Perlentaucher - Das Kulturmagazin

Anmelden | Mobil | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 04.09.2010, 22.19 Uhr

  • Drucken
  • Kommentieren
  • Kommentare lesen

Im Ententeich: Redaktionsblog

Zitieren Sie nicht die FAZ!

Von Anja Seeliger, 01.04.2009, 07:04

Vor einer Woche haben wir einen Artikel Thomas Hürlimanns aus der FAZ zitiert, so wie wir ja im Grunde seit bald zehn Jahren in unserer Feuilletonrundschau Artikel zitieren und Links auf sie setzen, auch aus der FAZ.

Aber nun haben wir einen Brief der FAZ bekommen, wonach wir Urheberrechte verletzt hätten. Für das "Bereitstellen" des Hürlimann-Artikels im Perlentaucher und bei Spiegel Online stellt uns die FAZ insgesamt 590 Euro in Rechnung. Wobei wir wie gesagt nur zitiert und verlinkt haben.

Hier der Brief (zum Vergrößern bitte aufs Bild klicken):

Bild zum Artikel

Wir haben das Hürlimann-Zitat erst mal gestrichen - aber für interessierte Blogger, die gern sicher gehen möchten, dass sie keinen ähnlichen Brief von der FAZ bekommen, hier die Information: das Zitat ging von "Nur an der Urne hat unser Staat etwas Hehres" bis zu "Mit Mundgeruch. Widerlich." Insgesamt 1.102 von 16.424 Zeichen. Blogger sollten sich künftig sehr genau überlegen, wieviel Zeichen FAZ sie zitieren.

Ob wir die 590 Euro zahlen müssen, wissen wir noch nicht. Wenn ja, dann wollen wir aber gern sicherstellen, dass Thomas Hürlimann seinen Anteil von der Summe erhält. Die FAZ spricht ja nicht nur für sich, sondern auch für Hürlimann. Denn in dem Brief spricht sie von Verletzung der Urheberrechte. Die FAZ hat keine Urheberrechte an Hürlimanns Artikel. Wird Hürlimann einen fairen Anteil der 590 Euro bekommen? Weiß er Bescheid?

Wir haben ihn gestern per Mail gefragt und warten noch auf Antwort.

3 Kommentare, kommentieren

Stichwörter: FAZ, Thomas Hürlimann

zurück zum Blog

Drucken | Kommentieren |

Leserkommentare (3)

Kommentar schreiben

Kommentare nach Datum sortiert:
neuester Kommentar zuerst | ältester Kommentar zuerst

Pater Rolf Hermann Lingen

22.06.2009 um 17:40:24 Uhr

Zu der Erlaubtheit von Zitaten s. das Urheberrechtsgesetz (UrhG), § 51, beginnend mit:
"Zulässig ist die Vervielfältigung, Verbreitung und öffentliche Wiedergabe eines veröffentlichten Werkes zum Zweck des Zitats, sofern die Nutzung in ihrem Umfang durch den besonderen Zweck gerechtfertigt ist."
Inwieweit sich dies auf Blogs anwenden lässt, dürfte wohl der konkrete Einzelfall entscheiden. Allerdings scheinen bei einem so kurzen Zitat die Ansprüche der FAZ generell ungerechtfertigt.

Trotzdem: Wer z.B. den Begriff "Buskeismus" kennt, wird sich bzgl. Aussichten auf ein gerechtes Urteil keinen Illusionen hingeben.

Permalink | Missbrauch melden

sbstnbentz

02.04.2009 um 13:46:19 Uhr

Wenn die Kavalleristenzeitung gegen die Indianer zieht wird's blutig!

Permalink | Missbrauch melden

Oberlausitzer

01.04.2009 um 11:10:48 Uhr

Mit der rechtlichen Frage will ich mich gar nicht befassen. Diese wird sich im Laufe der Zeit sowieso verändern, wenn das Internet immer neue Möglichkeiten gebiert. Aber zumindest, wenn die FAZ durchkommt und das Beispiel Schule macht, entsteht für mich ein Interessenkonflikt. Ich freue mich jedenfalls über je größere desto bessere Zitate, weil ich ja nicht alle Zeitungen lesen kann und erst recht nicht abonnieren will. Der "Perlentaucher" ist für mich DIE Presseschau schlechthin und gibt einen ziemlich guten Überblick auch über das Spektrum der Presse in unserem Land.
In diesem Sinne wünschte ich mir bleibende Freiheit (oder, wenn es sein muß, ein Agreement zugunsten des Perlentaucher). 590 Euro sind sicher ein guter Preis, aber wenns öfter kommt, geht auch der Perlentaucher in die Knie. Das wünsche ich ihm nicht.

Permalink | Missbrauch melden

Archiv: Presseschauen

Das Verschwinden der Fische

04.09.2010. Die NZZ liefert eine wohltuend nüchterne Besprechung von Thilo Sarrazins Buch und erinnert daran, dass auch Sozialdemokraten einst eugenisches Gedankengut pflegten. Sarrazin droht, gegen eine Entlassung zu klagen, meldet die Welt, die außerdem Claude Lanzmanns nordkoreanische Liebesgeschichte erzählt. In der taz stellt der Theatermann Schorsch Kamerun klar: Er möchte nicht gesponsort, sondern lieber nur subventioniert werden. In der Berliner Zeitung beklagt der Tourneeveranstalter Berthold Seliger das neue Biedermeier in der subventionierten Kultur. In der FR erfahren wir vom Hirnforscher Christian E. Elger: Der Mensch ist gut. Die SZ erzählt die Geschichte der Moschee von München, die ihr erst von einem Amerikaner aufgedeckt werden musste. Die FAZ bringt Auszüge aus Fritz J. Raddatz' Tagebüchern. Mehr lesen

Wir verblöden weiter

03.09.2010. Wolf Wagners Studie "Tatort Universität" - Alles auf Aha-Erlebnis: Abschied vom Nachkriegskonsens? oder Worum es in der Sarrazin-Debatte geht - Aus einer anderen Zeit: Die Veröffentlichungsgeschichte des DEFA-Films "Die Taube auf dem Dach" - Urheberrecht: Ein Massenphänomen - Ifa-Trends 2010: Anschluss verloren - Jonathan Franzen: Der Autor, das Epos und der Hype + Die Links der verwehenden Woche. Mehr lesen

Karikaturen und Cartoons

03.09.2010. Puzzlespiele. Mehr lesen

Ich mag einen kräftigen Downbeat

31.08.2010. Im Guardian erklärt John Gray, warum es genügt, Tariq Ramadan zu tolerieren statt zu respektieren. Das Magazin liest den neuen Roman von Bret Easton Ellis. Der New Yorker wendet sich ab vom Originalitätsdünkel. In El Pais Semanal feiert Wole Soyinka die befreienden Auswirkungen der Globalisierung. Magyar Narancs hält nichts vom französischen Burkaverbot. Die New York Times ruft: Hebe deine nördliche Hand und bewege dein südliches Bein ostwärts. Mehr lesen

Archiv: Bücher

Dialoge (und Mono-, Tria-, Tetraloge)

04.09.2010. Viele lesenswerte Rezensionen heute in der NZZ. Atemberaubend erscheint ihr der Roman "Fegefeuer" der jungen finnischen Autorin Sofi Oksanen über die Gräuel in Estland nach dem Krieg. Nüchtern und informativ ist die NZZ-Besprechung zu Thilo Sarrazin. Spannend die Auseinandersetzung mit dem Romancier und Tagebuchautor Sandor Marai. Und faszinierend die Neuübersetzung von William Gaddis' Roman "JR". Die FAZ bringt die erste Besprechung von Jonathan Franzens "Freiheit'": Simply ein Must.
Mehr lesen

Hannah Arendt, Gershom Scholem: Der Briefwechsel

30.08.2010. Von 1939 bis 1964 führten Hannah Arendt und Gershom Scholem einen intensiven Briefwechsel, in dem sie sich über jüdische Geschichte und jüdisches Selbstverständnis auseinandersetzten. Lesen Sie hier Auszüge aus der Korrespondenz, in denen es um Walter Benjamins Tod und Hannah Arendts Bericht "Eichmann in Jerusalem" geht. Mehr lesen

Die Farbe von Kopfweh

26.08.2010. Louise Welsh zeichnet in ihrem Krimi "Das Alphabet der Knochen" ein wenig charmantes Bild vom Universitätskader. Selbst Kindermörder sehen besser aus. Jedediah Berry pflanzt uns das "Handbuch der Detektive" ins Unterbewusstsein. Mehr lesen

Ich verhungere auch

05.08.2010. Marketa Pilatova zeigt uns vier Frauen, die ums Glück kämpfen. Elizabeth Strout zeigt uns eine nicht nette Frau mit Empathie. Vladimir Sorokin schickt uns noch einmal zur Bruderschaft des Lichts. Wojciech Jagielski porträtiert die irre ugandische Lords Resistance Army. Kirsten Heisig erklärt, warum jugendliche Straftäter nicht härter, sondern schneller bestraft werden sollen.
Mehr lesen

Archiv: Magazin

Väinemöinen greift zur Kantele

05.08.2010. Der estnische Komponist Veljo Tormis, der mit seiner zugleich modernen und archaischen Chormusik die "Singende Revolution" inspirierte, ist im Westen noch viel zu unbekannt. Sein Leben. Seine Musik - mit Hörbeispielen. Mehr lesen

Entscheidung verschoben

15.07.2010. Die Entscheidung des BGH im Prozess FAZ und SZ gegen Perlentaucher wurde auf den 30. September verschoben. Mehr lesen

Islamischer Calvinismus

11.05.2010. In Istanbul soll einer der ältesten und traditionsreichsten Kinosäle abgerissen und das Kino selbst, das Emek, in ein neues Einkaufszentrum verfrachtet werden. Dagegen wehren sich nicht nur Filmregisseure, sondern auch Architekten und Denkmalschützer. Mehr lesen

Gezwitscher

18.03.2010. Das Telefon klingelte und der Anrufbeantworter sprang an, das Notebook meldete ein Twitter-Update und an der Haustür klopfte es unerhört selbstbewusst... Eine Erzählung Mehr lesen