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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

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Risikoloser Thesenfilm: Jasmina Zbanics 'Na putu'

Von Lukas Foerster, 18.02.2010, 17:54

Be careful what you wish for... Gestern hatte ich mich angesichts des noch in seinen didaktischsten Momenten unbeholfenen "Shahada" nach einem echten Thesenfilm gesehnt. Heute habe ich einen bekommen und habe mir prompt Burhan Qurbanis wirre Dialektik zurück gewünscht. Die hat auf ihre Art wenigstens ein klein wenig riskiert. Jasmila Zbanics "Na putu" geht nicht das geringste Risiko ein.

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Der originellste Einfall steht gleich am Beginn: Über den Anfangstiteln läuft pumpender Balkan-Pop ("Roll With It, Roll With It"), dann folgt ein abrupter Schnitt in die Stille und auf das Gesicht Lunas, der Hauptfigur des Films. Luna (Mirjana Karanovic) ist Stewardess, schätzungsweise Mitte Zwanzig, ihr Freund Amar ist Pilot. Bei einem Autounfall - das schimpfe nochmal jemand über die konstruierten Plots Hollywoods - treffen die beiden auf Amars alten Kumpel aus der Armee,  Bahrija. Der trägt seinen Bart lang und hat eine Frau in einer Niqab auf dem Beifahrersitz. Luna meint zu Amar, diese Frau sehe ja aus wie ein Ninja. Das ist dann auch schon der lustigste Satz, der in diesem Film fällt. Wenig später trifft Amar Bahrija wieder. Die beiden reden über den Bosnienkrieg, der hinter ihnen und die mühselige Zukunft, die vor ihm liegt. Bahrija erzäht Amar, wie er zu Gott gefunden hat. Er war am Ende, erzählt er, er wusste nicht mehr weiter, und da sei er an einer Moschee vorbei gelaufen und habe einen Ruf gehört.

Was jetzt passiert, kann sich natürlich jeder selbst ausmalen. Amar - der gerade wegen Alkohol im Dienst beurlaubt wurde - ist auch am Ende. Auch er wird einen Ruf hören. Und Luna wird Angst bekommen, dass sie zum Ninja werden muss. Genau das passiert dann auch. Zusätzlich gibt es in der Beziehung der beiden noch einen unerfüllten Kinderwunsch. Wir sind hier schließlich in einem Arthausfilm und als solcher muss am Ende doch wieder alles aufs bittersüße Familiendrama zurück gebogen werden. So darf Luna dann auch durchaus neidisch auf die vielen Kinder blicken, die sie im Arbeits- und Freizeitcamp der Islamisten, wo Amar sein Erweckungserlebnis hat, herumtollen sieht. "Du wirst sehen, wie einfach und schön das Leben sein kann", erklärt ihr eine der Frauen. Jeder weiß, was dieser Satz bedeutet, Zbanic zeigt es trotzdem, wieder und wieder.

Dieser im falschesten Sinn einfache Film sichert sich dabei stets in alle Richtungen ab. Politisch korrekt laufen auch mal ein paar christliche Nonnen durchs Bild. Dass Bahrija und seine Kumpels zwar Fundamentalisten, aber keine Terroristen sind, wird einem mindestens fünf Mal erzählt. Und es gibt ein paar Szenen, in der die westlich orientierte muslimische Gemeinschaft Bosniens ausgestellt wird. Auch Luna ist eine dieser in der Moderne angekommenen Muslime. Das heißt aber nur, dass hier ein Blick von außen sich als ein Blick von innen tarnt. Als "Islamploitation" könnte man vielleicht "Shahada" bezeichnen, bei Zbanic reicht es nicht mal dazu. "Na putu" ist einfach platte Islamkritik. Dies sei an einer Szene verdeutlicht: Luna betritt, in einem verzweifelten Versuch, ihren Geliebten zu retten, eine Moschee, wahrscheinlich zum ersten Mal in ihrem Leben. Die ersten Worte, die sie hört, beschreiben die ideale muslimische Ehefrau. Das erste, was sie sieht, ist die Heirat Bahrijas mit seiner Zweitfrau, einer Minderjährigen.

Jede Menge deutscher und österreichischer Fördergelder stecken in diesem Film. Mitproduziert hat die östereichische Coop99 von unter anderem Barbara Albert und Jessica Haussner, die es eigentlich besser wissen müssten. Auf den ersten Blick könnte man die Ästhetik des Films auch tatsächlich mit der österreichischen Schule verwechseln: einfache, tendenziell leere Bilder, kalte Farben, hartes Licht, viel und gerne Großaufnahmen von Frauengesichtern. Nur hat dieser Stil bei Zbanic jegliche Widerständigkeit verloren, er wird - durchaus im Stil der schlechtesten Formen des großen, kommerziellen Kinos - zum folgerichtigen Medium eines unendlich öden Programms.

Jasmila Zbanic: "Na putu - On The Path". Mit Zrinka Cvitesic, Leon Lucev, Ermin Bravo, Mirjana Karanovic. Bosnien und Herzegowina, Österreich, Deutschland, Kroatien 2010, 100 Minuten (Wettbewerb, Vorführtermine)




Stichwörter: bosnien-herzegowina, islam, Jasmina Zbanic, Na putu, wettbewerb 2010

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