Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Von Lesern empfohlene Bücher

Petur Gunnarsson: punkt punkt komma strich

Moti Kfir, Ram Oren: Sylvia Rafael

Bücherbrief
Bücherbrief Oktober 05
Der Newsletter zu den interessantesten Büchern des Monats.
04.10.2005. Wir präsentieren die Finalisten des Deutschen Buchpreises. Ergänzt durch unsere eigene handverlesene Auswahl der besten Bücher des Monats über umtriebige Tote und gefährliche Protokolle.
Willkommen zu den besten Büchern des Monats! Sie wissen ja: Wenn Sie Ihre Bücher über den Perlentaucher bei buecher.de bestellen, ist das nicht nur bequem für Sie, sondern auch hilfreich für den Perlentaucher, der eine Provision bekommt.
Der Bücherbrief kommt auch per eMail, wenn Sie hier Ihre Adresse hinterlassen.
Weitere Anregungen finden Sie hier in unserem Vorgeblättert, hier in den Büchern der Saison, hier in Arno Widmanns "Nachttisch" oder hier im vergangenen Bücherbrief. Und schon mal vormerken: ab 13. Oktober erscheinen die Zeitungsbeilagen zur Frankfurter Buchmesse.
Deutscher Buchpreis 2005
Zum ersten Mal wird am 17. Oktober der Deutsche Buchpreis verliehen (hier unsere Übersicht). Alle sechs Kandidaten der Shortlist sind durchweg bejubelt worden, von der Jury ebenso wie der Rezensentenzunft. Was sagen Sie? Welches Buch ist die 25.000 Euro Preisgeld wert? Es geht um einiges, also warten sie nicht auf die Experten. Lesen Sie selbst!
Postmoderne Sintflut
In den vergangenen Jahren hat man von Gert Loschütz nicht viel gehört, nun ist er mit einem Paukenschlag ganz vorne mit dabei. Nichts weniger als eine "postmoderne Version der Sintflut" hat die Zeit in "Dunkle Gesellschaft" (bestellen) entdeckt. In zehn langen Regennächten muss der Flusschiffer Thomas, den es in die niedersächsische Provinz verschlagen hat, an die Wendepunkte seines Lebens denken und vor allem an die schwarzgekleideten und weißgesichtigen Männer, die immer auftauchten, wenn Unheil im Anzug war. Die Zeit beteuert, das Buch in einem Atemzug verschlungen zu haben. Die NZZ lässt sich von Loschütz genüsslich in die Irre führen und labt sich an der Spannung zwischen schwarzer Romantik und stocknüchternem Stil.
Zeitlos verflucht
Wissenschaftssatire, Zukunftsroman, eine Parabel auf die Aufklärung, ja auch die Geschichte einer männlichen Midlife-Crisis von kosmischen Dimensionen, all dies ist Thomas Lehrs "42" (bestellen) in den Augen der FAZ. Für 70 Besucher des Kernforschungszentrums CERN steht plötzlich die Zeit still. Die Erde verwandelt sich in einen Skulpturenpark ohne die geringste Bewegung, fünf Jahre lang. Dann tickt die Uhr für drei Sekunden wieder normal. Die verblüffende Vorstellungskraft, mit der Lehr die immobile Welt und das darin ablaufende Drama der Chronifizierten schildert, lässt die FAZ in angenehm apokalyptischer Erregung zurück.
Jüdischer Alltag, die Familie und Wien
Arno Geigers großer Roman "Es geht uns gut" (bestellen), der von drei Generationen einer Wiener Familie von 1938 bis 2001 erzählt, ragt laut NZZ wohltuend aus der Flut der Familenromane heraus, weil Geiger jeglichem Klischee und Gegenwartsgeschimpfe entsage. Auch Gila Lustigers Porträt der eigenen Familie "So sind wir" (bestellen) sticht für die Schweizer heraus, weil sie ein Stück modernen jüdischen Alltags beschreibt, "ohne sich aus der Geschichte davonzustehlen". Daniel Kehlmanns unterhaltsamer Roman "Die Vermessung der Welt" (bestellen) und Friederike Mayröckers wunderbare Buchgeburt "Und ich schüttelte einen Liebling" (bestellen) nennen wir nur kurz. Nicht weil sie uns nicht gefallen, sondern weil wir sie schon ausgiebig gefeiert haben, als Leseprobe und im vergangenen Bücherbrief.
Blutige Tinte
Nun zu unseren persönlichen Lieblingen des Monats: Für die amerikanische Zeitschrift Time ist Cornelia Funke neben Papst Benedikt XVI. und Michael Schuhmacher die einflussreichste Deutsche. "Tintenblut" (bestellen) wird ebenso Furore machen, wie der weltweit erfolgreiche Vorgänger "Tintenherz" (bestellen), prophezeit die Zeit. Meggie bricht noch einmal in die Tintenwelt auf, um Staubfinger vor dem grausamen Basta zu warnen und den Speckfürsten oder den Schönen Cosimo wiederzusehen. Funke jongliert mit dem Leben ihrer Figuren, wie es lange kein deutscher Erzähler gewagt hat", jubelt Konrad Heidkamp, der die anstehende Verfilmung der Kinderbuch-Trilogie kaum mehr abwarten kann.
Haltbare Lügen
Bekannt geworden ist Will Eisner durch die Spirit-Comics, die vor sechzig Jahren technische und erzählerische Maßstäbe setzten. In "Das Komplott" (bestellen), das Eisner kurz vor seinem Tod im Januar beendete, widmet er sich den Protokollen der Weisen von Zion, jene Fälschung, die den Juden eine Weltverschwörung andichtet. Ein "Meisterstück der politischen Melancholie", jubelt die SZ, die ganz gebannt studiert, wie Eisner die Entstehung und die mannigfaltigen Mutationen des Machwerks von der russischen Zarenzeit bis in die Gegenwart wunderbar und lebensnah nachzeichnet.
Die Rückkehr des Bösen
Der Grund für den derzeitigen Ausbruch der Gewalt auf der Welt ist ein elementarer Hass, der jenseits aller soziologischen, politologischen oder sonstwie rationalistischen Erklärungsmodelle liegt, meint Andre Glucksmann. "Hass" (bestellen) entsteht, wenn die Wut in einem zum "Monstrum" ausgebrütet wird, weiß die FAZ, die Glucksmann am besten findet, wenn er die aktuellen Erscheinungsformen dieses Hasses als Mutationen alter Denkmuster entlarvt. Eine düstere, "unterschiedlich plausible" Diagnose der Weltlage habe Glucksmann da vorgelegt, die mit Montagine argumentiert, ohne mit diesem "Meister des Zweifels" aber gleichziehen zu können.
Geschäftige Tote
Wenn Mary Roach mit "manchmal geradezu teuflischer Akribie" von nützlichen Leichen und ihren postumen Karrieren als Guillotinentester oder Astronauten erzählt, möchte sich die SZ stellenweise unwillkürlich die Nase zuhalten. Den Ausflug in "Die fabelhafte Welt der Leichen" (bestellen) bereut sie trotzdem keine Sekunde. Dabei gehe es Roach nicht um skandalträchtige Enthüllungen über schändliche Experimente mit Toten. Vielmehr berichte sie "kundig und humorvoll" aus der Welt zwischen Pathologie und Bestattungsinstitut.
Einbeiniges Tennis
Mit seinem neuen Roman "Zeitlupe" (bestellen) hat Nobelpreisträger J. M. Coetzee die taz überrascht. Eben noch bewundert sie, wie luzide und präzise das Innenleben eines alten Mannes geschildert wird, der durch einen Unfall ein Bein verloren hat, als plötzlich die altgediente Elisabeth Costello an der Tür steht und ein anderes Buch beginnt. Doch das großartige "intellektuelle Dialog-Tennis" über Alter, Liebe und die Scham, das sich aus diesem Zusammentreffen entwickelt, entschädigt dann für die zeitweilige Verunsicherung. Die SZ hält das Werk schlicht für ein zeitgemäßes wie zeitloses Monument der Kunstform Roman.
Malen für Deutschland
Zum Schluss noch was für Geist und Auge: Wie souverän Hubert Locher die "Deutsche Malerei im 19. Jahrhundert" (bestellen) unter dem Aspekt der aufkommenden nationalen Identität präsentiert, lässt die NZZ frohlocken: gut lesbar, klare Struktur, einfach "state of the art"! die wichtigsten Maler, Wekre und Schulen werden vorgestellt sowie die großen Kunst-Zentren Wien, Berlin, Düsseldorf und München beschrieben. Nur mehr Seiten sollte der Band haben, damit auch Phillipp Otto Runge die Aufmerksamkeit zuteil werden kann, die ihm nach Ansicht der Schweizer gebührt.
Archiv: Bücherbrief
Dies pralle Leben
02.01.2012. Albrecht Selge flaniert durch Berlin. Christina Maria Landerl streift durch Wien. Josh Weil liebt seinen Deutz-Traktor. Mary Bauermeister experimentiert mit Karlheinz Stockhausen. Doug Saunders erkundet die Geburtsstätte der neuen Mittelschicht. Dies alles und mehr in den besten Büchern des Januar. Mehr lesen
Dorfbrunnengespräch
09.12.2011. Inka Parei schickt uns in die Kältezentrale des Neuen Deutschlands. Jose Eduardo Agualusa präsentiert tropischen Barock aus Angola. Joseph Roth und Stefan Zweig sehen in ihren Briefen das Unheil heraufziehen. Nuran David Calis findet die Liebe in Bielefeld. Neil MacGregor öffnet eine Schatzkammer. Orlando Figes führt uns durch den Krimkrieg. Dies alles und mehr in den besten Büchern des Dezembers. Mehr lesen
Sinnlos, aber bedeutungsvoll
09.10.2011. Sibylle Lewitscharoff tröstet Blumenberg mit einem Löwen. Josef Bierbichler übergibt einem Möchtegernkünstler eine Wirtschaft. Josef Haslinger erzählt vom Schicksal der tschechoslowakischen Eishockeymannschaft. Und Peter Englund erzählt vom Ersten Weltkrieg. Mehr lesen
Dessen Rot für keine Fahne taugt
07.09.2011. Reiche Ernte im Bücherland: Ein junger Autor, Leif Randt, hat mit "CobyCounty" nicht nur ein unterhaltsames, sondern auch eine leise unheimliches Buch geschrieben, versichern die Kritiker. Dann der monumentale neue Roman des ewigen Nobelpreiskandidaten: Ngugi wa Thiong'o. Der neue Götz Aly sorgt für Debatten. Und Anna Reid erinnert an die Blockade Leningrads. Dies alles und mehr in den besten Büchern des September. Mehr lesen
Begnadet böse Blicke
08.08.2011. Liao Yiwu erzählt unverschämt schamlose Geschichten aus dem Gefängnis, Elisabeth Filhol erzählt kühl vom Tscherenkow-Effekt, Annette Pehnt zeichnet ein fieses Porträt einer gutherzigen Studentin. Ralph Bollmann bewundert die Walküre in Detmold. Dies alles und mehr in den besten Büchern des August. Mehr lesen
VERGISS ALLES!
08.07.2011. Nihad Siris beobachtet den Führerkult in Syrien. Kathrin Schmidt macht Sprachspiele. William Gibson sucht einen Schneider. Adaobi Tricia Nwaubani erforscht die "419er -Szene". Adam Mansberg erschreckt seine Kinder mit Samuel L. Jackson. Dies alles und mehr in den besten Büchern des Juli. Mehr lesen
Hundert Austern und vier Flaschen Vouvray
06.06.2011. Najem Wali erinnert an die vertriebenen Juden von Bagdad, Albert Ostermaier schildert eine katholische Erziehung, Ingeborg Bachmann schreibt eine Soap opera, Florian Klenk mischt sich unter die Flüchtlinge am Ende der Welt, Anke Muhlstein beobachtet Honore de Balzac beim Schlemmen - dies und mehr in den besten Büchern des Junis. Mehr lesen
Grundlegende Erinnerungsskepsis
13.05.2011. Zwei Jahre Knast im Irak, ein Prozess gegen den Vorsitzenden des Judenghettos von Lodz, sieben unheimliche Geschichten aus dem Museum, Reise in das Innere Afrikas und der USA, ein Blick auf den Ursprung der Schönheit und in die Ordnung des Periodensystems - man kommt rum mit den besten Büchern des Monats Mai. Mehr lesen
Man soff es aus Prinzip
04.03.2011. Eine eiskalte Künstlerin in Shanghai, swingende GIs und eine unwahrscheinliche Liebesgeschichte in Island, ein Putschversuch in Spanien, eine unanständig kluge Frau, Texte zum Post-Autorenkino, eine Geschichte der Prohibition - dies alles und mehr in den Büchern des Monats März. Mehr lesen
Schule des Erzählens
07.02.2011. Esther Kinsky nimmt uns mit in den Banat, Georges-Arthur Goldschmidt liest Kafka, Milada Souckova führt uns in eine Schule des Erzählens, Edward Said bespricht Musik ohne Grenzen, Karen Duve isst anständig und Jan Wagner besingt eine Schnecke, Hamed Abdel-Samad prophezeit den Untergang der islamischen Welt. Dies alles und mehr in den besten Bücher des Monats Februar. Mehr lesen
So viel Erhellendes
10.01.2011. E. L. Doctorow erzählt die Geschichte der zwei berühmtesten amerikanischen Messies, Homer & Langley. Peter Esterhazy krachende Parodie auf den sozialistischen Produktionsroman von 1979 amüsiert die Rezensenten 30 Jahre später noch. Parsua Bashi schickt Briefe aus Teheran. Bei Ling schildert das Leben Liu Xiaobos, Bertrand M. Patenaude den Tod Trotzkis. Und Peter Watson feiert den deutschen Genius. Dies alles und mehr in den besten Büchern des Monats. Mehr lesen
Memphis in Schwarzweiß
16.12.2010. Barbara Conrad übersetzt Tolstois "Krieg und Frieden" mit allen Ecken und Kanten. Mathias Enard schreibt eine Urgeschichte der Gewalt. Janet Frame hat Heimweh nach Neuseeland. Ein unsichtbares Komitee verkündet den kommenden Aufstand. Dies alles und mehr in den besten Büchern des Monats. Mehr lesen
Nette Pynchon'sche Dödel
04.10.2010. Eine Entdeckung ist Sofi Oksanens Roman "Fegefeuer", der die Geschichte Estlands vom Ausbruch des Zweiten Weltkriegs bis zum Zusammenbruch des Kommunismus in den Erinnerungskampf zweier Frauen verwandelt. Im Roman "Angerichtet" des niederländischen Autors Herman Koch verhandeln zwei gut situierte Paare in einem vornehmen Restaurant die Schandtat ihrer Söhne. Außerdem: Tom Segevs Biografie über Simon Wiesenthal und Thomas Schulers kritischer Bericht über die "Bertelsmannrepublik Deutschland". Dies alles und mehr in den besten Büchern des Monats Oktober. Mehr lesen
Rätselhafte magnetische Beben
10.09.2010. Im Monat September: Muhammas el-Bissati erzählt von einer Tagelöhnerfamilie in Ägypten, Jonathan Franzen von Vorzeigeeltern im Amerika der Bush-Jahre und Roberto Bolano von zwei gefallenen Engeln in Rom. Bei den Sachbüchern dominierte die Debatte um Thilo Sarrazin. Außerdem warnt Elisabeth Badinter vor der Vermutterung der Frau, und Claude Lanzmann schreibt seine Memoiren. Mehr lesen
Ich verhungere auch
05.08.2010. Marketa Pilatova zeigt uns vier Frauen, die ums Glück kämpfen. Elizabeth Strout zeigt uns eine nicht nette Frau mit Empathie. Vladimir Sorokin schickt uns noch einmal zur Bruderschaft des Lichts. Wojciech Jagielski porträtiert die irre ugandische Lords Resistance Army. Kirsten Heisig erklärt, warum jugendliche Straftäter nicht härter, sondern schneller bestraft werden sollen.
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