Stöbern nach Themen

Durchsuchen Sie unsere Bücherdatenbank nach Themen, Ländern, Epochen, Erscheinungsjahren oder Stichwörtern.

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Im Ententeich: Redaktionsblog

Die Nacht der Leistungsschutzrechte

Von Thierry Chervel

28.11.2012. Korrektur: In der ersten Version des Artikels habe ich die Debatte auf die Nacht von heute auf morgen angesetzt. Der Bundestag ist aber mächtiger als ich: Sie findet in der Nacht von morgen auf übermorgen statt. Pardon! Thierry Chervel

Korrektur: In der ersten Version des Artikels habe ich die Debatte auf die Nacht von heute auf morgen angesetzt. Der Bundestag ist aber mächtiger als ich: Sie findet in der Nacht von morgen auf übermorgen statt. Pardon! Thierry Chervel

===========================

Der Bundestag ist eine beeindruckende Institution – Marcel Weiß und das Blog Digitale Linke der Linkspartei haben uns zuerst darauf aufmerksam gemacht (hier und hier). Wenn es drauf ankommt, arbeitet der Bundestag auch Nachts. Es ist kaum zu glauben, aber die Debatte zum Gesetzentwurf für ein Leistungsschutzrecht der Presseverlage ist für morgen Nacht zwischen 2 Uhr und 2.45 Uhr angesetzt – so die neueste Auskunft nach einem Anruf in der Pressestelle des Bundestags. In der Tagesordnung versteckt sich der Punkt Leistungsschutzrechte im TOP 19, in dem es um Urheberrechte geht (das Leistungsschutzrecht ist ja gerade kein Urheberrecht, aber man hat es so zusammengefasst).

Der Entwurf ist hier nochmal als pdf-Dokument nachzulesen. Zur Kasse gebeten werden sollen "Anbieter von Suchmaschinen und Anbieter von solchen Diensten im Netz.., die Inhalte entsprechend einer Suchmaschine aufbereiten, da deren Geschäftsmodell in besonderer Weise darauf ausgerichtet ist, für die eigene Wertschöpfung auch auf die verlegerische Leistung zuzugreifen. Nicht erfasst werden deshalb andere Nutzer, wie z. B. Blogger, Unternehmen der sonstigen gewerblichen Wirtschaft, Verbände, Rechtsanwaltskanzleien oder private bzw. ehrenamtliche Nutzer." Ob es etwa auch den Perlentaucher betrifft, wird mir daraus immer noch nicht klar. Aber eine Suchmaschine wie rivva.de wäre sicherlich betroffen.

Heute haben die Zeitungen, auf eine eher ungeschickte Kampagne von Google zurückgreifend, nochmal ihre besten Journalisten losgeschickt, um "das eigene Interesse als dasjenige der Allgemeinheit" auszugeben, wie es Michael Hanfeld in der FAZ Google vorwirft.

Stefan Niggemeier hat dazu in einem Blogbeitrag alles gesagt: "Wo waren die flammenden Kommentare oder auch nur die kritischen Berichte, als die deutschen Verlage eine Kampagne für das Leistungsschutzrecht fuhren, als sie zu Mikrofonständern mutierten, als Zeitungen wie die Welt und FAZ ihre eigenen Lobbyvertreter als unabhängige Experten ausgaben?" In der Debatte um das Leistungsschutzrecht entpuppten sich sämtliche Zeitungen bis hin zur renommierten SZ mit ihrem unschlagbaren Heribert Prantl (heute hier) als Desinformationsmedien.

Die Kostenpflichtigkeit von Informationsschnipseln konmt meiner Meinung nach einer Privatisierung der Information gleich. Information muss zirkulieren können. Die angeblichen Wächter der Demokratie machen sich zu ihren Totengräbern. Vor dem Bundesverfassungsgericht wird das Gesetz hoffentlich kläglich scheitern. Aber selbst bis dahin kann es schon Schaden anrichten. Schon die ganze Zeit hatte man den Eindruck, dass die Regierung sich eigentlich schämt, dieses völlig überflüssige Paragrafenwerk in die Welt zu setzen. Es wird keine notleidende Zeitung retten. Es ist, weniger als ein Jahr vor der Bundestagswahl, eine Hommage auf die Erpressungsmacht der Zeitungen, die Bild, gleichgeschaltet mit FAZ und SZ, zuletzt an Christian Wulff so symbolisch ausagierte. Google mag groß und mächtig sein, für die Politik hängt der Hammer immer noch woanders.

Thierry Chervel

twitter.com/chervel

Archiv - Im Ententeich

Newsletter abonnieren

Möchten Sie über unsere neuen Artikel, die Feuilletons und die besten Bücher informiert sein? Abonnieren Sie unsere Newsletter!
Drucken | Empfehlen auf Facebook | Twittern | Share on Google+

Archiv: Presseschauen

Demaskierungen des unbotmäßigen Auges

23.09.2014. Die Welt fühlt sich ungemütlich vor Courbets "Ursprung der Welt". Der FAZ gefällt die Mischung aus Professionalität und Unbeholfenheit in der Choreografie zu Heiner Goebbels' "Surrogate Cities Ruhr". Steven Soderbergh bittet Sie dringend, über Steven Spielbergs "Staging" nachzudenken. Die Musikkritiker sind immer noch in den Fängen von Aphex Twin. FAZ und SZ verteidigen Peter Handke, der in Oslo als "Faschist" beschimpft wurde. Handkes Antwort an die Kritiker viel kürzer aus: "Fahrt zur Hölle". Mehr lesen

In jedem Ego tickt die Zeitbombe

23.09.2014. In der Berliner Zeitung klagt Peter Sloterdijk, der große alte Mann der deutschen Philosophie, über die ich-süchtige Jugend. Und so geht's nun auch noch im Journalismus zu, sekundiert die taz. Das Darmstädter Echo wird halbiert. Die französische Huffpo veröffentlicht eine Reisewarnung: Meiden Sie die meisten Länder Afrikas. Henryk M. Broder fürchtet in der Welt, dass der Islamismus mit dem Islam zu tun hat. Mehr lesen

Wir und unsere virtuellen Zombies

23.09.2014. Es riecht nach Vetternwirtschaft: Ex-ZDF-Chef Markus Schächter verfängt sich in Freunderlwirtschaft - Subventionen: Frankreichs Medien hängen am Staats-Tropf - Big Data höhlt die Solidargemeinschaft aus: Über Yvonne Hofstetters "Sie wissen alles" - Spiegel: Wolfgang Büchners Abgang wird immer wahrscheinlicher - Unter Druck: Streiks bei Amazon, Zugeständnisse im Konditionsstreit & britische Verleger fordern kartellrechtliche Prüfung + Till Brönner: Der Jazztrompeter als Fotograf. Mehr lesen

Aurale Zwischenposition

23.09.2014. Vanity Fair erklärt, warum gerade die schnelle Hilfe die Verbreitung des Ebola-Virus begünstigt hat. La vie des idees schildert die ungleiche Behandlung von Muslimen und Juden in Frankreich. Medium begleitet freiwillige Rettungshelfer durch Aleppo. Der Guardian versinkt in der Korruption Timbuktus. IndieWire analysiert den komplexen Signifikanten in Steven Soderberghs Mini-Serie "The Knick". Die Financial Times fragt sich, ob Firmen-PR der neue Journalismus ist. Die New York Times weiß, wann Politiker zu Promis wurden. Mehr lesen

Archiv: Bücher

Leben auf Halbmast

23.09.2014. Die SZ taucht mit Ulrich Raulff in die glanzvolle Intellektuellenszene der Siebziger ein. Die FR erkundet mit Per Petterson Versionen des Scheiterns. Die NZZ nimmt mit fünf Oldies die "Ausfahrt Nizza". Die FAZ liest über Goethe in Gotha. Mehr lesen

Schwarzer Gürtel in Charme

22.09.2014. Die grandiose Liza Cody meldet sich mit "Lady Bag" zurück und lässt eine verrückte alte Obdachlose gegen Ritter, Tod und Teufel antreten. Declan Burke erledigt in seinem Metakrimi "Absolut Zero Cool" einen schrecklich schlechten Schriftsteller mit morbiden Metaphern. Mehr lesen

Diego Marani: Neue finnische Grammatik

22.09.2014. Triest 1943. Ein verwundeter Soldat, hat Gedächtnis und Sprache verloren. Da in seine Jacke ein finnischer Name eingestickt ist, vermutet der Arzt Doktor Friari, dass es sich um einen Finnen handelt. Er bringt ihm mühsam etwas Finnisch bei und schickt ihn schließlich nach Helsinki. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Romam "Neue finnische Grammatik" von Diego Marani. Mehr lesen

Jedes Wort ein Diversant

08.09.2014. In Marcel Beyers neuem Gedichtband "Graphit", in dem vielfach Fotos Auslöser gewesen sein dürften, hört man immer wieder einzelne Stimmen im Thomas Klingschen Sinne heraus. Das Rheinland natürlich: flück flück flück. Eine Hommage. Mehr lesen

Archiv: Magazin

Der Druck der nächsten feinen Sache

10.09.2014. Neben dem Deutschen Buchpreis wirbt in Frankfurt auch die "Hotlist" der unabhängigen Verlage mit alternativen Lektüren um Aufmerksamkeit: Ein Streitgespräch zwischen Daniela Seel und Axel von Ernst über die Vermittlung von Literatur in Zeiten radikalen Wandels. Moderiert Mehr lesen

Die Buchkultur und der leere Stuhl

21.08.2014. Der Streit um Amazon in den USA und Deutschland ist Symptom einer säkularen Veränderung der Buchbranche. Der Appell an den Staat gegen die Internetgiganten wird nicht weiterhelfen: Die Impulse müssen aus der Gesellschaft kommen. Manifest für eine soziale Marktwirtschaft im Buch-Business. Mehr lesen

Adieu Spätaffäre, Willkommen Stichwörter

10.06.2014. Warum wir die Spätaffäre einstellen, die Magazinrundschau weiter liefern und Stichwörter einführen. Mehr lesen

Flirt mit dem chinesischen Modell

06.02.2014. In der Türkei hat das Parlament gestern Nacht ein Gesetz verabschiedet, das das Abschalten unliebsamer Webseiten erleichtert. Befürworter loben es als Schutz der Bevölkerung, Gegner sprechen von Zensur. Präsident Erdogan findet: Twitter ist der größte Unruhestifter in heutigen Gesellschaften. Mehr lesen

Blogtags