Perlentaucher - Das Kulturmagazin

| Folgen Sie uns auf Twitter | Folgen Sie uns auf Facebook | Anmelden | Mobil | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 12.25 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Im Ententeich: Redaktionsblog

Hyperlokale wunde Punkte

Von Lara Brünjes, 28.09.2010, 13:09

"Journalism is publishing what someone doesn't want us to know, the rest is propaganda." Dieses Zitat von Horacio Verbitsky steht auf der Startseite des Blogs regensburg-digital. Es ist das Credo von Stefan Aigner, freier Journalist: Er hat sich der lokalen Berichterstattung im Internet verschrieben. Das Blog zeigt sich mit unabhängiger Recherche kritisch gegenüber örtlicher Politik, bietet den Bürgern ein Forum direkt unter den Artikeln und entwickelt so einen produktiven und differenzierten Austausch zwischen Journalist und Leser. In den Kommentaren zu den Recherchen Aigners, etwa zum katastrophalen Zustand eines Regensburger Schulgebäudes, werden lebhafte Diskussionen geführt, unter anderem auch von Betroffenen, in diesem Fall den Schülern.

Besonders kritische Berichte des Blogs zur Personalpolitik des Möbelhauses XXXLutz wurden mit Unterlassungsverfahren desselben beantwortet - sie blieben vor Gericht aber erfolglos. Auch die Nürnberger Rüstungsfirma Diehl ging gerichtlich gegen Aigner vor und erwirkte eine einstweilige Verfügung, weil der Blogger deren Produkt "Smart 155" als "Streumunition" bezeichnet hatte (Hier der Hintergrund dazu in der taz). Aigner schreibt auf seinem Blog unabhängig, kritisch, zuweilen drastisch formulierend und unverhohlen wertend - und ist damit vielen lokalen Firmen, Politikern und Institutionen ein Dorn im Auge.

Denn ... mehr lesen

Kommentare

Antje Vollmer hätte keine Rede für Westergaard gehalten

Von Thierry Chervel, 23.09.2010, 14:09

"Ich halte es für unklug. Für eine Staatsfrau halte ich es für sehr unklug", antwortete die Grünen-Politikerin Antje Vollmer in einer Diskussion (etwa ab Minute 15) des SWR auf die Frage, was sie davon hält, dass sich Angela Merkel in einer Rede dezidiert für Kurt Westergaard, den Zeichner einer bekannten Mohammed-Karikatur, einsetzte.

Die Grünen, so scheint es, haben ein taktisches und opportunistisches Verständnis von Meinungsfreiheit. Nach Renate Künast hat sich mit Antje Vollmer nun die zweite Grünen-Poltiikerin mit Kritik an Angela Merkels Rede zur Auszeichnung Kurt Westergaards gemeldet.

Zur Erinnerung: All jene Chefredakteure, die seinerzeit nicht den Mut aufbrachten, Westergaards Karikatur zu drucken, hatten ihn am 8. September mit einem Preis für Pressefreiheit bedacht. Angela Merkels Rede zu diesem Anlass war bemerkenswert. Sie ließ die hohen Herren indirekt wissen, dass sie an ihrer Stelle die Karikatur gebracht hätte. Sie hatte sich bei vergleichbaren Gelegenheiten ? auch bei der Frage, ob sie diese Rede für Westergaard halten solle ?  jedenfalls für die Freiheit entschieden: "Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut."

Es war an diesem feierlichen Tag Konsens in der deutschen Presse, dass man die Meinungsfreiheit im Prinzip hochhalten soll, auch wenn ... mehr lesen

Kommentare

'Ihr seid Sieger!'

Von Thekla Dannenberg, 21.09.2010, 13:34

Warum verehren heute wieder so viele Russen Stalin? Wie arbeiten die ehemaligen Sowjetrepubliken den Stalinismus auf? Über diese Fragen diskutierten gestern abend in der Heinrich-Böll-Stiftung die Weißrussin Swetlana Alexijewitsch, der Georgier Lascha Bakradse und die Russen Arsenij Roginskij und Andrei Sorokin. Der Abend war ein weiterer Höhepunkt des bisher schon so reichen Internationalen Literaturfestivals Berlin. "Die Luft ist schwer zu atmen geworden", sagte der Moskauer Historiker Andrei Sorokin, der 1991 den Verlag Rosspen gegründet hatte, um in Zusammenarbeit mit der Organisation Memorial in einer hundertbändigen Reihe die entscheidenden Dokumente und Schriften zur Geschichte des Stalinismus zu veröffentlichen. Wie Sorokin in seinem Eingangsstatement erklärte, ist nicht unbedingt die Verdrängung des Stalinismus das Problem in Russland, auch wenn tatsächlich die Bemühungen um die historische Erforschung und den wissenschaftlichen Diskurs zunehmend torpediert würden. Das weitaus gravierendere Problem sei die positive Verklärung Stalins nicht nur in Fernsehserien, sondern auch in Schulbüchern. 1989 sahen nur 18 Prozent der Bevölkerung in Stalin einen Wohltäter des russischen Volkes, berichtet Sorokin, 1998 waren es bereits 36 Prozent und heute sind es über 50 Prozent. Da könne man nicht einmal mehr von einem mythologischen Stalin-Bild sprechen, das sei eher ein zoologisches, gibt Sorokin ... mehr lesen

Kommentare

Swetlana Alexijewitsch

Von Anja Seeliger, 20.09.2010, 13:17

Heute abend diskutieren in Berlin die Reporterin Swetlana Alexijewitsch, der Historiker Andrei Sorokin, der Historiker und Mitbegründer von Memorial Arsenij Roginskij und der Historiker Lascha Bakradse über die Aufarbeitung des Stalinismus in den postsowjetischen Staaten. Swetlana Alexijewitsch ist in Russland und Weißrussland berühmt für ihre literarischen Reportagen. Auch im Westen ist sie keine Unbekannte, doch ist sie hier längst nicht so bekannt wie beispielsweise Ryszard Kapuscinski. Am Freitag trat sie schon im Collegium Hungaricum auf, um aus ihrem neuen Buch "Second-Hand-Zeit - Das Ende des roten Menschen" vorzulesen (noch nicht erschienen). "Ich habe versucht ein Bild von der neuen Welt nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, dem Zusammenbruch der Utopie darzustellen", sagte sie. "Jetzt gibt es den freien Menschen, dachte ich. Aber er ist zu dieser Freiheit nicht bereit. Er ist ein Sklave. Ich versuche das zu verstehen."

Sie erzählte von Anna, der 59-jährigen Architektin. Im Gulag geboren, mit fünf Jahren von ihrer Mutter getrennt und in ein Waisenhaus gesteckt, wo sie Loblieder auf Stalin sang und geprügelt wurde, weil man das mit solchen wie ihr ja machen durfte. Als ihre Mutter sie Jahre später aus dem Waisenhaus abholte ... mehr lesen

Kommentare

Die Muster des Kulturalismus

Von Thierry Chervel, 08.09.2010, 17:09

Thilo Sarrazin kam den Feinden von Islamkritikerinnen wie Necla Kelek oder Ayaan Hirsi Ali wie gerufen. Er liefert ihnen endlich das Szenario, von dem sie schon lange träumten. Sarrazin entstellt ihnen mit seiner eugenischen Argumentation die verhasste Kritik von Religion und Tradition und unseren Arrangements mit der Malaise zu angeblicher Kenntlichkeit. In der heutigen Zeit sehnt sich Thomas Assheuer eine rechtspopulistische Partei herbei, in der sich Eva Hermann, Necla Kelek, Norbert Bolz und nebenbei auch der Perlentaucher um Thilo Sarrazin scharen, den sich Assheuer als eine Art Geert Wilders - oder gar Haider? - zu imaginieren scheint. In die gleiche Kerbe haut eine Rede des FAZ-Feuilletonchefs Patrick Bahners, die noch vor der Sarrazin-Debatte gehalten wurde und in der Necla Kelek zu einem Heinrich Treitschke der Gegenwart umgemodelt wird. Kelek sagt: Der Islam ist das Problem. Und Treitschke sagte: Die Juden sind unser Unglück. Man weiß ja, wohin das führte. Assheuer und Bahners werfen sich schon mal in die Joppe des Resistants.

Dabei ahnen sie nicht, dass sie Sarrazin wesentlich mehr ähneln, als man es von Necla Kelek behaupten kann, die nur Sarrazins Darstellung der Missstände in Deutschland und sein Recht auf freie Meinungsäußerung verteidigt.

mehr lesen

Kommentare

Shortlist für den Deutschen Bücherpreis veröffentlicht

Von Lara Brünjes, 08.09.2010, 12:09

Die Jury hat heute die Shortlist-Nominierungen für den Deutschen Buchpreis 2010 bekanntgegeben. Die Romane von Autorengrößen wie Thomas Hettche und Martin Mosebach schafften es nicht unter die letzten sechs:

Jan Faktor
Georgs Sorgen um die Vergangenheit...
Kiepenheuer & Witsch

Thomas Lehr
September. Fata Morgana
Hanser

Melinda Nadj Abonji
Tauben fliegen auf
Jung und Jung

Doron Rabinovici

Andernorts
Suhrkamp

Peter Wawerzinek

Rabenliebe
Galiani Berlin

Judith Zander
Dinge, die wir heute sagten
Deutscher Taschenbuch Verlag

Der Buchpreis wird am 4. Oktober in Frankfurt verliehen.
mehr lesen

Kommentare

Archiv: Presseschauen

Für Ohrfeigen geboren

11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen

Ewig lockt das Buch

10.02.2012. Josef Joffe meint: "Die Print-Zeitung wird vergehen, das Buch bleibt bestehen" - Leonard Novy fordert eine neue Medienpolitik für neue Medien - Wolfgang Michal fragt: Ist ACTA Ansgar Hevelings Kriegserklärung? - Blutgrätsche gegen Medienpläne: Bundesliga-Pläne der Telekom in Gefahr - Schöner debattieren? Vocer und Diskurs@Deutschlandradio. Mehr lesen

Morbid-intimes Sentiment

07.02.2012. Der Economist und Himal schildern die unerfreuliche Lage Homsexueller in islamischen Ländern. Wired porträtiert die Pariser Untergrundbewegung Urban eXperiment. Dem Guardian läuft in Wien ein Proustscher Schauer über den Rücken. Caffe Europa betrachtet die verführerische Unordnung in Japan. In Russland können Linke, Rechte und sogar Liberale Nationalisten sein, notiert Nicu Popescu in Open Democracy. Sony untergräbt die langsame Liberalisierung der indischen Zensur, fürchtet Outlook India. Die NYRB fühlt mit kleinen mutlosen Italienern. Mehr lesen

Karikaturen und Cartoons

27.01.2012. Vorbild Belgien. Mehr lesen

Archiv: Bücher

Uangenehm plausibel

11.02.2012. FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen

Joan Didion: Blaue Stunden

09.02.2012. In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen

Maria Sonia Cristoff: Unbehaust

06.02.2012. Zum Glück erinnern sich die meisten Tiere nicht an das, was wir Menschen ihnen antun. Leseprobe Mehr lesen

Erde im Blut

17.01.2012. In Parker Bilals "Die dunklen Straßen von Kairo" kämpft Privatdetektiv Makana für Aufklärung und bringt damit Magnaten und Sittenwächter gegen sich auf. In "Der achte Zwerg" lässt Ross Thomas einen Nazijäger durch das Deutschland im Jahre Null jagen. Mehr lesen

Archiv: Magazin

Selbst ist der Autor

09.02.2012. Die entscheidenden Akteure im Buchmarkt sind die Leser und die Autoren. Sie können nun direkt zueinander finden. Eine Antwort auf Jürgen Neffe von Cora Stephan Mehr lesen

Selbst ist der Autor

08.02.2012. Die entscheidenden Akteure im Buchmarkt sind die Leser und die Autoren. Sie können nun direkt zueinander finden. Weitere Regulierungen braucht es nicht. Eine Antwort auf Jürgen Neffe Mehr lesen

Der Abschied vom Universum Buch

30.01.2012. Jürgen Neffe will einen anti-globalen Schutzwall um einen Markt ziehen, der sich bereits in völliger Auflösung befindet. Das wird nicht funktionieren. Trotzdem braucht der Wandel gute Rahmenbedingungen. Mehr lesen

FAZ und SZ gegen Perlentaucher: Das Urteil

01.11.2011. Nach fünf Jahren ist es jetzt amtlich: Der Perlentaucher darf 13 Abstracts zu FAZ- und SZ-Buchkritiken nicht mehr vertreiben, entschied heute das OLG Frankfurt. Mit ihren weitergehenden Anträgen sind die Zeitungen gescheitert. Mehr lesen