Bücherschau der Woche

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Literaturbeilagen

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Im Ententeich: Redaktionsblog

Die Nacht der Leistungsschutzrechte

Von Thierry Chervel

28.11.2012. Korrektur: In der ersten Version des Artikels habe ich die Debatte auf die Nacht von heute auf morgen angesetzt. Der Bundestag ist aber mächtiger als ich: Sie findet in der Nacht von morgen auf übermorgen statt. Pardon! Thierry Chervel

Korrektur: In der ersten Version des Artikels habe ich die Debatte auf die Nacht von heute auf morgen angesetzt. Der Bundestag ist aber mächtiger als ich: Sie findet in der Nacht von morgen auf übermorgen statt. Pardon! Thierry Chervel

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Der Bundestag ist eine beeindruckende Institution – Marcel Weiß und das Blog Digitale Linke der Linkspartei haben uns zuerst darauf aufmerksam gemacht (hier und hier). Wenn es drauf ankommt, arbeitet der Bundestag auch Nachts. Es ist kaum zu glauben, aber die Debatte zum Gesetzentwurf für ein Leistungsschutzrecht der Presseverlage ist für morgen Nacht zwischen 2 Uhr und 2.45 Uhr angesetzt – so die neueste Auskunft nach einem Anruf in der Pressestelle des Bundestags. In der Tagesordnung versteckt sich der Punkt Leistungsschutzrechte im TOP 19, in dem es um Urheberrechte geht (das Leistungsschutzrecht ist ja gerade kein Urheberrecht, aber man hat es so zusammengefasst).

Der Entwurf ist hier nochmal als pdf-Dokument nachzulesen. Zur Kasse gebeten werden sollen "Anbieter von Suchmaschinen und Anbieter von solchen Diensten im Netz.., die Inhalte entsprechend einer Suchmaschine aufbereiten, da deren Geschäftsmodell in besonderer Weise darauf ausgerichtet ist, für die eigene Wertschöpfung auch auf die verlegerische Leistung zuzugreifen. Nicht erfasst werden deshalb andere Nutzer, wie z. B. Blogger, Unternehmen der sonstigen gewerblichen Wirtschaft, Verbände, Rechtsanwaltskanzleien oder private bzw. ehrenamtliche Nutzer." Ob es etwa auch den Perlentaucher betrifft, wird mir daraus immer noch nicht klar. Aber eine Suchmaschine wie rivva.de wäre sicherlich betroffen.

Heute haben die Zeitungen, auf eine eher ungeschickte Kampagne von Google zurückgreifend, nochmal ihre besten Journalisten losgeschickt, um "das eigene Interesse als dasjenige der Allgemeinheit" auszugeben, wie es Michael Hanfeld in der FAZ Google vorwirft.

Stefan Niggemeier hat dazu in einem Blogbeitrag alles gesagt: "Wo waren die flammenden Kommentare oder auch nur die kritischen Berichte, als die deutschen Verlage eine Kampagne für das Leistungsschutzrecht fuhren, als sie zu Mikrofonständern mutierten, als Zeitungen wie die Welt und FAZ ihre eigenen Lobbyvertreter als unabhängige Experten ausgaben?" In der Debatte um das Leistungsschutzrecht entpuppten sich sämtliche Zeitungen bis hin zur renommierten SZ mit ihrem unschlagbaren Heribert Prantl (heute hier) als Desinformationsmedien.

Die Kostenpflichtigkeit von Informationsschnipseln konmt meiner Meinung nach einer Privatisierung der Information gleich. Information muss zirkulieren können. Die angeblichen Wächter der Demokratie machen sich zu ihren Totengräbern. Vor dem Bundesverfassungsgericht wird das Gesetz hoffentlich kläglich scheitern. Aber selbst bis dahin kann es schon Schaden anrichten. Schon die ganze Zeit hatte man den Eindruck, dass die Regierung sich eigentlich schämt, dieses völlig überflüssige Paragrafenwerk in die Welt zu setzen. Es wird keine notleidende Zeitung retten. Es ist, weniger als ein Jahr vor der Bundestagswahl, eine Hommage auf die Erpressungsmacht der Zeitungen, die Bild, gleichgeschaltet mit FAZ und SZ, zuletzt an Christian Wulff so symbolisch ausagierte. Google mag groß und mächtig sein, für die Politik hängt der Hammer immer noch woanders.

Thierry Chervel

twitter.com/chervel

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Archiv: Presseschauen

Ausstieg aus der Bausch-Endlosschleife

18.09.2014. EpdFilm stellt die Schauspielerin Brit Marling vor, die blond und klug ist. Die Nachtkritik lässt sich von Akira Takayama im Rhein-Main-Gebiet evakuieren. Der Tagesspiegel erlebt reine Überforderung in den Kunst Werken. Der Freitag vertraut in die Energie der südafrikanischen Born Frees. Die SZ benennt mögliche Rattle-Nachfolger. In der Zeit erklärt Peter Handke, warum er "unangenehme Könner" wie Michael Haneke nicht ausstehen kann. Mehr lesen

Sanfte Deformation des Netzes

18.09.2014. In der Zeit warnen Hamed Abdel-Samad und Paul Berman vor dem "Islamischen Staat", dessen religiöse Obszönitäten auf andere Islamisten beflügelnd wirkten - während die westlichen Intellektuellen schlafen. Heute stimmen die Schotten ab: Die FAZ kann ihre Genervtheit über die Engländer durchaus nachvollziehen. Der Herr der Fünf-Augen-Allianz will allerdings eine ganze Union. Die Welt ist entsetzt: Ein ungarischer Oberzensor soll EU-Kommissar für Kultur werden. Sascha Lobo zieht in Spiegel Online eine vernichtende Bilanz der NSA-Affäre.
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Leere Bühne

18.09.2014. Drohnen & Ballons: Das Internet der Zukunft kommt aus der Luft - Spiegel: Betriebsrat einstimmig gegen Chefredakteur Wolfgang Büchner - Genug gekuschelt! Warum die Autorisierungspraxis deutschen Medien schadet, erklärt Peter Littger - NSA-Skandal: Snowden-Doku feiert im Oktober US-Premiere - Fernab von Kaurismäki: Juha Itkonen über Finnland + Der Mensch als lebender Widersprecher: Wolfram Schütte über José Saramagos letzten vollendeten Roman "Kain". Mehr lesen

Dieser Ahhhhhhh-Moment

16.09.2014. In El Pais Semanal erklärt Javier Cercas, warum Katalonien nicht Schottland ist. Im Guardian lehnt Howard Jacobson den totalen Sieg im Diskurs ab. Mehr erhabene Kunst fordert in Nepszabadsag der neue Direktor der Budapester Kunsthalle. Der New Statesman porträtiert den Bürger als Kriegsberichterstatter. The Atlantic besucht einen afghanischen Jungen, der ein Mädchen ist. Die Hudson Review trauert mit Berlioz um Hamlet. Der New Yorker sucht Wonder Women. Mehr lesen

Archiv: Bücher

Szenen verschärfter metaphysischer Obdachlosigkeit

18.09.2014. Die Zeit reiht Wolfgang Herrndorfs nächste Woche erscheinendes Romanfragment "Bilder deiner großen Liebe" in die Liga der großen Außenseiterromane ein. Nur Lob hat sie auch für den neuen Band von Heinrich August Winklers "Geschichte des Westens" übrig. Als Pflichtlektüre für alle, die den Anschluss nicht verpassen wollen, bezeichnet die FAZ Christoph Keeses Bericht aus dem Silicon Valley. Und die FR empfiehlt südafrikanische Krimis von Deon Meyer und Mike Nicol. Mehr lesen

Jedes Wort ein Diversant

08.09.2014. In Marcel Beyers neuem Gedichtband "Graphit", in dem vielfach Fotos Auslöser gewesen sein dürften, hört man immer wieder einzelne Stimmen im Thomas Klingschen Sinne heraus. Das Rheinland natürlich: flück flück flück. Eine Hommage. Mehr lesen

Souveränes Schöpfertum

08.09.2014. Judith Hermanns Roman "Aller Liebe Anfang" zielt ins Herz der deutschen Mittelschicht. Sherko Fatah führt uns mit einem Übersetzer in den Irak. Silke Scheuermann besingt den Dodo. Und Geert Buelens zeigt uns Europas Dichter vor dem Ersten Weltkrieg. Dies alles und mehr in den interessantesten Büchern des Monats September. Mehr lesen

Hans Keilson: Tagebuch 1944

03.09.2014. Im März 1944 beginnt der Arzt und Schriftsteller Hans Keilson ein Tagebuch im holländischen Exil, mit gefälschtem Pass und teilweise im Versteck. Er schildert die Erfahrung des Untertauchens und berichtet von der Entfremdung gegenüber Frau und Kind, einer heimlichen Liebe, von Gedichten und Lektüre. Lesen Sie hier einen Auszug von April bis Oktober aus "Tagebuch 1944". Mehr lesen

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Der Druck der nächsten feinen Sache

10.09.2014. Neben dem Deutschen Buchpreis wirbt in Frankfurt auch die "Hotlist" der unabhängigen Verlage mit alternativen Lektüren um Aufmerksamkeit: Ein Streitgespräch zwischen Daniela Seel und Axel von Ernst über die Vermittlung von Literatur in Zeiten radikalen Wandels. Moderiert Mehr lesen

Die Buchkultur und der leere Stuhl

21.08.2014. Der Streit um Amazon in den USA und Deutschland ist Symptom einer säkularen Veränderung der Buchbranche. Der Appell an den Staat gegen die Internetgiganten wird nicht weiterhelfen: Die Impulse müssen aus der Gesellschaft kommen. Manifest für eine soziale Marktwirtschaft im Buch-Business. Mehr lesen

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10.06.2014. Warum wir die Spätaffäre einstellen, die Magazinrundschau weiter liefern und Stichwörter einführen. Mehr lesen

Flirt mit dem chinesischen Modell

06.02.2014. In der Türkei hat das Parlament gestern Nacht ein Gesetz verabschiedet, das das Abschalten unliebsamer Webseiten erleichtert. Befürworter loben es als Schutz der Bevölkerung, Gegner sprechen von Zensur. Präsident Erdogan findet: Twitter ist der größte Unruhestifter in heutigen Gesellschaften. Mehr lesen

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