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zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 21.04 Uhr

Bücherschau der Woche

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Virtualienmarkt

Schon Reis gegessen?

Von Rüdiger Wischenbart

21.04.2009. Am Donnerstag ist Welttag des Buchs - und eine europäische Untersuchung zeigt, dass der Buchmarkt vielfältiger ist als angenommen.

Zur London Book Fair in diesen Tagen hat ein Verbund mit Buchmarkt-Fachmagazinen aus sieben europäischen Ländern (Deutschland, Frankreich, Italien, Niederlande, Schweden, Spanien, Vereinigtes Königreich), erstmals eine "europäische" Bestsellerliste für den Zeitraum der letzten 12 Monate berechnet. Die Ergebnisse widersprechen allen Sonntagsreden von der Homogenisierung der Kultur, der Eroberung der Bestsellerlisten durch englischsprachige Teufel. Selbst die extrem erfolgreichen und flächendeckenden Vampir-Stories der Stephenie Meyer werden da rasch als Ausnahme von der Regel deutlich, so wie Harry Potter davor.

Die Regel ist, dass von den vierzig erfolgreichsten Autoren der letzten zwölf Monate in Europa ganze 13 auf Englisch schreiben - und dies schließt eine Irin sowie die auf englisch schreibenden Autoren Khaled Hosseini aus Afghanistan und den Inder und Man Booker Preis Träger, Aravind Adiga, ein. Da ist, auf allen Ebenen, mehr Vielfalt als alle ideologischen Konzepte glauben machen wollen (mehr hier).

Die gute Nachricht ist, zum Welttag des Buches 2009 (mehr hier): Die Welt der Bücher, selbst im Herzen der europäischen Hauptmärkte, ist viel vielfältiger als man denken möchte. Kulturelle Diversität ist das Tagesgeschäft. Und auch im digitalen Geschäft sind die Möglichkeiten kaum erst angedacht, geschweige denn ausgeschöpft.

Die nicht so gute Nachricht ist: Vor lauter Ängsten und Klagen (Stichworte sind: Pirate Bay, Google, Open Access) scheint es oft, als wäre es wünschenswerter zu sterben, als um ein neues Leben zu kämpfen (aber genau solche seltsamen Schein-Konfrontationen sollten eher das Terrain von Stephenie-Meyer-Romanen als von Business Optionen sein).

Der realistische Ausblick ist indessen wohl (metaphorisch gesprochen) chinesisch:

- Man wünscht nur seinen Feinden, "interessante Zeiten zu durchleben", weil diese stets gefährlich und anstrengend sind;
- Man muss unangenehme Geschäftsentscheidungen fällen (beim Übersetzer-Seminar in Brüssel sagte ein Übersetzer: "Wenn Sie ihre Übersetzer nur mit Peanuts honorieren, dürfen sie sich nicht wundern, wenn die sich wie die Affen verhalten!")
- Es macht durchaus Sinn, einander mit der Formel zu begrüßen: "Haben Sie heute schon Reis gegessen?" Weil dies nicht mehr selbstverständlich ist.

Was das chinesische Exempel indessen nahe legt, ist ein zunehmend weiter Blick: Wer sich mit Büchern abgibt, sollte nicht mehr nur die Kreise der gebildeten Stände in deutschen Städten und ländlichen Zweitwohnsitzgebieten ins Auge fassen - sondern die ganze Welt, so groß und so unübersichtlich, wie sie sich uns darstellt.

Der EU Kommissionspräsident erzählte von seinem chinesischen Gesprächspartner unlängst, der ihm fröhlich versicherte: "Wir haben nun schon mehr Englisch Sprechende als im Rest der Welt!"

Rüdiger Wischenbart

PS: Spielverderberisch sei angemerkt, dass der "Welttag des Buches" an unterschiedlichen Orten dieser Welt ohnedies an unterschiedlichen Tagen und mit unterschiedlichen Bezügen begangen wird, wenn überhaupt. Aber ehrlich, ich zweifle, dass dieses Detail wirklich noch von Interesse ist.

Rüdiger Wischenbart

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