssen, sofern sie noch nicht auf offener Strasse massakriert wurden, wie Theo Van Gogh, wenn mittlerweile Professoren bedroht werden, weil sie sich islamkritisch zu äußern gewagt hatten, wenn nichtmuslimische Jugendliche in Deutschen und europäischen Schulen zu "Freiwild" für Muslime erklärt werden, wenn Karikaturisten die Tür via Axt eingedroschen wird und Muslime ungehindert ihre religiösen, beleidigenden, gewaltverherrlichenden Unappetitlichkeiten verbreiten dürfen- dann gibt es tatsächlich noch Leute, die in all dem kein wachsendes Problem sehen! Solch Leute sind entweder dumm, naiv, linke Gutmenschen oder Muslime. Zu welcher Gattung zählen Sie sich?

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Thierry Chervel

24.01.2010 um 12:58:58 Uhr

@Bernd Dahlenburg.

Lieber Bernd,

stimmt! Es gibt eine ganze Menge Blogs, von Lizas Welt bis zu Deinem Blog Castollux, die im Netz eine neue Öffentlichkeit haben entstehen lassen und Standpunkte ermöglichen, die in den Mainstrammedien, naja, sagen wir: minoritär sind, obwohl sie sich absolut im demokratischen Spektrum bewegen. Eigentlich muss man fast schon feststellen, dass es so etwas wie ein gespaltene Öffentlichkeit gibt, dass über bestimmte Themen besser und tiefer im Netz diskutiert wird als in den traditionellen Medien. Islam ist eines der Beispiele. Ein anderes ist der Medienwandel selbst, der den Journalismus und die Öffentlichkeit zutiefst verändert. Es mag sein, dass die Schärfe der Interventionen in den traditionellen Medien auch mit dem Phantomschwmerz zu tun hat, der durch die verlorene Torwächterfunktion zu tun hat.

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h diethelm

24.01.2010 um 09:58:03 Uhr

Vielen Dank für die treffende Analyse.

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lumert

23.01.2010 um 22:36:17 Uhr

Wohltuend, dass solch ein Artikel zu lesen ist. Fundiert, engagiert und ohne plumpe Polemik, einfach klug und treffend.

@Juwelier: Abmeldung vom Schwimmunterricht etc.:

konkreter Tipp: Fragen Sie mal am Konrad-Adenauer-Gymnasium in Bonn Bad-Godesberg nach, wie viele muslimische Kinder vom Schwimmunterricht abgemeldet werden, nicht an den Klassenfahrten in Klasse 5 und 8 teilnehmen usw.

Grüße

lumert

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Bernd Dahlenburg

23.01.2010 um 16:55:26 Uhr

Lieber Thierry,

du schreibst:

"Henryk Broder ist ein Riese! Ganz allein ist er in der Mehrheit gegenüber all den kleinen Feuilletons."

========
Na ja, so ganz allein war er ja nun auch wieder nicht. Wir Blogger haben auch unseren Beitrag dazu geleistet, nur mit dem Unterschied, dass wir die Feuilletons nicht erreichen.

Deinen Artikel werde ich noch eine Weile bei meinen Tagestipps stehen lassen, weil er wirklich Klasse hat.

Grüße
Bernd

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Gottfried

22.01.2010 um 22:09:11 Uhr

Ich finde es sehr erstaunlich, dass genau diejenigen, die sich stets jedwede autoritäre Strömung von staatlicher oder kirchlicher Seite verbitten, um Verständnis für solcherlei Begehrlichkeiten werben, sobald diese von einer religiösen Ideologe ausgehen, die nicht nur das Leben der Muslime bis ins Schlafzimmer hinein reglementieren und kontrollieren möchte und bei Zuwiderhandlung mit drakonischen Strafen aufzuwarten weiß, derlei Art man aus dem europäischen Mittelalter kennt! Offenbar muß man der "wahren" Religion angehören, um rassistisch, faschistisch und cheauvinistisch sein zu dürfen und dafür noch Boni zu erhalten!

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EinFragender

22.01.2010 um 15:30:08 Uhr

Das ironische daran ist ja das man die Gegner der berechtigten Islamkritik die Islamkritik gerne mit Islamophobie, Rassismus, Antisemitismus gleichsetzen wollen und dabei als "Täter" meistens Henryk Broder und Ayaan Hirsi Ali und Necla Kelek meinen. Man meint auch irgendwelche christlichen Absichten entdecken zu können.
Ich würde den Damen und Herren die das tun gerne anraten sich mit der Biographie der "Täter" zu beschäftigen. Warum? Weil Henryk Broder eigentlich Jude ist und Ayaan Hirsi Ali und Necla Kelek Muslimas. Also ein jüdischer Antisemit und zwei Islamophobe Muslimas?

Mal ehrlich, seit Wikipedia kann das jeder selber herausbekommen. Auch die "Gegner der berechtigten Islamkritik", die doch meistens so tun als würden sie über ein wenig Bildung verfügen.

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Eddy Meyer

21.01.2010 um 21:29:38 Uhr

Eine Punktlandung, Herr Chervel;
mutig noch dazu, zieht das Veröffentlichen derartiger Tatsachen ohne Ausnahme die gesellschaftliche Ächtung durch das Establishment nach sich.
Deutschland 2000+: Offensichtlich ist es tatsächlich ein Eckpfeiler Deutschen Wesens, lustvoll in einer- wie auch immer gearteten- Gesinnungsdiktatur zu verharren.
Ein weiterer fundamentaler Wesenszug unserer Bevölkerung ist das sture Negieren, Wegducken, Dummstellen, Schönreden, Verharmlosen, Tatsachenverdrehen usw. von gefährlichen Entwicklungen, wann immer wir Deutschen mit Mächtigen konfrontiert werden, die ihre Peitschen auspacken und uns in die angestrebte Richtung prügeln, dem Pöbel zeigen, daß sie es hier und jetzt mit ihren Forderungen ernst meinen. Deutsche zerreden nicht nur die Hiebe, nein- sie biedern sich noch ihren Peinigern an, suchen deren Nähe in der Hoffnung weniger Schläge abzubekommen und vor allem wühlen sie in Argumenten, daß all dies was gerade mit ihnen geschieht im gewaltigen Räderwerk der Geschichte des Menschs- Seins schon seine Richtigkeit habe.
Widerwärtiger Masochismus. Aber wehe, wenn diese Kriecherei sich in´s Gegenteil verkehrt, dann detoniert der Michel, dann gilt nur noch die Parole von der verbrannten Erde. Churchill hat- wie so oft- auch hier wieder den Nagel auf den Kopf getroffen:"Die Deutschen hast du entweder zu deinen Füßen oder an deinem Hals." Von Anfang an mutig auf Augenhöhe - das war hierzulande schon immer undenkbar.

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René_Artois

21.01.2010 um 11:30:58 Uhr

Vielen Dank, Thierry Chervel, für diesen Parforceritt wider die Riege der dem Ministerium für Wahrheit untertanen Feuilletonschreiber. Es ist gut, daß dank Internet deren Informationsoligopol gebrochen ist.

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Thorsten Kettwig

20.01.2010 um 10:22:52 Uhr

Ein Kommentar, der wahrhaftig gut tut. Ich habe mir in der letzten Zeit ernsthafte Sorgen gemacht um den Zustand in den deutschen Feuilletons. Was dort passiert, erinnert an die Selbstaufgabe der freiheitlichen Werte in Europa. Anscheinend hat dort jeder vergessen, dass es genau diese Werte sind, aufgrund derer in den Feuilletons überhaupt das geäußert werden darf, was dort steht.

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Juwelier

20.01.2010 um 09:21:11 Uhr

Lieber Thierry Chervel,

bei allem Respekt für Ihre sonstige Arbeit: Das ist eine ganz schön dreiste Nummer, die Sie hier abziehen.

Zunächst einmal bin ich erstaunt, wie sehr Sie in Ihrem Beitrag auf die Tränendrüse drücken und die "Islamkritiker" als verfolgte Opfer verkaufen wollen. Da sind die Herren Broder & Co. bekannt dafür, Ihre Kritiker (etwa Sabine Schiffer) nur mit den übelsten rufschädigenden Beschimpfungen, Unterstellungen und Beleidigungen anzugehen, in der Regel unter dem zustimmenden Gejohle ihrer Unterstützer auf Politically Incorrect und ähnlichen Blogs. Trotz solcher Methoden werden Broder und Anhang von einer Talkshow in die andere gereicht, können von SPIEGEL bis WELT überall ihre Artikel platzieren, werden mit Preisen geehrt und erreichen eine Massenauflage. Jetzt äußert sich erstmals eine Handvoll von Kritikern ebenfalls in der Massenpresse zu Wort und schon sind die "Islamkritiker" dermaßen beleidigt und inszenieren sich als Opfer, wie sie es sonst nur den Muslimen unterstellen. Das ist schon bemerkenswert.

Des weiteren zitieren Sie hier die rhetorische Frage von Julius Schoeps, wo es bei den Islamophoben vergleichbare Wahnvorstellungen zu den Antisemiten gebe, lassen aber den Kommentarbereich zu schließen, so dass man hier, anders als etwa auf der "Achse des Guten", auf rhetorische Fragen Antworten geben kann. Diese Parallelen gibt es etwa

- wenn Henryk M. Broder und Ulrike Ackermann das Gerücht verbreiten, in britischen Banken dürften aus Rücksichtnahme auf Muslime keine Sparschweine mehr aufgestellt werden, was sich später als Ente herausstellt,

- wenn Udo Ulfkotte behauptet, wegen des Drucks von Muslimen müssten in Österreich Gipfelkreuze abgeschafft und durch Halbmonde ersetzt werden und hinter dieser Forderung in Wahrheit eine satirische Wiener Künstlergruppe mit dem Namen "Haben wir denn keine anderen Sorgen?" steckt,

- wenn derselbe Ulfkotte behauptet, Muslime würden in Metzgereien auf die Fleischauslagen spucken, weil diese nicht halal seien, und die deutsche Fleischerinnung in Wahrheit nichts von solchen Vorfällen weiß,

- wenn Broder immer wieder mit Sprüchen hausieren geht wie "Es sind zwar nicht alle Muslime Terroristen aber fast alle Terroristen Muslime" und im Europol-Jahresbericht dann von hunderten terroristischer Akte nur einer einen muslimischen Hintergrund aufweist,

- wenn von einem "Geburtendjihad" die Rede ist, also aufgrund häufigerer Geburten in muslimischen Familien Deutschland immer mehr "zugemuselt" werde, seriöse Quellen aber belegen, dass sich die Geburtenzahlen der Muslime und Nicht-Muslime längst aneinander angeglichen haben,

- wenn in den Massenmedien so getan wird, als gäbe es deutschlandweit Probleme, weil Muslime ihre Kinder vom gemeinsamen Schwimm-, sport- und Sexualkundeunterricht abmeldeten, "Die Zeit" dann nachrecherchiert und trotz aller mühe auf keinen einzigen belegbaren Fall stößt

- wenn eine Website wie politblogger.net eine eigene Rubrik über ständige, aufhetzende Falschmeldungen auf Politically Incorrect anlegt, die sich inzwischen dem dreistelligen Bereich nähert und daraufhin der Politblogger durch eine Hacker-Attacke ausgeschaltet werden soll, damit solche Aufklärung nicht länger stattfinden kann,

Das alles sind nur einige wenige Beispiele für eine immense Bandbreite aufhetzender Falschinformation. Ich könnte seitenweise weitere Beispiele liefern, habe aber heute noch etwas anderes vor. Auch Stefan Niggemeiers BILDblog hat schon einige solcher Fälle aufgedeckt. (Seitdem wird Niggemeier von Broder mit Inbrunst öffentlich angehasst, aber da ist er nur einer von vielen.) Noch vor wenigen Wochen geisterte die Meldung durchs Netz, auf Rücksicht auf Muslime dürfe in Alpenländern nicht mehr "Grüß Gott" gesagt werden. Eine weitere Falschmeldung, was sonst? Geglaubt von zahllosen "Islamkritikern" - was sonst?

Verächtlich gemachte Kritiker der Islamkritik, beispielsweise Sabine Schiffer und Dietmar Näher, erhalten in dieser aufgeheizten Atmosphäre mittlerweile Gewalt- und Morddrohungen. Rechtsradikale Parteien wie die NPD haben inzwischen beschlossen, das Thema "Angst vor dem Islam" als Türöffner für eine genrelle Hatz auf Ausländer zu benutzen. Den roten Teppich dafür ausgerollt haben ihn Broders Sprüche wie "Der Unterschied zwischen Islam und Islamismus ist so groß wie der zwischen Terror und Terrorismus". Und da soll man sich wundern, wenn für viele Muslime als verkappte Terroristen gelten? Gemeinsam mit der Islamophobie steigt auch der Antisemitismus in allen Umfragen an.

Lieber Thierry Chervel, merken Sie eigentlich noch, was hier abgeht? Lesen Sie nur die Choräle Ihrer Gesinnungsgenossen oder auch einmal Bücher mit Gegenpositionen wie etwa den von Thorsten Gerald Scneider herausgegebenen hervorragenden Band "Islamfeindlichkeit. Wenn die Grenzen der Kritik verschimmen" oder Sokolowskys nicht minder erhellendes "Feindbild Moslem"? Offenbar nicht, so sehr sie in Ihrem Artikel aus allen Wolken zu fallen scheinen, nachdem sich jetzt unverschämterweise auch die Islamkritiker Kritik gefallen lassen müssen. Herr Chervel, Sie können sich doch nicht beständig die Augen und Ohre zuhalten und "Wir sind die Guten! Wir sind die Guuhuuhuuuten!" vor sich hin singen, um Ihre Wahrnehmung hochbedenklicher Entwicklungen auszuschalten. Es ist kein dummer Zufall, dass Broder inzwischen das Titelbild der "Jungen Freiheit" zierte, die sich vor Lobpreisungen gar nicht mehr einkriegen konnte. Nein, Sie sind nicht "die Guten", und wenn sich Ihre Mitstreiter von der "Achse" zehnmal selbst so bezeichnen. Das könnten Sie vielleicht werden, wenn Broder sich bei allen, die er im Laufe der Jahre auf unfairste Weise niedergemacht hat entschuldigen und sich von seinen Unterstützern auf rechtsradikalen Blogs wie "Politically Incorrect" klar distanzieren würde, statt zu bekunden, tja, da könne man halt unterschiedlicher Meinung sein. Täte Broder das aber, würden die Verkaufszahlen seiner Bücher massiv einbrechen. Und das scheint immer noch das ausschlaggebende Kriterium zu sein. Mit persönlicher Integrität hat dieses Vorgehen wenig zu tun.

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mariam

19.01.2010 um 22:36:00 Uhr

sehr guter beitrag! ein aspekt, der mir noch ein bißchen fehlt: das bürgerliche juste milieu auf christlich-abendländischem untergrund, das die deutschen feuilletonfritzen zu ihren angriffen gegen die "anderen" beflügelt, und was ein zufall: juden, muslime!!!

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ta ta ta

19.01.2010 um 16:02:21 Uhr

Danke für den sehr treffenden Artikel!
Wenn sich die Rommelspachers, Steinfelds, Benz, Kreyes & co durchsetzen - was bleibt dann noch von Gedanken- und Meinungsfreiheit? Bekommen wir dann einen Wächterrat (dem die genannten dann sicher gerne angehören), der - in enger Absprache mit saudischen Imamen - definiert, was hierzulande noch geht und was nicht?
Wie kann es sein, dass Geisteswissenschaftler solche früher für unverzichtbar gehaltenen Errungenschaften wie Meinungsfreiheit, Recht auf Kritik und Selbstbestimmung heute auf dem Altar der Anbiederung opfern, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken?
Reaktionär und antidemokratisch bedeutet heute eben längst nicht mehr automatisch rechtsradikal - die Versuche der oben genannten Autoren, Kritk an religiösem Totalitarismus mit teilweise bizarren Unterstellungen mundtot zu machen, beweisen das sehr eindrücklich.
Die Fronten zwischen Demokratiebewußtsein und antidemokratischen Gesinnungen verlaufen längst nicht mehr so überschaubar, wie es noch war, als Frau Rommelspacher das letzte Mal vor die Tür gegangen ist (also vermutlich in den 80ern).
Dumm nur, wenn man sich als Wissenschaftler, als Forscher, als vermeintlich aufgeklärter Geist dann plötzlich auf der falschen Seite wiederfindet.
Vermutlich sind die diversen überkorrekten Profi-Islamverteidiger auch viel zu beschäftigt, um etwa einen weiteren Dammbruch zu komentieren: das Museum Of Modern Art wird mutmaßlich (klammheimlich während einer Umbauphase) in panischem, vorauseilenden Gehorsam alle Mohammed-Darstellungen aus seiner Sammlung entfernen. Ein Menetekel für kommende Anmaßungen, nicht nur von islamischer Seite. Wann meldet eigentlich der Vatikan seine Forderungen an, wann Nationalisten?

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Reptilienfonds

19.01.2010 um 14:50:48 Uhr

Da ich ja hier direkt angesprochen werde, möchte ich doch etwas erwidern:
http://blogs.taz.de/reptilienfonds/2010/01/19/climategate_und_die_achse_des_bloeden_8_thierry_chervel_sieht_rot/

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Pete_Jackson

19.01.2010 um 14:27:08 Uhr

Ich finde den Kommentar sehr zutreffend und für mich war er überhaupt erst Anlass, mich als Nutzer zu registrieren. Damit kompensieren ich die Lücke der wütenden User, die nun nie wiederkehren wollen...

Danke für die Übersicht und den Kommentar. Ich möchte noch einen Unterschied festmachen zwischen Assheuer und den übrigen oben genannten, denn er scheut sich vor der Verurteilung zurück und erscheint mir mehr als nachdenklicher Beobachter. Tatsächlich steigt auch mir Unbehagen auf bei mancher Überspitzung von Broder & Consorten, dennoch ist jede Gleichsetzung mit Fundamentalisten (und auch mit einer "fundementalistischen Schlagseite") aus meiner Sicht schlicht böse. Die Emotionen kochen hoch, sie kochen über. Und Chervel hat den richtigen Grund erkannt: Broder ist der Riese, anders (durch Sachlichkeit) ist er offenbar nicht zu Fall zu bringen. Traurig.

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sibiuaner

19.01.2010 um 13:27:01 Uhr

Sehr detaillierte Sammlung an Argumenten, warum Verbrechen im Namen des Islam eine Bedrohung darstellen. Aber darum geht es doch am wenigsten - warum wird nicht darauf eingegangen, ob es Sinn macht, eine Gruppe kollektiv nach irgendwelchen Merkmalen zu behandeln? Ständig beruft man sich auf den Muslim an sich, den Islam an sich. Diese Debatte entspricht genau den Interessen autoritärer Geistesführer und Diktatoren: Sie als alleinige Repräsentanten einer Religion oder "Weltanschauung" anzuerkennen. Weil sie angeblich in deren Namen sprechen.

Schade, dass diese Logik der Kollektiv-Beurteilung bei Perlentaucher nun auch zu finden ist, statt das eigentliche Problem zu thematisieren. Dass es hier nun darum geht, zu kommentieren, wann wer wen einen Fundamentalisten nennen kann und warum und wann nicht und warum nicht.

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Walter Bachauer

19.01.2010 um 13:09:21 Uhr

"Thomas Steinfeld liefert in seinem Artikel ein krasses Beispiel für eine derartige Selbstabdankung der demokratischen Öffentlichkeit."

Ist das der neue oder vielmehr alte Stil
der Diffamierung Andersdenkender in
Deutschland?

Sind die sogenannten "Vordenker" nicht
mehr in der Lage, auch Zwischentöne in
die Diskussion einzubringen?

Ist das der späte Triumph von Bush junior:
wer nicht mit mir "kämpft", ist mein Feind?

Ich bin sehr enttäuscht, auf welchem Niveau
diese Debatte hier geführt wird.

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Technik Perlentaucher

19.01.2010 um 12:57:31 Uhr

@Anja A: Sie haben uns tatsächlich einen grossen Schrecken eingejagt. Dank Ihnen konnte ich das bis jetzt unbekannte Problem jedoch lokalisieren und beheben. Entschuldigen Sie, dass wir Ihren Text entfernen mussten.

Besten Gruß,
PS

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stevelumpen stevelumpen

19.01.2010 um 12:49:01 Uhr

noch mal zu broder:

ein großer stänkerer, ohne frage: hatte mal seine verdienste, als es gegen nazis und kapitalisten ging, dann ging es gegen seine linke freunde, jetzt müffelt er gegen den islam, sitzt in talkshows und hält karikaturenplakate,winkt mit ami-fahnen usw. kurz zusammengefasst: ein alter starrköpfiger mann, der sich in nichts von seinen alten maoisten-kumpels,zeugenjehovas und missionsislamisten unterscheidet und nationalen volksverstehern

diese haltung scheint auf chervel abgefärbt zu haben. meine güte: wenn interessieren diese scheiss karikaturen eigentlich? und ja: sie sind blöd gezeichnet und absolut irrelevant und wen herr chavel hofft, für sein minderheiten-bashing irgendwann den heinrich-heine preis zu bekommen, ja dann... er kriegt höchstens den börne-preis von der welt-und bild-clique um die achse des guten verliehen...mit dem absoluten mainstream, dem springer-verlag im bunde, so zu tun, als ob man eine minderheiten-meinung vertritt, ist grotesk.

und ohne einen simplizistischen historischen vergleich zu befürworten: mit dem gleichen aufklärungsfuror wurden im 19. jahrhundert die armen ostjuden bedacht, denen die deutschen bürger ihre köpfe abschneiden wollten, um aufgeklärte draufzusetzen. man hielt sie für verstockt, unmodisch und beschwerte sich über ihre archaischen rituale

keine grüsse an die grabenkämpfer der aufklärung

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ruelfig

19.01.2010 um 11:11:30 Uhr

Hervorragend zusammengestellt und geschrieben. Diesem Artikel ist weitste Verbreitung zu wünschen.

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Zagreus

19.01.2010 um 11:11:00 Uhr

@ Thierry Chervelt

Ich möchte mich hiermit bei Ihnen für diesen guten und vor allem die Sache auf den Punkt bringenden Artikel bedanken!
Einen 'Fundamentalismus der Aufklärung' würde ich zumindest aber durhcaus als existent bezeichnen, nämlich als metapher einer Positioon eines menschen, für den die durch die Aufklärung propagierten Rechte in ihrer heutigen Ausprägung, nämlich die menschenrechte und für uns in Deutschland die Werte des grundgesetzes, nicht verhandeltbar sind, sondern für alle menschen gleichermaßen gelten als auch einzufordern sind.
Insoweit könnte man es als metaphorisch "Fundamentalistisch" oder auch im Wortsinn "Radikal" bezeichnen, wenn wir nicht die über sehr viel Blut errungenden Werte über Bord werfen nur aus Angst, Menschen, die diese Werte ablehnen, z. b. aus ihrer Weltsicht (Religion/Ideologie) heraus, verletzen zu können, wenn wir *zu sehr* (geht das überhaupt?) darauf dringen, dass sie diese anerkennen, respektieren und einhalten.
Um so mehr erstaunt dabei die Haltung mancher Feulletonisten, bei denen man den Eindruck nur schwerlich unterdrücken kann, als ob diese in einer Art gelangweilten Übersättigung sich nach einer neuen Autokratie sehnen würden. (Nichteuropäische) Religionen, primär der Islam, bekommen dabei eine Art mythische Erhabenheit zugebilligt, der sie per se als sacro sanct erscheinen läßt ohne das dabei darauf reflektiert wird, daß Religionen erst einmal Weltanschauungen wie Ideologien auch sind, die vor allem primär das Verhältnis des Gläubigen zur Welt und, hier vor allem, der Gläubigen untereinander und zu Menschen außerhalb dieser Gruppe, regulieren.
Man bekommt den Eindruck, dass diese feulletonchefs selbst überzeugte Religionsanhänger sind, die an eine gottgegebene Seele, einem von Gott erwünschten Idealzustand und an gottgefälliges Verhalten glauben würden, aus denen sie die conditio humana des Menschen jenseits jeder historischen Erfahrung bestimmen könnten und auch würden.

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Anja A

19.01.2010 um 11:04:33 Uhr

Nachdem mein erster Kommentar offenbar kommentarlos gelöscht wurde, weil er eigenartigerweise zu Unrecht von "Anja Seeliger" zu stammen schien, nochmal von vorne:

Ich kann mich dem Kommentar von Steve nur anschließen. Der Perlentaucher verliert sein seriöeses Gewicht, und die tägliche Feuilletonschau lese ich genau deswegen kaum noch.

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stevelumpen stevelumpen

19.01.2010 um 10:02:20 Uhr

Es ist müßig, das geschwätz von chervel zu kommentieren, der ja nun schon seit monaten herumbrodert. die frage ist nur, ob perlentaucher, der richtige ort dafür ist. statt objektiv-informativer zusammenfassung der feuilletons und magazine stolpert man ständig über meinungsmachende kommentare, die alles, was nicht ihrer eigenen neo-liberalen und chauvinistischen abendlandideologie (unter deren dach sich ab den späten 40ern auch die ganzen kack-nazis versammelt haben) entspricht, durch den kakao ziehen. linke blogs werden gar nicht behandelt, die wasserstandsmeldungen der broder-clique werden hingegen täglich verzapft.
gleiches gilt für die englische presse usw... man kann fast hoffen, dass die zeitungen dem taucher den saft abdrehen, dann kann chervel ja eine abendlandideologische sonderschau der welt und achse des guten betreiben, die er dann in "notstandsberichte aus dem untergehenden abendland" umtaufen kann.

best wishes
steve

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Archiv: Presseschauen

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Wir verblöden weiter

03.09.2010. Wolf Wagners Studie "Tatort Universität" - Alles auf Aha-Erlebnis: Abschied vom Nachkriegskonsens? oder Worum es in der Sarrazin-Debatte geht - Aus einer anderen Zeit: Die Veröffentlichungsgeschichte des DEFA-Films "Die Taube auf dem Dach" - Urheberrecht: Ein Massenphänomen - Ifa-Trends 2010: Anschluss verloren - Jonathan Franzen: Der Autor, das Epos und der Hype + Die Links der verwehenden Woche. Mehr lesen

Karikaturen und Cartoons

03.09.2010. Puzzlespiele. Mehr lesen

Ich mag einen kräftigen Downbeat

31.08.2010. Im Guardian erklärt John Gray, warum es genügt, Tariq Ramadan zu tolerieren statt zu respektieren. Das Magazin liest den neuen Roman von Bret Easton Ellis. Der New Yorker wendet sich ab vom Originalitätsdünkel. In El Pais Semanal feiert Wole Soyinka die befreienden Auswirkungen der Globalisierung. Magyar Narancs hält nichts vom französischen Burkaverbot. Die New York Times ruft: Hebe deine nördliche Hand und bewege dein südliches Bein ostwärts. Mehr lesen

Archiv: Bücher

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04.09.2010. Viele lesenswerte Rezensionen heute in der NZZ. Atemberaubend erscheint ihr der Roman "Fegefeuer" der jungen finnischen Autorin Sofi Oksanen über die Gräuel in Estland nach dem Krieg. Nüchtern und informativ ist die NZZ-Besprechung zu Thilo Sarrazin. Spannend die Auseinandersetzung mit dem Romancier und Tagebuchautor Sandor Marai. Und faszinierend die Neuübersetzung von William Gaddis' Roman "JR". Die FAZ bringt die erste Besprechung von Jonathan Franzens "Freiheit'": Simply ein Must.
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Hannah Arendt, Gershom Scholem: Der Briefwechsel

30.08.2010. Von 1939 bis 1964 führten Hannah Arendt und Gershom Scholem einen intensiven Briefwechsel, in dem sie sich über jüdische Geschichte und jüdisches Selbstverständnis auseinandersetzten. Lesen Sie hier Auszüge aus der Korrespondenz, in denen es um Walter Benjamins Tod und Hannah Arendts Bericht "Eichmann in Jerusalem" geht. Mehr lesen

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26.08.2010. Louise Welsh zeichnet in ihrem Krimi "Das Alphabet der Knochen" ein wenig charmantes Bild vom Universitätskader. Selbst Kindermörder sehen besser aus. Jedediah Berry pflanzt uns das "Handbuch der Detektive" ins Unterbewusstsein. Mehr lesen

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15.07.2010. Die Entscheidung des BGH im Prozess FAZ und SZ gegen Perlentaucher wurde auf den 30. September verschoben. Mehr lesen

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