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Aus dem Archiv
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Essay
Eine letzte Antwort
Die Debatte war für uns nicht weniger erhellend als für Herrn Bruckner. Von Ian Buruma, Timothy Garton Ash
10.04.2007. Es geht nicht um ein entweder Hirsi Ali oder Tariq Ramadan. Eine letzte Antwort auf Pascal Bruckner.
Es ist gut zu wissen, dass wir nicht mehr mit Hexenverbrennungen und der Inquisition in Verbindung gebracht werden und dass Herr Bruckner nicht nur Worte des Tadels, sondern auch des Lobes für "Mord in Amsterdam" findet. Die Debatte war für uns nicht weniger erhellend als für Herrn Bruckner.
Leider kann er dennoch der Versuchung nicht widerstehen, uns für Dinge zu kritisieren, die wir nie gesagt haben. Keiner von uns hat behauptet, dass Ayaan Hirsi Ali eine Menschenrechtsfanatikerin ist. Wir machen uns nur, wie andere auch, Sorgen wegen ihres allzu simplen, monolithischen Islambildes. Das ist ganz und gar nicht dasselbe.
Auch geht es nicht um ein entweder Hirsi Ali oder Tariq Ramadan; sie sind nicht einer Meinung, aber in einer pluralistischen Gesellschaft können sie beide eine positive Rolle spielen. Keiner von uns hat je Tariq Ramadan als seinen "Favoriten" betrachtet. Ian Burumas Ramadan-Porträt im New York Times Magazin war keine "Hagiografie". Es ging darin nur darum, dass wir uns, auch wenn Ramadans Ideen weder säkular noch liberal sein mögen, doch mit ihm auseinandersetzen sollten, "kritisch, aber furchtlos".
Es ist einfach absurd zu behaupten, dass wir ihn als "einzigen ernst zu nehmenden Gesprächspartner auf Seiten des reformistischen Islam" hinstellen. Keineswegs geht es auch darum, auf Pascal Bruckners "Seite zu stehen", wenn Timothy Garton Ash in seinem Artikel im Guardian das breite Spektrum dissidenter und reformistischer Stimmen in der Welt des Islam betont - das war ja gerade das Argument bei unserer Kritik an Hirsi Alis Analyse.
Davon abgesehen, sollten wir aber bereit sein, uns mit Muslimen aller Richtungen zu unterhalten. Uns auf den Dialog mit Muslimen zu beschränken, die mehr oder weniger mit unseren säkularen Einsichten übereinstimmen und die religiöse Orthodoxie verabscheuen, mag weniger anstrengend sein, wäre am Ende aber auch weniger nützlich als das Gespräch mit Menschen, deren Ansichten wir nicht teilen.
Die aufgeklärte Reform des Islam ist in der Tat wünschenswert. Wir hoffen, sie ist zu erreichen, ohne dass wir dafür das heutige Äquivalent brennender Kirchen oder aufgeknüpfter Nonnen in Kauf zu nehmen haben. Herrn Bruckners Vorliebe für die gewaltsame Übertreibung könnte manchen, ohne Zweifel irrtümlich, denken lassen, dass er diese Hoffnung nicht von ganzem Herzen teilt.
*(Aus dem Englischen von Ekkehard Knörer)
Archiv: Essay
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