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Islam ist nicht Islamismus
Von Thierry Chervel, 15.09.2009, 07:09
Früher hieß es: Die Rechte verteidigt "die Kultur", die Linke kämpft für "die Zivilisation". Die Rechte akzeptiert Ungleichheit als etwas natürlich Gewachsenes. Die Linke kämpft für Universalia wie zum Beispiel auch die Gleichheit der Menschen. Die Rechte befürwortet ein traditionelles Frauenbild, die Linke kämpft für Emanzipation. Aber so ist es nicht, vielleicht war es ja noch nie so: In Wirklichkeit ist sich die Linke mit der Rechten einig.
Im Blick auf die berühmten "anderen Kulturen" zeigt sich: Eigentlich ist es die Linke – und besonders die einst von Bourdieu beschworene "linke Linke" die an den verlorenen Gewissheiten der Rechten festhält: Kultur, Tradition, Sitte, Kopftuch, Religion, Unterwerfung. Die Rechte war dabei ehrlicher, weil sie diese Werte und die daraus resultierenden Zwänge auch fürs eigene Milieu einforderte. Die Linke aber hat für die "anderen Kulturen" ein anderes Programm als für die eigene. Sie ist also nicht nur reaktionär, sondern rassistisch.
György Dalos, Dietmar Dath, Gretchen Dutschke-Klotz, Jürgen Flimm, Peter Hamm, Christoph Hein, Elfriede Jelinek,Thomas Ostermeier, Tim Renner, Harry Rowohlt, Horst Eberhard Richter, Charlotte Roche, Friedrich Schorlemmer, Katharina Thalbach, Martin Walser, Roger Willemsen, Feridun Zaimoglu und einige weitere Prominente aus dem linken juste milieu rufen im Freitag zum Rückzug der Bundeswehr aus Afghanistan auf. Ihr Argument: "Der Gegner ist keine Armee, sondern eine Kultur."
Kultur? Als einziger Beitrag der Taliban zur Kulturgeschichte ist die Sprengung der Bamiyan-Buddhas erinnerlich. Al Qaida hat immerhin ein Filmgenre erfunden, das religiöse Snuff-Video, für das Ungläubige vor laufender Kamera bei vollem Bewusstsein geschächtet werden, um die Szene als erbauliches Handy-Video zirkulieren zu lassen.
Taliban und Al Qaida repräsentieren gerade keine Kultur, sondern einen radikalen Utopismus, der alles, was als individuelle, kulturelle oder regionale Differenz über ihre totalitäre tabula rasa ragt, gnadenlos kappt, nicht anders als es einst die Nazis taten und genauso wie die Kommunisten, denen Jelinek oder Walser in früheren Tagen anhingen.
Mit entwaffnender Biederkeit blicken die Unterzeichner des Manifests in die Kameras des Freitag. Die Militärs sollen abziehen, und die NGOs sollen ihr friedliebendes Werk tun, fordern sie. Sie wissen natürlich, dass die NGOs nur dann arbeiten können, wenn die Soldaten auch da sind. In Wirklichkeit rufen sie einfach dazu auf, die Menschen in Afghanistan – an erster Stelle die Mädchen und Frauen – den Steinen der Taliban zu überlassen. Sie verwechseln Barbarei mit Kultur.
Dankbar muss man dem Aufruf auch sein, weil er zeigt, dass genau jene Kräfte, die in anderen Diskussionszusammenhängen aufgeregt davor warnen, Islam und Islamismus ineinszusetzen, diese Identität propagieren, wenn es dem Defaitismus dient.
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