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Dokumentation
Kein Ende des Übersetzerstreits
23.06.2008. Der Verband der Übersetzer und die Verleger hätten sich nach jahrelangem Streit über die Prinzipien der Honorierung geeinigt, hieß es in der Presse. Dem widersprechen in einem Offenen Brief, den wir hier dokumentieren,einige prominente Übersetzer. Mitunterzeichner Ilja Braun erläutert die Gründe.
Mehr als fünf Jahre dauert er schon, der sogenannte Übersetzerstreit: Im Jahr 2002 ist ein Urheberrechtsgesetz verabschiedet worden, das auch Literaturübersetzern eine "angemessene" Vergütung für ihre Arbeit, eine Beteiligung am Erfolg der übersetzten Bücher, zusichern soll. Aber weil Buchverlage und Übersetzer darüber, was "angemessen" ist, unterschiedlicher Meinung waren, sind einzelne Übersetzer schließlich vor Gericht gezogen. Die Urteile sind unterschiedlich und für beide Seiten unbefriedigend ausgefallen, am Verhandlungstisch kam man auch nicht weiter. So gingen die Jahre ins Land.
Immerhin: Mittlerweile sind einige Gerichtsprozesse schon durch so viele Instanzen gelaufen, dass innerhalb der nächsten zwei Jahre mit einem Urteil des Bundesgerichtshofs zu rechnen wäre. Sollten also die Richter entscheiden, was eine angemessene Vergütung für Literaturübersetzer ist? Bei diesem Gedanken war doch beiden Seiten etwas mulmig zumute. Umso größer ist dieser Tage die Begeisterung allerorten, als das Börsenblatt sowie der Verband der Literaturübersetzer VDÜ meldeten (siehe hier als pdf), es sei eine Einigung mit der Verlegerseite erzielt worden. Genauer: mit der Verlagsgruppe Random House. Der Vergütungsvorschlag (siehe hier als pdf) sieht im Kern eine Umsatzbeteiligung für alle Übersetzer von belletristischen Werken und Sachbüchern ab einer verkauften Auflage von 5000 Exemplaren vor. Für Taschenbuch-, Hörbuch- und elektronische Ausgaben gelten weitere Schwellen. Viel zu viele Schwellen, findet nun eine große Gruppe von Übersetzern, der so so renommierte Vertreter angehören wie der Eco-Übersetzer Burkhart Kroeber und Eva Moldenhauer, die deutsche Stimme von Jorge Semprun.
Auch mit den Seitenhonoraren, die in dem Vorschlag festgeschrieben werden sollen, ist man unzufrieden: "Durchschnittlich 17 Euro bekamen wir schon vor sechs Jahren", sagt Burkhart Kroeber, der früher selbst Vorsitzender des Übersetzerverbandes war. Freude herrscht hingegen auf Seiten der Verleger: Gleich eine ganze Reihe von größeren und kleineren Publikumsverlagen will sich der erhofften Einigung anschließen. Ob es tatsächlich so weit kommen wird, ist unsicher: Im September sollen die Übersetzer auf einer Mitgliederversammlung über den Vergütungsvorschlag abstimmen. Wenn es dort kein Ja gibt, landet die Sache doch noch vor dem Bundesgerichtshof.
Der Perlentaucher dokumentiert den von bislang von 100 Literaturübersetzern unterzeichneten Offenen Brief.
Ilja Braun
Offener Brief: Übersetzer lehnen die Vergütungsregel von Random House ab
Die Honorierung literarischer Übersetzungen in Deutschland ist unangemessen. So heißt es in der Begründung des Gesetzgebers zur 2002 verabschiedeten Novelle des Urheberrechts. Das neue Gesetz sollte Abhilfe schaffen und endlich dafür sorgen, dass die Urheber angemessen vergütet werden.
Nun wurde vorschnell gemeldet, einige Publikumsverlage und der Übersetzerverband VdÜ hätten sich auf eine gemeinsame Vergütungsregel geeinigt. Höchstens nebenbei erfährt man, dass die Mitglieder des Übersetzerverbands dieser Regelung noch gar nicht zugestimmt haben.
Damit ist auch nicht zu rechnen - aus gutem Grund: Der jetzt vorliegende Vergütungsvorschlag bedeutet für die meisten Übersetzer keine Verbesserung ihrer Honorare, für viele sogar eine deutliche Verschlechterung. Die Höhe der Beteiligung am Erfolg und an der weiteren Nutzung übersetzter Werke ist unzureichend und bleibt weit hinter bisherigen Gerichtsurteilen zurück; die Seitenhonorare drohen hinter den Status Quo zurückzufallen; bis zu 20.000 Exemplare eines Titels können verkauft werden, ohne dass auch nur ein Cent Beteiligung fließt.
Einen solchen Vorschlag als "angemessene Vergütung" festzuschreiben, lehnen wir deshalb entschieden ab. Die vermeintliche "Einigung" würde nicht nur die ökonomische Misere eines ganzen Berufsstands zementieren, sie gefährdet auf Dauer die Kultur, für die wir uns einsetzen: eine vielfältige literarische Landschaft, gute Bücher, Übersetzungen auf hohem Niveau.
Erstunterzeichner:
Alvermann, Andrea
Ammar, Angelica
Aumüller, Uli
Baghestani, Susanne
Bechtolsheim, Christiane v.
Becker, Svenja
Bender, Larissa
Beuningen, Helga von
Bischitzky, Vera
Blumenbach, Ulrich
Böhnke, Reinhild
Bokelmann, Ulrike
Braun, Ilja
Braungardt, Ganna-Maria
Brock, Elisabeth
Burmeister, Brigitte
Chotjewitz, Renate
Ciccioli, Gabriele
Dörries, Maike
Drolshagen, Ebba
Elsässer, Regine
Elze, Judith
Fähndrich, Hartmut
Fienbork, Matthias
Firth, Will
Fock, Holger
Fritz, Franca
Gareis, Marianne
Germann, Gisela
Grönholm, Irja
Grommes, Wieland
Große, Brigitte
Hachmeister, Sylke
Hacker, Gerhard
Handels, Tanja
Hansen, Christian
Hausmann, Friederike
Heibert, Frank
Heinemann, Doris
Heissenberger, Michaela
Henrici, Axel
Hinzmann, Silvija
Hirschmann, Karin
Höbel, Susanne
Höhr, Hildegard
Hölscher, Irmgard
Hoffmann-Dartevelle, Maria
Hübner, Sabine
Hüsmert, Waltraud
Ingendaay, Marcus
Jackson, Hendrik
Jugo, Margit
Kahn, Moshe
Kaiser, Petra
Kaiser, Reinhard
Kalscheuer, Claudia
Keen, Ruth
Kempter, Martina
Kierdorf, Theo
Kinsky, Esther
Kleemann, Silke
Kleiner, Barbara
Klöss, Peter
Kluitmann, Andrea
Koop, Heinrich
Kossuth, Leonhard
Krieger, Karin
Kroeber, Burkhart
Krueger, Gertraude
Kuby, Christiane
Kühl, Olaf
Künzli, Liz
Lange, Susanne
Leetz, Antje
Leupold, Gabriele
Löhrer, Andreas
Mälzer-Semlinger, Nathalie
Mandelkow, Miriam
Martens, Klaus
Meltendorf, Friederike
Meyer-Fraatz, Andrea
Meyer-Minnemann, Maralde
Mill, Maria
Mohr, Thomas
Moldenhauer, Eva
Monhardt, Stefan
Müller, Sabine
Müller-Haas, Marlene
Naoura, Salah
Nitzberg, Alexander
Nölle, Karen
Oeser, Hans-Christian
Orth-Guttmann, Renate
Osterwald, Grete
Ott, Bernadette
Pfetsch, Helga
Pflug, Maja
Plötz, Dagmar
Poppenberg, Gerhard
Radetzkaja, Olga
Rennert, Udo
Reschke, Thomas
Rohland, Riek
Ruby, Luis
Rullmann, Marlene
Scheffel, Gerda
Scheffel, Helmut
Scheffel, Tobias
Scherber, Peter
Schmidt-Henkel, Hinrich
Schulte, Sabine
Schwaar, Peter
Schweder-Schreiner, Karin v.
Seferens, Gregor
Shibarova, Anna
Sinnig, Claudia
Spingler, Andrea
Steinitz, Claudia
Steller, Ulrich
Stöhr, Sabine
Strasmann, Ilse
Strobel, Matthias
Stroinska, Dorota
Tanko, Timea
Tophinke, Heinz
Trunk, Christoph
Tschöke, Wolfgang
Übelhör, Theresia
Überle-Pfaff, Maja
Vagt, Sigrid
Vetterlein, Suse
Viebahn, Sebastian
Wagner, Magda
Walter, Michael
Wemme, Eva
Werner, Stefanie
Winiger, Josef
Wittmann, Uli
Wulfekamp, Ursula
Zimmer, Dietmar
Zurbrüggen, Willi
Archiv: Dokumentation
Appell gegen die Angriffe auf Wikileaks
16.12.2010. die tageszeitung, Der Freitag, die Frankfurter Rundschau, der Tagesspiegel, ECCHR und Perlentaucher veröffentlichen zeitgleich diesen Appell gegen die Angriffe auf Wikileaks.
Wir laden alle ein, sich an dem Appell für die Medienfreiheit zu beteiligen.
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Offener Brief von Liao Yiwu an Angela Merkel
09.02.2010. Der chinesische Schriftsteller Liao Yiwu, Autor von "Fräulein Hallo und der Bauernkaiser", darf China nicht verlassen, um zur lit.cologne zu reisen. In einem Offenen Brief wendet er sich an die Bundeskanzlerin Angela Merkel: "Lassen Sie es nicht zu, dass die Literatur erneut von der Macht gedemütigt wird!" Mehr lesen
Herta Müller fordert Friedensnobelpreis für Liu Xiaobo
05.02.2010. Herta Müller unterstützt in einem Brief an die Nobelstiftung den Vorschlag, Liu Xiaobo mit dem Friedensnobelpreis auszuzeichnen, "weil er trotz aller Drohungen des Regimes in China und der Gefahr für sein Leben unbeirrt für die Freiheit des einzelnen Menschen eintritt". Mehr lesen
Solidarität mit Milan Kundera
04.11.2008. Eine Solidaritätserklärung für Milan Kundera, unterzeichnet unter anderem von J.M. Coetzee, Gabriel Garcia Marquez, Nadine Gordimer, Salman Rushdie, Jorge Semprun. Mehr lesen
Der Streit um die China-Berichterstattung der DW
16.10.2008. Aktualisiert am 21.10. In den letzten Monaten ist die China-Berichterstattung der Deutschen Welle unter Beschuss geraten. In dem Streit geht es vor allem um die stellvertretende Leiterin der China-Redaktion der Deutschen Welle, Danhong Zhang. Ihr wird vorgeworfen, die Kommunistische Partei Chinas zu freundlich zu beurteilen. Hier eine Chronologie der Debatte mit Links zu den verschiedenen Artikeln und Offenen Briefen. Mehr lesen
Vorwürfe wie in Zeiten des Kalten Krieges
13.10.2008. In einem Offenen Brief an den Bundestag und die Deutsche Welle protestieren 65 Chinawissenschaftler, Publizisten und Politiker gegen Forderungen, die China-Berichterstattung der Deutschen Welle unter Aufsicht zu stellen: "Das angestrebte Ziel ist offenkundig die Unterbindung jeder um Differenzierung bemühten öffentlichen Kommunikation über die Entwicklung Chinas". Wir dokumentieren den Brief.
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Für einen werteorientierten Journalismus!
23.09.2008. In einem Offenen Brief an den Bundestag kritisiert der "Autorenkreis der Bundesrepublik" die China-Berichterstattung der Deutschen Welle und fordert eine Überprüfung: "Einrichtungen wie die Deutsche Welle haben sich überraschenderweise in den letzten beiden Jahrzehnten dazu entwickelt, das strategische Vermögen kommunistischer Diktaturen notorisch zu unterschätzen." Wir dokumentieren den Brief. Mehr lesen
Anspruch abgetreten?
19.08.2008. Die Rechte von Übersetzern und Urhebern sollten 2002 mit einem neuen Gesetz gestärkt werden. Inzwischen ist das Gesetz längst verwässert. Schuld daran sind auch die Gewerkschaften und Verwertungsgesellschaften, meint der Urheberrechtler Martin Vogel, der darum auch den Petitionsausschuss des Bundestags anruft Mehr lesen





