Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 21.04 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Jurij Mamlejew

Jurij Mamlejew, 1931 in Moskau geboren, war Sohn eines Psychiaters, der 1937 während des Großen Terrors, der stalinistischen Säuberungen, verhaftet wurde und verschwand. Mamlejew studierte am forstwissenschaftlichen Institut und arbeitete danach als Mathematiklehrer. In den 60er Jahren begann er zu schreiben.
Seit Ende der fünfziger Jahre war seine Wohnung Treffpunkt eines literarisch-philosophischen Geheimzirkels, dessen Mitglieder sich "sexuelle Mystiker" nannten und okkulte Lehren, indische Philosophie, Psychoanalyse und Theosophie erforschten. In den Erzählungen und dem 1966-68 entstandenen Hauptwerk "Der Mörder aus dem Nichts" entwickelte Mamlejew seinen "metaphysischen Realismus", wonach "die Kenntnis des sichtbaren Lebens (eine weit profundere Kenntnis als die, über die ein Realist des 19. Jahrhunderts verfügen musste) nur der erste Schritt ist; danach gilt es, zu einer weit schrecklicheren Realität vorzustoßen".
In der Sowjetunion konnte keine Zeile dieses Autors erscheinen, die Prosatexte kursierten nur im Untergrund. Mamlejew ist ein polemischer Vertreter einer Ästhetik des Bösen, die in grellen Farben die finstere, vernunftabgewandte Seite der menschlichen Seele beleuchtet: "Gerade eine Welt des Leiden und der Verneinung ermöglicht den Durchbruch zum Abgründigen."
1974 emigrierte er in die Vereinigten Staaten, wo er an der Cornell University als Nachfolger von Vladimir Nabokov Literatur lehrte. 1983 ging er nach Paris. In Russland wurde er erst im Zuge der Perestroika einem breiteren Publikum bekannt. 1991 folgte er der Einladung Gorbatschows, nach Russland zurückzukehren. Er lehrte indische Philosophie an der Moskauer Staatsuniversität. Heute lebt er als freier Autor in Moskau und Paris. Mamlejew erhielt im Jahr 2000 den Puschkin-Preis der Alfred-Toepfer-Stiftung.

Bücher von Jurij Mamlejew

Mamlejew, Jurij: Die irrlichternde Zeit. Roman

Cover: Die irrlichternde Zeit

Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3518414836, Gebunden, 335 Seiten, 22,90 EUR

Aus dem Russischen von Gabriele Leuplod. Auf Einladung eines alten Herrn namens Beslunnyj (dt. Mondlos), der ihm am "sitzenden" Gogol-Denkmal in Moskau begegnet, besucht Pawel Dalinin ein Fest bei unbekannten Leuten. Vieles kommt ihm sonderbar vor, ein irritierendes Gefühl des deja-vu verläßt ihn nicht: Pawel erleidet einen "Zeitbruch" ... mehr lesen
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Archiv: Buchautoren

Archiv: Bücherschauen

Uangenehm plausibel

11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen

Archiv: Bücherbrief

Dies pralle Leben

02.01.2012: Albrecht Selge flaniert durch Berlin. Christina Maria Landerl streift durch Wien. Josh Weil liebt seinen Deutz-Traktor. Mary Bauermeister experimentiert mit Karlheinz Stockhausen. Doug Saunders erkundet die Geburtsstätte der neuen Mittelschicht. Dies alles und mehr in den besten Büchern des Januar. Mehr lesen

Archiv: Kolumnen

Oh Herr, lass' Bryson regnen!

28.03.2007: "Lassen wir uns nicht einreden, Ibsen wäre altmodisch", wir entkommen ihm eh nicht. Arno Widmann liest Ibsens Dramen, eine Amerikafibel für erwachsene Deutsche von Margret Boveri, Per Olov Enquists Roman über die Pfingstbewegung, "Lewis Reise", Briefe von Peter Hacks, die Benediktusregeln, Foltergemälde von Fernando Botero und "Eine kurze Geschichte von fast allem" - Manna-Ersatz von Bill Bryson. Mehr lesen

Untergänge und Aufstiege

23.01.2007: Eine Debatte über schwarze Löcher und weiße Zwerge, ein Politkrimi von Ulrike Sommer, der Hinduismus des Mahatma Gandhi, Elena Ferrantes radikaler Roman über die kalte Gewalt einer verlassenen Frau, Michael Kittners Geschichte des Arbeitskampfs.
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Sehnsucht nach dem Staub

08.01.2007: Er bewundert einen prächtigen Bildband über Indien, empfiehlt Alain de Libera und Al-Farabi als Impfung gegen christlichen Hochmut gegenüber dem Gott der Muslime, bewundert einen prachtvoll gewachsenen Krieger, jagt Gespenster mit einem echten Aufklärer und erliegt der Schönheit von George Steiners Melancholie. Mehr lesen