Perlentaucher - Das Kulturmagazin

Anmelden | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 18.03.2010, 11.20 Uhr

Im Ententeich: Redaktionsblog

Schirrmachers Payback kommt über Bande

Von Thierry Chervel, 06.11.2009, 09:11

Es wetterleuchtet am Horizont. Frank Schirrmacher hat ein neues Buch geschrieben, und anders als die allermeisten Journalisten seiner Generation hat er ja die Kapazität, Debatten auszulösen. Früher lancierte er seine Bücher per Vorabdrucken in Bild (was ja auch jetzt noch nicht ausgeschlossen ist). Diesmal aber spielt er zunächst über Bande: In Edge diskutieren einige bekannte Namen der von Schirrmacher vor zehn Jahren (wäre das nicht eine Gedenkausgabe wert?) ausgelobten "Dritten Kultur". "Payback" heißt das Buch - Randomhouse hat noch keine Leseprobe online gestellt. Es kommt noch im November. Die These lautet: Information Overload, Aufmerksamkeitsdefizitstörung, das Internet macht uns gaga (auch Nicolas Carr hatte das vor gut einem Jahr in Atlantic Monthly beklagt). Und "wie gewinnen wir die Kontrolle über unser Denken zurück?"

Die Mitstreiter von Edge.org durften das Buch (englisch: "The age of the Informavore") - oder zumindest einen darauf basierenden Vortrag Schirrmachers - offensichtlich schon zur Kenntnis nehmen: "We are apparently now in a situation where modern technology is changing the way people behave, people talk, people react, people think, and people remember. And you encounter this not only in a theoretical way, but when you meet people, when suddenly people start forgetting things, when suddenly people depend on their gadgets, and other stuff, to remember certain things. This is the beginning, its just an experience. But if you think about it and you think about your own behavior, you suddenly realize that something fundamental is going on." Es diskutieren Jaron Lanier, Nick Bilton, Nick Carr, Douglas Rushkoff, Jesse Dylan, Virginia Heffernan, Gerd Gigerenzer, John Perry Barlow, Steven Pinker, John Bargh.

Pinker, Psychologe in Harvard, rät, einmal festzuhalten, was für ein haltloser Unsinn während eines stinknormalen Dinners geredet wird, und dann noch einmal neu über Internet nachzudenken: "I mention this because so many discussions of the effects of new information technologies take the status quo as self-evidently good and bemoan how intellectual standards are being corroded (the 'google-makes-us-stoopid' mindset). They fall into the tradition of other technologically driven moral panics of the past two centuries, like the fears that the telephone, the telegraph, the typewriter, the postcard, radio, and so on, would spell the end of civilized society."

ThierryChervel

twitter.com/chervel




1 Kommentar, kommentieren

Stichwörter: ADD, Frank Schirrmacher, Information Overload

zurück zum Blog

Leserkommentare (1)

Kommentar schreiben

Kommentare nach Datum sortiert:
neuester Kommentar zuerst | ältester Kommentar zuerst

Christina

07.11.2009 um 01:31:45 Uhr

Ganz offensichtlich gibt es auch überflüssige Bücher. Das hier kann man getrost schon mal vor Erscheinen anfangen zu vergessen (noch kein Schreibaby und schon sowas von einem biblischen Bart!). Lieber Jonathan Crarys informative Studie über die Psychotechnologie der "Aufmerksamkeit" lesen: http://www.perlentaucher.de/buch/9945.html - oder ein bißchen auf Telepolis surfen ;)

Permalink | Missbrauch melden

Archiv: Presseschauen

Arrondierte Männergruppen

18.03.2010. Die FR spekuliert über die Frage,ob Günter Grass von westlichen Geheimdiensten ausspioniert wurde. Im Welt-Interview mit Julia Kristeva stellt sich heraus, das es der Poststrukturalismus mit dem Tod des Subjekts gar nicht so gemeint hat. In der Presse erklärt Andre Müller, warum es für sein Metier von Vorteil ist, ohne Vater aufgewachsen zu sein. In der FAZ warnt der Internetskeptiker Evgeny Morozov vor Twitter und Co. Der Zeit ist eins klar: Wenn Männer Männer missbrauchen, sind auf jeden Fall schon mal Männer schuld. Mehr lesen

"Pornolotl"

18.03.2010. Wie viel Doppelmoral verträgt der Leipziger Buchpreis? - Islamkonferenz: Necla Keleks Gespür für wunde Punkte und Navid Kermani warnt vor einem Scheitern: "Das ist ein Diktat, kein Dialog" - Interview mit Oskar Negt über die Missbrauchsdebatte - Verschollene Salinger-Briefe: "Wir gingen durch die Hölle" - Greifswalder Namensstreit: Umstrittener Ernst Moritz Arndt bleibt Uni-Patron + Tipp oder stirb: Nicht denken, schreiben! Mehr lesen

Karikaturen und Cartoons

17.03.2010. Trennung? Mehr lesen

Weniger Glanz, mehr Knirschen

16.03.2010. Die New York Times untersucht den neuen Realitätshunger. In Salon findet Andrzej Stasiuk nur individuelle Realitäten. In der Gazeta Wyborcza ergründet der Ethnologe Tomasz Rakowski die Realität der Armenschächtler. Manchmal sind Realitäten auch austauschbar, lernt El Pais Semanal von der Financial Times. Le Monde diplomatique informiert über den Stand der Verhandlungen zu Acta. Und der New Yorker erlebt die Kulturindustrie in Höchstform. Mehr lesen

Archiv: Bücher

Doppeltes Glück

17.03.2010. Die FAZ lernt mit Bernd Lichtenbergs Familienroman "Kolonie der Nomaden", die Angst vor dem kommenden Schrecken zu fürchten. Sehr unheimlich findet die NZZ auch Paulus Hochgatterers Roman "Das Matratzenhaus. Die SZ kann Justine Levys Roman "Schlechte Tochter" allen Frauen mit schwierigen Müttern empfehlen. Die FR liest Essays von Orhan Pamuk. Die heutige Literaturbeilage der FAZ werten wir in den nächsten Tagen. Mehr lesen

Francois Walter: Katastrophen

15.03.2010. Für die Natur gibt es keine Katastrophen, nur für die Menschheit. Der Schweizer Historiker Francois Walter hat eine Kulturgeschichte ihrer Bewältigung geschrieben und der Sinnsuche des Menschen: Strafe Gottes, Prüfung der Gottesfürchtigen sowie Ansporn zu neuen technischen Entwicklungen. Hier eine Leseprobe aus "Katastrophen". Mehr lesen

Engel der Nutzlosigkeit

05.03.2010. Reiche Ausbeute in diesem Monat: Wir fanden surrealistische Geschichten von Jiri Kratochvil und Leonora Carrington, Liebe überkreuz bei Ulrike Draesner, clevere Hacker bei Cory Doctorow, chinesische Gegenwartslyrik und einige Bücher, die den Rezensenten den Glauben an die Germanistik wiedergaben: Thomas Strässles Literaturgeschichte des Salzes und die Biografie der Brüder Grimm von Steffen Martus. Dies alles und mehr in den besten Büchern des Monats. Mehr lesen

Emotional labiler Federfetisch

19.01.2010. Wäre Inspektor Jensen nicht von einem Feticheur mit einem Fluch belegt worden, dann wäre er nicht nach Island gefahren, nicht von einer Fremden im Bett gebissen worden und würde nicht von einem Psychopathen verfolgt. Dies alles und noch etwas Quantenphysik findet man in Linus Reichlins "Assistent der Sterne". Jochen Schmidt präsentiert mit "Gangster, Opfer, Detektive" eine 1.100 Seiten starke Typengeschichte des Kriminalromans. Mehr lesen

Archiv: Magazin

Die stärksten Triebkräfte bei Büchern

16.03.2010. Vor der Leizpziger Buchmesse: Ein Blick auf europäische Bestsellerlisten zeigt, dass keineswegs nur die angloamerikanischen Dampfmaschinen ziehen. Übersetzt wird trotzdem zu wenig, und es fehlen Übermittlungskanäle. Mehr lesen

Neid und Gier in Darmstadt

11.03.2010. Seit 2004 veranstaltet der Pfarrer der Stadtkirche Darmstadt einen Predigtzyklus zu den zehn Geboten. Er lädt zu diesen Predigten prominente Autoren ein. Götz Aly deutet das Neunte Gebot am Beispiel der Judenverfolgung in Darmstadt: Du sollst nicht nach dem Haus deines Nächsten verlangen. Mehr lesen

Zehn Jahre Perlentaucher

04.03.2010. Der Perlentaucher wird am 15. März zehn Jahre alt. Er ist mit zwei Veranstaltungen auf der Leipziger Buchmesse präsent
Mehr lesen

Was heißt da Pfusch?

18.02.2010. Bisher war das fröhliche Köln nicht zu erschüttern, höchstens sein Stadtarchiv. Doch der Bau der U-Bahn wird mit gleicher Sorglosigkeit weiterbetrieben. Aber geht es hier wirklich nur um Pfusch am Bau oder um konzertierte Sabotage mit womöglich katastrophalen Folgen? Ein Entsetzensschrei aus dem noch nicht ganz eingestürzten Köln. Mehr lesen