Bücherschau der Woche
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- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
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Außer Atem: Das Berlinaleblog
Die Berlinale-Bären 2011
Von Anja Seeliger, 19.02.2011, 19:02
Goldener Bär für den besten Film: Asghar Farhadi für "Nader And Simin, A Separation"
Silberner Bär für beste Regie: Ulrich Köhler für "Schlafkrankheit"
Silberner Bär für die beste Hauptdarstellerin: das weibliche Darsteller-Ensemble in "Nader and Simin"
Silberner Bär für den besten Hauptdarsteller: das männlichen Darsteller-Ensemble in "Nader and Simin"
Preis der Ökumenischen Jury: Asghar Farhadis "Nader and Simin"
Alfred-Bauer-Preis: Andres Veiel für "Wer wenn nicht wir"
Großer Preis der Jury: Bela Tarr für "The Turin Horse"
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bären 2011
Einäugige und Halbblinde
Von Ekkehard Knörer, 19.02.2011, 10:30
Die der Berlinale wohlgesonneneren unter den Kritikern machten vorab mal wieder die Weltlage des Kinos verantwortlich für den in diesem Jahr für den Wettbewerb absehbaren Magerquark, der in einem Programm von nicht mehr als 16 für den Goldenen Bären antretenden Filmen schon quantitativ vorab erkennbar wurde. Als könnte die Finanzkrise etwas dafür, dass Dieter Kosslick und sein Auswahlkommittee den Wettbewerb in den letzten Jahren mit äußerster Konsequenz zuschanden geritten haben. Allein der Blick auf Cannes, wo sich, wie man jetzt schon gut sehen kann, die großen Namen - und zwar die der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft des Kinos - ballen, wo die vertretenen Filme jedenfalls interessanter scheitern werden als sie bei der Berlinale moderato gelingen.
Weil klagen nichts hilft, flehen nichts hilft, hoffen nichts hilft, schimpfen nichts hilft, beten nichts hilft, verzweifeln nichts hilft, schmeicheln nichts hilft und argumentieren schon am allerwenigsten hilft, seien ein paar Tendenzen wenigstens benannnt, die nicht neu sind, sich diesmal aber doch noch einmal zuspitzten und verschärften. Bei 400 Filmen ist es sinnvoll, sich zu konzentrieren, und notgedrungen konzentriert sich, wer über das Kosslick-Profil der Berlinale spricht, auf den Wettbewerb. Allerdings machen Seitenblicke in andere Sektionen sehr klar, dass auch da inzwischen
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abschlusstext, alexander mindadze, andres veiel, asghar farhadi, bela tarr, christoph terhechte, dieter kosslick, forum 2011, wettbewerb 2011
Spricht chorisch Vitruvisches: Jaume Collet-Serras 'Unknown'
Von Ekkehard Knörer, 18.02.2011, 17:02

Was kann man Höheres und Schöneres erreichen im Blockbuster-Kino als eine Szene, in der es der Plot des Films möglich macht, dass Liam Neeson und Aidan Quinn chorisch einen Satz mit irgendwas über Vitruv sprechen, aus heiterem Himmel, und selbst nicht begreifen, warum sie tun, was sie da tun? Oder Bruno Ganz als stolzen Ex-Stasimann und nunmehr in Friedrichshain residierenden Privatdetektiv in den Armen eines von Frank Langella gespielten Oberbosses der Killer nach genossenem Trank aus dem Schierlingsbecher in aller Ganovenehre dahinscheiden zu lassen? Oder bei einem Anschlag auf einen Scheich, der in Sachen Weltrettung oder dergleichen unterwegs ist, die oberen Stockwerke des Hotel Adlon in die Luft zu jagen? (Szenenapplaus.) Und January Jones (Betty Draper!) in der Neuen Nationalgalerie gemeinsam mit Stipe Erceg (sie nannten ihn "er war viel im Bild und sprach kein einziges Wort") durch Spalier stehende riesige Porträtfotografien zu fädeln zum Zweck eines Judaskusses, den sie dann wieder Liam Neeson gibt?
Die Plausibilisierung (bzw. "Plausibilisierung") unwahrscheinlichster Aktionen, Sachverhalte, Menschen-, Raum-
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berlin, jaume collet-serra, unknown, usa, wettbewerb 2011
Lokaler Konfliktbewältigungsfilm: Joshua Marstons 'The Forgiveness of Blood'
Von Ekkehard Knörer, 18.02.2011, 12:00

In Albanien, auf dem Dorf. Mit Handys mit Videofunktion und Computerspielen ist alles dem Anschein nach auf dem Gegenwartsstand der westlichen Zivilisiertheit. Auch Kamera und Erzählweise sind mit technisch halbwegs versierter Middlebrow-Vorhersehbarkeit zugange. Ein paar Menschen lernt man, teils bei ihnen zuhause, teils in der Kneipe kennen und begreift sofort: Hier wird ein Knoten geschürzt. Eine Wegerechtsstreitigkeit führt zu einem Mord oder Totschlag und der Umgang mit der Tat lehrt, dass in diesem Dorf in Albanien ein aus westlicher Sicht etwas problematisches funktionales Äquivalent des kodifizierten und ausdifferenzierten Rechtssystems herrscht, das wir kennen und lieben: der Kanun.
Aus dem Wikipedia-Artikel: "Grundlage des Kanuns ist das Leben in der Großfamilie, in welcher in der Regel drei Generationen unter der Anführerschaft des ältesten Mannes unter einem Dach wohnten. Die Gesetzessammlung regelt die Bereiche Schuldrecht, Ehe- und Erbrecht, Strafrecht sowie Kirchen-, Landwirtschafts-, Fischerei- und Jagdrecht ziemlich umfassend. Im Strafrechtsbereich ist der Kanun noch von der Ehrverletzung geprägt, wobei der Begriff des Gottesfriedens als Teilaspekt der Besa bereits bekannt ist. Da der Kanun bis heute tief im Denken der nordalbanischen Gegen verwurzelt ist, entsteht oft ein Konflikt zwischen modernen Gesetzen und dem
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Verbindet Ökonomie und Action: Dante Lams 'The Stool Pigeon'
Von Thomas Groh, 18.02.2011, 10:05

Die Schulden des frisch aus dem Knast entlassenen Ghost Jr. (Nicholas Tse) belaufen sich auf rund 800.000 Dollar. Bis er die, was unwahrscheinlich ist, zusammenkriegt, bleibt seine Schwester in den Händen von Zuhältern. 780.000 Dollar kostet ein kleiner Ohrring in einem Edel-Schmuckladen, der bis unter die Decke vollgepackt ist mit solchem und teureren Schmuck. Der Juwelier soll ausgeraubt werden - Ghost Jr. ist da nur eines von vielen Rädchen im Getriebe. Zugleich ist Ghost Jr. Spitzel für die Polizei - wenn alles glatt läuft und am Ende seiner Tätigkeit eine Verhaftung steht, erhält er eine Million Dollar.
Mit viel Sorgfalt fächert Dante Lam ein ökonomisches Geflecht aus - und stellt dabei stets die Wertfrage: Was ist ein Menschenleben wert - auf der Straße, auf dem Strich, im Knast? Vom Edeljuwelier bis zur verlausten Kleinstwohnung, von Konsumtempelbewohnern bis zum wirren Obdachlosen liegen bei Dante Lam nur wenige Schnitte - und, wenn man die Kompaktheit der Hongkonger Innenstadt berücksichtigt, kaum viel mehr Schritte. Es ist eine vollgestellte Welt, Dante Lams Figuren ertrinken regelrecht in Dingen und Waren: Eingegliedert in einem ökonomischen, höchst vitalen Prozess - der angehäufte Schmuck -, in einen zumindest funktionalen
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Psychodama als Kammerspiel: Jonathan Sagalls 'Odem'
Von Ekkehard Knörer, 18.02.2011, 10:02

Lara, weiblich, nicht allzu glücklich, aber auch wieder nicht unglücklich verheiratet, nicht mehr ganz jung, aber auch noch nicht alt, sucht keinen Kontakt mehr zu ihrer Freundin Inan. Dann aber steht diese eines Tages vor ihrer Tür. Einen Tag zu spät, ihren Geburtstag hat Lara am Vortag gefeiert. Etwas stimmt nicht zwischen den beiden Frauen, was genau allerdings nicht im Lot ist, erfährt man nur nach und nach, Scheibchen für Scheibchen, in einer mehr aufwendigen als ertragreichen Rückblendenstruktur.
Vor dreizehn Jahren kamen beide aus Ramallah nach London und verdrängten, eine Zukunft im ersehnten Wohlstand erhoffend, ihre palästinensische Herkunft. Beide sprechen gut Englisch und bei der etwas unheimlichen, unterschwellig Richtung Psychothriller weisenden Wiederbegegnung verbieten sie sich arabische Worte. Die eine, Lara, ist kontrolliert, bei der anderen, Inan, scheint etwas lose. Lara wirft Inan nicht aus dem Haus, geht ihrem Tagwerk nach, bringt den Sohn zur Schule, empfängt den Mann, der die kaputte Geschirrspülmaschine repariert.
Es drängen sich Inan und die gemeinsame Vergangenheit in oft mehr gewollten als gekonnten Anschlüssen dazwischen. Man erfährt: die sehr attraktive Inan war immer eine ziemlich männermordende Person, Lara hat dafür nun (sie betrügenden) Mann
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Ups and Downs einer Beziehungskiste: Andres Veiels 'Wer wenn nicht wir'
Von Thomas Groh, 18.02.2011, 08:00

Für Katzen ist das kein guter Berlinalewettbewerb: In "The Future" (unsere Kritik) stirbt eine im Heim über Beziehungskrisen nicht abgeholte Katze den Tod durch Einschläferung, bei "Wer wenn nicht wir" wird gleich zu Beginn eine Katze standesgemäß erschossen. Das Jahr ist 1949, auf der anderen Seite des Gewehrs steht Will Vesper, Literat im Dienste des Dritten Reiches, und hält eine pädagogische Rede an den Sohn, Bernward Vesper: Die Katzen gehören nicht zu uns, sie stammen aus dem Orient und sind damit die Juden unter den Tieren und insbesondere diese Katze, die des Sohns, tötete die schönen Nachtigallen.
Den Weg von der hingerichteten Katze bis zum hingerichteten Schleyer geht "Wer wenn nicht wir" als Spielfilm über die Wiegenzeit der RAF zwar nicht, doch bleibt die tote Katze prägend. Bernward (August Diehl) studiert Germanistik, lernt Gudrun Ensslin kennen (Lena Lauzemis) und gründet mit ihr in den frühen Sechzigern einen Verlag zur Pflege des Vaterwerks, das jedoch, aus verständlichen Gründen, keiner lesen will. Es folgt der Weg in die 60er: Pop, Studentenbewegung, offene Revolte. Die Bekanntschaft mit Andreas Baader (Alexander Fehling), stürzt das ohnehin krisengeschüttelte Paar vollends in die Entfremdung:
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andreas baader, andres veiel, bernward vesper, deutschland, gudrun ensslin, politisches kino, raf, wer wenn nicht wir, wettbewerb 2011
Will nichts, wagt nichts: Lee Yoon-kis 'Come Rain, Come Shine'
Von Lukas Foerster, 17.02.2011, 17:00

Im Auto, auf dem Weg zum Flughafen, kündigt die Frau dem Mann die Ehe auf. Leider fliegt der Film dann nicht mit ihr fort, sondern kehrt ins gemeinsame Domizil zurück, bleibt am Boden, in jeder Hinsicht. Mit sinnloser Geduld verfolgt er die Minutiae der Trennung: Sie packt Geschirr in Plastikfolien, er packt es wieder aus. Sie blättert in einem alten Kochbuch, er macht Reservierungen in einem Restaurant. Er ist zuvorkommend, sie wirft ihm Selbstsucht vor. Manchmal springt die Kamera zurück und rückt Möbelstücke in den Vordergrund. Die Möbel, die Rückstände der Ehe blicken auf die Scheidungswilligen. Das ist aber auch schon die einzige formale Idee, die einzige Art, auf der sich der Film zu seinem Gegenstand verhält. Nach einer Stunde ein erster Höhepunkt: Der Mann rettet eine wirklich sehr niedliche junge Katze vor dem Regen. Ach ja: der Regen. Den gibt es schon im Titel, später in fast jeder Einstellung. Ebenfalls im Titel wird er aber auch schon wieder entschärft: der Sonnenschein wird zurückkommen, nur eben nicht in diesem in ewig kaltes bläuliches Licht getauchten Film.
Am Ende werden ausführlich Spaghetti gekocht (Kulinarisches Kino, anyone?). Parallelen gibt es da zu der
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Erstarren in der Gegen-Konvention: Jan Krügers 'Auf der Suche' und Elke Haucks 'Der Preis'
Von Ekkehard Knörer, 17.02.2011, 11:00

Stumm und starr stehen im Osten und in Marseille deutsche Menschen. Hingestellt sind sie, die Wörter sind karg in den Mündern, von Regisseurinnen und Regisseure, von denen wir schon Großartiges sahen und weiter Großes erhoffen. Blickt man jedoch auf die aktuelle Berlinale-Bilanz jenes deutschen Filmschaffens, das oft zu pauschal unter den Begriff der "Berliner Schule" gefasst wird, dann muss das Urteil ausgesprochen gemischt ausfallen.
Kein Meisterwerk, aber als Schritt in den inneren euro-afro-thailändischen Dschungel eine klug gemachte und souverän inszenierte Sache ist Ulrich Köhlers unter viel Mediokrem aus dem Wettbewerb nicht hoch, aber deutlich ragende "Schlafkrankheit". Das mit viel Spannung erwartete, von seinem Ausgangspotenzial her höchst sympathische und perspektivenreiche "Dreileben"-Projekt ist ein anderer Fall. Während Dominik Graf die Aufgabe mit großer Lässigkeit meistert und beweist, dass er einfach sehr vieles und dann auch noch ziemlich meisterhaft kann, wirken die (Rück-)Annäherungen Christian Petzolds und Christoph Hochhäuslers an Fernseherzählen und Fernsehästhetik seltsam erstarrt. In Konventionen befangen, aus denen sie sich nur jeweils für Momente befreien. Es sind Genre- und Plot-Konventionen (vor allem in Hochhäuslers Beitrag), aber es sind auch die selbstgeschaffenen Konventionen eines Kinos, das einst aufbrach, etwas ganz
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Kein Plot, viele Details: Rodrigo Morenos 'Un Mundo Misterioso'
Von Thomas Groh, 17.02.2011, 10:00

An einer Stelle diskutieren drei in einem argentinischen Bücherantiquariat über einen Bestseller aus längst vergangenen Dekaden. In dem passiert nichts, sagt der eine, der Plot werde zweitrangig und es gehe nur noch um Details. Aber wieso passiert denn da nichts, fragt der zweite. Antwortet der dritte: Warum sollte denn überhaupt etwas passieren?
An dieser Stelle lacht das Pressepublikum, wenn auch schon etwas nervös, wie über einen Insiderwitz, denn in diesem Moment kommentiert der Film vor allem auch sich selbst. Geschehen im Sinne eines Plots ist bis dahin nämlich wirklich so gut wie nichts. Rund eine Stunde später hat sich das mit dem nervösen Mitlachen dann auch erledigt: "A Mysterious World" dürfte locker den diesjährigen Rekord an "Walkouts" aufstellen. Die meist langen, nur durch gelegentliche Schwenks bewegten Einstellungen, in denen plotmäßig sich kaum was tut, werden nach einer Weile vom konstanten Kritikertraben auf den Treppen im Kinosaal unterlegt, dazu aus allen Sitzreihen des Saals geflüstertes "Excuse me/Scusi/Entschuldigung", wenn sich mal wieder einer verzweifelt einen Weg an Kollegenfüßen und Berlinaletaschen vorbei zu bahnen versucht.
Verdenken kann man es ihnen nicht. Am Anfang liegen zwei im Bett, wachen auf, finden eine Tasse
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Eher gescheitert, mit einer Ausnahme: 'Drei Leben' von Christian Petzold, Dominik Graf, Christoph Hochhäusler
Von Lukas Foerster, 17.02.2011, 09:00
"Die Grenzen zwischen Kino und Fernsehen aufweichen" möchte die ARD, wenn sie das Fernsehprojekt "Dreileben" im Forum der Berlinale präsentiert. Das sagt zumindest ihr Vetreter vor der Pressevorstellung. Wenn das ausliegende Presseheft der Fernsehanstalt dann stolz offenlegt, dass fast alle größeren deutschen Filme des Festivals mit ihren Geldern (wenigstens) koproduziert wurden, darf man sich schon fragen, ob diese Grenze, soweit sie überhaupt noch existiert, nicht schon vor "Dreileben" ziemlich windelweich war.
Die mit Spannung erwartete Prestigeunternehmung vereinigt drei der interessantesten deutschen Regisseure und ein ambitioniertes Konzept: Christian Petzolds "Etwas besseres als den Tod", Dominik Grafs "Komm mir nicht nach" und Christoph Hochhäuslers "Eine Minute Dunkel" erzählen Geschichten, die sich um einen gemeinsamen Kern - das Provinznest Dreileben, einen gemächlichen Sommer, eine Flucht und ein Verbrechen, das vielleicht gar nicht stattfinden wird - herum anlagern, aber in ganz unterschiedliche Richtungen ausgreifen. Man kann das Projekt auch mit einem Email-Wechsel (hier ein Ausschnitt) in Verbindung bringen, den die Regisseure anlässlich eines Symposiums zur Berliner Schule vor einigen Jahren erst führten und dann öffentlich machten - man muss das aber nicht tun, schon deshalb nicht, weil man zwei der drei Beteiligten damit leicht Unrecht tun könnte.
In
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Bromance im Leerlauf: Seyfi Teomans 'Our Grand Despair'
Von Lukas Foerster, 16.02.2011, 13:20

Die Zweierbeziehung der Liebe, meinte Georg Simmel, bedürfe eines/r Dritten, um in der Abgrenzung zu diesem ihre eigene Identität zu gewinnen. Im türkischen Wettbewerbsfilm "Our Grand Despair" sieht es für kurze Zeit so aus, als könnte das funktionieren. Am Ende aber hat der Film die Dritte wieder ausgeschieden, neue Identitäten sind nicht entstanden. Die Dritte ist Nihal, eine junge Frau, die nach dem Unfalltod ihrer Eltern bei zwei Freunden ihres Bruders unterkommt. Ihre Gastgeber, der Übersetzer Ender und der Ingenieur Cetin, sind erst vor kurzem zusammen gezogen. Ihre Beziehung aber war laut Ender schon immer "fast so etwas wie eine Romanze". Ein wenig ähneln die beiden mittelalten Männer in ihren gemütlichen, albernen Routinen den schwulen Nachbarn aus "The Sarah Silverman Program" ("I'm so gay for you, dude"), allerdings schlafen Ender und Cetin zuhause in getrennten Zimmern, und selbst, wenn im Urlaub lautes Stöhnen aus dem Nachbarraum dringt, rücken sie ihre Betten nicht zusammen.
Die Beziehungen beider zu Nihal - die sich ihrerseits einen hochnotpeinliche Gedichte vortragenden Studenten der unerträglicheren Sorte angelt - bleiben genauso platonisch. Mal streicht Ender ihr übers Haar, mal tastet Nihal nach Cetins Hand, mehr ist da
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Minimalistisches Monument: Bela Tarrs 'The Turin Horse'
Von Lukas Foerster, 16.02.2011, 10:00

Ein Mann und eine Frau im Haus, ein Pferd im Stall. Das Pferd bekommt Wasser aus dem Brunnen, die Menschen essen Kartoffeln. Der Mann sitzt stumm vor seinem Teller und lässt seine Faust auf die Kartoffel knallen, bevor er sich sie, noch kochend heiß, in den Mund stopft. Genauso stumm und stumpf sitzt er auch vor den Holzscheiten, auf die er mit der Axt einschlägt, oder vor dem Gürtel, in den er Löcher sticht. Die Frau, die sich bei allem, was sie macht, ein wenig raffinierter anstellt als der Mann, die aber trotzdem nichts zu lachen hat, pustet auf die Kartoffeln, bevor sie sie verspeist. Als das Pferd vor den Wagen gespannt werden soll, bockt es.
Das "Turin Horse" des Titels ist zuerst einmal jenes Pferd, das Friedrich Nietzsche vor den Toren der italienischen Stadt umarmte, nachdem er mitansehen musste, wie es von seinem Besitzer gepeitscht wurde. Zumindest erzählt ein Off-Kommentar über schwarzer Leinwand zu Beginn diese Anekdote, die direkt in Nietzsches geistige Zerrüttung gemündet haben soll. Der Bericht endet mit den Worte: "Über das Pferd weiß man nichts". Dass es dem Film nicht darum geht, diese Wissenslücke zu füllen oder
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bela tarr, the turin horse, ungarn, wettbewerb 2011
Zwischen zwei Phasen in Permanenz: Miranda Julys 'The Future'
Von Thomas Groh, 15.02.2011, 17:11

Die Zukunft liegt in der Vergangenheit. Zumindest was die Ästhetik der eigenen Lebensführung für Sophie (Miranda July) und Jason (Hamish Linklater) betrifft. Beide Mitte 30, gemeinsame Einzimmer-Wohnung, ewige Jugendliche: iPod, Laptop, Facebook, viel Vintage-Krimskrams überall, blöde Jobs (er Telefonist, sie Tanzlehrerin). Ein Leben zwischen zwei Phasen in Permanenz: Das ist nur für Zwischendurch, das ist nicht Zustand, da kommt noch was. Zum Beispiel in einem Monat eine kranke Katze aus dem Tierheim, die wahrscheinlich kein halbes Jahr mehr zu leben hat - Verantwortung auf Probezeit, die Fühler vorsichtig nach vorne schieben, wie das wohl ist, womöglich irgendwann gebunden sein. Und dennoch ist das für beide im Second-Hand-Leben ein Schock: Wenn die Katze womöglich doch länger lebt - wenn's gut läuft fünf Jahre, sagt die Pflegerin -, dann wären sie am Ende 40, und 40 ist eigentlich 50, was nach 50 kommt ist Kleingeld und nicht mehr der Rede wert.
Bleibt netto ein Monat Rest-Leben in Freiheit. Internet abgestellt, Jobs gekündigt, um das auszukosten, um Ausschau zu halten, was das eigentlich ist, sein könnte, das eigentliche Leben, nur um dabei im nächsten Alltagsbullshit zu landen: Er bei albernen Öko-Hausierern, sie bei der
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miranda july, the future, wettbewerb 2011
Das Nichtzuendesehen von Filmen: Ein Tag im Wettbewerb mit Alexander Mindadze, Ralph Fiennes und Philippe Le Guay
Von Ekkehard Knörer, 15.02.2011, 16:40

"An einem Samstag" gab es vorab, da musste man unterschreiben, dass man nicht vor der Berlinale-Vorführung im Wettbewerb drüber berichtet. Es gibt sogar Klauseln, habe ich gestern erfahren, die einem verbieten, auch nur ein einziges Wort zu einem exklusiv im voraus gezeigten Film irgendwem gegenüber zu verlieren. Das ist dann schon eine Form von Verblendung: um die Coca-Cola-Formel handelt es sich bei den auf der Berlinale gezeigten Filmen doch eher nicht. Und bei "An einem Samstag" schon gar nicht. Mit einer radikalisierten Version der Dardenneschen Menschenverfolgungshandkamera erzählt Regisseur Alexander Mindadze (Kamera: Oleg Mutu) ein im Grunde konventionelles Drama vor dem Hintergrund des Reaktorunglücks von Tschernobyl. Der Hintergrund, das Drama, die Kamera-Hysterie, das Konventionelle und vor allem das Verhalten der Figuren passen nirgends zusammen, was leider keine interessanten Spannungen ergibt, sondern am Ende nur das Klischeebild vom reichlich irrationalen trunksüchtigen Russen. Dass ausnahmslos jeder auftauchende russische Mann tumb und/oder widerwärtig ist, hilft der Sache des Films nicht. 
Am Mittag versetzt Ralph Fiennes sich als Titelheld seines Film "Coriolanus" mit Shakespeare in ein in Serbien und Montenegro erbautes Gegenwarts-Rom. Die Kamera wackelt auch hier,
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Enges Drehbuchkorsett: Asghar Farhadis 'Nader And Simin, A Separation'
Von Lukas Foerster, 15.02.2011, 14:30

Für nicht wenige Beobachter war der iranische Beitrag "Nader And Simin, A Separation" bereits vor dem Festival der große Favorit für den goldenen Bären, hauptsächlich aufgrund der Causa Jafar Panahi, die sich die Berlinale etwas verspätet zueigen gemacht hat. Nachdem der neue Film Asghar Farhadis, eines in- und außerhalb seiner Filme politisch zurückhaltenden Kollegen Jafar Panahis, nun der Presse vorgeführt wurde, gibt es wenig Grund, diese Einschätzung zu revidieren. Besonders viel Schwung bringt "Nader And Simin" freilich dennoch nicht in den Wettbewerb.
Die Titelfiguren Nader und Simin gehören der urbanen oberen Mittelschicht an und stehen kurz vor der Trennung. Sie möchte ins Ausland, er nicht, die jugendliche, bebrillte Tochter Termeh (sehr überzeugend gespielt von Sarina Farhadi, der Tochter des Regisseurs) steht dazwischen. Noch während über die Einzelheiten der Trennung diskutiert wird, tritt eine zweite, sozial deutlich niedriger gestellte Familie ins Leben der drei: Nader stellt eine Pflegerin für seinen alzheimerkranken Vater ein. Die bringt zur Arbeit ihre Tochter mit und versucht, nachdem sie erkennt, dass sie den alten Mann auch säubern muss (was sie aus religiösen Gründen ablehnt), die Arbeit an ihren Mann weiter zu vermitteln. Doch bevor es soweit kommt, ereignet
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Von der Kontemplation zur Agitation: Thunska Pansittivorakuls 'Terroristen'
Von Lukas Foerster, 15.02.2011, 13:55

"Thank to all the terrorists". Mit dieser Texteinblendung endet der vielleicht verstörendste Film des Festivals. Thunska Pansittivorakuls "Terroristen" sind die "Rothemden", eine thailändische Protestbewegung, die sich 2006 formierte, nachdem ein Putsch den populären Präsidenten Thaksin Shinawatra aus dem Land gejagt hatte. Nach den Protesten der "Gelbhemden" (die im Film, und das werden ihm einige sicherlich, vielleicht nicht ganz zu unrecht, vorwerfen, gar nicht auftauchen) brachte ein zweiter Putsch 2008 eine konservative Regierung unter Führung Abhisit Vejjajivas an die Macht. Seither liefern sich die Anhänger Thaksins, die überwiegend den unteren sozialen Schichten Thailands entstammen, erbitterte, aber einseitige Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften und Armee. Um die 2000 Rothemden starben seit 2009, ihre Anführer sitzen längst im Gefängnis.
Thunskas Film enthält beängstigende Bilder eines Bürgerkriegs, der in Europa schon während seiner ersten Zuspitzung 2009 kaum und in der Folge praktisch gar nicht mehr in der Presse präsent war. Aber zuerst, am Anfang des Films, ist da nur ein Fischerboot. Zwei junge Männer werfen Netze ins Meer und sortieren nicht brauchbare Fische aus dem Fang aus. Dazwischen liegen sie ruhig auf den Holzplanken, die Kamera, die immer nur kleine Ausschnitte der Situation
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Freibeuter: Cyril Tuschis 'Khodorkovsky'
Von Ekkehard Knörer, 15.02.2011, 07:02

Michail Chodorkowski ist vieles auf einmal: Zunächst aber einer, der mit Hilfe von Jelzin in den Neunzigern zu einem der reichsten Männer des neuen, damals wildwestkapitalistischen Russland aufstieg. Ein Oligarch ohne Skrupel, ein Geschäftsmann, dem man nach der Übernahme des Ölkonzerns Yukos Geschick als Manager und das Mittun beim Aufbau eines bis heute im Prinzip so fortbestehenden korrupten Systems des Gebens und Nehmens zwischen Wirtschaft und Politik attestieren kann. Um 2000 aber durchlebt er etwas, das von manchen als Wandlung beschrieben wird. Er unternimmt den Versuch, den Yukos-Konzern zu einem Unternehmen zu machen, das westlichen Vorstellungen von Transparenz so sehr genügt, dass der Westen es als Geschäftspartner auf Augenhöhe attraktiv finden kann.
Chodorkowski steckt viel Geld in die Ausbildung von Journalisten, er unterstützt oppositionelle Parteien, er geriert sich als Unterstützer und Propagator einer freien Gesellschaft. Vielleicht alles noch interessengestützte Eigen-PR für sich und die Firma. Exxon und Chevron jedenfalls liebäugeln mit dem Erwerb von Yukos-Beteiligungen. Möglicherweise meint Chodorkowski seine Wandlung vom Korruptions-Saulus zum Transparenz-Paulus aber auch ernst. Auf jeden Fall geht er für den Geschmack des Putin-Regimes mehr als einen Schritt zu weit. Weder sieht man dort gerne großen Einfluss und
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Barbiepuppe mit Feuerpenis: Kim Suns 'Self Referential Traverse: Zeitgeist and Engagement'
Von Lukas Foerster, 14.02.2011, 11:02

Die Oddity der diesjährigen Berlinale fängt verhältnismäßig harmlos an, nämlich als Fernsehsitcom der banalsten Art. Ein tumber Vater und seine smarte Tochter streiten sich über Politik, die Mutter sorgt sich, die Kochschürze umgebunden, um den Familienfrieden. Dazu die Lacher des Publikums aus der Konserve, eingespielt meist in Momenten, die alles andere als komisch sind.
Mir nichts dir nichts wechselt der Film dann das Register. Die nachgestellte, flache Fernsehästhetik weicht einer ebenfalls nachgestellten 16mm-Trashoptik inklusive digital eingefügter Artefakte über den Bildern; ein wenig sieht das aus wie in Quentin Tarantinos und Robert Rodriguez' "Grindhouse", nur wirkt es hier um einiges roher, unbehauener, weitaus weniger am pittoresken Effekt orientiert. Die Hauptfigur des Films ist jetzt eine ewige grinsende, uniformierte Marionette, die dem koreanischen Polizeimaskottchen Pogori nachempfunden ist. Pogori hat seine Beine verloren und möchte sich in seiner kleinen Wohnung Ersatz-Gliedmaße aus Styropor basteln. Aber er kommt kaum dazu, weil eine Horde Ratten ihm das Leben schwer macht. Kaum hat er eines der Tiere erledigt, schauen drei neue um die Ecke, knabbern an seinen neuen Beinen und machen sich über die Inneneinrichtung her.
"Self Referential Traverse: Zeitgeist and Engagement" ist das Porträt
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Raunen und Staunen: Wim Wenders und Werner Herzog in 3D
Von Ekkehard Knörer, 14.02.2011, 09:02

Die erste Einstellung von Wim Wenders "Pina" simuliert den Guckkastenblick aufs Theater aus den hinteren Reihen. An der Bühnenwand trifft der Blick auf ein hingekrakeltes "Alles vorbei. 2009". Ein Anfilmen gegen den Guckkastenblick ist dieser Film, der sich als Aufhebung von Pina Bauschs choreografischen Arbeiten in 3D-Bilder geriert, dem stolz ausgestellten eigenen Verständnis nach. Es gibt manchen Grund dafür, dass "Pina" schwer erträglich ist: das erwartbare Weihevolle seines Herangehens, das komplett analysefreie Gerede der Pina-Tänzerinnen und -Tänzer. Ein komplett hagiografischer Blick auf alles und jedes, das Pina Bausch je tat. Das fernsehkultursendungstaugliche Geschnipsel aus Tanz, Talking Head, Archivaufnahmen und Bedeutung behauptendem, aber nirgends historisch, theoretisch oder sonstwie begründendem oder unterfütterndem Geraune. All das ist schlimm, das eigentliche Scheitern von "Pina" hat seinen Grund anderswo: Wenders übereignet den theatralen und choreografierten Raum einem Verständnis von Film (a fortiori in 3D), das man kaum anders als barbarisch nennen kann.
Tanz ist Arbeit an Bewegung von Körpern im Raum. Choreografiert wird für einen spezifischen Blick: den des Zuschauers im Theater. Fürs Tanztheater der Pina Bausch ist das aus historischen Gründen der westliche Guckkastenblick. Für ihn messen die Tänzerinnen und Tänzer Raumverhältnisse aus: in den
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Will nicht in die Tiefe: Michel Ocelots 'Les contes de la nuit'
Von Thomas Groh, 13.02.2011, 16:30

Wie sinnvoll ist es, die Ästhetik des Scherenschnitt- und Silhouettenfilms, der gerade aus seiner Flächigkeit Reiz bezieht, mit 3D-Technologie zu kreuzen? Mit Blick auf den 3D-Boom des vergangenen Jahres aus Sicht von Finanziers vermutlich sehr, davon abgesehen wirft eine solche Unternehmung zumindest Fragen auf. In "Les Contes de la Nuit" von Michel Ozelot sitzt man jedenfalls einigermaßen verwirrt vor der Leinwand: In einer technisch etwas aufgefrischten Variante der Schnerenschnittanimation a la Lotte Reiniger (ein paar Beispiele) erzählt der Episodenfilm kleinere Geschichten aus Märchenbüchern aus aller Welt, gerahmt wird das von einer kleinen Gruppe Animationsfilmer, die nachts in einem heruntergekommenen Kino eben jene Geschichten mit viel Enthusiasmus auf die Leinwand bringen.
Nur ganz buchstäblich in die Tiefe will das nicht gehen: Lediglich die letzte Fabel des Reigens wartet mit einigen kleineren, dafür recht hübschen Ideen auf, wie sich die neue Technologie auch im Silhouettenfilm ästhetisch gewinnbringend nutzen ließe - nach langer Wartezeit faltet sich hier für einmal das Geschehen kurz in Richtung Zuschauer, Richtung Tiefenraum auf. Zuvor herrscht stramm die Ästhetik der planen Fläche mit sachter Tiefenschachtelung mit dem kuriosen Effekt, dass nicht selten bloß das Verhältnis zwischen Untertitelung
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Held ohne Anführungszeichen: Jose Padilhas 'Tropa de Elite 2'
Von Lukas Foerster, 13.02.2011, 16:15

Wer die neuen Talente des Weltkinos entdecken möchte, der ist auf der Berlinale der Ära Kosslick eher fehl am Platz. Die interessanten jungen Regisseure der Gegenwart tauchen, soweit sie sich überhaupt auf Festivals bewegen, in Rotterdam oder im koreanischen Jeonju auf und machen sich dann auf den Weg nach Cannes oder Venedig. Berlin und leider inzwischen auch das Forum lassen sie meist links liegen. Zu den wenigen Ausnahmen dieser bedauerlichen Entwicklung zählt Jose Padilha, der einen großen Teil seines bisherigen Werkes in Berlin präsentieren konnte. Der Brasilianer dreht sowohl intelligente Dokumentarfilme ("Bus 174", "Garapa", Panorama 2009), als auch dynamische, reflektierte Blockbuster. Padilhas Kino setzt keine neuen Maßstäbe, aber es nimmt das politische Erbe des Cinema Novo, des neuen brasilianischen Films der sechziger und siebziger Jahre, auf zwar populistische, aber deswegen nicht dumme Art auf.
"Tropa de Elite" gewann vor drei Jahren den Goldenen Bären, der Nachfolger brach im heimischen Brasilien letzten Herbst alle Kassenrekorde und ist jetzt im Panorama zu sehen. Der erste Film (hier Ekkehard Knörers Kritik) zeichnete die Verwandlung des moralisch integren jungen Matias in eine faschistoid programmierte Killermaschine nach, ohne, dass der Film seine
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Kernkraft als Retro-Utopie in Volker Sattels 'Unter Kontrolle'
Von Thomas Groh, 13.02.2011, 16:02

In Science-Fiction-Filmen, die etwas auf sich halten (und also nicht nur Fantasy ins Techno-Hokuspokus-Gewand verkleiden), reist der Mensch in eine Umgebung, die nicht für ihn geschaffen ist. Damit dies gelingt, hüllt er sich in einen Kokon, er schafft eine künstliche Zone inmitten einer lebensfeindlichen Umgebung, die dem Zweck dient, sein bedrohtes Leben zu erhalten. Der schönste und konsequenteste Science-Fiction-Film in dieser Hinsicht ist Kubricks "2001", der fortwährend von Ummantelungen und Kokons erzählt - und von einer lebenserhaltenden Zone, die lebensbedrohlich wird.
Dass sich "Unter Kontrolle", Volker Sattels Dokumentarfilm über die nötigen Maßnahmen, Kernkraft in den Griff zu kriegen, gerade auch ästhetisch in der Nähe von Kubricks Weltraumodyssee bewegt, macht daher Sinn: Im Innern der Kernkraftwerke, vor allem aber je näher man sich den wirklichen Gefahrenzonen annähert, wird der Mensch vollends zum umhüllten Wesen: Ein Taucher, ein Astronaut, ein Nuklearonaut. Auch die Kontrollzentren, die Simulationszentren: reinste, in Sattels Cinemascopebildern prächtig entmenschlichte Science-Fiction der 70er Jahre! Schon auch deshalb, weil die Inneneinrichtungen der meisten Kernkraftwerke noch aus dieser oder vorherigen Zeiten stammen: Kernkraft als Retro-Utopie.
In dieser lebensfeindlichen Welt, die ein Kernkraftwerk darstellt, gibt
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Steht da licht: Ulrich Köhlers 'Schlafkrankheit'
Von Ekkehard Knörer, 13.02.2011, 15:40

Im Anfang steht da licht. Auf schwarzer Leinwand erscheint aus dem Nichts dieses Wort. Weitere dann: ton, schnitt, regie und so weiter. Die Credit-Sequenz wie ein Saal, der sich nach und nach füllt. Dann kann es losgehen.
Zu Beginn ist es Nacht. Eine Straßensperre, die der Film klug nutzt zur Vorstellung seiner Protagonisten. Eine Kleinfamilie in Afrika. Ebbo, Vera, Helen Velten. Der Vater Entwicklungshelfer und Arzt, die Tochter nur zu Besuch. Bevor steht die Rückkehr nach Wetzlar. Was sich zwischen den dreien tut, wie der Vater, die Mutter sich zu Kamerun, ihrer Heimat gewordenen Fremde, verhalten, darum geht es - zunächst. Sie gehen Schwimmen, sie sitzen am Ufer, sie essen mit dem französischen Kollegen, der sich wie ein Kolonialherr aufführt. Wir müssen nicht gehen sagen sie, wir können auch bleiben. Ein Abschied, der sich hinzieht. Menschen, die sitzen und warten, Konflikte, die gären, ohne dass man sie so richtig zu lösen versucht. Protagonisten in einer Entscheidungssituation, in einem Übergang, dem ein Ende zu machen nicht recht gelingt. Aus den beiden bisherigen Köhler-Langfilmen kennt man das. Allerdings nicht im afrikanischen Setting. Man kann einen Köhler-Charakter aus Nordhessen wegkriegen, sein inneres Nordhessen kriegt
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Eine Archäologie von Gegenwart: Kelvin Kyung Kun Parks 'Cheonggyecheon Medley'
Von Lukas Foerster, 13.02.2011, 15:28

Die Erinnerung an den Großvater des Regisseurs, der im Korea der Nachkriegszeit eine Maschinenfabrik aufgebaut hatte, ist ein Ausgangspunkt des Films. Die Fabrik war situiert in Cheonggyecheon, einem Stadtviertel Seouls. Die einst dort ansässige Schwerindustrie war ein wichtiger Motor der Modernisierung des Landes, inzwischen ist der Ort von der wirtschaftlichen und technologischen Progression des moderne High-Tech-Korea überholt und abgehängt worden. Die großen Betriebe sind verschwunden, doch immer noch gibt es zahlreiche kleine Metallwerkstätten in den engen Gassen. Oder zumindest gab es diese Werkstätten, als Kelvin Kyung Kun Park, ein junger Regisseur, der von der Kunst zum Kino gekommen ist, Cheonggyecheon aufgesucht hat. Inzwischen sind viele dieser Kleinstunternehmen wohl bereits Opfer eines urbanen Erneuerungsplans geworden und mussten modernen Appartmentkomplexen weichen (Wikipedia weiß mehr). Die letzten Bilder des Films - konfuzianistische Rituale im unpersönlichen Weiß eines Neubaus - deuten diese Entwicklung an.
"Cheonggyecheon Medley - A Dream of Iron" ist im Grunde weder Dokumentar- noch Essayfilm, sondern wirkt wie ein fast willkürlich gewählter Ausschnitt aus einem Bewusstseinsstrom. Der sprunghafte, poetische, oft sehr persönliche Voice-Over-Kommentar strukturiert die Bilder nicht, statt dessen denkt er zum Beispiel über das Verhältnis der Kamera zu den
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Grenzpornografisch, aber kompromisslos ehrlich: Joe Swanbergs Filme 'Silver Bullets' und 'Art History'
Von Lukas Foerster, 12.02.2011, 14:35

Soviel Selbstreflektion findet man im Kino nicht alle Tage: In Joe Swanbergs "Silver Bullets" geht es um zwei unterschiedliche fiktive Filmdrehs, vor der Kamera zu bewundern sind sogar gleich drei Schauspieler, die im echten Leben eigene Filme drehen. In einer Nebenrolle taucht Larry Fessenden auf, ein Veteran des Independent-Kinos, dessen charakteristischer Quadratschädel auch schon bei Jim Jarmush, Martin Scorsese und Kelly Reichhardt mal kurz durchs Bild spukte. Im Zentrum stehen zwei andere, jüngere Filmemacher. Der Horror-Auteur Ti West ("The House of the Devil") spielt den Horror-Auteur Ben, der einen leicht prätentiösen Werwolfstreifen dreht und anschließend in einem Promo-Interview dessen komplexe Struktur erläutern möchte; sein Gesprächspartner fragt aber immer nur nach "Tits 'n Gore". Die Hauptrolle im Werwolffilm übernimmt Claire, deren Freund Ethan parallel einen anderen Film inszeniert. Ethans Rolle widerum spielt Joe Swanberg gleich selbst und Ethans Film sieht denn auch nach einem echten Swanberg-Film aus: narzisstisch und grenzpornografisch, intim und kompromisslos ehrlich, in vieler Hinsicht jenseits der Schmerzgrenze. Zu allem Überfluss spielt Ethan/Swanberg auch im Film des fiktionalen Ethan/Swanberg die männliche Hauptrolle. Und die weibliche übernimmt eine Freundin Claires, was natürlich für Ärger sorgt, erst recht, als Claire im Werwolfkostüm Ben
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Rücksichtslos sichtbar: Takahisa Zezes 'Heaven's Story'
Von Lukas Foerster, 12.02.2011, 10:52

Ein sanftes, zerbrechliches Monstrum von einem Film. 278 Minuten dauert Takahisa Zezes "Heaven's Story" und doch bekommt man das Ding nie wirklich zu fassen. Irgendwo zwischen hysterischem Charakterdrama, blutigem Rachethriller und Erzählexperiment, lyrisch, naiv, stellenweise wunderschön, stellenweise enervierend setzt es sich zwischen alle Stühle. Nahe liegt ein Vergleich mit einem anderen, fast genauso langen und ungleich lauteren, grelleren japanischen Monstrum, Sion Sonos "Love Exposure", vor zwei Jahren im Forum zu sehen und längst zum Kultfilm avanciert. "Heaven's Story" wird, obwohl handwerklich der bessere Film, derartige Reaktionen wohl eher nicht hervorrufen.
Takahisa Zeze galt in Japan einst als einer von vier "Heavenly Kings of Pink". In den neunziger Jahren drehte er Dutzende Softpornos, sogenannte "Pinku eigas", eine Filmform, die trotz Fließbandproduktion und thematischer Redundanz seit den sechziger Jahren eine Spielwiese für experimentierfreudige junge Regisseure darstellt. Schon mit außergewöhnlichen Erotikfilmen wie "Tokyo X Erotica" deutete Zeze an, dass er sich in den Beschränkungen der Form nicht so ganz wohl fühlt, seit einigen Jahren nun ist er im Mainstream angekommen. "Heaven's Story" ist zweifellos das bislang ambitionierteste Projekt in einer bereits recht langen Filmografie.
Über neun Jahre erstreckt sich die Handlung, an ihrem
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Füllhorn blühenden Blödsinns: Lee Tamahoris 'The Devil's Double'
Von Thomas Groh, 11.02.2011, 17:18

Lee Tamahori ist vielleicht am ehesten das, was man in der Filmbranche einen "Hack" nennt: Einer, den man für alles irgendwie einsetzen kann, dabei nie richtig gut, dann und wann aber richtig schlecht ist. Den sehr sonderbaren James-Bond-Film "Die Another Day" durfte er damals drehen (Madonna steuerte den ebenfalls sonderbaren Titelsong bei) und die recht bizarre Philip-Dick-Verfilmung "Next" (hier unsere Kritik). Vorsichtig gesagt: Lee Tamahori neigt dazu, seinen Stoff auf merkwürdige Weise in die Binsen gehen zu lassen. Dass Madonna einen Titelsong zu seinem neuesten Werk beisteuern würde, stand, auch vorsichtig gesagt, nicht zu erwarten: Mit dem Soundtrack zu einem Quasi-Historienfilm um den Doppelgänger eines vom schillernden Wahnsinn geküssten Sohns von Saddam Hussein, der 1987 sehr unfreiwillig in diesen mit einigen Unappetitlichkeiten verbundenen Dienst gerät, schmückt sich kein Popstar der Welt sehr gerne.
Es mag aber auch damit zusammenhängen, dass einem bei einem solchen Stoff in den Händen eines ausgewiesenen Meisters filmischer Bizarrerien von vorherein das Fürchten kommt. So ist "The Devil's Double" denn auch ein Füllhorn blühenden Blödsinns. Anfangs wittert man ambitioniertes Dramakino mit einigem welthistorischen Gewicht auf den Schultern, doch kippt dies, nach einigen spektakulären Griffen in
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Leer gewordene Gesten in Paula Markovitchs 'El Premio'
Von Ekkehard Knörer, 11.02.2011, 16:33

Den ersten und vorletzten Lacher (viel später war noch mal was mit einem leicht anallegorisierten Hund) gab es beim Vorspann. Nicht enden wollend war die Liste der Geldgeber und Koproduzenten, irgendwann wurde es komisch. Und leider stand am Ende von "El premio" fest, dass es mehr als diesen Vorspann da sinnvollerweise auch nicht zu besprechen gibt. Nur die Eckdaten im Telegrammstil: Argentinien, irgendwann zur Zeit der Militärdiktatur. Mutter und Tochter fliehen aus nicht näher erläuterten Gründen in zugiges Häuschen am Strand. Die Mutter schweigt, vorzugsweise. Tochter geht zur Schule, gewinnt einen Preis für ein Loblied auf das argentinische Militär. Die Mutter ist nicht amüsiert.
Buchstäblich nichts an "El premio" ist außergewöhnlich, originell oder gekonnt. Die wirklich äußerste Ödnis einer Weltkino-Produktion. Argentinische Regiegrößen wie Lucrezia Martel oder Lisandro Alonso lassen keinesfalls grüßen. Warum so etwas im Berlinale-Wettbewerb läuft, erklärt neben einem von allen guten Filmen und Geistern verlassenen Auswahlkomittee vor allem die erste Nennung in der bereits erwähnten Credit-Sequenz: Korproduziert hat der World Cinema Fund. Das ist eine Einrichtung, die sich die Berlinale unter Kosslick zugelegt hat, damit deutsches Geld auf dem Umweg über ärmere Kinonationen sich für die Heimat rentiert.
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Ein etwas irres Etwas: Zbigniew Bzymeks 'Utopians'
Von Ekkehard Knörer, 11.02.2011, 09:20

In einem seiner vielen unfreiwillig erhellenden Interviews vor Berlinale-Beginn hat deren Chef und leider auch künstlerischer Leiter Dieter Kosslick die folgenden sehr ominösen Worte gesprochen: "Und raten Sie mal, warum ich neuerdings so gerne verrate, dass ich Yoga mache! Da bahnt sich was an." Soll wohl heißen, dass es demnächst eine Berlinale-Sektion "Sonnengruß für Anfänger" geben wird (kann ja vielleicht nicht schaden bei dem Scheißwetter, das sich nach gestriger Irreführung jetzt doch eingestellt hat). Was sich ein Kosslick in seinen yogischen Träumen sicher nicht ausmalen konnte, war dagegen ein Forums-Film wie der in den USA entstandene "Utopians" des Polen Zbigniew Bzymek: die Geschichte eines Yogalehrers der anderen Art.
Es handelt sich um Bzymeks Spielfilmdebüt, bisher war der Regisseur vor allem als Videokünstler für avancierte Performancetruppen tätig. So ist er etwa fester freier Mitarbeiter der New Yorker Performer-Legende "Wooster Group", kein Zufall also, dass in einer kleinen Rolle in der Mitte des Films deren unbedingt verehrungswürdiges Mitglied Kate Valk auftaucht. Hauptdarsteller Jim Fletcher genießt in den einschlägigen Zirkeln als Schauspieler Underground-Ruhm (hier ein Radio-Interview über seine Performance-Truppe "Bunny Gumbo") und legt in "Utopians" eine
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Neigt zur Makellosigkeit: 'True Grit' von den Coen-Brüdern
Von Thomas Groh, 11.02.2011, 00:10

Ist "True Grit", der Eröffnungsfilm der Berlinale, nun ein Remake von "True Grit" (1969), Henry Hathaways spätem Hollywoodwestern mit einem 62-jährigen John Wayne, der für diese Rolle mit dem einzigen Oscar seines Lebens ausgezeichnet wurde, oder eine weitere Verfilmung des beiden Filmen zu Grunde liegenden Romans von Charles Portis? Für die Coen-Brüder, die mit "True Grit" gerade den größten kommerziellen Erfolg ihrer bisherigen Karriere feiern, liegt die Antwort klar auf der Hand: Mehrfach betonen sie auf der Pressekonferenz, dass der John-Wayne-Western für sie nur eine blasse Kindheitserinnerung darstelle, der Roman sie aber sehr fasziniert und gereizt habe. Und dennoch, stets aufs Neue, die Fragen nach ihm, dem einzigen, dem großen: John Wayne. Wie man sich in dessen Fußstapfen fühle, was er für das heutige Kino bedeute, wie man denn persönlich zu ihm stehe und was nicht noch. Es ist eine sonderbare Pressekonferenz: Enorm gute Stimmung auf dem Podium (mit 10 Oscarnominierungen locker leistbar), dann wieder ausweichende Antworten, allgemeine Verwirrung, manche Fragen werden gar nicht erst beantwortet und um jede Ecke lugt John Wayne.
Was eigentlich sehr schade ist, denn der Coen-Grit fügt sich recht nahtlos ins bisherige Schaffen der
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Wo der Strom herkommt: Zur Shibuya-Minoru-Retrospektive
Von Thomas Groh, 10.02.2011, 00:02

Ganz heimlich, still und leise schleicht sich der elektrische Strom in die japanischen Haushalte - zwar kommt er auch hier aus der Steckdose, doch die ist, wie man in "Righteousness" (1957) von Shibuya Minoru sehen kann, Bestandteil der von der Decke hängenden Lampe. Und wenn die nicht leuchtet, kriegt man auch keinen Saft auf den allseits etwas beäugten elektrischen Rasierapparat, den die Schwarzmarkthändlerin Okyo (Miyoshi Eiko) arg aufdringlich ausgerechnet an ihre Nachbarinnen verhökern will. Eine findet ihn als Massagegerät wohl brauchbar, die andere rasiert sich zum Test den Nacken aus - abnehmen will ihn der ansonsten sehr geschäftigen Händlerin indessen keiner.
Es fehlt schlicht am Geld - die Leute leben, zwölf Jahre nach der Kriegsniederlage, bescheiden und in traditionellen Wohneinrichtungen, in denen der Strom eben von der Decke kommt. Weder bescheiden noch traditionell lebt die Familie in der bitterbösen Komödie "The Days of Evil Women", den Shibuya Minoru ein Jahr später, im Gegensatz zu "Righteousness", in Cinemascope und sattem Technicolor dreht: Wenn Shibuya mit der Kamera zwei Schritte zurück geht von seinen Figuren, drohen der Patriarch Yashiro (Tono Eijiro) und seine Frau, eine ehemalige Geisha (Yamada Isuzu),
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Vorhutkonkurrenz: Ausblick auf die Berlinale 2011
Von Ekkehard Knörer, 09.02.2011, 11:02
22 potenzielle Oscars sind im Anmarsch auf die Berlinale: "True Grit", der Eröffnungsfilm der Coen-Brüder , hat zehnmal die Chance, wird allerdings, wie es aussieht, vergleichsweise leer ausgehen in Konkurrenz zum Historien-Heuler, -Flucher und -Stotterer "The King's Speech", den Dieter Kosslick in die unfreiweillig surreal zusammengesetzte Gemischtwarenreihe namens Berlinale Special nachnominiert hat, auf deren Operationstisch sich regelmäßig Nähmaschinen und Regenschirme begegnen. "The King?s Speech" sagte im Gegenzug den zugesicherten Schlussfilmauftritt beim kurz vor Berlin liegenden Rotterdam-Festival wieder ab. Nur ein Zeichen für das Hauen und Stechen um Prominenz und Publizität, dessen Austragungsort, Opfer und Profiteure Festivals heute mehr denn je sind.
Cannes ist der König, in der zweiten Reihe, zu der Venedig und jedenfalls nominell die Berlinale gehören, sind die Gewichte in ständiger Verschiebung begriffen. Man ist aber längst nicht mehr unbedrängt und allein. Auch der Festivalzirkus ist schon eine ganze Weile dabei, sich zu globalisieren. Nicht nur in San Sebastian und Locarno, in Wien und Lissabon, sondern auch in Jeonju und Pusan in Korea, im südindischen Kerala, in Dubai und anderswo werden inzwischen spannende, ambitionierte Festivals, teils mit viel, teils mit sehr wenig Geld kuratiert - und
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