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Essay

Mose und der zornmütige Gott

Von Bernhard Lang

06.02.2013. Ist es überhaupt sinnvoll, von einer "mosaischen Unterscheidung" zu sprechen? Nur die Lektüre der Bibel gibt hierüber Aufschluss. Ein Beitrag zur Monotheismus-Debatte.

Bild zum ArtikelJan Assmann hat den Ausdruck "mosaische Unterscheidung" vorgeschlagen, um einen auffälligen Charakterzug der Religion des alten Israel zu benennen, oder genauer: der Religion, die in den Büchern des Alten Testaments ihren Niederschlag gefunden hat. Verschiedene Beiträge zur Debatte um die mosaische Unterscheidung entfernen sich weit vom biblischen Befund. Es wird dann beispielsweise über die Angemessenheit des Wortes "Monotheismus" zur Kennzeichnung des biblischen Glaubens gestritten. Die Debatte bedarf meines Erachtens aus zwei Gründen einer biblischen Rückbindung: Erstens, weil die Debatte ohne Kenntnisnahme der ihr zugrunde liegenden Befunde von niemand mehr nachvollzogen werden kann; zweitens, weil eine Parteinahme - für oder gegen die Angemessenheit des Ausdrucks "mosaische Unterscheidung" - sich naturgemäß am biblischen Befund orientieren muss.

Gegliedert sind die folgenden Ausführungen in drei Teile. Der erste gibt einen Überblick über die mit Mose verknüpften biblischen Überlieferungen; das heute übliche Verständnis dieser Traditionen wird vermerkt. Der zweite Teil vergleicht die mosaische Religion (wenn wir sie so nennen wollen) mit anderen Formen der biblischen Religion, die, wie wir sehen werden, in sich uneinheitlich ist. Ein knapper Schlussteil beantwortet die Frage: Ist es sinnvoll, von einer mosaischen Unterscheidung zu sprechen?


I. Die mit Mose verknüpften biblischen Überlieferungen

Mose ist keine historische Gestalt, über die wir verlässliche Kunde haben; als Gestalt der althebräischen Sage steht er im Mittelpunkt von Erzählungen über die Frühzeit des Volkes Israel.

Wie ist das Volk Israel entstanden?

Streng genommen gibt es keine sichere Antwort auf diese Frage. Es gibt jedoch eine Modellvorstellung, die sich in der heutigen Forschung großer Beliebtheit erfreut; sie rekonstruiert die "Ethnogenese" (Volkwerdung) der Bewohner Palästinas, indem sie archäologische Befunde auswertet. Wie bei allen Völkern der Geschichte ist das Bewusstsein einer kulturellen und politischen Zusammengehörigkeit auch im Fall des alten Israels allmählich entstanden. Im wenig zugänglichen palästinischen Bergland (ungefähr zwischen Jerusalem im Süden und der Jesreelebene im Norden) entstanden zwischen 1150 und 1000 vor Christus Hunderte von Dörfern mit jeweils 100 bis 250 Einwohnern. Über die Herkunft dieser Bewohner ist wenig bekannt. Wahrscheinlich haben sich Migranten in die Berge zurückgezogen. Einige mögen aus den Steppen- und Wüstengebieten gekommen sein, andere aus der Küstenebene, wo sie von den sich damals ansiedelnden Philistern verdrängt worden waren. Alle haben sich der Kontrolle der zum Teil noch bestehenden bronzezeitlichen Städte Kanaans, der Herrschaft der sich neu etablierenden Philister und der Herrschaft der Ägypter entzogen. Die Ägypter verloren in jener Zeit die Kontrolle über ihre früheren vorderasiatischen Besitzungen.

In diesem Milieu scheint sich allmählich - zweifellos unter der Führung einer Elite - das Bewusstsein einer Zusammengehörigkeit gebildet zu haben. Man sprach dieselbe Sprache - das Hebräische. Im entstehenden Volk sind verschiedene Erzählungen über die Vergangenheit lebendig. Einige sagten: Unsere Vorfahren waren Krieger - sie haben die kanaanitischen Städte besiegt; hier leben Erinnerungen weiter an den Sieg von bäuerlichen Milizen, die als bewegliche Infanterie die schwerfälligen bronzezeitlichen, von zwei Pferden gezogenen Streitwagen besiegen konnten. Andere erzählten: Unsere Vorfahren waren von den Ägyptern zu Bauarbeiten herangezogen worden, konnten sich dieser Aufgabe jedoch durch Flucht entziehen. Wieder andere erzählten von dem von ihren Vorfahren - und ihnen selbst - verehrten Gott Jahwe, der in der Wüste einen heiligen Berg besaß. Aus solchen Überlieferungen haben sich die verschiedenen Ursprungssagen entwickelt, die das Volk Israel an einem heiligen Berg in der Wüste, in einer Art Bauernaufstand gegen die kanaanitischen Städte oder in einer Flucht aus Ägypten entstehen lassen. Wie in vielen frühen Völkern wird der politische Zusammenhalt durch Verwandtschaftsbegriffe ausgedrückt: Wer zusammengehört, leitet sich von gemeinsamen Vorfahren her - letztlich vom Stammvater Jakob, der zugleich den Namen Israel trägt. Aus solchen Geschichten haben Israels Erzähler die Ursprungsgeschichten zusammengesponnen, die wir in den Büchern Genesis, Exodus und Josua finden. In der Genesis herrscht das genealogische Thema vor, im Buch Exodus wird von einer Flucht aus Ägypten und einem Gottesberg in der Wüste berichtet, während das Buch Josua Kriegsgeschichten enthält.

Was wird von Mose berichtet? War Mose Ägypter?

Der Held der Bücher Exodus, Levitikus, Numeri und Deuteronomium trägt einen ägyptischen Namen. Hier ist seine Geschichte: Moses Kindheit steht im Zeichen der Gefährdung. In Ägypten in einer Zeit geboren, als die Ägypter ihr israelitisches Gastvolk durch Kindsmord auszurotten versuchen, wird er von seinen Eltern in einem Binsenkorb im Nil ausgesetzt, doch von einer ägyptischen Prinzessin gefunden und großgezogen. In seiner Jugend erinnert sich Mose seiner Herkunft, erschlägt einen Ägypter, der Israeliten gepeinigt hat - und entzieht sich durch Flucht in die Wüste der Bestrafung. Von Gott aus einem brennenden Dornbusch angesprochen, erhält er den Auftrag, sein Volk aus Ägypten zu befreien. Das gelingt erst, nachdem Gott schlimme Plagen über Ägypten gebracht hat - Ungeziefer, eine Viehseuche, vom Himmel fallender Hagel, mehrtägige Finsternis, der plötzliche Tod jeder Erstgeburt. Die Flucht des Volkes zieht Verfolgung durch ägyptisches Militär nach sich. Gott rettet die Israeliten, indem er die Ägypter in einem See ertrinken lässt, während die Hebräer diesen trockenen Fußes durchqueren. War Mose in seiner Jugend ein Held, so ist er nun, in seinen reifen Mannesjahren, ein frommer Kultstifter, der am Berg Sinai mit dem Gott Jahwe verkehrt und dem Volk Gottes heiliges Gesetz überbringt - ein Gesetz, das vor allem den Bau eines transportablen Zeltheiligtums regelt. Nach dem Sinaiereignis führt Mose sein Volk vierzig Jahre lang durch die Wüste, dem verheißenen Land Palästina entgegen. In seinem Greisenalter wandelt sich Moses Rolle noch einmal: Aus dem frommen Kultstifter wird nun der politische Gesetzgeber. In langen Reden erklärt er eine Staatsverfassung, die eine strenge monotheistische Gottesverehrung ebenso vorschreibt wie sie die Einsetzung eines Königs vorsieht, der im heiligen Gesetzbuch die Richtschnur seines Handelns hat. Mose stirbt im Alter von 120 Jahren.

Die Mose-Erzählung lässt sich als Gemisch aus Überlieferungen unterschiedlicher Herkunft entschlüsseln: (1) Mose könnte Ägypter gewesen sein. Sein ägyptischer Name steht stellvertretend für das ägyptische Element im Völkergemisch, aus dem das Volk Israel entstanden ist. Eine Parallele findet sich in der Geschichte von Sinuhe, dem Helden einer bekannten altägyptischen Erzählung (ca. 1900 v. Chr.): Sinuhe flieht aus Ägypten, um Schwierigkeiten zu entgehen; in Vorderasien wird er von einem Magnaten aufgenommen, dessen Tochter er heiratet. Doch die übrige Erzählung verläuft anders.[1] (2) Aus dem Zweistromland stammt das Vorbild der Kindheitsgeschichte des Mose: Dort wird die Aussetzung eines späteren Herrschers in einem verpichten Binsenkorb von König Sargon erzählt. Die Erzählung von Mose als Gesetzgeber orientiert sich an babylonischer Überlieferung, die König Hammurabi als Gesetzgeber feiert. (3) Die Alleinverehrung des einen Gottes stammt nicht aus einer fremden, sondern aus der israelitischen Religion; ihre Durchsetzung wurde im 6. bis 4. Jahrhundert v. Chr. durch die monotheistische Religion Persiens begünstigt.

Hat Mose den Monotheismus eingeführt?

Die Religionen der Umwelt des alten Israel waren polytheistisch. Sie beruhten auf der Verehrung einer Vielzahl von Göttinnen und Göttern, die für verschiedene Bereiche der Natur oder des menschlichen Lebens zuständig waren. Im westlichen Vorderasien galt El als weiser Vater der Götter, Hadad (auch Baal genannt) als Wetter- und Regengott, Anat als Kriegsgöttin, Ischtar (Astarte) als Liebesgöttin. Mit der Verehrung solcher Gottheiten machte Mose Schluss.

Dem biblischen Bericht zufolge hat das Volk Israel seine neue Religion durch einen Akt göttlicher Gesetzgebung erhalten (Bücher Exodus und Levitikus). Ort dieses Geschehens ist der Berg Sinai, an dem sich das Volk versammelt, um, von Mose angeführt, das göttliche Gesetz in Empfang zu nehmen. Am Fuß des heiligen Berges erlebt das Volk ein gewaltiges, mit Erdbeben verbundenes Gewitter. Aus dem Donner spricht Jahwe und erlässt die Zehn Gebote (Exodus 20): Nur Jahwe allein darf verehrt werden; seine bildliche Darstellung ist verboten und der Sabbat ist zu halten. Weitere Gebote werden auf dem heiligen Berg nur noch Mose, nicht mehr dem ganzen Volk verkündet. Gott gibt genaue Anweisungen zum Bau eines transportablen Zeltheiligtums, dem Vorbild eines später zu errichtenden Tempelhauses, in dem Gott - der einzige Gott - residiert.

Die Gesetzgebung wird durch zwei Ereignisse unterbrochen: den "Bundesschluss" und die Verehrung des "Goldenen Kalbs". In einer öffentlichen Feier schließt Jahwe einen Bund mit dem Volk: Gott sagt seinen Schutz zu, während das Volk verspricht, Gottes Geboten treu zu bleiben. Während Mose auf dem Gottesberg eine aus zwei Tafeln bestehende Bundesurkunde erhält, fällt das Volk von Gott ab, indem es die goldene Skulptur eines Stieres herstellt, um dieser göttliche Verehrung zu erweisen. Damit ist das Gebot der Bildlosigkeit verletzt und der Bund mit Gott gebrochen: Erzürnt, zerbricht Mose die Tafeln, lässt das Götzenbild zerstören und dreitausend Schuldige töten. Mit der Zerstörung des Götzenbildes ist der Gottesbund wieder hergestellt. Mose erhält von Gott neue Tafeln (vielleicht mit dem Text der Zehn Gebote). Vierzig Jahre lang bleibt Mose der Führer des Volkes, der auf einer Wanderung durch die Wüste seinem Volk die monotheistische Religion einschärft.

Der Wortlaut der Bibel erweckt den Eindruck, die Religion Israels sei gleichsam mit einem Paukenschlag in die Welt getreten und habe einen Stifter gehabt - Mose; ihm sei es gelungen, seinem Volk innerhalb von wenigen Jahren eine monotheistische Religion zu geben. Manche Forscher glaubten, im biblischen Religionsgesetz das Erbe der kurzlebigen monotheistischen Religionsreform des Pharao Echnaton (um 1340 v. Chr.) zu erkennen; so Sigmund Freud in "Der Mann Moses und die monotheistische Religion" (1939). Viel spricht gegen diese Annahme. Nach heutiger Auffassung ist die biblische Darstellung als Offenbarungsdichtung zu beurteilen: Um 500 v. Chr. wurde in dem damals - nach dem babylonischen Exil - neu erbauten zweiten Jerusalemer Tempel ein bildloser monotheistischer Kult eingerichtet. Zur Vorgeschichte des Monotheismus gehört die Verkündigung von Propheten wie Hosea im 8. und Deutero-Jesaja im 6. Jahrhundert sowie das Vorbild der persischen Religion Zarathustras. An die Verkündigung solcher Propheten anknüpfend, wurde der Mythos der Sinai-Offenbarung geschaffen. Dieser soll der neu eingeführten Kult- und Religionsordnung Gewicht und Autorität verschaffen - was zweifellos gelungen ist.

Sind religiöse Vergehen strafbar?

In der Bibel finden wir nicht nur ein ausgeprägtes Ordnungsgefüge religiöser Vorschriften; auch von Überwachung und Strafe ist die Rede. Nach dem Buch Deuteronomium, stilisiert als Abschiedsrede des Mose, besteht für alle Israeliten Zwangsmitgliedschaft in der Religionsgemeinschaft: Wer zum Volk Israel gehört, ist gleichzeitig Mitglied der Gemeinde. Jedes Mitglied soll den einen Gott aus ganzem Herzen und mit ganzer Kraft verehren. Wer davon abweicht, indem er anderen Göttern Opfer darbringt oder andere zu solchem Tun verführt, macht sich strafbar. Wer von dem Vergehen erfährt, muss den Übeltäter oder die Übeltäterin anzeigen - selbst dann, wenn es sich um den eigenen Sohn oder Ehepartner handelt. Wird der Angezeigte für schuldig befunden, wird er durch Steinigung getötet (Deuteronomium 13).[2] Nach diesem Muster verfuhr auch Paulus, als er - vor seiner Bekehrung zum Christusglauben - Christen verfolgte und bestrafen ließ: "Er drang in ihre Häuser ein, schleppte Männer und Frauen fort und lieferte sie ins Gefängnis." An der Hinrichtung zumindest eines Christen wirkte er mit (Apostelgeschichte 8,1-3). In der Synagoge der neutestamentlichen Zeit gab es neben der Todesstrafe auch andere Sanktionen für geringere Vergehen. Für seine christliche Predigt in jüdischen Gemeinden wurde Paulus, der sich als Jude betrachtete, mehrfach mit 39 Hieben gegeißelt, einmal sogar gesteinigt, eine Maßnahme, die er - fast ein Wunder - überlebte (2 Korinther 11,24).

In der frühen Kirche gab es zunächst wenig Anlass, ein religiöses Strafrecht zu entwickeln. Für Gemeinden, deren Mitglieder aus dem Judentum kamen (und nicht aus dem Heidentum), belegt jedoch bereits das Neue Testament Ansätze eines Strafwesens. Nach dem Matthäusevangelium soll Jesus selbst die öffentliche Zurechtweisung von Sündern in der Gemeindeversammlung angeordnet haben - wobei unklar bleibt, an welche Art von Sünde gedacht ist (Matthäus 18,15-17). Um kirchliche Disziplin einzuschärfen, erzählt die Apostelgeschichte von einem Ehepaar, das tot umfällt, als es Petrus in einer Geldsache belügt (Apostelgeschichte 5,1-11). Unter der Maske heiliger Ordnung wird Schrecken verbreitet. Inquisition und kirchliche Zensur haben hier ihren Ursprung. Religiöse Gemeinschaften verlangen auch heute von ihren Mitgliedern Wohlverhalten und Konformität; wer den Anforderungen nicht genügt, kann bestraft werden. Bis heute sind die Kirchen damit beschäftigt, ihr Strafrecht zu überprüfen - oder ganz auf ein solches zu verzichten.


II. Vergleiche

Bibelleser pflegen die Heilige Schrift als einheitliches Werk zu betrachten, als Buch mit einer einzigen, in sich kohärenten religiösen Botschaft. Diesem Bild widerspricht die Bibelwissenschaft seit mehr als einem Jahrhundert mit guten Gründen. Die mosaische Religion - so lautet eines ihrer wichtigsten Ergebnisse - stellt nur eine religiöse Option unter mehreren dar. Schon unser erster Hinweis auf die Erzählung vom Goldenen Kalb weist in diese Richtung. Erst recht die Erzählung von Josef und seinen Brüdern, die anschließend zum Vergleich herangezogen wird.

Warum tanzte Mose nicht um das Goldene Kalb?

Die Erzählung vom Goldenen Kalb hat folgenden Inhalt (Exodus 32): Das Volk Israel hat sein Lager am Fuße des heiligen Berges aufgeschlagen, während sich Mose vierzig Tage lang auf dem Berg von Gott über die Religionsordnung instruieren lässt. Während dieser Zeit wird Kritik am Religionsgesetz des Mose laut. Vom Volk gedrängt, lässt der Priester Aaron das goldene Bildwerk eines Stieres herstellen. Nun hat das Volk, was es will: Eine bildliche Darstellung seines Gottes in Gestalt eines jungen, kräftigen Stiers. Gefeiert wird das Stierbild in einem ausgelassenen Fest. Als Mose zurückkehrt, hört er den fröhlichen Lärm und sieht die Tänze. Der Zorn packt ihn. Sofort greift er ein: Mose vernichtet das Stierbild und lässt jene, die sein Gottesgesetz auch weiterhin nicht bedingungslos annehmen wollen, von einer priesterlichen Miliz niedermetzeln. 3000 Menschen müssen auf diese Weise ihr Leben lassen.

Warum tanzte Mose nicht mit? Die von der modernen Forschung gegebene Antwort lautet: Der Erzählung liegt die Auseinandersetzung zwischen zwei Religionsparteien im alten Israel zugrunde. Die Mose-Partei setzt sich für schriftliches Gesetz und Bildlosigkeit des Jahwekults ein, die Aaron-Partei verehrt Jahwe in Gestalt einer Stierskulptur, Symbol von Fruchtbarkeit und kriegerischer Aggression, aufgestellt in den Tempeln von Bet-El und Dan. Die biblische Erzählung ist aus dem Blickwinkel der Mose-Partei geschrieben, jener Partei also, der das Judentum bis heute in der Ablehnung bildlicher Darstellungen Gottes folgt. Die Opposition gegen Mose hat Sigmund Freud stark beschäftigt. Der biblische Text, so mutmaßt er in "Der Mann Moses und die monotheistische Religion", verschweige die Rache der Opposition an dem überstrengen Volkserzieher: Mose habe seine Autorität nicht lange erhalten können; er sei von seinen Gegnern ermordet worden.

Der Gott des Mose

Jeden, der sich mit der biblischen Geschichte beschäftigt, irritiert zunächst eine eigentlich ganz einfache historische Tatsache: Das Volk der Bibel war mehrere Jahrhunderte lang politisch gespalten - es gab nicht einen König, sondern zwei Könige, einen im Süden Palästinas, in Jerusalem residierend, und einen im Norden des Landes, mit der Hauptstadt Samaria. Dieser Doppelheit entspricht auch die unterschiedliche Ausprägung der Religion in den beiden Teilen des Landes - es gab nicht einen Jahweglauben, sondern zwei Formen desselben: einen Jerusalemer Jahwismus und einen Jahwismus des Nordens. Im Jerusalemer Tempel wurde Jahwe menschengestaltig dargestellt, als auf einem Thron sitzende männliche Gestalt. In den Nordreichheiligtümern von Dan und Bet-El wurde Jahwe durch ein Stierbild repräsentiert. (Das Bilderverbot gab es in alter Zeit noch nicht; es wurde wohl erst um 500 v. Chr. eingeführt, so dass der damals neu erbaute Jerusalemer Tempel keine bildliche Darstellung Gottes mehr enthielt.) Den beiden Formen des Jahwekults entsprachen auch verschiedene Mythologien.[3]

Der im Süden verehrte Jahwe hat sich den Berg Zion (den Tempelberg von Jerusalem) als Wohnstatt erwählt; wie wir aus den Büchern Jesaja, Micha und Amos wissen, gilt der Gott von Jerusalem als Herr der ganzen Welt. Als Gott, der über Recht und Gerechtigkeit unter den Menschen achtet, bestraft er die Völker, wenn sie sich vergehen. Das Recht, an dem er sich orientiert, ist in keinem Buch aufgezeichnet. Als natürliches Recht - oder Naturrecht, wie wir heute sagen - bedarf es keiner Verschriftlichung.

Dem Universalismus des Gottes vom Zion steht der Partikularismus des Gottes gegenüber, der im Nordreich verehrt wird. Dieser Gott hat das Volk Israel aus allen Völkern erwählt und aus Ägypten geführt; er ist der Schutzgott des mit ihm fest verbundenen, geradezu verbündeten Volkes. Das von Gott erlassene Gesetz gilt nicht für die ganze Welt, sondern allein für Israel. In der Spätzeit des Alten Testaments wird dieses Gesetz aufgezeichnet und in einem Katalog von zehn Geboten - dem Dekalog - zusammengefasst. Mit dem Gott des Nordreichs eng verbunden ist der Name des Mose; in der großen Offenbarungsdichtung der Bücher Exodus und Deuteronomium ist Mose der Vermittler des göttlichen Gesetzes an das Volk Israel.

Ist Gott eifersüchtig?

Es war einmal ein Scheich, der, von seinen Dienern begleitet, in der Wüste spazieren ging. Da hörte er das Schreien eines Säuglings, und siehe: da lag ein kleines Mädchen, noch blutig von der Geburt, von seinen Eltern verlassen. Der Scheich nahm sich des Kindes an und ließ es in seinem Haus aufwachsen. Aus dem Kleinkind wurde eine junge Frau von betörender Schönheit, so dass der Scheich sich in sie verliebte, sie zur Ehefrau nahm und als seine Lieblingsfrau reich beschenkte und sie ein Landgut verwalten ließ. Dort nimmt sie sich Liebhaber und wird so ihrem Manne untreu. Als der Scheich die Untreue seiner Frau bemerkt, wird er zornig. Sein Zorn kann sich zu rasender Wut steigern, doch manchmal redet er sie zärtlich an, um sie zurückzugewinnen - und malt sich eine neue Zeit der Liebe aus. Typisch für den eifersüchtigen Mann ist das Schwanken zwischen dem Vorsatz, die Frau zu bestrafen, und der Überwältigung durch zärtliches Gefühl.

Die Geschichte findet sich beim Propheten Hosea, der sie als Parabel über das Verhältnis zwischen Gott und sein Volk erzählt (Hosea 2). Im 8. Jahrhundert v. Chr. bekennt sich der Prophet Hosea zu einer Theologie, die auf zwei Grundsätzen beruht: (1) Der Gott Jahwe ist allein für das Volk Israel zuständig und mit seinem Volk eng verbunden. (2) Das Volk Israel darf nur diesen Gott verehren, nicht noch zusätzlich andere Götter. Vielleicht war Hosea historisch der erste, der die Forderung nach ausschließlicher Verehrung erhoben hat; jedenfalls ist nicht sicher, ob es diese Forderung bereits vor Hosea gab. In der märchenartigen Geschichte erläutert der Prophet den Anspruch Jahwes auf sein Volk - und stattet Gott mit allen Gefühlen aus, die man bei Verliebten findet. Gott kann also als eifersüchtig dargestellt werden. Er wird eifersüchtig in dem Augenblick, als sein Volk "fremd geht", indem es sich mit andern Göttern einlässt.

Ist auch in den Zehn Geboten vom "eifersüchtigen Gott" die Rede? Dort heißt es:[4]

"Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus. Du sollst neben mir keine Götter [wörtlich: anderen Götter] haben. Du sollst dir kein Gottesbildnis machen, keinerlei Abbild von etwas, was oben im Himmel, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde ist. Du sollst dich nicht vor ihnen [Göttern] niederwerfen und dich nicht verpflichten, ihnen zu dienen. Denn ich, Jahwe, dein Gott, bin ein eifersüchtiger/emotionaler/zornmütiger Gott: Bei denen, die mir feind sind, ahnde ich den Frevel der Väter an den Söhnen und an der dritten und vierten [Generation]; doch erweise ich meine Huld der Gemeinde derer, die mich lieben und auf meine Gebote achten." (Dtn 5,6-9)

Um es gleich zu sagen: die geläufige Wiedergabe von 'ēl qannā' mit "eifersüchtiger Gott" ist verfehlt.[5] Von Eifersucht könnte nur dann geredet werden, wenn sich Liebe und Hass auf dieselbe Person oder denselben Personenkreis bezieht; im Dekalog jedoch wird zwischen zwei Personenkreisen unterschieden - den Gehorsamen, die geliebt werden, und die ungehorsamen, denen Gottes Zorn gilt. Das Wort qannâ entstammt einem kriegerischen Zusammenhang; gewöhnlich bedeutet es "zornmütig" und verweist auf das Gefühl der Wut, das der Krieger empfindet, wenn er auf den Feind losstürmt. Entsprechend heißt es im Buch Exodus: "Jahwe ist ein Krieger, Jahwe ist sein Name" (Ex 15,3), ein Satz, der ursprünglich gelautet haben mag: "Jahwe ist ein Krieger, der Zornmütige (qannā') ist sein Name." Dieser Sinn ist noch erhalten in der Gebotsformulierung: "Du sollst dich nicht niederwerfen vor einem anderen Gott, denn der Zornmütige (qannā') ist der Name Jahwes, ein zornmütiger Gott ('ēl qannā') ist er" (Ex 34,14). Im Dekalog haben wir es mit einem Echo des zornmütigen Kriegsgottes zu tun, während Hosea von Gott als eifersüchtigem Ehemann sprechen kann.

Eine nicht-mosaische Erzählung: Josef und seine Brüder

Von Jakob (dem Erzvater, von dem sich alle Israeliten herleiten) als Lieblingssohn verwöhnt, zieht sich Josef den Neid seiner Brüder zu. Sie nehmen ihn gefangen und verkaufen ihn in die Sklaverei; dem Vater berichten sie, ein wildes Tier habe ihn zerrissen. Die Erzählung enthüllt jedoch alsbald einen tieferen Grund für das Geschick Josefs: Gott hat es so gefügt, und zwar zu einem ganz bestimmten Zweck. Dieser stellt sich erst nach langer Zeit heraus. Josef kommt nach Ägypten, wo ihn der Hofbeamte Potifar als Hausverwalter beschäftigt. Dessen Frau will den schönen hebräischen Jüngling verführen, doch Josef lässt sich nicht darauf ein. Erzürnt behauptet sie, Josef habe versucht, sie zu vergewaltigen. Josef kommt ins Gefängnis. Nachdem er die Träume von Mitgefangenen zutreffend erklärt hat, wird er als Weiser bekannt. Als er die Träume Pharaos deuten kann - Träume über eine Abfolge von sieben fetten und sieben mageren Jahren -, hat er seine Lebensprüfung bestanden. Pharao macht ihn zum ersten Minister des Landes. Während einer Zeit guter Ernten legt er gewaltige Vorratsmagazine an, die zur Versorgung der Bevölkerung in der anschließenden Notzeit dienen. Bald enthüllt sich der Plan der Vorsehung: Josef kann die von der Hungersnot betroffenen, vor ihm als Bettler stehenden Brüder mit Nahrungsmitteln versorgen, sich mit ihnen versöhnen und die ganze Familie nach Ägypten holen.

Die Josefsnovelle (Genesis 37-50) versteht sich selbst als Lehrstück über Gottes verborgene Vorsehung, die das Böse zum Guten wendet. Modernen Lesern wie Voltaire erscheint sie als kunstvoll gestaltetes philosophisches Märchen, das Großzügigkeit und Bereitschaft zur Vergebung als Eigenschaften des wahren Weisen feiert. In seinem "Philosophischen Wörterbuch" (1764) hebt Voltaire Josefs moralische Überlegenheit über Odysseus hervor: Während Odysseus die Freier seiner Gemahlin Penelope in einem Blutbad auslöscht, vergibt Josef seinen Brüdern. Die kunstvoll gestaltete Erzählung hat die Phantasie vieler Leser angeregt. Der Koran erzählt die Geschichte nach, und Thomas Mann hat die biblische Erzählung als Grundlage seines umfangreichsten - vierbändigen - Romans gewählt: "Joseph und seine Brüder" (1933-1943). Josef ist nicht nur Liebling seines Vaters Jakob, sondern seit biblischer Zeit auch Favorit der Schriftsteller und Leser.

Mose ist zornig, Josef freundlich. Warum?

Unterschiedlichere Menschen lassen sich kaum denken: Josef, von heller, freundlicher Sinnesart, ein Mann, der mit allen auskommt. Seinen Brüdern, die ihn in die Sklaverei verkauft hatten, kann er verzeihen. Mose, verschlossen und zornig, hadert mit jedem, der ihm Widerstand entgegensetzt - dem König von Ägypten, den Unzufriedenen in seinem eigenen Volk, den Übertretern des göttlichen Gebots. Als Mose das von Aaron angefertigte Goldene Kalb sieht, entbrennt sein Zorn, er zerschmettert die von Gott erhaltenen Schrifttafeln, lässt das Goldene Kalb zerstören und 3000 Menschen töten (Exodus 32). Woher der Unterschied? Bei der Antwort hilft uns das Begriffspaar "offene Gesellschaft" - "geschlossene Gesellschaft" (Karl Popper). Letztere schließt sich nach außen ab, lässt keine Berührung mit fremden Kulturen zu und ist auf strenge, autoritäre Reglementierung aller Lebensbereiche bedacht. Die offene Gesellschaft dagegen ist anderen Kulturen gegenüber aufgeschlossen; auch lässt sie ihren Mitgliedern Spielräume für individuelle Entfaltung. Josef ist ein Mann der offenen Gesellschaft, der als Gouverneur segensreich in einem fremden Land - in Ägypten - wirkt. Als Vertreter des geschlossenen Gesellschaftstyps verlässt Mose Ägypten und besteht darauf, die Israeliten von allen Völkern zu trennen. Mose beharrt auf Separatismus, Gesetz und priesterlicher Religion in einer öden Wüstenlandschaft, wo das Leben auf das Wesentliche beschränkt bleibt. Josef steht für Offenheit, Versöhnung, Freundschaft und großzügige Philanthropie in einem Land, das für grüne Weiden, fette Kühe, Wasserreichtum, Fische und legendäre Ernteerträge berühmt war. Ägypten galt als Land, wo Menschen an Fleischtöpfen sitzen und sich sattessen. Statt von einem Exodus aus Ägypten berichtet die Josefsgeschichte von einem umgekehrten Auszug - aus Palästina nach Ägypten.

Der Josefserzählung liegt ein Verständnis des Volkes Israel als einer geschlossenen Gesellschaft so fern als möglich. Das zeigt sich auch an einem bemerkenswerten Detail der Erzählung. Als Josef seine Brüder in Ägypten empfängt und sie bewirtet, wird eine besondere Tischordnung eingehalten: Die Ägypter, zu denen auch Josef zählt, essen getrennt von den hebräischen Gästen. Das wird so begründet: "Die Ägypter können nämlich nicht gemeinsam mit den Hebräern essen, weil das bei den Ägyptern als unschicklich gilt" (Genesis 43,32). Gibt es also Anzeichen für eine "ägyptische Unterscheidung": Nicht die Hebräer oder Israeliten verstehen sich als geschlossene Gruppe mit Sonderbräuchen, sondern die Ägypter? Was wie die Mitteilung eines ethnographischen Kuriosums aussieht, könnte eine versteckte Polemik enthalten - nicht gegen die Ägypter, sondern gegen Israeliten, die in übertriebener Weise Speise- und Reinheitstabus beachten. Im Jubiläenbuch aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. wird folgende Weisung als Gebot Abrahams überliefert: "Trenne dich von den Völkern und iss nicht mit ihnen und handle nicht nach ihrem Werk und sei nicht ihr Gefährte, denn ihr Werk ist Unreinheit und alle ihre Wege sind befleckt und Nichtigkeit und Abscheulichkeit" (Jubiläenbuch 22,16).[6] Diese Haltung ist der Josefsgeschichte ebenso fremd wie das Verbot des Konnubiums zwischen Juden und Nichtjuden: Josef selbst heiratet Asenat, die Tochter eines ägyptischen Priesters (Genesis 41,45). So wird Josef eine doppelte Identität zugeschrieben: Er ist zugleich Hebräer und Ägypter.

Mose und Josef sind alternative Gründergestalten des Judentums.[7] Mit Mose verbinden sich tragische Züge: Durch Mose wird dem Volk ein Gesetz gegeben, dessen Forderungen es nicht gerecht werden kann und an denen es scheitern wird. Auf dem Geschehen lastet Schwere und Tragik. Statt tragischer Weltsicht herrscht in der Josefs-Novelle eine positive Weltauffassung: Letztlich ist die Welt gut, vermag sie doch selbst dem entwurzelten Menschen nach mancher Verwicklung   #  eine Heimat zu bieten. Verfeindete Brüder können einander vergeben und sich versöhnen. Diese Weltauffassung ist nicht nur poetisch und erfreulich, sondern gleichzeitig einem Ethos der Verantwortung verpflichtet (und nicht einem mosaischen Ethos des Gehorsams).

III. Ergebnis


Der biblische Befund lässt keinen Zweifel daran: In der Bibel ist die mosaische Religion nicht die einzige. Ihr stehen andere Religionskonzepte gegenüber. Man mag darüber streiten, ob alternativen Konzepten wie etwa der universalistischen Jahwereligion der Propheten Jesaja und Amos oder der Religion der Josefserzählung dieselbe Würde wie jenen Überlieferungen eignet, die mit dem Namen des Mose verknüpft sind. Diesen Streit brauchen wir nicht zu führen. Für unseren Zusammenhang ist nur eine Erkenntnis wichtig: Da es innerhalb des Alten Testaments eine mosaische und andere Religionen Israels gibt, ist es sinnvoll, von einer "mosaischen Unterscheidung" zu sprechen. Jan Assmann hat den besonderen Charakter dieser Unterscheidung hervorgehoben: Die mosaische Religion wird nur voll verständlich, wenn wir sie auch als Gegensatz zu anderen Religionen verstehen, etwa der des alten Ägypten. Sie wird auch nur verständlich, wenn wir das Neue bedenken, das durch sie in die Religionsgeschichte eingetreten ist: die Unterscheidung zwischen "wahr" und "falsch", zwischen orthodox und häretisch.



[1] Sinuhe: Flucht und Heimkehr, in: "Altägyptische Dichtung". Ausgewählt, übersetzt und erläutert von Erik Hornung, Stuttgart: Reclam 1996, 28-47.

[2] Vgl. Bernhard Lang, George Orwell im gelobten Land. Das Buch Deuteronomium und der Geist kirchlicher Kontrolle, in: Ernst Walter Zeeden und Peter Thaddäus Lang (Hg.), "Kirche und Visitation", Stuttgart: Klett Cotta 1984, 21-35.

[3] Vgl. Francolino J. Gonçalves, Fondements du message social des prophètes, in: André Lemaire (ed.), "Congress Volume Lubljana 2007", Leiden: Brill 2010, 597-620.

[4] Zur Übersetzung dieser Stelle vgl. Bernhard Lang, "Buch der Kriege - Buch des Himmels. Kleine Schriften zur Exegese und Theologie", Leuven: Peeters 2011, 105.

[5] Vgl. Bernhard Lang, Le dieu de l'Ancien Testament est-il un dieu jaloux? Essai de réponse, in: Hedwige Rouillard-Bonraisin (Hg.), "Jalousie des dieux, jalousie des hommes", Turnhout: Brepols 2011, 159-171.

[6] Klaus Berger (Übersetzer), Das Buch der Jubiläen, in: Werner-Georg Kümmel u.a. (Hg.), "Jüdische Schriften aus hellenistisch-römischer Zeit", Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus 1981, Bd. 2, 273-576, hier 347. An die Seite der angeführten Stelle aus dem Jubiläenbuch lassen sich zwei antike Texte stellen, die dasselbe Phänomen aus nichtjüdischer Sicht beschreiben: [1] Diodor (1. Jahrhundert v. Chr.): "They even introduced wholly unusual customs: not to share table with any other people (ethnos), nor to show them any goodwill at all"; Diodor, "Historische Bibliothek" 34/35, 1, mit Kontext angeführt von Bezalel Bar-Kochva, "The Image of the Jews in Greek Literature", Berkeley: University of California Press 2010, 442. [2] Philostratos (ca. 237 n. Chr.): "Die Juden sind abgefallen, nicht von den Römern allein, sondern von den Menschen überhaupt; denn ein Volk, das ein ungeselliges Leben erfunden hat und die Tischgenossenschaft mit anderen ablehnt und die Gemeinschaft der Trankopfer, Gebete und Brandopfer, ein solches Volk ist durch einen weiteren Abstand von uns getrennt als Susa und Baktra und darüber hinaus die Inder"; Philostratos, "Apollonius von Tyana" V, 33. Vgl. ferner Aharon Shemesh, "The Origins of the Laws of Separatism: Qumran Literature and Rabbinic Halacha, Revue de Qumran 18" (1997), 223-241.

[7] Bernhard Lang, Die Religion der Leviten und ihre Gegner - Alternativen zu einer archaischen Lebenshaltung im Alten Testament, in: Jan Assmann und Harald Strohm (Hg.), "Echnaton und Zarathustra. Zur Genese und Dynamik des Monotheismus", München: Fink 2012, 161-180.

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10.03.2014 . Forderungen nach Datenschutz und Urheberrechten basieren beide auf der Vorstellung, dass man Eigentum an seinen Daten hat. Kann das bedingungslose Grundeinkommen eine Antwort auf die Krise des Urheberrechts und des Datenschutzes im Digitalzeitalter sein? Mehr lesen

Daniele Dell'Agli: Die rhapsodische Kamera

05.02.2014 . Das einzige Kollektiv, das Miklós Jancsó mit utopischer Energie aufladen wollte, waren die Cinéasten. Sie lehrte der große Virtuose der Plansequenz, dass jede Veränderung der Verhältnisse mit einer Veränderung der Wahrnehmung beginnen muss. Dem großen ungarischen Regisseur zum Gedächtnis. Mehr lesen

Pascal Bruckner: Für eine wohlwollende Indifferenz

12.11.2013 . Der Begriff der "Islamophobie" rückt Kritik an einer Doktrin in Rassismus-Verdacht. Gestraft sind mit dem Begriff vor allem liberale Muslime. Mehr lesen

Peter Mathews: Freiheit als Leitkultur

07.11.2013 . In Deutschland und Europa interessiert man sich nicht mehr besonders für die Revolutionäre von 1848. In Amerika sind ihre Ideen dagegen noch präsent. Zum Beispiel an einem kleinen College in Iowa, wo vor kurzem über das "Vermächtnis von 1848" diskutiert wurde. Mehr lesen

Lea Kosch: Große Träume, leere Konten

05.11.2013 . Deutsche Theater kritisieren sehr gern den Kapitalismus. Die Arbeitsbedingungen an den Häusern zeigen aber, dass Ausbeutung auch ohne geht. Nun regt sich Unmut unter Künstlern. Mehr lesen

Hubertus Kohle: Für Open Access in den Geisteswissenschaften

16.09.2013 . Die Kulturzerstörer finden sich nicht unter denjenigen, die das Internet auch publizistisch verwenden, sondern eher unter denjenigen, die sich ihm unter dem Deckmantel des Bewahrenwollens verweigern. Mehr lesen

Monotheismus-Debatte im Perlentaucher

10.09.2013 . Alle Artikel der von Jan Assmann angestoßenen Debatte zu Monotheismus und Gewalt im Perlentaucher, aktualisiert am 10. September. Mehr lesen

Reinhard Schulze: Religion, Wahrheit und Gewalt

09.09.2013 . Religion als Wahrheitsordnung übernahm ein Prärogativ der Götter, nämlich zornig zu sein und strafen und vergelten zu können. Der Islam ging hier einen eigenen Weg. Mehr lesen

Dorothea Weltecke: Müssen Religionen intolerant sein?

26.08.2013 . Die "mosaische Unterscheidung" ist nicht statisch. In der Praxis haben Religionen gelernt, miteinander zu leben. Nur atheistische und religiöse Fundamentalisten suchen noch nach dem "Eigentlichen". Mehr lesen

Marie Luise Knott: Das Erhabene und das Schöne

12.07.2013 . Beim Literaturfestival im Thermalbadeort Leukerbad wird die Kränkung des Schöpfers zum Glück des Lesers. Mehr lesen

Daniele Dell'Agli: Die Matrix und ihre Feinde

17.06.2013 . Erstaunlich, mit welchem Aufwand davon abgelenkt wird, dass die Unterscheidung zwischen dem einen wahren Gott und den vielen falschen Göttern uns noch nach 2000 Jahren ihre finstere Exekutivlogik unter Beweis stellt. Wider die Entschärfung von Jan Assmanns These. Mehr lesen

Marie Luise Knott: Ein Turm aus sieben Eiern

11.06.2013 . Biennale Venedig: Artur Zmijewski lässt Blinde sich selbst malen. Fischli-Weiss präsentieren kritische Momente der Weltgeschichte in ungebranntem Ton. Tino Sehgal arbeitet mit Tänzern in gleichem Rhythmus, ohne sich je zu vereinigen. Flüchtige Impressionen einer Kunst, die nie statisch sein will. Mehr lesen

Matthias Küntzel: Erstaunliche Nonchalance

10.06.2013 . Die Zeit ist liberal - besonders im Umgang mit dem iranischen Regime. Gegen die beschönigende Wahlberichterstattung aus dem Gottesstaat, der die Opposition seit den Aufständen vor vier Jahren brutaler unterdrückt als je.
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