Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Perlentaucher-Autoren
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Außer Atem: Das Berlinaleblog
Ibrahim liegt hier nicht: Mohamed Al-Daradjis 'Son Of Babylon'
Von Anja Seeliger, 13.02.2010, 11:44

In "Son of Babylon" reisen eine alte Frau und ihr 12-jähriger Enkel Ahmed durch den Irak, um den Vater des Jungen zu suchen, den Musiker Ibrahim, der 1991 von der Republikanischen Garde verschleppt worden war. Die beiden sind Kurden und ihre Reise führt vom Nordirak über Bagdad in den Süden Babylons, nach Nasiriya. Hier soll Ibrahim im Gefängnis sitzen. Doch die Gefängnisse sind leer. Männer mit langen Listen sitzen heute davor, die versuchen, den Angehörigen bei der Suche nach Verschollenen zu helfen. Ibrahim steht auf keiner Liste. Und irgendwann begreift die Großmutter: nicht in den Gefängnissen, in den Massengräbern muss sie suchen, die überall im Land ausgehoben werden.
Die Pressevorführung gestern abend war eine hochoffizielle Angelegenheit. Nach der Vorführung wurde noch ein 3-minütiges filmisches Grußwort gezeigt, in dem ein Politiker - wenn ich recht verstanden habe, ... mehr lesen
Stichwörter:
12. februar 2010, angela schanelec, constantin popescu, irak, kurden, mohamed al-daradji, panorama 2010, roman polanski, son of babylon
Zeitgeschichte als Melodram: Karan Johars 'My Name Is Khan'
Von Lukas Foerster, 13.02.2010, 10:00
Nicht "Kaan", sondern "Chraan" spricht man den Nachnamen des größten lebenden Filmstars unserer Zeit aus. Das lernt man in aller Ausführlichkeit in Shah Rukh Khans neuem Film "My Name is Khan", in dem er die anderen Charaktere immer wieder zurechtweist: "Chraan, from the epiglottis, the epiglottis". Der Name ist nicht die einzige Gemeinsamkeit von Filmfigur und Schauspieler. Der gesamte Film hat eine starke autobiografische Note. Genauer gesagt: Er geht vom Autobiografischem aus und extrapoliert dasselbe ganz unverschämt ins Quasimythologische und Geopolitische.
Wie der echte Khan ist der Film-Khan, der allerdings mit Vornamen Rizwan heißt, ein indischer Moslem. Und wie der echte heiratet der Film-Khan eine Hindu-Frau, nämlich die allein erziehende Mutter Mandira. Allerdings nicht in Indien, sondern, da endet die Autobiografie, in den USA. Dorthin wandert Rizwan nach dem Tod seiner Mutter aus, weil er es ... mehr lesen
Stichwörter:
11. september 2001, 12. februar 2010, indien, islam, karan johar, my name is khan, wettbewerb 2010
Der Unbehausteste: Roman Polanskis 'The Ghost Writer'
Von Thierry Chervel, 12.02.2010, 21:00
Am gnadenlosesten schnappen immer die Fallen zu, in die man sehenden Auges lief. Polanski ist der Filmemacher der bösen Ahnung, einer uranfänglichen Unbehaglichkeit, aus der man wie im Alptraum nicht zurück kann. Noch bevor irgendetwas passiert ist, spürt der amerikanische Arzt Richard Walker in "Frantic", dass Paris ihn nicht willkommen heißt. Er fährt trotzdem, mit der geliebten Frau. So wie Trelkovsky in "Der Mieter" die Wohnung der Selbstmörderin mietet, vor der es ihn graust und in der er seine einsame Emigrantenexistenz dann doch zu Ende fristet, und wie der Assistent des Vampirologen im "Tanz der Vampire" seinem gesunden Widerwillen hätte nachgeben sollen. Aber zu spät, die Falle schnappt zu, weil der Held zu höflich war, oder egoistisch oder neugierig oder bedürftig und weil er durch seine eigenen kleinen menschlichen Fehler den grausamen Mechanismus des Räderwerks nach Kräften schmiert.
mehr lesen
Stichwörter:
12. februar 2010, alkohol, frankreich, großbritannien, roman polanski, the ghostwriter, thriller, wettbewerb 2010
Hipsterköpfiger Breloer: 'Howl' von Robert Epstein und Jeffrey Friedman im Wettbewerb
Von Ekkehard Knörer, 12.02.2010, 15:02

"Howl", der Film, ist natürlich totaler Quatsch, aber er hat ein, zwei Attraktionen. Quatsch ist er, weil nicht mehr als ein hochgepimpter Fernseh-Schulfilm, kleines ABC der Beat Generation, hipsterköpfiger Breloer. Ursprünglich als Doku gedacht, nun aber mit Spielszenen, die soviel Leben versprühen wie tote Katzen auf den Blechdächern von New York. Illustrationen für Bildstutzige: Der Dichter spricht und sein Gedicht kommt vor Gericht. Erklärungen für Literaturstutzige: Poesie lässt sich nicht in Prosa übersetzen, darum ist es Poesie. Szenenapplaus im Berlinale-Palast (echt!). Dazwischen, auch mal Schwarzweiß, die Liebe, die Fünfziger, aber alles mitgeschnitten aus Interviews und Protokollen. Quellenfetischismus, Geschichtsdummheit.
In jeder Sekunde des Vorspanns der TV-Serie "Mad Men" steckt mehr Intelligenz und Stilgefühl als in diesen Sequenzen. Gewiss, ein unfairer Vergleich; "Mad Men" ist so ziemlich das Beste, was wir derzeit überhaupt haben, aber ... mehr lesen
Stichwörter:
12. februar 2010, allen ginsberg, howl, james franco, jeffrey friedman, mad men, robert epstein, usa, wettbewerb 2010
In der Krabbenhölle: 'Kanikosen' von Hiroyuki Tanaka aka Sabu (Forum)
Von Lukas Foerster, 12.02.2010, 14:30
Eine Klappe öffnet sich, ein Mann schaut heraus, blickt nach oben. Der Himmel verdunkelt sich. Dunkle Wolken mit Greifzangen an beiden Seiten fliegen auf ihn zu. Er schließt den Verschlag wieder. Mit diesem Mini-Prolog beginnt "Kanikosen", der neue Film des japanischen Regisseurs Hiroyuki Tanaka. Hiroyuki Tanaka aka Sabu, der bis Anfang des Jahrzehnts in schneller Folge eine Serie kleiner, kreativer Genrefilme vorgelegt hatte und durch sie mindestens zum Geheimtipp unter den jungen japanischen Regisseuren avanciert war, hatte vor diesem Film eine kreative Pause eingelegt. Nun ist er zurück, mit einem ziemlich sonderbaren Film.
"Kanikosen" basiert auf dem gleichnamigen Roman des marxistischen Autors Takiji Kobayashis aus dem Jahr 1929. Kobayashis Aufruf zur Revolution hat in seinem Heimatland eine vielschichtige Rezeptionsgeschichte, wurde 1953 schon einmal verfilmt, 2006 als Manga adaptiert und machte, wie Mark Shilling in ... mehr lesen
Stichwörter:
12. februar 2010, forum 2010, hiroyuki tanaka, japan, kanikosen, kommunismus, revolution, sabu
Home movies aus Nordkorea: 'Sona, the Other Myself' von Yang Yong-hi (Forum)
Von Lukas Foerster, 12.02.2010, 12:02
Vor vier Jahren präsentierte das Forum "Dear Pyongjang" (hier mehr in einem pdf-Dokument), einen kleinen Dokumentarfilm über einen Besuch der Regisseurin Yang Yong-hi und ihrer exilkoreanischen Familie bei der Verwandtschaft in Nordkorea. Eindrucksvolle Bilder aus einer im Allgemeinen hermetisch abgeriegelten Welt, aber auch die tragische Familiengeschichte, die hinter diesen Bildern zum Vorschein kam, machten den Film zu einem der stärksten seines Berlinalejahrgangs.
"Sona, the Other Myself", der zweite Film Yang Yong-his, ist dieses Jahr im Programm; leider kann er Dear Pyongjang nicht allzu viel hinzufügen. Die interessantesten Elemente des Films wirken wie ein Nachhall des ersten Films: Wieder sind das zunächst einfach nur die Bilder aus Nordkorea. Nordkorea findet ins mediale Bildregister ansonsten nur Einlass über Militärparaden, die von Kim Jong-il abgenommen werden. Angesichts der bizarren, deswegen aber noch lange nicht unrealistischen Horrorgeschichten, die über dieses fast ... mehr lesen
Stichwörter:
12. februar 2010, dear oyongjang, dokumentarfilme, forum 2010, japan, nordkorea, sona, the other myself, yang yong-hi
Momente der Freiheit: Drei Filme von Yasujiro Shimazu (Forum)
Von Lukas Foerster, 12.02.2010, 09:02
Ein Mann in seinem Appartment, vor einem Fenster, durch das man weit in die Stadt blicken kann. Ein Blick nach draußen; ein Zug fährt von rechts nach links durchs Bild. Ein zweiter Blick; ein zweiter Zug, diesmal von links nach rechts. Ein dritter Blick; ein dritter Zug, jetzt wieder von rechts nach links. Ein vierter Blick; diesmal zwei Züge, einer von rechts, einer von links. Mit einer spielerisch kontemplativen Situation, in die sich unter die Züge noch ein Frauenbademantel mischt, beginnt "The Trio's Engagement", einer von drei Filmen des japanischen Regisseurs Yasujiro Shimazu, die das Forum dieses Jahr in einem Spezialprogramm präsentiert. Die Szene ist zweideutig: Auf die falsche Fährte führt sie, weil das, was folgt, kein ruhiges Familiendrama mit antidramatischen pillow shots ist, wie man es von Shimazus eisenbahnversessenem Zeitgenossen Yasujiro Ozu kennt, sondern eine schwungvolle romantische Komödie. Auf die richtige Fährte führt sie, weil ... mehr lesen








