Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Perlentaucher-Autoren
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Außer Atem: Das Berlinaleblog
Nur Geduld: Jean-Claude Caissys 'La Belle Visite'
Von Ekkehard Knörer, 17.02.2010, 14:18
Kein Grand Hotel, aber ein Ex-Motel Abgrund ist das Altersheim, das Jean-Claude Caissy in seinem Dokumentarfilmdebüt "La Belle Visite" porträtiert. Der Abgrund, an dem es steht, ist so tief nicht, der Blick, den man hat, geht sehr großzügig sogar ins Weite, hinaus aufs Meer. Im Sommer können die Bewohner des Heims direkt vor ihrer Tür sitzen, die Sonne im Gesicht, nichts als den Ozean zwischen sich und dem, was hinterm Horizont kommt. Im Film ist allerdings das Wetter die meiste Zeit schlecht. Und so richtig Augen für Naturschönheiten haben die hier lebenden Menschen, dies der Eindruck, den Caissys Film vermittelt, ohnehin nicht. 
Früh im Film eine Einstellung, die mich auf einen Schlag vom Können des Regisseurs überzeugt. Eine alte Frau betritt schweren und langsamen Schritts einen Gang. Sie schlurft, die Kamera folgt ihr. Sie schlurft weiter, die Kamera folgt ihr weiter. So lange eben, wie es für diese alte Frau dauert, den Gang hinunterzuschlurfen. Dann setzt sie sich, da hält die Kamera inne. Diese Einstellung ist eine Setzung: unmittelbare Verwandlung eines realen Vorgangs in eine diesem angemessene Beobachtungsform. Geduld, sagt der Film, ich mache hier nicht zu früh einen Schnitt. Wer sich für diese alten Menschen Film interessieren will, braucht Geduld. Und: Ich habe Geduld und verlange sie auch von dir. Ich werde, verspricht mir der Film mit dieser Einstellung, im weiteren Verlauf bemüht sein, für Unspektakuläres angemessene Bilder zu finden. Ein Versprechen, das Caissy dann auch hält.
Pünktlich und zur selben Zeit jeden Tag öffnet sich die Ziehharmonikawand, die den Frühstücksraum von einem Vorraum mit Stuhlreihen trennt. Die Bewohner sitzen immer schon da. Die Kamera konstatiert das. Die Wand öffnet sich, sie bewegen sich, so schnell ihnen jeweils möglich ist. Daneben gibt es, wiederkehrend, zum Beispiel das Bingo-Spiel. Andere Szenen: Untersuchungen, Schlurfen, Herumsitzen, Small Talk. Ereignisse, in Rituale überführt und damit schon längst keine Ereignisse mehr: so sieht ein beträchtlicher Teil dieses Lebens, dieses Nachlebens aus. Und Caissy enthält sich klug jeden Kommentars, der durch die von ihm nach allen Regeln fortgeschrittener Dokumentarfilmkunst komponierten Bilder dieses Lebens nicht gedeckt wäre.
Jean-Francois Caissy: "La belle visite". Dokumentarfilm. Kanada, 2009, 80 Minuten (Forum, Vorführtermine)
0 Kommentare
Stichwörter:
17. Februar 2010, altersheim, forum 2010, jean-francois caissy, kanada, la belle visite
Blogroll
- sennhausers filmblog
- the auteurs notebook
- epdFilm Berlinaleblog
- festivalblog
- film und kritik
- new filmkritik
- critic.de: berlinale im dialog
- cargo
- some dirty laundry
- filmtagebuch
Blogtags
11. februar 2010, 11. september 2001, 12. februar 2010, 13. februar 2010, 14. februar 2010, 15. februar 2010, 16. februar 2010, 17. februar 2010, 19. februar 2010, 3d, a dream of iron, a somewhat gentle man, a woman, a gun and a noodle shop, abschlusstext, actionfilm, afghanistan, afrika, al qaida, albanien, alexander mindadze, alexei popogrebsky, alkohol, allen ginsberg, altersheim, an einem samstag, andreas baader, andres veiel, angela schanelec, animationsfilm, anime, anna fenchenko, arbeitskultur, argentinien, Art History, asghar farhadi, auf der suche, auschwitz-prozesse, bal, bankraub, banksy, bären 2011, bela tarr, belgien, ben kingsley, ben stiller, benjamin heisenberg, benoit jacquot, berlin, berlin, panorama 2010, Berlinale 2010, berlinale 2011, berlinale special 2012, berlinale-jury 2010, berliner schule, bernward vesper, blood simple, blutrache, bollywood, boris jelzin, bosnien-herzegowina, brasilien, bromance, burhan qurbani, burkina faso, caterpillar, Cave of Forgotten Dreams, chauvet-höhlen, cheonggyecheon, china, christian petzold, christoph hochhäusler, christoph terhechte, come rain, come shine, constantin popescu, coriolanus, dänemark, dante lam, ddr, dear oyongjang, debra granik, der preis, der räuber, der tag des spatzen, deutschland, deutschland: drittes reich, diane krüger, dies und das, dieter kosslick, dogma, dokumentarfilm, dokumentarfilme, dominik graf, dreileben, ehre, el premio, elke hauck, entwicklungshilfe, erika und ulrich gregor, eröffnungsartikel, espoir voyage, ethan coen, exit through the gift shop, familie, fernsehen, film noir, fin, florin serban, folter, forum 2010, forum 2011, forum 2012, frankreich, französische revolution, fritz bauer, gangster, generation 14plus 2010, gentlemen broncos, Goldene Bären 2010, greenberg, greta gerwig, großbritannien, guantanamo, gudrund ensslin, hanna schygulla, hans peter molland, heaven's story, heist-movie, hiroyuki tanaka, hoffnung, hommage 2010, homosexualität, hongkong, how i ended this summer, howl, i'm in trouble!, if i want to whistle, i whistle, ilona ziok, im schatten, Independent, indien, indiewood, irak, iran, islam, israel, jafar panahi, james franco, jan krüger, japan, jared hess, Jasmina Zbanic, jaume collet-serra, jean-francois caissy, jeff bridges, jeffrey friedman, jemen, jerzy skolimowski, Joe Swanberg, joel coen, joel und ethan coen, johann feindt, john wayne, jonathan sagall, jose padilha, joshua marston, kamera, kanada, kanikosen, kanun, karan johar, kawashima yuzo, kelvin kyung kun park, kernkraftwerk, kim sun, klaus lemke, koji wakamatsu, kommunismus, kunst, kurden, la belle visite, la demora, laura poitras, le depart, lea seydoux, lee tamahori, lee voon-ki, leonardo di caprio, Les contes de la nuit, Les Femmes du 6eme Etage, lisa cholodenko, luis sampieri, mad men, mamoru hosoda, marseille, martin scorsese, metin erksan, michail chodorkowski, michel ozelot, michel zongo, miranda july, misel maticevic, missing man, mohamed al-daradji, montevideo, Mumblecore, my name is khan, Na putu, nader and simin, nationalsozialismus, nenette, nicolas philibert, noah baumbach, nordkorea, norwegen, odem, oligarchen, orang-utan, orly, oskar roehler, our grand despair, ozarks, palästina, panaroma 2011, panorama 2010, panorama 2011, paula markovitch, perspektive deutsches kino 2011, philip scheffner, philippe le guay, pillow shot, pina, pina bausch, plein sud, polen, politisches kino, polizeifilm, portrait of the fighter as a young man, protest, pulp, queer cinema, r.w. fassbinder, raf, rafi pitts, ralph fiennes, reinhold vorschneider, retrospektive 2010, revolution, robert epstein, rodrigo moreno, rodrigo pla, roman polanski, roter teppich, rumänien, russland, sabu, schlafkrankheit, sebastien lifshitz, self referential traverse, semih kaplanoglu, sex, seyfi teoman, shah ruhk khan, shahada, shakespeare, shekarchi, shibuya minoru, shutter island, Silver Bullets, so goes my love, so sang-min, son of babylon, sona, the other myself, spanien, stop motion, street-art, submarino, südkorea, summer wars, taiwan, takahisa zeze, tamara trampe, tanz, thailand, thaksin, the forgiveness of blood, the future, the ghostwriter, the kids are all right, the lights of asakusa, the oath, the stool pigeon, the terrorists, the trio's engagement, the turin horse, thomas arslan, thomas vinterberg, thriller, thunska pansittivorakul, trash, trockener sommer, tropa de elite 2, true grit, tschernobyl, tuan yuan, türkei, Udai Hussein, ulrich köhler, un mundo misteroso, ungarn, unknown, unter kontrolle, uruguay, usa, utopians, versailles, videos, volker sattel, wanderarbeiter, wang quan'an, wer wenn nicht wir, werner herzog, western, wettbewerb, wettbewerb 2010, wettbewerb 2011, wettbewerb 2012, wiegenlieder, wim wenders, winter's bone, wladimir putin, yang yong-hi, yasujiro shimazu, zbigniew bzymek, zeitgeist and engagement, zhang yimou








