Dienstag, 09.06.2026
9punkt - Die Debattenrundschau
09.06.2026 Nicht nur die Ukraine, auch ihre europäischen Partner zeigen größeres Selbstbewusstsein gegenüber Putin, freuen sich die Zeitungen. Die deutschen Yad-Vashem-Dépendancen sind, anders als Meron Mendel unterstellt, keine Agenturen der israelischen Regierung, insistiert Deborah Hartmann im Spiegel. In der Politik haben sich längst viele Männer als schwul bekannt, warum nicht im Fußball, fragt die taz. Und was ist Niedersachsen, fragt die FAZ.
Magazinrundschau
09.06.2026 Der Guardian lernt die digitale Schattenökonomie Kubas kennen. Dekoder berichtet von militär-patriotischen russischen Trainingslagern für russische und entführte ukrainische Jugendliche. Die LRB taucht mit C. Thi Nguyen in die Welt des Spiels und der Bewertungssysteme ein. In Tvar ruft der tschechische Schriftsteller Jiří Kratochvil zu einer neuen engagierten Literatur auf. Artforum porträtiert die Künstlerin Gladys Nilsson und ihre Gruppe Hairy Who. In Elet es Irodalom ermuntert der Pianist Andras Schiff klassische Musiker zu mehr Aufklärung. Harper's frischt seine Esperanto-Kenntnisse auf.
Efeu - Die Kulturrundschau
09.06.2026 Die SZ gratuliert Konstantin Richter zum Sachbuchpreis, Zeit online lobt die Nominiertenliste insgesamt als eine Feier der Qualität, die FAZ findet, man könnte auch mal ideenhistorische Bücher auszeichnen. Die FR lauscht beeindruckt den brutalen Spitzentönen in Rossinis Oper "Tancredi". Die FAZ stellt den aus seiner Heimat geflohenen, russischen Komponisten Dmitri Kourliandski vor, der sich gegen den Krieg engagiert.
Bücherschau des Tages
09.06.2026 Interessiert studiert die FAZ, wie Serhii Plokhy einen Bogen spannt
zwischen dem Abwurf der ersten Atombombe und der Gegenwart des
Ukrainekriegs. Im Comic von Flix und Reinhard Kleist reitet
sie mit Lucky Luke und den Grimm-Brüdern durch den Wilden Westen. Die FR
rätselt mit Susanne Kaiser in "Witch Hunt", wer hinter einer Reihe von
Cyber-Attacken steckt und ruft feministische Hackerinnen zu Hilfe. Dlf
Kultur fährt mit Julia Wong, einem indo-chinesischen Mädchen mit vielen Namen und
Alexander von Humboldt zur See.
Mittwoch, 10.06.2026
9punkt - Die Debattenrundschau
10.06.2026 Der Digital Services Act (DSA) ist wirkungslos, solange die großen Onlineplattformen ihre Transparenzpflichten unterlaufen, erklärt in der FAZ der Informatiker Simon Mayer. Wie der Ukrainekrieg das Wohlstandsgefälle in Russland verstärkt, berichtet die NZZ. Das neue Sicherheitspaket 2.0 ist das Aus für Anonymität im Netz, kritisieren in netzpolitik Sebastian Marg und Tom Jennissen von der Digitalen Gesellschaft. Volker Beck und Meron Mendel diskutieren die geplanten Yad-Vashem-Dependancen in Deutschland. Die Zeit empört sich über einen KI-Avatar der Holocaust-Überlebenden Jeanette Wolff, den die SPD hat erstellen lassen.
Efeu - Die Kulturrundschau
10.06.2026 Angela Schanelec hat ihren neuen Film "Meine Frau weint" mit Schauspielern besetzt, die keine deutschen Muttersprachler sind - für die taz Zeugnis einer wunderbaren Befremdung. Spielbergs "Disclosure Day" wiederum feiert laut Welt die heilende Kraft der Empathie bei der Begegnung mit Außerirdischen. Eine Zürcher Ausstellung zeigt laut NZZ, wie man in der Gegenwart mit Kunst aus der Kolonialzeit umgehen kann. Außerdem jede Menge Verdi: Die FAZ tanzt in Garsington mit einer "La Traviata" auf dem Vulkan, Van begegnet in einem Amsterdamer "Simon Boccanegra" archaischer Wucht.
Bücherschau des Tages
10.06.2026 Die SZ lobt Diarmaid MacCullochs Buch über die Sexualgeschichte des Christentums, das mit "einer gewissen Leichtherzigkeit" daherkommt. Die FR lässt mit Richard Mabeys Plädoyer für den Wildwuchs überall Holunder sprießen. Die FAZ versucht mit Valérie Perrin und ihrer Heldin Agnès herauszufinden, warum Tante Colette zweimal gestorben ist. Dlf Kultur lernt mit Christine Webbs Buch "Der arrogante Affe" Demut vor der Natur.
Donnerstag, 11.06.2026
Efeu - Die Kulturrundschau
11.06.2026 Es gibt kaum noch Debütromane von jungen Männern, stellt die Zeit fest. Derweil schreiben junge Schriftstellerinnen auffallend oft über Gewalt durch Männer, sekundiert die SZ. Der Guardian feiert in London den Geist der Pariser Sechziger mit Werken des argentinischen Kinetik-Künstlers Julio Le Parc. Nachdem der israelische Regisseur Nadav Latif vom Festival FID Marseille ausgeschlossen wurde, solidarisieren sich viele Künstler mit ihm, atmet die FAZ auf. Gebaut wird nicht, was Bürger sich wünschen, entnimmt die Welt dem jüngsten Baukulturbericht.
9punkt - Die Debattenrundschau
11.06.2026 Im Perlentaucher prangert Eva Illouz die Annäherung eines wichtigen Teils des Linken an den Faschismus an. In der SZ erzählt die Dokumentarfilmerin Lena Karbe von den inneren Emigranten in Russland. Unsere Nachbarn sähen die Aufrüstung Deutschlands mit mehr Wohlgefallen, wäre sie nicht vom Aufstieg der AfD begleitet, konstatiert die FAZ. In der FR erklärt die Autorin Veronika Kracher, wie Antifeminismus und Antisemitismus zusammenhängen. In der NZZ erzählt Christian Brönimann, warum er seine ehemalige Transidentität als Nadja nicht auslöscht.
Bücherschau des Tages
11.06.2026 Die SZ liest Bücher über sehr wütende Frauen und lobt besonders Clara Leinemanns Roman "Gelbe Monster" über eine junge Frau, die zuschlägt. Die FAZ erfährt von Tobias Escher, wie KI und Big Data den Fußball verändern. Brillant findet der Dlf, wie Nathan Devers in seinem autobiografischen Essay von seiner Abkehr vom orthodoxen Judentum erzählt. Und der Dlf Kultur kann nur bewundern, wie viel Hoffnung die Lyrikerin Dorothea Grünzweig trotz aller Düsternis spendet.
Freitag, 12.06.2026
Efeu - Die Kulturrundschau
12.06.2026 taz und Tagesspiegel erleben auf der Kyjiw Biennale in Berlin, wie der Krieg auch in der Kunst inzwischen zu einem Grundzustand geworden ist. Die FAZ erliegt in Island der Poesie der deutschen Künstlerin Karin Sander, die polierte Hühnereier auf Sockeln präsentiert. Wurde der junge tschechische Dirigent Petr Popelka zum neuen Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper ernannt, weil er zu nett ist, um Serge Dorny zu widersprechen, fragen sich Welt und NZZ verärgert. Und die nachtkritik spürt die Lust am Sterben, wenn Angelica Liddell in Wien den Suizid von Yukio Mishima inszeniert.
9punkt - Die Debattenrundschau
12.06.2026 Die Schweiz leidet unter "Dichtestress". Alle Zeitungen machen sich große Sorgen: Werden die Schweizer sich auf zehn Millionen Menschen beschränken wollen? Und auch die EU will Migration begrenzen. In den USA konzentrieren sich unterdessen die größten Unternehmen - zumindest dem Wert nach. Elon Musks SpaceX soll demnächst 1,75 Billionen Dollar wert sein. In der FAZ hat Wirtschaftssoziologe Jens Beckert die Erklärung dafür gefunden: Es liegt an der Fiktionsfähigkeit des Kapitalismus. Die FAZ beleuchtet auch die Moskauer Sympathien der britischen Rechtsextremen.
Bücherschau des Tages
12.06.2026 Bewegt liest die FAZ Korrespondenzen zwischen Autorinnen im Exil und ihren deutschen Kolleginnen. Amos Oz lernt sie in dessen Essays und Reden einmal mehr als kritischen Geist kennen. Als kritische Außenansicht und facettenreiche Innenansicht empfiehlt Dlf Kultur Hamza Abu Howidys "Muscheln am Strand von Gaza". Bestens unterhalten und zugleich gut informiert über das Verhältnis zwischen Griechenland und Polen während des Kalten Krieges wird Dlf Kultur durch Maciej Siembiedas historischen Kriminalroman "Katharsis". Die SZ lernt von Mikhail Zygar, was der Untergang der UdSSR mit Russlands Zukunft zu tun hat.
Samstag, 13.06.2026
9punkt - Die Debattenrundschau
13.06.2026 Nur die NZZ hat es gemerkt: Putins Krieg gegen die Ukraine dauert jetzt so lange wie der Erste Weltkrieg - und er verändert so viel wie dieser. Ist das Journalismus, oder kann das weg? Der Tagesspiegel schmeißt seinen "Editor of Large" raus, weil er Artikel mit KI schrieb. Springer-Tycoon Mathias Döpfner macht sich über die FAZ lustig, weil sie einen Artikel von Mario Voigt löschte, der mit KI verfasst war. Und die FAZ spottet mit mutmaßlich echt spitzer Feder über Döpfner. In der taz warnt Seyla Benhabib vor Verschärfungen der Flüchtlingspolitik.
Efeu - Die Kulturrundschau
13.06.2026 Der Maler David Hockney ist gestorben: Die FAZ bewundert seine Abstraktionen, die sich doch nie ganz von der Realität entkoppeln. Er hat nie ein trostloses Bild gemalt, wundert sich die Welt. Die FAS besucht die Kyiv Biennale in Berlin. Die NZZ lernt aus "Finnegans Wake" von James Joyce, was Sprache als Widerstand leisten kann. Die Musikkritiker feiern den Dreampop von Olivia Rodrigo.
Bücherschau des Tages
13.06.2026 Prosopagnosie ist die Unfähigkeit, Gesichter zu erkennen. Die taz preist Anna Felnhofers Roman "Prosopon" als virtuosen Versuch, dieser Blindheit eine Gestalt zu geben. Ebenfalls die taz findet, dass Hans Pleschinskis Roman "Bildnis eines Unsichtbaren", der neu aufgelegt wurde, die Zeit sehr gut überstanden hat. Deutschlandfunk Kultur liest Yevgenia Belorusets' Stück "Zündhölzer"als düsteres Gleichnis des aktuellen Krieges in der Ukraine. Der Deutschlandfunk ist heilfroh, dass John Fowles' monumentaler Roman "Magus" auf deutsch erscheint.
Montag, 15.06.2026
9punkt - Die Debattenrundschau
15.06.2026 In der taz ist sich der Aktivist Arne Semsrott sicher - nur die Zivilgesellschaft kann gegen die AfD obsiegen. In der FAZ erzählt der Historiker Jochen Staadt die Geschichte des Antisemitismus in der DDR. "Es war nie wichtiger als heute, am Ideal der Gleichheit festzuhalten", betont die Philosophin Elizabeth Anderson im Zeit-Online-Interview mit Blick auf 250-Jahr-Feier der USA. Und eine knifflige Frage: Sind die Kommentare zu KI im Journalismus selbstgeschrieben?
Efeu - Die Kulturrundschau
15.06.2026 Wie kann Theater von sexuellem Missbrauch erzählen, fragen sich die Kritiker in einer Inszenierung von Leonie Böhm in München. Critic.de vermutet, dass ein New New Hollywood kurz bevorsteht, jetzt, wo Autodidakten den Kino-Markt erobern. In München bestaunt die NZZ mehrere Jahrhunderte Haarpracht in der Kunst. Ebenfalls die NZZ beklagt sich darüber, wie wenig Zeit und Raum im Bildungssystem für ausschweifendes Lesen gelassen wird. Der Sound der iranischen Diaspora-Popmusik geht der taz richtig gut ins Ohr.
Bücherschau des Tages
15.06.2026 Die SZ sitzt mit Niklas Weber in der "Holzklasse" auf harten Eisenbahnsitzen. Die SZ lobt, wie John Cassidy die Geschichte des Kapitalismus entlang seiner Kritiker erzählt. Die NZZ liefert sich mit Zofia Nalkowskas Sanatorium-Insassen erotische und nationale Scharmützel. Die FAZ lobt, wie Annette Schuhmann Frauen mit DDR-Hintergrund zu Wort kommen lässt. Dlf brütet mit Kohei Saito über den "Ruinen des Kapitalismus".