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Literaturbeilagen

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Vorgeblättert

Leseprobe zu Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Bd. 5. Teil 1

06.12.2012.

NORWEGEN

Der Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD berichtet dem Reichssicherheitshauptamt am 3. Juli 1941 über Angriffe auf Geschäfte von Juden(1)

Tagesrapport Nr. 2 (geheim) des BdS, gez. i.V. SS-Obersturmbannführer und Oberstleutnant der Polizei Fehlis, an das RSHA vom 3.7.1941


[…] (2)
6. Besondere Vorkommnisse.
In der Nacht zum 2.7.41 wurden in mehreren jüdischen Geschäften in Oslo Schaufensterscheiben eingeworfen. Die Täter wurden durch die norwegische Polizei bisher nicht ermittelt. Es unterliegt jedoch keinem Zweifel, daß die Handlung als Demonstration gegen jüdisch-kommunistische Kreise in Oslo gedacht ist und als Täter Hirdangehörige in Frage kommen dürften. Bereits am 27.6.41 sind 7 Schaufensterscheiben in einem jüdischen Geschäft in der Bogstadveien in Oslo zertrümmert worden. In einer Presseveröffentlichung vom 4.6.41 weist die Nasjonal Samling darauf hin, daß Einzelaktionen politischen Charakters verboten sind und die Parteileitung Parteiangehörige zur Verantwortung ziehen wird, die entgegen diesem Verbot Einzelaktionen ausführen. (3)


Der Pastor Arne Fjellbu schildert am 11. November 1941 in seinem Tagebuch die Verhaftung von Juden in Trondheim(4)

Tagebuch von Arne Fjellbu, Eintrag vom 11.11.1941


Weiteres über die Juden.
11. November. Studienrat Mendelsohn(5) war bei mir, um mich darüber zu informieren, dass die Staatspolizei zwei jüdische Geschäfte geschlossen hat und nazistische kommissarische Verwalter eingesetzt worden sind.(6)  Einer der Inhaber der Geschäfte, Abrahamsen, war mit seiner Familie nach Schweden geflohen, doch sowohl der alte Klein(7) als auch einer seiner Söhne sind verhaftet worden. Er hatte den starken Eindruck, dass die Judenverfolgungen nun in vollem Umfang einsetzen würden.(8) So gut wie alle Juden in Tromsø und Narvik befinden sich bereits hinter Schloss und Riegel.(9) Er war voll Unruhe, dass sein alter Vater(10) auch verhaftet werden könnte. Ich bat ihn, mich auf dem Laufenden zu halten. Am Samstag erhielt ich Nachricht, dass der alte Mendelsohn nun festgenommen worden ist, ebenso einer seiner Söhne.(11) Einem weiteren Sohn war es gelungen zu fliehen.(12) Der Lehrer befindet sich noch auf freiem Fuß. Im Laufe des Vormittags kam seine junge Frau zu mir.(13) Sie war blass, wirkte aber gefasst. Sie erzählte mir, sie habe sich lange darauf vorbereitet, dass auch ihnen etwas zustoßen könnte. Ihre Glaubensgenossen in Deutschland hätten ja nun schon seit fast neun Jahren leiden müssen. Es sei nicht so schlimm, wenn die Deutschen ihnen das meiste raubten, das sie besaßen, - wenn sie es nur erleben dürften, wieder als freie Menschen in einem freien Land zu leben. Es gebe ihr jedoch viel Kraft, dass nicht nur die Juden verfolgt würden, sondern sie in ihrem Leid mit ihren christlichen Freunden zusammenstünden. Ich sandte einen Bericht über die Lage der Juden an Berggrav.
Nach der Hochmesse am Sonntag kam Redakteur Torp(14) zu mir. Er hatte am Morgen per Reichstelefon aus Oslo die Nachricht erhalten, dass sein Schwager Rolf Lea(15) zusammen mit 11 weiteren Personen um 9 Uhr zum Tode verurteilt worden ist. Er bat mich, bei Berggrav anzurufen und ihn zu fragen, ob es ihm möglich sei, eine Begnadigung für Lea zu erwirken. Ich rief Berggrav um die Mittagszeit an. Aufgrund von Fliegeralarm war die Verbindung eine Stunde gesperrt. Er war bereits orientiert und wollte zusammen mit einem Anwalt sehen, was sich machen lasse.


NIEDERLANDE

P.D. Sondervan schildert am 26. Februar 1941 in ihrem Tagebuch ihre Eindrücke vom Februarstreik(16)

Handschriftl. Tagebuch von Petronella Diderika Sondervan,(17) Eintrag vom 26.2.1941


Ich glaube, dass jetzt ein neues Zeitalter in der niederländischen Geschichtsschreibung angebrochen ist, denn was gerade in Amsterdam passiert, übertrifft die schlimmsten Erwartungen. Oder sollte man es eine Wiederholung der Geschichte nennen?
Samstag oder Sonntag hat es begonnen. Da ist die Grüne Polizei ins Judenviertel gezogen und hat die Juden aus ihren Häusern gezerrt. Die Männer zwischen 20 und 35 wurden unter Misshandlungen auf Lastwagen geladen und abtransportiert. Wohin, weiß Gott allein. Man sagt, nach Castricum in die Konzentrationslager,(18) und von da aus zur Zwangsarbeit nach Deutschland.
Das schreibt sich so leicht hin, aber die Dinge, die sich dabei wohl abgespielt haben, müssen so menschenunwürdig gewesen sein, dass einigen aus dem Büro, die sie beobachten konnten, übel wurde davon. Sie sollen die Juden auf der Haarlstraat(19) barfuß haben marschieren und auf dem Waterlooplein eine Stunde knien lassen. Und die Misshandlungen. Sie wurden geschlagen und gestoßen, selbst jene, die sich gefügig zeigten. In anderen Fällen wurde der gesamte Hausrat zerstört, keine Tasse oder Untertasse blieb unversehrt.
Am Dienstag streikten in Amsterdam die Straßenbahn sowie die Stadtreinigung. Ihnen folgten zahlreiche Betriebe auf der gegenüberliegenden Seite des IJ,(20) Fokker und die Schiffsbaubetriebe sowie zahlreiche andere. Viele Geschäfte, wie De Bijenkorf, Hema und fast alle Geschäfte in der Ferd[inand] Bolstraat(21) blieben geschlossen. Alles aus Protest. Man sagt, dass die Arbeit nicht eher wiederaufgenommen würde, bis die Verfolgung der Juden aufhört. Zunächst fuhren auch die Fähren über das IJ nicht mehr, später haben sie ihren Betrieb wieder aufgenommen. Im Büro gab es auch einen Ansatz [zu streiken], es blieb allerdings beim Versuch, auch wenn er bereits ziemlich Form angenommen hatte.
Heute wurde gemeldet, dass es auf einigen Plätzen in Amsterdam zu Unruhen gekommen sei. Es soll mit Maschinengewehren geschossen worden sein, und Handgranaten seien geworfen worden. Die Streikenden und Passanten wollten die Straßenbahnen umkippen und die Fahrgäste, die drinsaßen, rausschmeißen (heute fuhren ab und zu wieder Straßenbahnen).
Man darf jetzt abends nach 7.30 Uhr nicht mehr aus dem Haus gehen und morgens nicht vor 8 Uhr.
In Haarlem und zu Hause(22) haben einige Betriebe die Arbeit niedergelegt. Morgen wird Utrecht streiken.
In den Zeitungen und im Radio kein Wort darüber, heute Abend nur die Nachricht, dass Streikende aus gewöhnlichen Betrieben mit zehn Jahren Gefängnis bestraft werden, solche aus Waffenfabriken mit der Kugel. Ich bin gespannt, wie und ob es weitergeht.


Der Leiter der Zentralstelle für jüdische Auswanderung beschreibt am 29. April 1942, wie entsetzt der Jüdische Rat auf die Einführung des Judensterns reagiert(23)

Bericht des BdS für die besetzten niederländischen Gebiete (IV B B.Nr. 1036/41), gez. Dr. Harster, Den Haag, an den Generalkommissar für Justiz und Verwaltung, Dr. Dr. Wimmer (Eing. 1.5.1942), Den Haag, vom 29.4.1942(24)


Betr.: Einführung des Judensterns.
Vorg.: -
Dem Judenrat wurde heute Nachmittag 16 Uhr eröffnet, daß er innerhalb der nächsten drei Tage die Kennzeichnung sämtlicher Juden mit dem Judenstern durchzuführen habe. Über die Einzelheiten dieses Vorgangs teilt der Leiter der Zentralstelle für jüdische Auswanderung  folgendes mit:
"Auftragsgemäß wurden am 29.4.42, um 16 Uhr die Vorsitzenden des jüdischen Rates, A.) Asscher - B.) Cohen zur Zentralstelle für jüdische Auswanderung bestellt. Durch SS-Hauptsturmführer Aus der Fünten wurde ihnen eröffnet, daß die Kennzeichnung (Judenstern) durchzuführen sei. Es wurde darauf hingewiesen, daß in der heutigen Abendpresse die Veröffentlichung erscheint und drei Tage nach der Bekanntgabe in Kraft tritt. Nach dieser Mitteilung waren Asscher sowie Cohen völlig sprachlos. Man hat scheinbar nicht mit dieser Maßnahme gerechnet. Dann erklärten sie, nämlich Asscher und Cohen, daß es keine angenehme Mitteilung für die Judenschaft sei, sie persönlich seien jedoch stolz darauf, den Stern zu tragen und würden somit Ehrenbürger der Niederlande. Weiter fragte Cohen, warum die Farbe des Sternes gerade gelb sei. Es sei ja die Farbe der Erniedrigung für das Judentum.(26) SS-Hauptsturmführer Aus der Fünten antwortete darauf, daß diese Farbe der Deutlichkeit halber gewählt worden sei und der Stern auch in Deutschland dieselbe Farbe habe. Dann wurden dem Judenrat die Sterne zur Verfügung gestellt (569 355 Stück).(27) Die Verteilung der Sterne wurde dem Judenrat übertragen, worauf dieser jedoch die Einwendung machte, die Durchführung innerhalb drei Tagen sei zu kurz. Es wurde darauf hingewiesen, daß dieser Termin unbedingt einzuhalten sei. Weiter wurde gefragt, ob seitens des Judenrats eine Veröffentlichung in der Tagespresse erscheinen dürfe. Dieses wurde abgelehnt. Nachdem Cohen äußerte, es sei doch eine furchtbare Maßnahme, sagte Asscher wörtlich: Es wird nicht lange dauern, ein-zwei Monate, bis der Krieg abgelaufen ist, und wir sind frei! Insgesamt kann gesagt werden, daß der Judenrat versuchte, scharf gegen die Einführung des Sterns zu protestieren. So äußerte sich Cohen wie folgt: 'Sie werden unsere Gefühle verstehen, Herr Hauptsturmführer, es ist ein schrecklicher Tag in der Geschichte der Juden in Holland!'"


BELGIEN

Edith Goldapper berichtet über ihre Flucht aus Belgien nach Frankreich in der zweiten Juniwoche 1940(28) 

Handschriftl. Tagebuch von Edith Goldapper,(29) Einträge vom 10.5.1940 bis Mitte Juni 1940


Jawohl, es ist der 10. Mai 1940, der Krieg in Belgien hat angefangen. So schrecklich das auch klingen mag, es ist Tatsache! Eine Panik herrscht bei uns.(30) Bei jedem Alarm, den man aus Ruisbroek oder Brüssel hört, stürzen wir in den Keller. In jeder Freizeit versuchen wir einen Schützengraben herzustellen. Auch der gelingt, und er wird von uns benützt. Mittlerweile versucht Frau Frank,(31) ob [es] nicht irgendwie eine Möglichkeit gäbe, dass wir flüchten könnten. Es ist der 14. Mai. Unsere Sachen müssen schnell gepackt sein, denn bald müssen wir am Bahnhof von Schaerbeek sein. Leider dürfen wir nicht mehr als zwei Aktenmappen mitnehmen. Gerade das Nötigste hinein und viel angezogen. Meine restlichen zwei Koffer stelle ich zum Teil gepackt wieder auf den Boden zurück. Mittlerweile ist es 4 Uhr nachmittags geworden. Alle stehen wir bewaffnet mit unserem spärlichen Gepäck am Haustor. Samt Mme. Frank und Mlle. Lea(32) sind wir ungefähr 35 Personen. Ach, es ist ein trauriger Anblick, wie wir alle zur Tram marschieren und von unserem geliebten Home Général Bernheim(33) Abschied nehmen müssen. In Anderlecht angekommen, gehen wir erst ins Jugendheim und holen die Jungens ab, deren Direktor Monsieur Gaspard Deway(34) ist. Mit denen zusammen ziehen wir nach Schaerbeek zu. In den Zug können wir erst um 11 Uhr nachts einsteigen, so müssen wir uns noch 5 Stunden auf dem vollgepfropften Bahnhof abquälen. Endlich bekommen wir Platz und zwar in einem herrlichen Viehwagen. Ein Waggon für die Jungens, ein anderer für uns. Langsam setzt sich der Zug in Bewegung. Wir fahren irgendwohin, ins Ungewisse, keine Ahnung, in welches Land! Von zu Hause haben wir genügend Proviant zum Essen mitgenommen, so daß wir diesbezüglich nichts zu befürchten haben. Außerdem gibt es überall in jeder Stadt, wo wir halten, gute Leute, die uns zu essen bringen. So sind wir schon 1½ Tage unterwegs, haben aber auch schon erfahren, daß wir nach Frankreich fahren. Toiletten gibt es in unserem herrlichen Waggon nicht, so ist das eine der schwierigsten Fragen, die zu lösen ist. Aussteigen kann man sehr schwer, denn der Zug hält in sehr komischen Abständen. In der Nacht mache ich kaum ein Auge zu. Besonders heute nacht, wo wir in Abeville,(35) in der Nähe von Dieppe, waren und ein großes Bombardement hatten. Jetzt sind wir in Dieppe. Lange haben wir hier Aufenthalt. Man stellt fest, daß ein Zug nach uns beschädigt worden ist. Auch aus dieser Aufregung kommen wir gut durch.
4 Tage und 4 Nächte sind wir schon unterwegs, aber nun auch am Ziel. Wir haben Toulouse erreicht. Hier steigen wir aber nicht aus. Etwas weiter in Villefranche-Louraguais.(36) Von hier aus führt uns ein Autobus weiter nach Seyre par Nailloux.(37) In einem Schloß würden wir untergebracht werden, sagt man uns.(38) Aber wie groß ist nun die Enttäuschung, da wir ein altes zerfallenes Haus erblicken. Das Schloß allerdings ist 10 Minuten weiter, aber nicht für uns bestimmt. Wir betreten das Haus: kein Tisch, kein Stuhl, kein Bett. Eine richtige Wüste. Unsere Sachen legen wir in eine Ecke, und dann versuchen wir bei dem Bauern von gegenüber etwas Holz zu bekommen. Bald haben unsere Jungens einige Tische und Bänke gezimmert, und wir können das Abendbrot einnehmen, das uns die Bauern bringen. In verschiedenen anderen Zimmern legt man Stroh hinein. Dort werden wir dann schlafen. So bleiben wir ungefähr 3 Wochen. Dann bekommen wir Bretter und die Jungens stellen Betten her. Es ist alles sehr primitiv, aber wir sind ungeheuer glücklich.
[…](39)



Steeds Vereenigd - Unis Toujours: Artikel von Ende Mai 1941 über Plünderungen und Überfälle auf Juden in Antwerpen(40)


Ein Beispiel der Neuen Ordnung

Am Ostermontag bekamen die Antwerpener Bürger ein Beispiel der Neuen Ordnung zu sehen.
Eine bunte Horde von Landesverrätern, die sich aus VNVern, SS-Männern(41) und Rexisten zusammensetzte, zog durch die Straßen des Judenviertels unserer Stadt.(42) "Weg mit den Juden" skandierend, überfielen sie unbescholtene Bürger in ihren Wohnungen und raubten, was sich versetzen ließ. Was sie nicht mitnehmen konnten, wurde demoliert.
Diese Vollzieher der Neuen Ordnung werden von Lehrmeistern unterstützt, die diese schmutzige Arbeit bereits in ihrer Heimat vollbracht haben. Sie verhielten sich wie die Vandalen aus der Spanischen Zeit  oder die Normannen  und verschonten nichts.
Verschiedentlich legten sie Feuer, die von unseren Feuerwehrleuten gelöscht wurden. Synagogen und Häuser wurden geplündert und gingen in Flammen auf. Unter Schreien und wilden Flüchen zerschlugen diese neuen Kulturmenschen Türen und Fensterscheiben. Dass sie einzig auf Plündern aus waren, bewiesen Rufe wie "hier ist nichts zu finden" oder "hier gibt's nichts zu holen".
Die Parteiführer verfolgten das Schauspiel wohlwollend, ohne sich jedoch dabei die Hände schmutzig zu machen. Und unsere Bürgerwehr und Polizei schienen völlig außerstande, dem Plündern Einhalt zu gebieten, sondern ließen die Banditen in aller Ruhe ihr Werk verrichten.
Ihr Vorwand, dass es sich nur um "schmutzige Juden" handelt, bei denen eingebrochen wird, ist, lieber Leser, nun wirklich eine Ausrede. Ist bei den Juden nämlich alles geholt, folgen wir echten Belgier.
Wenn wir das aber alles so hinnehmen, sollten wir uns schämen, Flamen zu sein. Aber die Vergeltung wird nicht ausbleiben.
Die Rache wird ebenso grausam sein.
Liebe Leser, denkt jetzt nicht, wir Belgier würden nun für die Juden Partei ergreifen. Weit gefehlt. Und dennoch: Auch ein Jude ist ein Mensch.
Weg mit den Juden, schreien sie. Würde man logisch denken, müsste man sich fragen, wo die Juden denn hinkönnen? Wenn sie die Juden loswerden wollen und die Deutschen wollen das ebenfalls, dann ginge das auch einfacher und menschlicher.
Aber das ist nicht im Sinne der Neuen Ordnung, denn alles, was menschlich ist, hat ausgedient.
So allmählich können wir uns also eine Vorstellung machen von der Neuen Ordnung und den Theorien ihres Führers und Erfinders: Adolf Hitler.
Lasst uns hoffen, dass all dem Elend schnell ein Ende bereitet wird und der Tag der Erlösung bald anbrechen möge. Es wird ein Tag der Rache sein. Oh weh, Ihr Landesverräter, die Ihr nun Euer bösartiges Werk unter dem Schutz der Besatzer verrichtet, oh weh, die Rache wird kommen!!!

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(1) Original nicht aufgefunden; Kopie: NRA, Reichskommissariat, Der Höhere SS- und Polizeiführer Nord (IX): series SIPO und SD, supplement box 2. Abdruck in: Dahm/Sandberg/Larsen (Hrsg.), Meldungen aus Norwegen (wie Dok. 7, Anm. 1), S. 322.
(2) Bericht über 1. Allgemeine Widerstandsbewegung, Sabotage, Terror und 2. Kommunisten und Marxisten. 3.-5. "Fehlanzeige".
(3) Eine Notiz über dieses Verbot findet sich in Aftenposten vom 3.7.1941, S. 1: "NS forbyr sine medlemmer politiske enkeltaksjoner" ("NS verbietet ihren Mitgliedern politische Einzelaktionen").
(4) Abdruck in: Arne Fjellbu: Minner fra Krigsårene (wie Dok. 8, Anm. 1), S. 123. Der Eintrag wurde aus dem Norwegischen übersetzt.
(5) Oskar Mendelsohn (1912-1993), Lehrer; Sekretär der Jüdischen Gemeinde Trondheim; 1938-1942 Lehrer in Trondheim; 1942 Flucht nach Schweden, bis Kriegsende Gymnasiallehrer in Uppsala; 1945-1948 Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Oslo. Verfasser von "Jødenes historie i Norge: gjennom 300 år", 2 Bände, Oslo u.a. 1987.
(6) Die Familie Abrahamsen besaß insgesamt drei Geschäfte, die am 21.10.1941 beschlagnahmt und unter neuer Leitung zwei Wochen später wieder eröffnet wurden, siehe Dok. 16 vom Nov. 1941. Zur Flucht von Heiman Abrahamsen (1904-1994) und seiner Familie nach Schweden siehe Dok. 17 vom 22.11.1941.
(7) Henoch Klein (1876-1947), Textilhändler; war 1896 aus Litauen nach Norwegen eingewandert; von 1938 an Vorstandsmitglied der Synagoge von Trondheim. Das von ihm gegründete Bekleidungsgeschäft wurde am 3.11.1941 unter kommissarische Verwaltung gestellt, er selbst zusammen mit seinem ältesten Sohn Josef (*1904), Fabrikant, zunächst im Vollan-Gefängnis inhaftiert; Josef Klein wurde am 11.12.1941 in das SS-Strafgefangenenlager Falstad überstellt und konnte am 15.1.1943 aus dem Gefängnis Bredtveit (Oslo) fliehen.
(8) Nach seiner Versetzung von Bergen nach Trondheim im Okt. 1941 hatte der KdS Gerhard Flesch (1909-1948) die Ausgrenzung und Verhaftung von Juden in seinem Zuständigkeitsbereich stark forciert. In anderen Gebieten Norwegens wurde das Eigentum von Juden erst ab Okt. 1942 systematisch beschlagnahmt.
(9) Im Juni 1941, nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion, waren bereits norweg. und staatenlose Juden in Nordnorwegen verhaftet und interniert worden, siehe Dok. 10 vom 23.6.1941.
(10) Aron Mendelsohn (1871-1943), Unternehmer; geb. in Litauen, 1894 nach Norwegen immigriert; Mitbegründer der Jüdischen Gemeinde Trondheim; er konnte vor der Beschlagnahme der Synagoge Thorarollen und einen Teil der Bücher der Jüdischen Gemeinde retten; am 25.11.1942 verhaftet, am 24.2.1943 nach Auschwitz deportiert, dort am 3.3.1943 umgekommen.
(11) Henrik Mendelsohn (1896-1944), Textilfabrikant; das familieneigene Geschäft wurde am 7.11.1941 beschlagnahmt und unter kommissarische Verwaltung gestellt, Henrik Mendelsohn an diesem Tag und erneut am 26.10.1942 verhaftet, am 24.2.1943 nach Auschwitz deportiert; dort kam er im Frühjahr 1944 um.
(12) Isak Mendelsohn (1900-1973), Textilfabrikant; übernahm 1923 eine der väterlichen Textilfabriken in Trondheim; floh im Nov. 1941 nach Schweden; nach Kriegsende kehrte er zurück und führte die Firma mit der Witwe seines Bruders Henrik weiter.
(13) Sussi Mendelsohn (1910-1995); seit 1938 verheiratet mit Oskar Mendelsohn.
(14) Vermutlich Harald Torp (1890-1972), Journalist; 1927-1969 Chefredakteur der Trondheimer Tageszeitung Adresseavisen, 1941 von den deutschen Behörden abgesetzt.
(15) Rolf Lea (1891-1941), Volkswirt; Direktor des Zentralverbandes der Seeversicherer (Sjøassurandørernes Centralforening); während des Krieges Leiter einer militärischen Nachrichtenorganisation in Oslo; wurde am 26.11.1941 hingerichtet, weil er angeblich einen Flüchtlingstransport auf die Shetlandinseln organisiert hatte.
(16) NIOD, 244/141. Das Dokument wurde aus dem Niederländischen übersetzt.
(17) Petronella Diderika Sondervan (1905-1991), Bankangestellte; arbeitete in der Reichsversicherungsbank in Amsterdam.
(18) Ein Lager in Castricum (südwestlich der Stadt Alkmaar) ist nicht bekannt, vermutlich meint die Autorin das Lager Schoorl, nordwestlich von Alkmaar, in das die Verhafteten vor ihrer Deportation nach Buchenwald und Mauthausen gebracht wurden.
(19) Diese Straße existiert in Amsterdam nicht; gemeint sein könnte die Haarlemmerstraat in Bahnhofsnähe.
(20) Nördlich des IJ liegen viele Industriegebiete Amsterdams.
(21) Belebte Einkaufsstraße im Viertel De Pijp mit Filialen der großen Warenhäuser De Bijenkorf und Hema.
(22) Sondervan lebte in Bussum, einer kleinen Stadt nördlich von Hilversum.
(23) NIOD, 020/1507. Abdruck als Faksimile in: L.Ph. Polak, Documents of the persecution of the Dutch Jewry, Amsterdam 1969, S. 54 f.
(24) Im Original handschriftl. Bearbeitungsvermerke.
(25) Ferdinand aus der Fünten.
(26) Die Farbe Gelb wurde schon vor dem 13. Jahrhundert in moslemischen Ländern zur Kennzeichnung von Juden benutzt.
(27) Jeder der 140 000 Juden in den Niederlanden bekam mehrere Judensterne. Alle Juden, die älter als 6 Jahre waren, mussten den Stern tragen.
(28) Original in Privatbesitz. Das Tagebuch entstand 1943/1944 in Frankreich und in der Schweiz. Der Eintrag stammt aus Buch I, S. 22-26. Teilweise abgedruckt in: Sebastian Steiger: Die Kinder von Schloß La Hille, Basel 1992, S. 87-101.
(29) Edith Goldapper Rosenthal, geb. Goldapper (*1924); aufgewachsen in Wien; gelangte im Dez. 1938 mit einem Kindertransport nach Belgien, lebte bis zur Evakuierung nach Frankreich im Mai 1940 in Kinderheimen und Pflegefamilien; 1940-1943 Aufenthalt in Südfrankreich in der Kinderkolonie im Schloss La Hille; im Dez. 1943 Flucht in die Schweiz; nach dem Krieg Emigration in die USA.
(30) Zu diesem Zeitpunkt lebte Edith Goldapper im Kinderheim "Général Bernheim" in Zuun (heute Teil der Gemeinde Sint-Pieters-Leeuw (franz. Leeuw-Saint-Pierre), südlich von Brüssel).
(31) Elka Frank (*1915); Flucht aus Deutschland nach Palästina, wo sie den Belgier Alexandre Frank heiratete; 1936 Rückkehr nach Brüssel; von 1939 an leitete sie das Kinderheim "Général Bernheim" bei Brüssel, nach dem deutschen Angriff begleitete sie ihre Schützlinge nach Südfrankreich, Betreuerin in der Kinderkolonie im Schloss La Hille; Flucht nach Spanien.
(32) Léa Gillis; Lehrerin.
(33) Das Kinderheim wurde Anfang 1939 auf Initiative des Komitees zur Unterstützung jüdischer Flüchtlingskinder eröffnet und beherbergte etwa 35 Mädchen. Es war benannt nach dem Generalinspekteur der Infanterie der belg. Armee, Louis Bernheim (1861-1931).
(34) Richtig: Gaspard Dewaay (1910-1989), Sportlehrer und Straßenbahnschaffner; von Jan. 1939 an Leiter des Kinderheims "Herbert Speyer" in Anderlecht, begleitete im Mai 1940 gemeinsam mit seiner Frau Lucienne die Heimkinder nach Südfrankreich und betreute sie bis zu seiner Rückkehr nach Belgien im Sept. 1940.
(35) Richtig: Abbeville (Dep. Somme).
(36) Richtig: Villefranche-de-Lauragais (Dep. Haute-Garonne).
(37) Der Ort Seyre liegt im Dep. Haute Garonne.
(38) Siehe Dok. 153 vom 16.7.1940.
(39) Im weiteren Verlauf des Tagebuchs berichtet Edith Goldapper über die Verlegung der Kinder in das Schloss La Hille und das Leben dort sowie über ihre Flucht in die Schweiz.
(40) Steeds Vereenigd - Unis Toujours, voor een vrij België - pour une Belgique libre (Für immer vereint), Nr. 4, S. 8. Das Dokument wurde aus dem Niederländischen übersetzt. Der Artikel ist undatiert, aus dem Inhalt geht jedoch hervor, dass er Ende Mai 1941 entstanden ist. Von Jan. 1941 an erschienen insgesamt 80 Ausgaben der illegalen Zeitung mit einer Auflage von bis zu 3000 Exemplaren. Die zunächst unabhängige Zeitung entwickelte sich zu einem Organ der liberalen Widerstandsgruppe Witte Brigade, die im Raum Antwerpen eine wichtige Rolle spielte.
(41) Gemeint ist hier die Allgemeine SS Flandern, die im Nov. 1940 auf Veranlassung Himmlers gegründet wurde und im Okt. 1942 in der Germanischen SS Flandern aufging.
(42) Am 14.4.1941 zogen Mitglieder verschiedener judenfeindlicher Organisationen nach einer Vorführung des Films "Der ewige Jude" durch Antwerpen, warfen Schaufenster ein und setzten zwei Synagogen in Brand. Einen Ausgleich für die entstandenen Schäden erhielten die betroffenen Geschäftsleute nicht.
(43) Siehe Dok. 149 vom Mai 1940, Anm. 15.
(44) Die Normannen waren im Frühmittelalter berüchtigt für ihre Raubzüge und Plünderungen.

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Yoram Kaniuk: 1948

14.01.2013. 1948 war Yoram Kaniuk 17 alt und kämpfte in Jitzchak Rabins Palmach für die Unabhängigkeit Israels. Als der neue Staat dann existierte, war es Kaniuk ergangen wie Stendhals Fabrizio in der Schlacht von Waterloo: vom eigentlichen Akt hatte er nichts mitbekommen. Hier eine Leseprobe aus Yoram Kaniuks autobiografischem Roman "1948". Mehr lesen

Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 5

06.12.2012. Dieser Band dokumentiert für die Zeit vom deutschen Einmarsch bis Mitte 1942 die schrittweise Entrechtung der Juden in West- und Nordeuropa, ihre Isolation und die Zerstörung ihrer Existenzgrundlage mittels Berufsverboten und Enteignung. In Briefen und Tagebüchern schildern sie  das Leben unter deutscher Besatzung und die Versuche, diesem Leben durch Emigration doch noch zu entkommen. Lesen Sie einen Auszug.
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