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Wolframs schöne neue Antwortenwelt
Von Frauke Fentloh, 17.03.2009, 09:03
In zwei Monaten, verkündet Stephen Wolfram, werden wir das Wissen der Menschheit im Internet erfragen können. Die Vorstellung erscheint gleichermaßen verlockend und gruselig - praktisch jedenfalls und bequem, aber auch irgendwie eindimensional. Wolfram zumindest ist sich sicher: Das ist es, wovon der Mensch träumte, vor fünfzig Jahren, als die Computer groß wurden.
Mit dem Search Engine "Wolfram Alpha" soll es künftig möglich sein, einer Suchmaschine konkrete Fragen zu stellen, statt, wie etwa bei Google, im Netz publizierte Schriften mithilfe von Schlagworten zu durchsuchen. "Die Menschen kommunizieren normalerweise über natürliche Sprache. Und wenn man es mit dem gesamten Spektrum des Wissens zu tun hat, denke ich, dass dies auch die einzige realistische Option ist, um mit Computern zu kommunizieren", schreibt Wolfram in seinem Blog. Bisher könne man nur Antworten auf Fragen finden, die irgendwann, irgendwo schon einmal gestellt worden sind. Das soll sich mit "Wolfram Alpha" ändern: Statt nachzuschlagen, werde das System Wissen neu "berechnen". Möglich soll dies werden mit den Algorithmen aus Wolframs Software "Mathematica".
Der Internet-Unternehmer Nova Spivack durfte bereits einen Blick auf die ambitionierte Suchmaschine erhaschen und ist begeistert. "Das ist der nächste Schritt zur weltweiten Verteilung von Wissen und Intelligenz - ein neuer Sprung in der Intelligenz unseres gemeinsamen 'globalen Gehirns'", ist er sich sicher.
Das Ganze, erläutert Spivack, ist nicht das Werk von künstlicher Intelligenz, sondern von rund hundert Mitarbeitern, die in den letzten Jahren Daten in das von Wolfram entwickelte System eingegeben haben. Kombiniert mit den mathematischen Algorithmen lasse sich aus diesen Datensätzen Wissen generieren: "Sie haben ein System gebaut, das in der Lage ist, Berechnungen über enorme Datenmengen anzustellen, die die reale Welt repräsentieren. Und wichtiger noch, es ermöglicht jedem, seine eigenen Berechnungen zu konstruieren - einfach durch das Stellen von Fragen."
Die Suchmaschine kann also neues Wissen generieren, wenn man sie darum bittet.
Zur Kalkulierung dieses Wissens hat Stephen Wolfram ein Set von möglichen zu stellenden Fragen und die Daten zur dazugehörigen Antwort in Bausteine zerlegt. Mithilfe dieser Datenbruchstücke könne dann die Antwort zur gestellten Frage berechnet werden. Wie genau das funktionieren soll, bleibt natürlich nebulös. "Alles, was man tun muss, ist Fragen zu nehmen, die Menschen in natürlicher Sprache stellen könnten, und sie einer präzisen Form zu repräsentieren, die zu den Berechnungen passt, die man machen kann", schreibt Wolfram in seinem Blog.
Sicher scheint jedenfalls: Wolfram Alpha steckt den Rahmen für die übermittelten Informationen ab, die Möglichkeit zur Abwägung verschiedener Quellen wird es nicht bieten. Die Daten, aus denen die Antworten konstruiert werden, wurden zuvor ausgewählt und eingegeben von Wolfram und seinen Mitarbeitern. Natürlich geht es bei dem Projekt vor allem um die Vermittlung von Faktenwissen - doch auch bei dieser Differenzierung lassen sich Spielräume unterschiedlich weit auslegen. Ist die Evolution etwa ein Faktum? Meine Antwort wäre ein klares "ja". Für andere mag sie ein biologistischer Mythos sein. Herkömmliche Suchmaschinen können undifferenziert sein, mitunter nervtötend und zudem wenig zielgerichtete Ergebnisse ausspucken - dennoch bieten sie die Möglichkeit eigener Sondierung, der Auswahl von Quellen und die Berücksichtigung verschiedener Standpunkte.
Die Idee eines "globalen Gehirns", das Antworten generiert, scheint da doch eher unheimlich als verlockend. Ob das Ganze überhaupt funktionieren kann, steht auf einem anderen Blatt - schließlich kommt der Plan, das "gesammelte Wissen" der Menschheit zu konservieren einer Sisyphusarbeit gleich. Wolfram selber räumt in seinem Blog ein, dass die Geschichte von Wolfram Alpha eine unendliche sein muss: "das Projekt wird nie beendet sein." Im Mai jedoch werden Wolfram und seine Mitarbeiter soweit sein, der Öffentlichkeit ihre Antwortenmaschine zu präsentieren, dann geht das Programm unter www.wolframalpha.com online. Man darf gespannt sein auf diese schöne neue Antwortenwelt.
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